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Martin Staats (Hrsg.): Die Perspektive(n) der Gesundheits­förderung

Cover Martin Staats (Hrsg.): Die Perspektive(n) der Gesundheitsförderung. Beltz Juventa (Weinheim und Basel) 2019. 350 Seiten. ISBN 978-3-7799-3850-7. D: 39,95 EUR, A: 41,10 EUR, CH: 51,90 sFr.
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Thema und Zielsetzung

Gesundheitsförderung und Krankheitsprävention stehen nach wie vor im Fokus sozialwissenschaftlichen Interesses. Die Implementierung des Präventionsgesetzes mit Beginn des Jahres 2016 hat die Aufmerksamkeitsrichtung von Kostenträgern, Leistungserbringern, aber auch der gesellschaftlichen Öffentlichkeit noch einmal wesentlich erhöht. Der vorliegende Band geht auf aktuelle Entwicklungen insbesondere der Gesundheitsförderung in verschiedenen Settings ein. Darüber hinaus werden auch grundsätzliche Ausführungen und Rahmenperspektiven zur Gesundheitsförderung angestellt.

Der Titel „Die Perspektive(n) der Gesundheitsförderung“ deutet gegenstandsbezogenen Facettenreichtum je nach Arbeitsfeld und Blickwinkel an, der zugleich tendenziell aber auch inhaltliche Diffusität verrät. Hier will das vorliegende Werk ansetzen. Es will zeigen, wie Gesundheitsförderung gedacht, reflektiert und umgesetzt werden kann und außerdem das Spezifische der Gesundheitsförderung nahebringen.

Herausgeber

Martin Staats hat Soziale Arbeit mit dem Abschluss des M. A. studiert und eine Dissertation in den Erziehungswissenschaften erstellt; er ist freier Mitarbeiter an der Friedrich-Schiller-Universität Jena sowie Mitarbeiter bei der Landesvereinigung für Gesundheitsförderung Thüringen e.V. Seine Arbeitsschwerpunkte sind Lebensqualität, Chancengleichheit, Schnittstellen von Gesundheitsförderung und Soziale Arbeit sowie Theorien und Methoden Sozialer Arbeit.

Aufbau, Vorwort und Einleitung

Der sich in vier Teile gliedernde Band beginnt mit zwei Beiträgen zu historischen und aktuellen Perspektiven der Gesundheitsförderung. Im zweiten Teil geht es um Settingperspektiven der Gesundheitsförderung, im dritten um interdisziplinäre Perspektiven der Gesundheitsförderung und im vierten Teil schließlich um Praxis- und Rahmenperspektiven der Gesundheitsförderung. Ein Vorwort, eine Einleitung sowie ein Nachwort liefern Anfang und Abschluss des Bandes.

Ins Zentrum ihres Vorworts stellt Ilona Kickbusch die Dynamik der Gesundheitsgesellschaft. Ihre Betrachtung reicht einerseits weit über Analysen des Gesundheits- und Versorgungssystems hinaus, da sie neue Marktbereiche erreicht, das Konsumverhalten verändert und damit in immer expansiver werdender Weise das Alltagsleben durchdringt. Andererseits wächst die Gesundheitskompetenz des einzelnen immer mehr, nicht zuletzt durch digital entwickelte mobile Gesundheitsanwendungen.

In seiner Einleitung skizziert der Herausgeber den Aufbau des Bandes und stellt knapp die Einzelbeiträge vor.

Teil 1

In einem ersten Beitrag des ersten Teils entfalten Lotte Kaba-Schönstein und Alf Trojahn die internationale Entstehungsgeschichte und die politische Rahmenprogrammatik und in einem zweiten Beitrag aktuelle Entwicklungen sowie zukünftige Entwicklungstrends der Gesundheitsförderung. Dabei erhält die Ottawa Charta von 1986 im ersten Beitrag ein besonderes Gewicht, indem ihre Wirkmacht und Verbreitung des in ihr entwickelten Konzeptes von Gesundheitsförderung reflektiert werden. Der Ottawa Charta folgen weitere Konferenzen und Entschließungen. Diese sind allesamt getragen von der Kritik an einer einseitig naturwissenschaftlich orientierten Medizin, Prävention und Gesundheitserziehung (S. 37) und dem Leitkonzept der Nachhaltigkeit verplichtet. Kaba-Schönstein und Trojahn konstatieren, dass das Konzept der Gesundheitsförderung Bewegung in die traditionelle Prävention, Gesundheitserziehung und Public Health gebracht hat.

Der zweite Beitrag widmet sich vor allem dem Präventionsgesetz, das am 1.1.2016 in Kraft getreten ist. Sein aktueller Entwicklungsstand wird problematisiert. Es schafft für die nachfolgenden Beiträge, bezogen auf verschiedene Lebensalter und Settings, eine Plattform. Das Gesetz von 2015 ist überschrieben mit „Gesetz zur Stärkung der Gesundheitsförderung und Prävention“ und betont so gleichrangig beide Aspekte. Gleichwohl, so die beiden Autor*nnen, haben sich insbesondere das Handlungsfeld der gesundheitsfördernden Gesamtpolitik und die mit ihr zusammenhängende intersektorale Kooperation als besonders schwierig herausgestellt. Überdies ist das Ressort der Gesundheitsförderung gegenüber z.B. Verkehr und Wirtschaft, aber auch gegenüber der individuell ausgerichteten kurativen Medizin, durchsetzungsschwach. Abschließend plädieren Kaba-Schönstein und Trojahn dafür, Gesundheitsförderung in die allgemeinen Aufgaben der kommunalen Daseinsvorsorge zu integrieren, zumindest Gesundheitsförderung kleinräumig in Gestalt von „Health in All Policies“ mitzudenken.

Teil 2

Der zweite Teil des Bandes wendet sich den Settingperspektiven der Gesundheitsförderung in ausgewählten Feldern zu.

Mit dem wichtigsten Settingbereich, der gemeinwesenbezogenen Gesundheitsförderung, eröffnet der Beitrag von Alf Trojahn und Christian Lorentz den langen „Darstellungsreigen“, indem sie eingangs Konzept und Vorteile des Settinggedanken vorstellen, den Kreis der Akteure (u.a. das Programm Healthy Cities) knapp benennen, Strukturen und Steuerung Koordinations- und Kooperationsgremien wie auch Präventionsketten) skizzieren und abschließend Strategien für Evaluation und Qualitätsentwicklung (mit dem Präventionsgesetz als Impulsgeber) benennen.

Die wichtigsten Rahmenbedingungen und Ansätze der Gesundheitsförderung in Familie, Kita und Schule reflektiert der Artikel von Sven Dieterich, vorwiegend im Blick auf das Kindes- und Jugendalter. Dabei widmet sich der Beitrag jeweils auch den gesellschaftlichen und rechtlichen Rahmenbedingungen sowie der Qualität von Programmen in den Settings. Ein wichtiges Anliegen sollte die Abstimmung der Settings untereinander sein, nicht zuletzt auch eine „stärkere Verankerung der Gesundheitsförderung in den gesetzlichen Grundlagen der Bildungseinrichtungen“ (S. 94).

Um Gesundheitsförderung im Krankenhaus mit der Aufmerksamkeitsausrichtung auf Krankenversorgung und damit auf die Verbesserung der Gesundheitskompetenz und Selbstmanagement-Fähigkeiten geht es Jürgen M. Pelikan und Christina C. Wieczorek. Die Autor*innen grenzen Gesundheitsförderung von Krankheitsprävention ab im Sinne von Ressourcen und Risiken, fragen nach der Zielerreichung des Settingansatzes in der Krankenbehandlung und listen abschließend förderliche Faktoren bei der Umsetzung des HPH-Netzwerkes auf.

Konstitutive Eckpunkte für die Gesundheitsförderung in der Arbeit sind neben persönlichem Verhalten der Mitarbeiter*innen die Verhältnisse, also die Arbeitsorganisation und die Arbeitsbedingungen. Maria Müller, Christina Nolte und Heike Kraußlach widmen sich zuvörderst der Etablierung eines Betrieblichen Gesundheitsmanagements (BGM) als abgestimmtem Prozess, der alle Unternehmensebenen umfasst. Im Zentrum stehen Ergebnisse einer thüringischen Befragung zum BGM und zu öffentlichen Einrichtungen mit anschließenden Überlegungen zur Einrichtung eines netzwerkartigen BGM mit dem Ziel, durch nachhaltige Angebote von Gesundheitsmaßnahmen die Arbeits- und Leistungsfähigkeit der Beschäftigten zu verbessern.

Mit der Umsetzbarkeit betrieblicher Gesundheitsförderung in Großbetrieben befasst sich Cornelia Galbas. Sie stellt fest, dass der Anteil des BGM und der Gesundheitsförderung in den zurückliegenden Jahren in Großbetrieben stetig gewachsen ist. Im Zentrum der Überlegungen steht die Frage der Gestaltungsmöglichkeiten für Gesundheitsförderung und ihre Gelingensvoraussetzungen.

Martin Staats und Ann-Kathrin Weber stellen in ihrem Beitrag zu Gesundheitsförderung in stationären Pflegeeinrichtungen eine qualitativ-empirische Untersuchung zu Pflegebedürftigen in vollstationärer Pflege, zu deren Gesundheitsverständnis und Vorstellungen von gesundheitsfördernden Maßnahmen vor.

Teil 3

Gegenstand des ersten Beitrages des dritten Teils von Martin Staats ist Gesundheitsförderung aus geistes- und sozialwissenschaftlicher Perspektive. Im Vordergrund steht die sozialwissenschaftliche Entstehungsgeschichte der Gesundheitsförderung, der nochmaligen Definition von Gesundheitsförderung mit Bezug auf die salutogenetische Ausrichtung der Ottawa-Charta in Verknüpfung mit Partizipation und Empowerment. Des Weiteren wird der capability approach als Rahmungsmöglichkeit für Gesundheitsförderung herangezogen. Am Ende des Beitrags verdeutlicht der Autor das Bemühen der Gesundheitsförderung als plurales Aufgabengebiet, das integrierte Interventionen auf kommunaler Ebene zu implementieren versucht. Mit vielen anderen Disziplinen und Professionen teile die Gesundheitsförderung die gleichen Ziele, nämlich das Wohlbefinden und die Lebensqualität von Menschen zu steigern (S. 180).

Eric Schäfer nimmt in „Gesundheitsförderung aus pädagogischer Perspektive“ die Settings formaler Lernprozesse in Schule und Hochschule in den Blick, betrachtet nicht formale Lernsettings in der Arbeitswelt und informelle Lernsettings der Vernetzung in der Kommune im Kontext von Altern. Zuvor wird der Zusammenhang von Bildung und Gesundheit bis hin zur Lebensphase Alter sowie pädagogisches Handeln als Beziehungsarbeit auch im Lichte von Salutogenese thematisiert.

Eine andere – zumindest sozialwissenschaftlich nicht gerade vertraute – Blickrichtung schafft der nachfolgende Artikel von Mathias Raum mit Gesundheitsförderung aus architektonischer Perspektive. So zielt Evidence Based Design (EBD) auf einen Transfer von Forschungsergebnissen aus Neurowissenschaften, Evolutionsbiologie, Immunologie und Umweltpsychologie in die architektonische Praxis. Das Wissen des Architekten sollte insofern von der Baustoffkunde bis hin zur Psychoanalyse reichen, so der Autor (S. 211). Und die angestrebte Qualität der Architektur sollte über das Biomedizinische weit hinausreichen und sich der gesundheitsbezogenen Subjektwelt zuwenden.

Um eine sportmedizinische und ernährungswissenschaftliche Perspektive geht es Holger Gabriel und Anna Rohde et al. in ihren jeweiligen Beiträgen.Ausgehend von der anthropologisch begründeten Bewegungsnotwendigkeit, um zu leben, bis hin zu Perspektiven der Sportwissenschaften und der Sportmedizin ist der Darstellungsbogen des Beitrags von Gabriel gespannt. Gesundheitsförderung bildet ein mögliches Bindeglied. Die Relevanz der Gesundheitsförderung aus ernährungswissenschaftlicher Perspektive reflektieren eingangs Anna Rohde et al., indem sie den Blick auf den Zusammenhang von Ernährung, Gesundheit und Lebensstil richten und fragen, was eine gesundheitsförderliche Ernährung ist (S. 237 ff.) und wie Gesundheitsförderung im Bereich der Ernährung umgesetzt werden kann. Einen zweiten Schwerpunkt bildet „Gesundheitsförderung mit Ernährungs-Apps“: ihr Potenzial und Herausforderung in der Nutzung der Apps. Im Ausblick geht es um eine Reflexion verhältnisbezogener Strategien für die Gemeinschaftsverpflegung, um die Lebensmittelindustrie und hier – ganz aktuell – um Kennzeichnungssysteme von Lebensmitteln und um politische Folgerungen.

Winja Weber und Constanze Rossmann erörtern die verschiedenen Ebenen von Gesundheitskommunikation und ihre Bedeutung für Gesundheitsförderung. Unterschieden wird in eine intrapersonale, interpersonale, organisationsbezogene und massenmediale Kommunikation. Kampagnen zur Gesundheitsförderung richten ihren Fokus auf eine Stabilisierung gesunder Handlungsweisen, etwa in Bezug auf körperliche Aktivität und gesunde Ernährung. Des Weiteren geht es um entertainment education. Sie basiert auf der Theorie des sozialen Lernens. In der Sicht der beiden Autorinnen stellt die Kommunikation gesundheitsfördernder Botschaften inzwischen einen essentiellen Bestandteil der Gesundheit dar, um Empowerment, Wissen und Einstellungen zu verbessern.

Teil 4

Der vierte Teil beginnt mit innovativen Strategien der Gesundheitsförderung. Zum wiederholten Mal werden das Bezugskonzept, die Ottawa-Charta sowie das Settingkonzept dargestellt. Anschließend geht es um Präventionsketten als integrierte Gesamtstrategie von Gesundheitsförderung. Schlussendlich skizzieren Kerstin Baumgarten und Elena Sterdt, orientiert am Public Health Action Circle, Strategien zur Planung, Umsetzung und Evaluation von Projekten der Gesundheitsförderung.

Eingangs geht es im Artikel von Alf Trojahn um Grundvoraussetzungen von Evaluation und Evidenzbildung. Es wird ein Orientierungsrahmen für Evaluation und ein weiterer für Qualitätsentwicklung vorgestellt. Am Ende des Beitrags wird eine Vision für zukünftige Entwicklung entworfen.

Tobias Effertz reflektiert Kosten und Nutzen von Prävention und Gesundheitsförderung. Es werden das ökonomische Kalkül der Gesundheitswissenschaften entworfen und die Kosten sowie der Nutzen der Prävention in Deutschland gezeigt. Der Beitrag schließt mit der Feststellung, dass der Nutzen von Prävention um ein Vielfaches höher sei als die Kosten (S. 323).

Das wichtige Segment der ethischen Aspekte der Gesundheitsförderung bearbeiten Nikolaus Knoepffler und Tina Rudolph, indem sie im ersten Teil einen „Begründungsansatz für ein umfassendes Recht auf Gesundheit und Gesundheitsförderung im Sinne des Solidaritätsprinzips anbieten und jenen mit den Forderungen der WHO nach einem umfassenden Recht auf Gesundheit vergleichen“ (S. 325). Anschließend folgen eine Untersuchung zur Umsetzung des Solidaritätsprinzips im deutschen Gesundheitssystem, Überlegungen zur Bedeutung für neuere Aspekte der Gesundheitsförderung (im digitalen Bereich) und schließlich Reflexionen zur wachsenden Betonung individueller Verantwortung für die eigene Gesundheit.

In einer Vergleichsstudie untersucht Thomas Gerlinger, wie Gesundheitsförderung und nichtmedizinische Primärprävention in Deutschland, der Schweiz, Österreich, in den Niederlanden und Frankreich organisiert sind. Der Autor stellt fest, dass sich die institutionellen Zuschnitte zwischen den jeweiligen nationalen Systemen erheblich unterscheiden. In Deutschland wird insbesondere den Krankenkassen eine starke Rolle zugewiesen. So kann die Krankenkasse Gesundheitsförderung und Primärprävention für den Wettbewerb um Mitglieder nutzen.

Ein resümierendes Wort zum Schluss des Bandes formuliert Raimund Geene. In engagierter Weise fasst er Stand, Grenzen und Perspektiven von Gesundheitsförderung im Spiegel der Einzelbeiträge zusammen. Im Feld der Settings fällt die Zwischenbilanz unterschiedlich aus. Von visionär bis weniger endet sein Schlusswort mit dem Statement, dass die Beiträge in Breite und inhaltlicher Tiefe zeigen, „welches große Potenzial in der Gesundheitsförderung steckt“ (S. 357).Vor diesem Hintergrund hebt Geene hervor, dass Gesundheitsförderung, Setting und auch Prävention je nach disziplinärem Hintergrund, auch in ihrer Relationsbestimmung, unterschiedlich konnotiert sind. Dabei sind abschließend mahnende Töne von ihm vernehmbar, sich „fachlich auf Gesundheitsförderung im Sinne der Ottawa-Charta“ zu beziehen.

Diskussion

Der Schlussbeitrag von Raimund Geene klingt fast wie eine wohlwollend und ausgewogen formulierte Rezension. Sein Beitrag ist in gekonnter Weise resümierend aufgebaut, die Artikel des Bandes im Sinne des Titels „Die Perspektive(n) der Gesundheitsförderung“ dabei einschätzend.

Informativ und gekonnt aufgebaut sind auch die in historische und aktuelle Perspektiven der Gesundheitsförderung einführenden beiden Beiträge von Lotte Kaba-Schönstein und Alf Trojahn. Gleiches gilt für den knappen Beitrag von Ilona Kickbusch als „Wort vorweg“. Facettenreich sind die Artikel zu den „Settingperspektiven (in) der Gesundheitsförderung“ und, wie Raimund Geene in seinem Schlussbeitrag hervorhebt, zum Teil sehr unterschiedlich in ihrem Verständnis von Gesundheitsförderung und Settingverständnis aspektiert. So findet sich z.B. im Beitrag von Maria Müller, Christina Nolte und Heike Kraußlach zwar im Titel Gesundheitsförderung, anschließend geht es aber um betriebliches Gesundheitsmanagement.

In den vier Teilen sind die fachinhaltlichen Stärken einzelner Beiträge hervorzuheben: Die beiden Beiträge im ersten Teil wurden bereits genannt. Im zweiten Teil möchte ich den Beitrag von Alf Trojahn und Christian Lorentz sowie den Beitrag zur Gesundheitsförderung in der Krankenversorgung, mit Schwerpunkt Krankenhaus, von Jürgen M. Pelikan und Christina C. Wieczorek nennen, im dritten Teil den Beitrag von Anna Rohde et al.sowie den Artikel zu Gesundheitsförderung aus sportmedizinischer Sicht von Holger Gabriel. In seinem Artikel hebt der Autor die anthropologische Grunddimension von Sport, nämlich Bewegung, hervor. Bereichert hätte analog die Thematisierung des Essens im Kontext von Ernährung den Beitrag von Anna Rohde et al. Überdies wäre eine Verknüpfung von Essen und Bewegung spannend gewesen! Im vierten Teil schließlich sind der Artikel von Nikolaus Knoepffler und Tina Rudolph sowie der ländervergleichende Beitrag von Thomas Gerlinger insbesondere anregungsreich.

Insgesamt hätte sich der Rezensent eine stärker ordnende Hand des Herausgebers gewünscht. Die Darstellung der Ottawa-Charta im ersten Beitrag von Lotte Kaba-Schönstein und Alf Trojahn bietet für nachfolgende Beiträge eine sehr gute Rahmung und ein gutes Sprungbrett für die eigene Darstellung. Es ist verzichtbar, dass die Charta in verschiedenen Beiträgen wiederholt vorgestellt wird. Gleiches gilt für die berühmte Definition der WHO zur Gesundheit von 1946 oder auch von Empowerment, dem sich verschiedene Beiträge in definitorischer Absicht zu nähern versuchen. Ungewöhnlich ist ferner die jedem Beitrag freigestellte Form der Gliederung – mal mit, dann wieder ohne Zahlenstruktur bei den Titelangaben. Und einzig der Beitrag von Thomas Gerlinger beginnt mit einem Abstract (S. 338). Geht es im dritten Teil wirklich um interdisziplinäre Perspektiven der Gesundheitsförderung? Stehen nicht vielmehr disziplinäre im Vordergrund, ausgenommen davon der erste Beitrag des Herausgebers?

Was eigentlich ist mit dem vom Herausgeber immer wieder genutzten Ausdruck ganzheitlich gemeint? Was versteht der Herausgeber in seinem eigenen Beitrag unter geisteswissenschaftlich und sozialwissenschaftlich? Jedenfalls ist von geisteswissenschaftlicher Perspektive trotz Ankündigung in der Überschrift kaum etwas zu finden. Was versteht Martin Staats unter transpersoneller Zusammenarbeit? …

Fazit

So bleibt schlussendlich festzustellen: Im Sammelband findet sich eine Vielzahl qualifizierter Beiträge, die durchaus perspektivische Impulse für die Gesundheitsförderung liefern können, möglicherweise auch über Disziplin- und Professionsgrenzen hinweg. Gerade aufgrund des im Schlussbeitrag von Raimund Geene angesprochenen unterschiedlichen Begriffsverständnisses von Gesundheitsförderung hätte der Herausgeber aber klare Strukturvorgaben formulieren sollen. Sie sind ja im Band implizit bereits angelegt.


Rezensent
Prof. Dr. Hans Günther Homfeldt
Prof. em. an der Universität Trier, Fach Sozialpädagogik/ Sozialarbeit
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Zitiervorschlag
Hans Günther Homfeldt. Rezension vom 14.10.2019 zu: Martin Staats (Hrsg.): Die Perspektive(n) der Gesundheitsförderung. Beltz Juventa (Weinheim und Basel) 2019. ISBN 978-3-7799-3850-7. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/24997.php, Datum des Zugriffs 22.11.2019.


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