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Christian Roesler: Paarprobleme und Paartherapie

Cover Christian Roesler: Paarprobleme und Paartherapie. Theorien, Methoden, Forschung - ein integratives Lehrbuch. Verlag W. Kohlhammer (Stuttgart) 2018. 343 Seiten. ISBN 978-3-17-029775-3. D: 39,00 EUR, A: 40,10 EUR.
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Thema

Natürlich: Dass Beziehungen heute (und sicher auch früher- damals aber anders) vielfältigen Belastungen ausgesetzt sind, dass heute Möglichkeiten der Trennung rasch verfügbar sind- dass es aber auch im Beratungssektor Hilfen und Chancen zur Beziehungsverbesserung gibt- all dies Grund genug, den derzeitigen Stand der Paarberatung in Theorie und Praxis umfassend darzustellen und zu bewerten- das vorliegende Buch -so viel vorweg- bewältigt diese Aufgabe hervorragend.

Autor

Prof. Dr. Christian Roesler ist Dipl. Psychologe, Psychotherapeut, lehrt an der Hochschule Freiburg und ist als Dozent und Lehranalytiker u.a am C.G.Jung Institut in Zürich und Stuttgart tätig. Zudem praktiziert er in eigener Praxis in Freiburg.

Aufbau und ausgewählte Inhalte

Das differenziert gegliederte Buch ist in 8 Hauptkapitel unterteilt, die hier kurz benannt sein sollen.

  • Der Autor startet mit Grundlagen historischer und gesellschaftlicher Art, um zunächst exogene Bedingungen und Schwierigkeiten von Paarbeziehungen zu skizzieren.

  • Hieran an schließt sich eine gründliche Darstellungen überwiegend aktueller Theorieansätze, die Beziehungskonflikte und deren Entstehung zu erklären versuchen (z.B.: Einfluss von Genetik, Emotionsregulation, Beziehungsmodelle und interaktiv-systemische Beziehungsansätze).

  • Die nachfolgenden Kapitel werden richtig grundgelegt im 3. Kapitel, in dem der Autor ein integratives Modell heutiger Beziehung und ihrer Schwierigkeiten entwickelt und sich dabei auf empirische Daten stützt.

  • Dass ein solches Modell auf den in verschiedenen bekannten psychologischen Schulen entwickelten Ansätzen fußt, macht es notwendig, diese Modelle mit ihren aktuellen Topi zur Thematik darzustellen- dies leistet Kap.4 umfassend.

  • Standard von Psychotherapie ist deren Beurteilung im Sinne der Wirksamkeitsforschung- die hierzu vorliegenden Befunde Paartherapie betreffend werden im 5 Kap. referiert, bevor der Autor ein integratives Störungs- und Behandlungsmodell vorstellt, nach dem auch er selbst praktisch arbeitet.

  • Zwei kürzere Kap. schließen das Werk ab: Bemerkungen zu Kontextbedingungen im gegenwärtigen Gesundheitssystem was Paarberatung- Therapie angeht und knappe abschließende Bemerkungen.

  • Ein umfassendes Literatur- und Stichwortverzeichnis runden das Buch ab.

Das Werk im Detail zu beschreiben ist (wegen der Vielzahl beziehungsrelevanter Variablen und Bedingungen) schwieriger, als es zu bewerten: Der Autor ist wirklich umfassend „auf der Höhe der Zeit“- dies nicht nur inhaltlich, sondern auch methodisch. Er stellt alle heute relevanten Zugänge zum Verständnis der Entstehung und Aufrechterhaltung von Paarkonflikten dar, referiert knapp und neutral verschiedene Ansätze zur Behandlung/Beratung und -wesentlich- benennt und zitiert die einschlägigen, überwiegend empirisch orientierten AutorInnen und deren Veröffentlichungen im thematischen Kontext. Der Autor scheut sich dabei nicht, in der Zitation ausführlich zu sein: S. 46 ff; er fasst die vielen empirischen Befunde übersichtlich zusammen (z.B. Tab 1 Untersuchungen zu Beziehungsqualität und -stabilität) und resümiert die Ergebnisse der Kapitel in einer klaren, einfachen und gerade deshalb überzeugenden Sprache (z.B. Kap 3.1. „In der Darstellung der biologischen und neuronalen Ausstattung des Menschen, der Mechanismen der (dyadischen) Emotionsregulation sowie der Erkenntnisse der Forschung zur Bindungstheorie in Paarinteraktion ist deutlich geworden, dass alle diese Erkenntnisse konvergieren und sich zu einem kohärenten Modell zur Erklärung der Dynamik von Paarbeziehungen und der Entstehung von Problemen in diesen Beziehungen integrieren lassen“ S. 165). Dies macht die Lektüre einfach und leicht, ohne vereinfachend zu sein – und wenn auch einschlägig vorgebildete Leser sicherlich auf Bekanntes stoßen- so sind auch sie nach der Lektüre bereichert – gerade durch die Darstellungsklarheit und die ausführlichen Zitate der Originalautoren einschlägiger Untersuchungen und Theorien.

Die Deutsche Nationalbibliothek bietet Einblick in das vollständige Inhaltsverzeichnis.

Diskussion

Was schon oben deutlich wurde: m.E. wird dieses Buch ein „Klassiker“ in Aus- und Weiterbildung von TherapeutInnen im Bereich von Paartherapie! Der Autor lässt erkennbar keine Genesebedingungen für Beziehungsschwierigkeiten aus

  • Genetik,
  • historisch-transgenerative Erfahrungen,
  • gesellschaftlich-kulturelle Bedingungen,
  • Sozialisations- und Erfahrungsbedingungen im Umgang mit Stress,
  • Emotion und Emotionsregulation,
  • Beziehungserfahrungen u.a.m.

Er integriert schulenspezifische Erkenntnisse aus Psychodynamik, Verhaltenstherapie und Systemisch-humanistischen Ansätzen zu einem auch empirisch prüfbaren und tendenziell schon geprüften Behandlungsmodell – vielleicht folgen zu diesem dann demnächst auch exemplarische Behandlungsausschnitte als Transkripte oder als Lehrvideos.

Fazit

Ein Buch, welches gerne in einem umfassenden Sinn für thematisch Interessierte empfohlen werden kann – beispielhaft in Aufbau, Gestaltung, Wissenschaftlichkeit und Praxisorientierung.


Rezensent
Prof. Dr. Christian Schulte-Cloos
Hochschullehrer Hochschule Fulda, Fachbereich Sozialwesen, seit 31.8.2011 pensioniert
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Zitiervorschlag
Christian Schulte-Cloos. Rezension vom 18.01.2019 zu: Christian Roesler: Paarprobleme und Paartherapie. Theorien, Methoden, Forschung - ein integratives Lehrbuch. Verlag W. Kohlhammer (Stuttgart) 2018. ISBN 978-3-17-029775-3. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/24978.php, Datum des Zugriffs 20.07.2019.


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