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Sabine Hebenstreit-Müller, Frauke Hildebrandt (Hrsg.): Mit Kindern denken

Cover Sabine Hebenstreit-Müller, Frauke Hildebrandt (Hrsg.): Mit Kindern denken. Gespräche im Kita-Alltag. Dohrmann Verlag (Berlin) 2018. 208 Seiten. ISBN 978-3-938620-46-5. D: 18,90 EUR, A: 19,50 EUR.
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Thema

Pädagogen wissen um die Wichtigkeit von Denkprozessen bei Kindern, doch leider werden sie oft nicht genutzt. Die Gründe sind hier unterschiedlich und der Alltag in den pädagogischen Einrichtungen oftmals so turbulent, dass solche wichtigen Situationen nicht wahrgenommen werden, oder sie gar nicht genutzt werden können, da anscheinend andere Dinge im Vordergrund stehen.

Erwachsene sollen Kinder in der Kommunikation ernst nehmen und sich aktiv beteiligen. Ebenso sollten die Selbstbildungsprozesse kritisch hinterfragt werden.

Dieser Sammelband zeigt die Wichtigkeit von gemeinsamer Interaktion zwischen Kindern und Erwachsenen auf. Ebenso wird der erhebliche Mehrwert beschrieben, wenn die Qualität dieser Interaktion stimmt. Zugleicht verweist dieser Band auch auf aktuelle Forschungsdefizite.

HerausgeberInnen

Als Honorarprofessorin lehrt Prof. Dr. Sabine Hebenstreit-Müller an der Universität Halle-Wittenberg. Ebenso ist die Diplompädagogin als Organisationsberaterin, Evaluatorin und Weiterbildnerin tätig.

Als Professorin für Praxisentwicklung und Forschung ist Prof. Dr. Frauke Hildebrandt an der Fachhochschule Potsdam tätig. Dort obliegt ihr auch die Leitung des kooperativen MA-Studiengangs „Frühkindliche Bildungsforschung“ von FH Potsdam und Universität Potsdam.

Aufbau und Inhalt

Das Buch „Mit Kindern denken – Gespräche im Kita – Alltag“ ist als Sammelband erschienen. Darin sind zehn Beiträge von diversen AutorInnen enthalten:

  1. Sabine Hebenstreit-Müller: Mit Kindern nachdenken – Warum Selbstbildung nicht ohne pädagogische Anregung geht
    Nach der Einleitung wird der erste Beitrag im Sammelband von Sabine Hebenstreit-Müller als Schlüsselbeitrag des Buches bezeichnet. Die Autorin beschreibt die Rolle des Erwachsenen im Dialog-Prozess mit den Kindern. Ebenso erläutert sie, inwieweit „Sustained Shared Thinking“ (kurz: SST) als Schlüsselrolle für erfolgreiche Bildungsprozesse maßgeblich ist. Die Verfasserin des Beitrages erörtert, dass ohne Beziehung zwischen Kind und Erwachsenen keine guten Lernprozesse möglich sind und der gemeinsame Austausch von enormer Wichtigkeit ist. Auch beschreibt Sabine Hebenstreit-Müller „Early Childhood Error“ und definiert ihn als „Missverständnis von Selbstbildungsprozessen“
  2. Frauke Hildebrandt, Kristina Musholt: Selbstbildung, Abrichtung oder Dialog: Wie kommen Kinder in den „Raum der Gründe“?
    Frauke Hildebrandt, Kristina Musholt beschreiben in ihrem Beitrag den Prozess des menschlichen Denkens als einen „Raum der Gründe“. Die Autorinnen üben Kritik an dem scheinbaren „Selbstbildungsprozess“. Es geht ihnen darum, dass Pädagogen gemeinsam mit Kindern nachdenken sollen. Ebenso beschreiben die Verfasserinnen dieses Beitrages das Interaktionsformat „Sustainted Shared Thinking“.
  3. Alexander Scheidt: Kognitive feinfühlige Interaktion in der Kita als gesellschaftliche Querschnittsaufgabe
    Der Autor hat seinen Beitrag auf den Schwerpunkt des gemeinsamen Nachdenkens mit Kindern gelegt. Wie Frauke Hildebrandt und Kristina Musholt greift auch er „SST“ auf. Er definiert, dass ein gemeinsames Nachdenken in der Kita „Exzellente Qualität“ bedeutet. Alexander Scheidt zeigt in seinem allgemeine Bedingungen auf, die als Handlungsorientierung für die Ebenen der Entscheidung abzuleiten sind.
  4. Karoline Lohse: Exploration verstehen – Zum Zusammenhang von Erkundung, Erklärung und Lernen
    Die Verfasserin dieses Beitrages erläutert, dass selbstgesteuerte Exploration nicht automatisch zu Lernprozessen führt, sondern Exploration als ein eigener Lernprozess verstanden werden muss. Neben der Wichtigkeit von Exploration erläutert Karoline Lohse auch, wie Erwachsene Kinder bei diesem Prozess unterstützen können.
  5. Caroline Wronski: Imagination und Nachdenken über Möglichkeiten
    Caroline Wronski beschreibt in ihrem Teil die kindliche Imaginationsfähigkeit. Imagination fällt Kindern leicht und begleitet den Menschen das ganze Leben. Ebenso beschreibt die Autorin Imagination als eine sehr anspruchsvolle Tätigkeit, bei der es wenig sinnvoll sei sie mit Methoden in der Praxis zu fördern. Jedoch rät sie den Pädagogen, sie wertzuschätzen und im pädagogischen Alltag fruchtbar zu machen.
  6. Ramiro Glauer: Warum es sich lohnt, kleinen Kindern Gründe zu geben und sie nach Gründen zu fragen
    Der Autor beschreibt in seinem Beitrag, wie wichtig es ist, Begründungen in Gesprächen mit Kindern anzuführen. Ebenso wie wichtig es ist, die Kinder mit ihren Gründen ernst zu nehmen und sie nicht als nichtig oder nichtwissend abzutun. Ramiro Glauer beschreibt, dass Pädagogen Gründe mit Kindern suchen und eruieren sollen. In der Praxis sollen Interaktionsformen und ein partizipativer Austausch geschaffen werden – dies stärkt die kindliche Autonomie.
  7. Karsten Manske: Ungewissheitserleben in der frühen Kindheit – Von der Herausforderung zu wissen, dass man es nicht weiß
    Karsten Manske beschäftigt sich mit der Frage, inwieweit Kinder über ihre eigene Ungewissheit Bescheid wissen. Ebenso gibt der Verfasser Hinweise, was Pädagogen tun können, diese Ungewissheit konstruktiv zu erleben und diese für den Alltag der Kinder förderlich zu machen.
  8. Jasmin Luthard: Einstellungen zu Interaktion visualisieren, reflektieren und verändern – Cognitive-affective Mapping als Instrument für die Praxisentwicklung
    Jasmin Luthard stellt in ihrem Beitrag die Cognitive-affective Mapping Methode als Methode vor, um Einstellungen zu verschiedensten Themen qualitativ zu erfassen und sie zu visualisieren. Diese Methode ist besonders geeignet um pädagogische Prozesse in der Einrichtung zu verstehen und sie gegebenenfalls zu verändern.
  9. Claudia Kearney-Wagner: Kognitiv anregende Dialoge mit Grundschulkindern – Wenn Kinder aufhören, zu fragen!
    Die Autorin berichtet in ihrem Beitrag von eigenen beruflichen Erfahrungen, die sie in einem Hort in Berlin-Kreuzberg sammeln durfte. Ebenso bringt Claudia Kearney-Wagner ihre Erfahrungen aus Fortbildung und Studium mit ein. Sie beschreibt, dass sich Grundschüler oft nicht mehr trauen Fragen zu stellen, da sie denken, ihre Fragen wären unpässlich. Ebenso beschreibt die Verfasserin die Wichtigkeit von Dialogprozessen.
  10. Ruben Maué: Nachdenken mit Kindern – Interaktion und Dialog: Kriterien guter Fortbildungen
    Der Autor beschreibt Evaluation und dessen gleichnamige Forschung um gute Kriterien für Fortbildung zu generieren. Er führt hierzu das Nutzungsmodell nach Kirkpatrick an, welches er auch näher beschreibt. Ruben Maué sieht diese Methode als Möglichkeit zur Qualitätssicherung an.

Diskussion und Fazit

Die einzelnen Themenbereiche werden in dem Sammelband sehr gut dargestellt. Hier ist auch die Einführung der einzelnen Beiträge hervorzuheben. Sie können dem Leser dabei helfen, einen Überblick über die vielfältigen Themen in dem Sammelband zu bekommen.

Forschungsdefizite werden ausführlich und sehr gut beschrieben. Die Quellenangaben sind hinter jedem Beitrag angelegt. So kann schnell eine gute Übersicht über die Literatur des jeweiligen Beitrages gewonnen werden.

Der Sammelband verweist auf oftmals verpasste Gelegenheiten von Pädagogen im Kita-Alltag. Ebenso wird des Öfteren beschrieben, dass die Qualität in vielen Einrichtungen nicht ausreichend ist und die Gründe werden hierzu eruiert. Jedoch ist der Sammelband mit wenigen Tipps und Hinweisen ausgestattet, wie diese Qualität verbessert werden kann und wie Pädagogen ihren Alltag besser gestalten können, um mit den Kindern in eine qualitative Interaktion zu kommen. 

Der Titel „Mit Kindern denken – Gespräche im Kita-Alltag“ suggeriert ein Sammelband für Pädagogen, mit wichtigen Tipps und Hinweisen für die Verbesserung ihrer täglichen Praxis vor Ort zu sein. Dies kann so nicht bestätigt werden. Der Sammelband eignet sich nur in Teilen für die pädagogische Praxis in Kindertagesstätten, da der wissenschaftliche Aspekt dafür einen zu großen Anteil einnimmt.


Rezensent
Dominik Mattes
staatlich anerkannter Erzieher, Fachwirt für Organisation und Führung und Leiter einer Kindertagesstätte
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Kommentare

Anmerkung der Redaktion: Die Rezension entstand im Rahmen des Masterstudiengangs Kindheits- und Sozialwissenschaften (MAKS) der Hochschule Koblenz.


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Zitiervorschlag
Dominik Mattes. Rezension vom 12.02.2019 zu: Sabine Hebenstreit-Müller, Frauke Hildebrandt (Hrsg.): Mit Kindern denken. Gespräche im Kita-Alltag. Dohrmann Verlag (Berlin) 2018. ISBN 978-3-938620-46-5. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/25004.php, Datum des Zugriffs 20.11.2019.


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ISSN 2190-9245

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