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David Matusiewicz, Volker Nürnberg u.a. (Hrsg.): Gesundheit und Arbeit 4.0

Cover David Matusiewicz, Volker Nürnberg, Stephanie Nobis (Hrsg.): Gesundheit und Arbeit 4.0. Wenn Digitalisierung auf Mitarbeitergesundheit trifft. medhochzwei Verlag GmbH (Heidelberg) 2018. 495 Seiten. ISBN 978-3-86216-413-4. D: 79,99 EUR, A: 82,30 EUR.
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Thema

Das Buch behandelt das Betriebliche Gesundheitsmanagement (BGM) als Schlüsselrolle für die gesundheitliche Gestaltung der (zukünftigen) Arbeit für die Beschäftigten.

Herausgeberin und Herausgeber

  • Prof. Dr. David Matusiewicz ist Professor für Allgemeine Betriebswirtschaftslehre, insbesondere Gesundheitsmanagement an der FOM Hochschule in Essen und unterstützt als Business Angel punktuell Start-ups im Gesundheitswesen.
  • Prof. Dr. Volker Nürnberger ist Partner Gesundheitswirtschaft bei der Prüf- und Beratungsgesellschaft BDO sowie in der Hochschullehre und in mehreren Vereinigungen und Aufsichtsräten tätig.
  • Dr. Stephanie Nobis ist Fachbereichsleiterin Betriebliches Gesundheitsmanagement im Klinikum Osnabrück und als Dozentin an der Apollon Hochschule der Gesundheitswirtschaft in Bremen tätig.

Entstehungshintergrund

Ein konkreter Entstehungsgrund ist dem Band nicht zu entnehmen. Die Herausgeber wollten wohl einen Band zum Betrieblichen Gesundheitsmanagement (BGM) vorlegen, der auch bereits bestehende Möglichkeiten der Digitalisierung des BGM vorstellt.

Aufbau

Der Band gliedert sich in die drei Abschnitte Management, Forschung und Praxis, die jeweils ca. zehnseitige Einzelbeiträge enthalten. Der Abschnitt Management weist neun, die Abschnitte Forschung und Praxis weisen jeweils 15 Beiträge auf.

Die Deutsche Nationalbibliothek bietet Einblick in das vollständige Inhaltsverzeichnis.

Ausgewählte Inhalte

Alle Abschnitte weisen in sich ein breites Themenspektrum aus dem BGM auf, das bei der Fülle der Beiträge hier nicht im Einzelnen referiert werden kann. Aus Sicht des Rezensenten wären folgende Beiträge hervorzuheben.

Volker Nürnberger und Anna-Luisa Wirtz stellen im Abschnitt Management die Idee einer Anwendungsmöglichkeit des Modells der Sinus-Milieus auf die Betriebliche Gesundheitsförderung vor. Am Beispiel dreier Milieus werden deren jeweiliges Gesundheitsbewusstsein und Präventionsverhalten skizziert, um „individuelle Anreizsysteme“ und Incentivierungssysteme entwickeln zu können, die zu einer Erhöhung von Teilnahmequoten bei milieuspezifisch ausgerichteten Maßnahmen führen sollten. Leider gibt der Beitrag keine Auskunft über die betriebliche Anwendung bzw. Anwendbarkeit der Sinus-Milieus.

Lutz Bellmann und Werner Widuckel legen in ihrem Beitrag „Macht Homeoffice krank?“ (Abschnitt Forschung) eine solide Aufarbeitung von Literatur zur Nutzung von Homeoffice und den damit möglicherweise verbundenen gesundheitlichen Auswirkungen vor.

Heiko Schulz, Stephan Buchhester und Hannes Zacher zeigen in ihrem Beitrag „Keine Angst vor Kennzahlen – aber vor Selbstbetrug wird gewarnt“ (Abschnitt Forschung) zunächst, dass die häufig verwendeten Kennzahlen zur monetären Messung immaterieller Veränderungen begrenzte Aussagekraft haben, da die meisten der berichteten Zusammenhänge auf einfachen Korrelationen beruhen, wo eine Kausalität „in den seltensten Fällen gegeben“ ist (S. 269). Kennzahlen könnten jedoch – z.B. eingebettet in ein Workshop-Konzept und in eine kommunikative Unternehmenskultur – Lernprozesse anregen und kluge Entscheidungen auf der Basis von „Evidenz – der Abstimmung von Fakten, Bauchgefühl und Erfahrung“ (S. 277) bewirken.

Gottfried Richenhagen legt in seinem Beitrag „Erhöhte Krankenstände in der öffentlichen Verwaltung – Ein Erklärungsversuch mit einem Ausblick auf die agile Verwaltung“ (Abschnitt Praxis) eine Sekundäraufbereitung auf Basis vorhandener statistischer Daten des Bundes und der AOK zu den Ursachen für die relativ hohen Fehlzeiten in öffentlichen Verwaltungen vor. Er sieht hierfür keine Ursachen in den Arbeitsbedingungen oder im Arbeitsunfallgeschehen und entwickelt daher stattdessen eine Prognose, wie sich das Fehlzeitengeschehen in einer „agilen öffentlichen Verwaltung“ (eine durch und mit den Beschäftigten weiterentwickelte Unternehmenskultur) entwickeln werde, für die als ein Baustein ein Führungskräftetraining aus der Energiewirtschaft vorgestellt wird.

Diskussion

Der Band wird seinem Titel nur teilweise gerecht, denn über die Digitalisierung der Arbeit der Zukunft erfährt man wenig. Das kann insofern eigentlich auch nicht verwundern, weil eine Prognose, wie die Digitalisierung die Arbeitsbedingungen und die Mitarbeitergesundheit für welche Gruppen von Beschäftigten verändern wird, derzeit noch kaum möglich ist. Die meisten Beiträge betreffen Themen des BGM, wie sie heute auch bei der (noch) nicht (komplett) digitalisierten Arbeit bestehen und man hätte sie auch in Bänden unter anderem Titel lesen können, darunter einige durchaus lesenswerte (s.o.). Im Band ist die Zuordnung der Beiträge zu den Abschnitten Management, Wissenschaft und Praxis nicht immer zwingend nachvollziehbar, was aber verschmerzbar ist. Wahrscheinlich dient diese Zuordnung wie auch die Titelwahl des Sammelbandes einer gewissen Verkaufsstrategie. Zu der gehört auch, Ansätze bekannt zu machen, bei denen das BGM selbst bereits mit digitalen Mitteln arbeitet, wie solche aus dem Bereich der experimentellen Psychophysiologie und der Biochronologie.

Fazit

Der Band enthält einige lesenswerte Beiträge, ein Muss für die an BGM interessierte Leserschaft ist er aber nicht, allerdings kann man hier anderswo so nicht findbare Methoden von digitalen Anwendungen im Bereich des BGM finden.


Rezensent
Prof. Dr. Thomas Elkeles
bis 2018 Hochschule Neubrandenburg, FB Gesundheit, Pflege, Management
Homepage www.hs-nb.de/ppages/elkeles-thomas
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Zitiervorschlag
Thomas Elkeles. Rezension vom 10.12.2018 zu: David Matusiewicz, Volker Nürnberg, Stephanie Nobis (Hrsg.): Gesundheit und Arbeit 4.0. Wenn Digitalisierung auf Mitarbeitergesundheit trifft. medhochzwei Verlag GmbH (Heidelberg) 2018. ISBN 978-3-86216-413-4. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/24986.php, Datum des Zugriffs 20.07.2019.


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ISSN 2190-9245

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