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Michael Wermke (Hrsg.): Warum religiöse Bildung?

Cover Michael Wermke (Hrsg.): Warum religiöse Bildung? Kultur- und religionssensible Praxis in Kindergärten und Schule. verlag das netz GmbH (Berlin) 2018. 120 Seiten. ISBN 978-3-86892-150-2. D: 17,90 EUR, A: 18,40 EUR.
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Thema

„Religiöse Bildung ist nach Auffassung der Autorinnen und Autoren dieser Handreichung eine wesentliche Gelingensbedingung für ein friedliches Zusammenleben in unserer Gesellschaft. Religiöse Bildung will das Interesse – religiöser wie auch nicht-religiöser – Kinder und Jugendlichen an der Religion wecken, sie zum Fragen, Denken und Verstehen einladen; nicht mit dem Ziel, sie für eine Religion gewinnen zu wollen, sondern um ihr Verständnis für Religion zu wecken: warum Menschen religiös sind, wie sie ihre Religion denken und leben.“ (12)

Herausgeber und AutorInnen

Herausgeber Prof. Dr. Michael Wermke ist Professor für Religionspädagogik an der Friedrich-Schiller-Universität Jena.

Zum AutorInnenteam der Handreichung gehören gemeinsam mit ihm: Benjamin Schlenzig, Katharina Muth, Christina Koch, Sungsoo Hong und Dr. Thomas Heller.

Entstehungshintergrund

Die vorliegende Publikation ist Teil einer Reihe: „Die Reihe ‚Praxis religiöser und kultureller Bildung in Kindertagesstätten und Schulen‘ entsteht im Rahmen des Projektes ‚Kultur- und religionssensible Bildung‘ (KuRs.B) des Zentrums für Religionspädagogische Bildungsforschung (ZRB) an der Universität Jena.“ (13)

Dieser Kontext erklärt auch den ausgeprägten Bezug auf die Rahmenbedingungen in Thüringen.

Aufbau

„Das vorliegende Buch bietet Pädagoginnen und Pädagogen viele Anregungen und Informationen für die pädagogische Praxis religiöser und kultureller Bildung in Kindertagesstätten und Schulen.“ (12)

„Die acht Kapitel sind so aufgebaut, dass sie im ersten Teil fachliche und pädagogische Kenntnisse vermitteln, und im zweiten Teil methodische Gestaltungsvorschläge und Materialien vorstellen. Literaturhinweise laden zum vertieften Erarbeitung der verschiedenen Themen ein.“ (12 f.)

Inhalt

1. In der „Einleitung: Warum religiöse Bildung?“ (11 ff.) skizziert der Herausgeber Michael Wermke für das AutorInnen-Team: „Dem pädagogischen Konzept der Handreichung liegt ein bestimmtes Verständnis von Pluralität, Vielfalt bzw. Diversität zugrunde. Religiöse Diversität beruht (…) darauf, dass jeder einzelne Mensch – geprägt von seiner Familie und seinem weiteren sozialen Umfeld – ein ganz bestimmtes Verhältnis zu Religion und Religiosität besitzt.“ (12) Und: „Im Mittelpunkt der pädagogischen Wahrnehmung steht stets das Kind, das in einer individuellen, familiär geprägten Kultur und Religion aufwächst. Diese Sichtweise verhindert die Unterscheidung zwischen ‚wir‘ und ‚die‘, zwischen ‚Mehrheit‘ und ‚Minderheit‘, zwischen ‚eigener‘ und der ‚fremden‘ Kultur, sondern führt zu der Einsicht, dass wir alle sehr unterschiedlich, eben individuell leben, fühlen, denen und es daher unsere gemeinsame Aufgabe ist, diese Vielfalt zu gestalten, zu fördern und zu schützen.“ (12)

2. Im Kapitel „Wie wollen wir zusammen leben? Religiöse Bildung als Teil der Demokratiebildung“ (15 ff.) erläutert Thomas Heller grundlegende rechtliche Rahmenbedingungen in globaler und lokaler Perspektive.

3. Benjamin Schlenzig gibt unter dem Stickwort „Bin ich etwa auch religiös?! Anregungen zur Selbstreflexion für Pädagogen“ (29 ff.) Hervorzuheben sind hier die drei verschiedenen Religionsdefinitionen, die er ausdifferenziert: „Religiös ist, wer einer Religionsgemeinschaft angehört“, „Religiös ist, wer an Gott glaubet“ und „Religiös ist, wer einen ’Ort’ gefunden hat, von dem er Halt und Orientierung erwartet“ (31).

4. Katharina Muth erläutert zentrale Aspekte zum Thema „…und schuf sie als Mann und Frau. Geschlechter in den Religionen“ (33 ff.) Sie betont: „Eine religiöse Perspektive auf das Thema Gender bietet Deutungsmöglichkeiten, in denen sich Kinder und Jugendliche frei von Stereotypen angenommen und von Gott bedingungslos geliebt wissen.“ (43)

5. Benjamin Schlenzig beschäftigt sich mit „Sophia fragt nach einem Leben nah dem Tod. Anregungen für den Umgang mit Tod und Sterben“ (61 ff.) und stellt u.a. „die Vorstellungen der abrahamitischen Religionen zu diesem Thema, aber auch Aspekte neuerer Bestattungskulturen“ (63) vor.

6. Michael Wermke bietet unter der Überschrift „Die Kinder Abrahams. Einführung in das Judentum, das Christentum und den Islam“ (77 ff.) grundlegende und elementare Informationen.

7. Christina Koch beschreibt „Pessach – Weihnachten – Fastenbrechen. Religiöse Feste kennen, gestalten und erleben“ (91 ff.) und betont: „Die Beschäftigung mit den religiösen und kulturellen Hintergründen der Feste eröffnet eine neue Perspektive auf die Religionen.“ (92)

8. Sungsoo Hong stellt unter der Überschrift „Lotusblüte, Vollmond und Neujahrsbaum“ eine „Einführung in den vietnamesischen Buddhismus“ (107 ff.) dar. Zum einen sollen ihre Darstellungen „Pädagoginnen und Pädagogen für die Religiosität vietnamesischer Kinder und Jugendlicher sensibilisieren; zum anderen sollen sie nicht-buddhistische Kinder und Jugendliche dazu einladen, die buddhistische Religion und ihre Lebensweisen näher kennenzulernen.“ (108)

Alle Einzelkapitel beinhalten nach den theoretischen Erörterungen reichhaltige und weiterführende Gestaltungsvorschläge für die Praxis und weitere Literaturhinweise.

Fazit

Die vorliegende, sehr gelungene Handreichung ist uneingeschränkt für eine solide kultur- und religionssensible pädagogische Theorie und Praxis zu empfehlen. Sie bildet eine hilfreiche Brücke zwischen den aktuellen Diskursen zum Thema Religions- und Kultursensibilität und den Fragen der pädagogisch angemessenen Gestaltung in der Praxis formaler und non-formaler Bildungsarbeit.


Rezensentin
Prof. Dr. Renate Zitt
Professorin für Religions- und Gemeindepädagogik an der Evangelischen Hochschule Darmstadt
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Zitiervorschlag
Renate Zitt. Rezension vom 22.03.2019 zu: Michael Wermke (Hrsg.): Warum religiöse Bildung? Kultur- und religionssensible Praxis in Kindergärten und Schule. verlag das netz GmbH (Berlin) 2018. ISBN 978-3-86892-150-2. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/24969.php, Datum des Zugriffs 14.10.2019.


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