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Christiane Wolf, Greg Serpa: Die Kunst, Achtsamkeit zu lehren

Cover Christiane Wolf, Greg Serpa: Die Kunst, Achtsamkeit zu lehren. Inklusive MP3-CD mit Achtsamkeitsmeditationen. Arbor Verlag (Freiburg) 2016. 365 Seiten. ISBN 978-3-86781-157-6. D: 22,90 EUR, A: 23,60 EUR.

Schuhmacher, Stephan (Übersetzer).
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Thema

Wie bereits der Titel äußert zutreffend darstellt, geht es in dem Buch um die Art und Weise, wie Achtsamkeit gelehrt werden kann, und zwar über die Ebene der Methodik hinaus, als eine Form des Erschaffens, der Kunst.

Da die Anwendung von Achtsamkeit in unterschiedlichen Lebensbereichen (wie im Gesundheits- und Schulsystem, in der Organisationsentwicklung etc.) immer breiter vertreten ist und sich immer mehr Menschen dazu berufen fühlen, ihre Erfahrungen weiterzugeben, stellt das vorliegende Werk einen wichtigen Beitrag dazu dar, diese Aufgabe sorgsam und ausführlich zu bewältigen. Gleichzeitig ist er eine hilfreiche Stütze auf dem Weg des Lernens und des Lehrens.

AutorInnen und Entstehungshintergrund

Christiane Wolf ist Ärztin und Dharma-Lehrerin mit mehreren Jahrzehnten an Erfahrung in der Praxis und des Unterrichtens von Achtsamkeit.

Greg Serpa ist klinischer Psychologe und Professor für Psychologie und lehrt Achtsamkeit unter anderem für Kriegsveteranen.

Die beiden AutorInnen vermitteln in dem gemeinsam erstellten Werk ihre langjährige Erfahrung, Achtsamkeit und Mitgefühl zu lehren.

Aufbau

Das Buch gliedert sich, abgesehen von der Einführung, in drei Teile, von denen die ersten beiden einen einleitenden, grundierenden Charakter haben, während im dritten Teil die 8 Sitzungen eines Achtsamkeitskurses beschrieben werden.

Grau hinterlegte Boxen mit Tipps oder Praxisbeispielen runden den Text ab.

Neben Querverweisen zu Internetseiten, Videos oder Artikeln, liegt zudem eine mp3 Audio-CD bei. Auf dieser sind die zentralen Mediationsübungen, gesprochen von Christiane Wolf, zu finden.

Die Deutsche Nationalbibliothek bietet Einblick in das vollständige Inhaltsverzeichnis.

Inhalt

Der Teil eins „Achtsamkeit und Mitgefühl“ besteht aus zwei Kapiteln.

Das 1. Kapitel mit dem Titel „Grundlagen von Achtsamkeit und Mitgefühl“ gibt eine umfangreiche Einführung, woher die Begrifflichkeiten stammen, weswegen die Übung in diesen Geisteshaltungen förderlich sein kann, bzw. wodurch diese gestärkt werden können. Schließlich wird die Relation zwischen Achtsamkeit und Mitgefühl diskutiert.

Kapitel 2 „Die Forschung zu Achtsamkeit und Mitgefühl“ führt den Leser durch die wichtigsten Studien der beiden Bereiche, mit besonderem Augenmerk darauf, wie diese Ergebnisse in der Lehre von Achtsamkeit und Mitgefühl sinnvoll platziert werden können.

Teil zwei „Grundlagen der Achtsamkeitslehre“ beinhaltet drei Kapitel.

In Kapitel 3 „Die persönliche Praxis voranbringen“ wird die Bedeutung der eigenen Praxis eines Achtsamkeitslehrers unterstrichen. Danach wird hervorgehoben, was alles dazugehört (wie z.B. die Art und Weise des Praktizierens, Häufigkeit, Länge etc.). Ergänzend wird dem Thema Ethik ein Exkurs gewidmet, aus der Perspektive der Dharma-Lehrerin, bzw. aus der des klinischen Psychologen.

Kapitel 4 „Ein Schnelleinstieg für neue Lehrer“ startet mit einer Passage zu den Kompetenzen eines Achtsamkeitslehrers und geht dann einzeln auf die notwendigen Fertigkeiten ein. Unter der Überschrift „Grundlagen der Anleitung einer Meditation“ finden zudem sämtliche praktischen Aspekte Beachtung: Angefangen bei der Mediationshaltung, Vermittlung von Autonomie, Wortwahl, spezielle Formulierungen, Stimmlage, Stichworte und Pausen bis hin zum Umgang mit Störungen und kultureller Diversität. Die im vorliegendem Programm angewandten Methoden und Hilfsmittel werden vorgestellt und die dazugehörige Haltung vermittelt – auch hier mit Exkursen zur Perspektive der Dharma-Lehrerin und der des klinischen Psychologen. Abgerundet wird das Kapitel mit Empfehlungen zur Selbstmitteilung des Achtsamkeitslehrers sowie potentiellen Fragen der Teilnehmer und dazugehörigen Antwortmöglichkeiten.

Kapitel 5 „Ein Achtsamkeitsprogramm starten“ geht noch intensiver auf pragmatisch wichtige Punkte ein: Suche eines Raumes; Auswahl der Teilnehmer, mitsamt Ein- und Ausschlusskriterien, Gruppenform, Notfallplänen, Umgang mit psychiatrischen Diagnosen und Abgrenzung zum Verhalten eines Psychotherapeuten.

Teil drei „Einführung in die Achtsamkeit – Das Kernprogramm“ baut sich aus den 6 (+2 optionalen) Sitzungen des Kurses auf. Die Beschreibung der Sitzungen umfasst stets einen Zeitplan, eine Übersicht über die notwendigen Materialien, Skripte zu den Meditationsübungen, Beschreibungen der Lehrinhalte und der Gruppenübungen – hier teilweise mit konkreten Formulierungen und Vorschlägen zum Umgang mit Stolpersteinen.

Die Sitzungen durchlaufen folgende Gebiete:

  • Sitzung 1: Einführung in die Achtsamkeit
  • Sitzung 2: Sei genau dort, wo du bist
  • Sitzung 3: Unser geschichtenerzählender Geist
  • Sitzung 4: Freundlichkeit kultivieren
  • Sitzung 5: Die Bereitschaft bei den Dingen zu sein, so wie sie sind
  • Sitzung 6: Weitermachen
  • Sitzung +1 (optional): Mitgefühl im Inneren finden
  • Sitzung +2 (optional): Die Widerstandskraft stärken

Diskussion

Die beiden Autorinnen beschreiben, dass ein/e Achtsamkeitslehrer/in insbesondere über sein Handeln über seine Modellfunktion lehrt. Dies trifft analog auch auf das Buch zu. Die Schreibweise – als ob die Autoren zum Leser sprechen würden –, die liebevollen Hinweise und Details vermitteln auf direkte Weise, wie sich Achtsamkeit in jeder Tätigkeit widerspiegeln kann. Die Autorinnen schaffen es, die Leser mit sich zu reißen, auch über potentielle Hindernisse hindurch zu begleiten und scheuen sich nicht, von eigenen (auch schwierigen) Situationen zu berichten.

Aus pragmatischer Sicht wird an alles gedacht: Von der Anwendung einer Klangschale, über andere Materialien, bis hin zur Kommunikation mit den Teilnehmern über E-Mail und dessen Herausforderungen. Stets findet auch ein Abgleich zwischen der Haltung eines Psychotherapeuten im Kontrast zu einem Achtsamkeitslehrer statt. Bildlich gesprochen geht hier deutsche Präzision mit amerikanischer Leichtigkeit Hand in Hand. Allein die eigene Praxis wird nicht ersetzt.

Nennenswert ist zudem die ansprechende Optik und Haptik des Buches, sowie der Aspekt der Nachhaltigkeit – es besteht aus 100 % Altpapier.

Fazit

Insgesamt liegt hier ein vielfältiges Werk vor: es fungiert als Praxishandbuch aber auch als Nachschlagewerk. Die Leser bekommen eine fundierte Einführung in die Thematik der Achtsamkeit und des Mitgefühls. Hier wird neben der Theorie auch die Etablierung der eigenen täglichen Praxis berücksichtigt. Im Kernstück des Buches werden die Leser detailliert zum Unterricht eines 8-wöchigem Achtsamkeitskurses angeleitet und in dessen Realisierung minutiös begleitet, mitsamt Muster-Zeitplan, Merkzettel, Lernmaterialien und Diskussion von Stolperfallen.


Rezensentin
Dr. rer. medic. Csilla Jeszenszky
Dipl.-Psych.
Psychologische Psychotherapeutin
Uniklinikum Carl Gustav Carus Dresden
Klinik und Poliklinik für Psychiatrie und Psychotherapie
Homepage www.uniklinikum-dresden.de
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Zitiervorschlag
Csilla Jeszenszky. Rezension vom 08.03.2019 zu: Christiane Wolf, Greg Serpa: Die Kunst, Achtsamkeit zu lehren. Inklusive MP3-CD mit Achtsamkeitsmeditationen. Arbor Verlag (Freiburg) 2016. ISBN 978-3-86781-157-6. Schuhmacher, Stephan (Übersetzer). In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/24994.php, Datum des Zugriffs 16.07.2019.


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ISSN 2190-9245

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