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Julia Schellong, Franziska Epple u.a. (Hrsg.): Praxisbuch Psychotraumatologie

Cover Julia Schellong, Franziska Epple, Kerstin Weidner (Hrsg.): Praxisbuch Psychotraumatologie. Georg Thieme Verlag (Stuttgart) 2018. 298 Seiten. ISBN 978-3-13-241185-2.
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Thema

Die drei Herausgeberinnen wollen einerseits einen Überblick über die Breite dieses Themengebietes geben und damit einen Zugang für Einsteiger in die Thematik schaffen und anderseits „ein Praxisbuch für den Schreibtisch, ein Nachschlagewerk für den alltäglichen Gebrauch“ (S. 8) zur Verfügung stellen, das sich an verschiedenste Berufsgruppen wendet, die mit dieser Thematik befasst sind.

Die Herausgeberinnen

Dr. med. univ. Julia Schellong, Dipl.-Psych. Franziska Epple und Prof. Dr. med. habil. Kerstin Weidner sind alle in der Klinik und Poliklinik für Psychotherapie und Psychosomatik im Universitätsklinikum Carl Gustav Carus der Technischen Universität Dresden tätig.

Aufbau und Inhalt

Insgesamt 39 Fachartikel, die unter 10 verschiedenen Buchabschnitten zugeordnet sind, bieten ein breites thematisches Spektrum. Ergänzt wird das durch einen Anhang mit einer tabellarischen Übersicht zu diagnostischen Instrumenten sowie einen detaillierten Stichwortverzeichnis.

Der 1. Abschnitt ist mit Basiswissen Trauma und Traumafolgestörung überschrieben. Julia Schellong führt in die Thematik mit einem kurzen Aufsatz über Definition psychisches Trauma ein. Darauf folgt ein Beitrag von Britta Menne und Ulrich Frommberger zu Traumafolgen auf Körper- und Verhaltensebene. Volker Köllner beschreibt anschließend Traumalangzeitfolgen: Schutz- und Risikofaktoren. Zwei der Herausgeberinnen, Julia Schellong und Franziska Epple, setzen diesen Abschnitt fort mit Traumainformierter Gesprächsführung.

Die Psychischen Traumafolgen werden im 2. Abschnitt des Buches aufgegriffen. Christoph Kröger thematisiert in seinem Beitrag Akkuttraumatisierung und akute Belastungsreaktion. Wiederum Britta Menne und Ulrich Frommberger erläutern die Posttraumatischen Belastungsstörungen. Rita Rosner greift Anhaltende Trauerstörung auf. Stephanie Dannemann und Volker Köllner sprechen Anpassungsstörung an. Unter der Überschrift Andere Traumafolgestörungen und Komorbiditäten gibt es von verschiedenen Autor_innen acht kurze Beiträge zu folgenden Beeinträchtigungen: Depressive Störungen, Angststörungen, Somatoforme Störungen, Sucht, Psychose, Dissoziation, Borderline – Persönlichkeitsstörung und Komplexe Traumafolgestörungen, womit dieser Abschnitt auch abschließt.

Der 3. Abschnitt widmet sich den Behandlungs-Setting. Julia Schellong greift erst die Ambulante traumaspezifische Behandlung und in einem folgenden Aufsatz die Stationäre traumaadaptive und traumaspezifische Behandlung auf. Christine Knaevelsrud und Sebastian Burchert zeigen Mediengestützte Therapieformen auf. In dem Beitrag von Anke Kirsch, Monika Equit und Tanja Michael werden Adjuvante Verfahren wie Meditation, Akupunktur, Kunsttherapie, Musiktherapie und Körpertherapie vorgestellt. Volker Köllner beschäftigt sich mit Rehabilitation, während der Beitrag von Julia Schellong zu Vernetzter Versorgung diesen Abschnitt beendet.

Im 4. Abschnitt rücken die verschiedenen personellen Umstände in den Fokus: Traumatisierte Patienten in verschiedenen medizinischen Kontexten. Kerstin Weidner und Juliane Junge-Hoffmeister beginnen den Abschnitt mit Traumatisierten Frauen im Kontext von Schwangerschaft und Geburt. Maria Lenk schreibt über Traumatisierte Patienten in der Zahnarztpraxis. Hildegard Hellbernd thematisiert Gewaltbetroffene Patientinnen in der Hausarztpraxis. Konrad Schmidt, Rebekka Gehringer, Sabine Gehrke-Beck und Jochen Gensichen beschreiben in ihrem Beitrag Traumatisierte Patienten nach Intensivtherapie. Als letzter Beitrag in diesem Kontext zeigt Volker Köllner die Körperliche Erkrankung als potenzielles Trauma auf.

Der 5. Abschnitt behandelt Interkulturelle Aspekte in der Psychotraumatologie und enthält nur drei Beiträge. Yesim Erim, Ekaterini Georgiadou und Eva Morawa thematisieren Trauma in Kontext von Migration und Flucht, während Wolfgang Wöller und Ljiljana Joksimovic auf Kultursensibilität in der Behandlung eingehen. Die schon in diesem Abschnitt schreibenden Yesim Erim, Ekaterini Georgiadou und Eva Morawa greifen Besonderheiten in der dolmetschergestützten Gesprächsführung auf.

Im 6. Abschnitt stehen Traumatisierte Patienten in verschiedenen sozialen Kontexten in Fokus. Juliane Junge-Hoffmeister und Kerstin Weidner eröffnen diesen Abschnitt mit Trauma und Familie. Daran schließt sich Trauma und Alter von Mareike Augsburger und Andreas Maercker an, gefolgt von Trauma und Kindheit, beschrieben von Johanna Unterhitzenberger und Rita Rosner. Von den Lebensphasen weg zu Lebensereignissen hinführend geht Ralph Kipke auf Trauma und Beruf ein, während Peter Zimmermann und Christina Alliger-Horn Trauma und Militäreinsatz aufgreifen. Trauma und Behinderung ist das Thema von Helmut Rießbeck und Kerstin Rießbeck. Über die Lebensereignisse hinaus greift der Kontext Trauma und Recht von Kerstin Böök, bevor die Traumazentrierte Begutachtung von Ruth Ebbinghaus und Doris Denis diesen Abschnitt beendet.

Die postklinischen und therapeutisch ergänzenden Weiterführenden Hilfsangebote für traumatisierte Patienten sind Inhalt des 7. Abschnitts. Constanze Höhne zeigt einige spezialisierte Beratungsstellen auf. Susanne Hampe geht auf die Psychosoziale Prozessbegleitung im Strafverfahren ein. Selbsthilfegruppen sind heute wichtiger Teil im Genesungsprozess, was Michaela Neumann-Frank und Cornelia Küsel am Beispiel Betroffener von sexualisierter Gewalt aufzeigen. Anett Große und Silvia Mader gehen auf Opferentschädigung ein. Franziska Epple geht erst auf die Suche nach Traumatherapeuten ein, bevor sie in einem weiteren Beitrag Ratgeberliteratur und hilfreiche Internet-Seiten für Traumatisierte anspricht.

Der letzte inhaltliche 8. Abschnitt vor dem Anhang geht auf die Herausforderungen für Professionelle ein. Schädigung in der Psychotherapie durch Grenzverletzungen und Empathieversagen sind Inhalt des Beitrages von Andrea Schleu und Ursula Gast. Der zweite und letzte Beitrag von Lilly Kozerski und Julia Poch dreht sich um Psychohygiene.

Diskussion

Es ist den Herausgeberinnen gut gelungen, ein breites thematisches Spektrum aufzuzeigen, was erfreulicherweise über den klinischen Rahmen weit hinausreicht und auch übergeordnete Themen wie Recht und Entschädigung aufgreift. Das hat natürlich auch seinem Preis: die meisten Beiträge umfassen (dicht gedruckt) weniger als zehn Seiten; der Aufsatz zu Posttraumatischen Belastungsstörungen mit 17 Seiten Umfang muss schon als „Ausreißer“ gelten. Damit kann auf viele verschiedene Aspekte gar nicht differenziert eingegangen werden, sondern der jeweilige Artikel bietet immer nur einen Überblick. Genau das war auch der Anspruch der Herausgeberinnen, die ein Nachschlagewerk für den schnellen Überblick schaffen wollten, was ihnen ohne Zweifel gut gelungen ist. Sowohl das sehr übersichtliche Inhaltsverzeichnis wie auch das Stichwortverzeichnis zeigen den Leser_innen schnell auf, wo sie Informationen finden, ergänzt durch weitere Hinweise im Anhang. Alle Beiträge sind von der Systematik gleich aufgebaut: Einleitung – inhaltliche Darstellung des Themas – Fazit – zitierte Literatur – weiterführende Literatur. Dazu enthält jeder Beitrag diverse Hervorhebungen (Merke!) und viele Beiträge bieten gute Grafiken bzw. Tabellen als ergänzende Übersichten.

Fazit

Ein gut gemachtes Praxisbuch, das dem Anspruch als schnelles Nachschlagewerk ohne Frage gerecht wird. Es ist sehr übersichtlich und auch gut verständlich geschrieben, sodass es für die große Zielgruppe Ärzte, Psychologen, Sozialarbeiter, Spezialtherapeuten, Hebammen, Pflegekräfte, Juristen, Angehörige und Interessierte (S. 8) auf jeden Fall geeignet ist. Allerdings bleibt es für Neueinsteiger in diesem Thema beim Überblick, diese müssen sich mit (weiterführender) Literatur fachkundig machen. Für Professionelle in diesem Arbeitsbereich wird es sicherlich eine wichtige Quelle und Ergänzung in der täglichen Arbeit werden.


Rezensent
Prof. Stefan Müller-Teusler
Homepage www.uelzen.paritaetischer.de
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Zitiervorschlag
Stefan Müller-Teusler. Rezension vom 11.06.2019 zu: Julia Schellong, Franziska Epple, Kerstin Weidner (Hrsg.): Praxisbuch Psychotraumatologie. Georg Thieme Verlag (Stuttgart) 2018. ISBN 978-3-13-241185-2.
Inhaltsverzeichnis bei der DNB In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/24977.php, Datum des Zugriffs 24.07.2019.


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ISSN 2190-9245

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