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Rainer Strätz: Das große Handbuch Qualitätsmanagement in der Kita

Cover Rainer Strätz: Das große Handbuch Qualitätsmanagement in der Kita. Carl Link (Kronach) 2018. 749 Seiten. ISBN 978-3-556-07349-0. D: 59,95 EUR, A: 61,70 EUR.
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Thema

Mit dem Themenfeld Qualitätsmanagement in der Kindertagesbetreuung kann man sich auf unterschiedlichen Wegen auseinandersetzen. Von kurzen pragmatischen Beschreibungen in Einrichtungskonzeptionen über Elternbefragungen, deren Ergebnisse vielleicht nur bedingt zu einer wirklichen Veränderung beitragen, bis hin zu Formen der Selbst- und/oder Fremdevaluation, an deren Ergebnis ein Zertifikat stehen kann. Das vorliegende Handbuch betrachtet das Themenfeld mit seinen beziehungsweise aus seinen verschiedenen Facetten und gibt einen umfangreichen Überblick.

Herausgeber

Prof. Dr. Rainer Strätz, Diplom-Psychologe, bis 2014 tätig im sozialpädagogischen Institut NRW (SPI) der Fachhochschule Köln und Lehrtätigkeit im BA-Studiengang „Pädagogik der Kindheit und Familienbildung“. Arbeitsschwerpunkte: Soziale Beziehungen in Kindergruppen; Beobachten in der erzieherischen Praxis; Umweltpädagogik; Ausbildung von Erzieherinnen und Erziehern; Qualitätsmanagement; Bildungsprozesse in der Kindheit. (Buchrückseite)

Autor*innen

Bärbel Amerein, Sonja Damen, Kira Daldrop, Ursula Fujike, Karl Hauke, Sarah Hoffmann, Anne Huber-Kebbe, Ute Klingemann, Marianne Frey, Martin Krause, Silke Kohne, Karina Müller, Marion I. Müller, Manfred Müller-Neundorf, Johanna Nolte, Michael Obermaier, Heinrich B. Pieper, Birte Radmacher, Andrea Ragnit, Lorna Ross, Inge Schreyer, Sylvia Steinhauer-Lisicki, Rainer Strätz, Ilse Wehrmann

Aufbau

Nach dem Inhaltsverzeichnis, einem Vorwort und einer Einleitung finden sich 21 Kapitel, die folgenden fünf Teilen des Handbuchs zugeordnet sind:

  1. Qualitätsmanagement als Entwicklungsprozess (12 Seiten)
  2. Rahmenbedingungen und Aufgabenschwerpunkte (226 Seiten)
  3. Wege zur Qualität (284 Seiten)
  4. Die Rolle der Akteure im Qualitätsmanagement (180 Seiten)
  5. Qualitätsmanagement als Chance und Gewinn (24 Seiten)

Im Anschluss finden sich ein Autoren- sowie ein Stichwortverzeichnis.

Inhalt

Neben grundlegenden Zusammenhängen verdeutlicht Becker-Stoll in ihrem Vorwort, dass im Zentrum aller Qualitätsbemühungen die Bedürfnisse und das Wohlergehen der Kinder stehen sollten.

In seiner Einleitung führt Strätz an das Themenfeld heran. Die Qualitätsdiskussion habe zwei miteinander verbundene Schwerpunkte: Den Bereich der notwendigen qualitativen Voraussetzungen und das „Qualitätsmanagement“ im engeren Sinne. Weiter beschreibt er u.a., warum die Erwartungen und Versprechungen im Zusammenhang mit der QM-Einführung vor etwa 20 Jahren sich nicht so einfach erfüllen lassen.

Teil I: „Qualitätsmanagement als Entwicklungsprozess“

Zu Beginn des ersten Teils unternimmt Strätz einen „Definitionsversuch“. Im zweiten Kapitel „Qualität als ständiger Weiterentwicklungsprozess“ ermahnt der Verfasser: „Wir müssen also nach der Phase des erheblichen quantitativen Ausbaus jetzt dringend für mehr Qualität sorgen!“ (S. 21). Strätz zeigt, den Blick nicht auf die Pflichten gerichtet, welche Rechte die Akteure im Umgang mit Qualitätsfragen haben.

Teil II: „Rahmenbedingungen und Aufgabenschwerpunkte“

Kapitel 3 „Qualität im System der Tageseinrichtungen für Kinder auf Bundes- und Landesebene“ beginnt mit einer Darstellung der Aufgaben des Bundes. Als Exkurse werden die Themen Bundesqualitätsentwicklungsgesetz, das daraus resultierende Gute-Kita-Gesetz und die Forderung nach bundeseinheitlichen Qualitätsstandards aufgegriffen. Nach einer Darstellung der „Aufgaben der Länder“ ermutigt Wehrmann, im Blick auf Bildung im Elementarbereich, einen konsequenten Reformkurs zu wagen. Kapitelabschließend beschäftigt sich Diskowski mit den verschiedenen Aspekten der Steuerung der Qualität durch Bildungspläne.

Um die „Qualität im System der Tageseinrichtungen für Kinder auf Kommunalebene“ geht es im Folgekapitel. Darin greift Strätz u.a. folgende Themen auf: Trägervielfalt, Elternbeiträge und -befragungen, Netzwerkbildung, Frühe Hilfen, Kinderbeteiligung und kinderfreundliche Kommune.

Nolte setzt sich im Kapitel 5 „Qualität im Sozialraum“ mit dem Aspekt der Sozialraum- beziehungsweise Lebensweltorientierung auseinander und geht in ihren Ausführungen auch auf die Besonderheit von Familienzentren ein. Nach einer Darstellung der „Risiken und Nebenwirkungen“ kommt sie zu dem Ergebnis, dass es kein „best practice“ Modell gibt, stellt aber dar, welcher „Orientierungskreislauf“ einer Grundstruktur zugrunde liegen könnte.

Der Frage, welche Möglichkeiten der Einflussnahme auf die „Qualität in der Tageseinrichtung für Kinder“ gegeben sind, geht Strätz im sechsten Kapitel nach. Folgende Aspekte greift er auf: Pädagogische Qualität, Personen und Aufgaben, Bildung, Erziehung und Betreuung, das Erleben der Kinder, Bildungs- und Erziehungspartnerschaft, Differenz und Vielfalt, Integration und Inklusion, Räume, Zeit, Material, Medien, Prävention, Übergänge, Kooperation, Vernetzung, Unterstützung, Ergebnisqualität, Entwicklungsqualität sowie die Qualität des Qualitätsmanagements in der Einrichtung.

Teil III: „Wege zur Qualität“

Zu Beginn des Kapitels 7 „Qualität durch Qualifikation“ wird verdeutlicht, dass gute Kindertagesbetreuung für die Aufgaben und Ziele qualifizierte Fachkräfte in ausreichender Zahl benötigt. Das betrifft Ausbildung und Studium ebenso wie den Bereich Fort- und Weiterbildung. Im weiteren Verlauf werden die Diskussion und die Möglichkeiten eines „partizipativen Qualitätsmanagements“ dargestellt. Impulse für die Personalgewinnung und -entwicklung finden sich am Kapitelende.

Kapitel 8 zeigt, wie „Qualität durch Identifikation von Stolpersteinen“ verbessert werden kann. Die Autor*innen gehen auf Stolpersteine in Teamprozessen ein und zeigen, wie im Ramen eines systematischen Beschwerdemanagement mit unbefriedigten Kundenerwartungen umgegangen werden kann.

Amerein stellt im Folgekapitel dar, wie „Qualität durch Evaluation“ erreicht werden kann. Dabei seien objektive Kriterien wichtig. In ihren Ausführungen weist sie u.a. auch auf kriteriengeleitete Verfahren hin.

Im Kapitel 10 „Qualität durch Beobachtung, kritische Reflexion und Erprobung“ zeigt Daldrop, welche Bedeutung Mikrotransitionen und Mikrosituationen im Kita-Alltag haben.

Kapitel 11 „Qualität durch Effektivität“: Es gehe darum, „die richtigen Dinge zu tun“, so Strätz. Folgende Aspekte sollten dabei Betrachtung finden: Ziele klären, Entscheidungen treffen und zielorientiert handeln, Prioritäten setzen, Transparenz und Verbindlichkeit sichern sowie die Zielsetzung überprüfen.

Weiterführend beschreibt der Autor im Folgekapitel „Qualität durch Effizienz“, wie mit dem Verhältnis von Aufwand und Nutzen umgegangen werden kann. Hierbei seien drei Fragerichtungen zu unterscheiden: Zeitbedarf, kritische Überlegungen und Arbeitsabläufe.

Kollegiale Beratung, Konsultationen und Qualitätszirkel sind Möglichkeiten, wie „Qualität durch kollegialen Austausch“ (Kapitel 13) verbessert werden kann.

Kapitel 14 „Qualität durch Beratung“ geht zu Beginn auf das Angebot, den Rahmen und die Möglichkeiten von Fachberatung ein. Sie stellt, so Strätz ein „zentrales Instrument der fachlichen Weiterentwicklung und auch des Qualitätsmanagements“ dar. Weitere hier genannte Möglichkeiten sind Konsultationskindertagesstätten, Coaching oder Supervision.

Teil IV: „Die Rolle der Akteure im Qualitätsmanagement“

Auf den folgenden 180 Seiten werden Aspekte im Bezug beziehungsweise aus der Perspektive der jeweiligen Gruppe dargestellt.

Im Kapitel 15 „Die Fachkraft“ geht es um die Arbeitsbedingungen aus der Sicht der Fachkräfte und die Vereinbarkeit von Beruf und Familie.

Multiprofessionelle Teams und die Fragestellung, wie QM als Teamaufgabe verstanden werden kann, sind zwei Themen des Folgekapitels „Das Team“.

Zu Beginn des siebzehnten Kapitels „Die Leitung“ werden die Rolle der Leitung im QM-Prozess dargestellt und die AQUA-Studie aufgegriffen. Des Weiteren wird auf die Bedeutung der Delegation von Verantwortung auf die Beauftragung von Qualitätsmanagementbeauftragten eingegangen.

Über welche Möglichkeiten „die Kinder“ wahrgenommen werden sollten, beschreibt Kapitel 18. Ausgangspunkt ist das Recht der Kinder. Ihre Signale und Reaktionen sollten wahrgenommen werden. Erkenntnisse können auch aus Gesprächen mit ihnen gewonnen werden. Neben den alltäglichen Rückmeldungen geht der Autor im Weiteren auf strukturierte Kinderbefragungen ein.

Ausgehend von den Elternrechten beschäftigen sich die Autor*innen im Kapitel 19 „Die Eltern“ u.a. mit Elternbefragungen und beschreiben Qualitätsmerkmale wie auch eine mögliche Evaluation der Zusammenarbeit mit den Familien.

Nach der Vorstellung der konzeptionellen Umsetzung zweier Träger zeigt Kapitel 20 „Der Träger“ noch kurz auf, warum und wie der Träger sich seiner Qualitätsverantwortung annehmen sollte.

Teil V: „Qualitätsmanagement als Chance und Gewinn“

Am Ende des Handbuches skizieren Damen und Strätz im Kapitel 21 „Qualitätsmanagement als Wettbewerbsvorteil“ die (für sie) wichtigsten Ergebnisse in Form von fünf Thesen, die sie kurz ausführen:

  1. Qualitätsmanagement betrifft die pädagogischen Kernaufgaben
  2. Qualitätsmanagement – ein komplexer, kleinschrittiger, prinzipiell unendlicher Prozess
  3. Qualität bringt Gewinn
  4. Qualitätsmanagement – einen professionellen Umgang mit Prozessen
  5. Qualitätsmanagement – eine Frage von Haltungen

Diskussion

Bereits im Titel wird ein „großes“ Handbuch versprochen. Hält man das 749 Seiten umfassende Werk in den Händen, so wirkt es in Tat imposant. Die zusammengetragenen Informationen könnten erschlagen. Doch das erste Blättern zeigt ein ansprechendes Layout und lässt eine durchdachte Gliederung vermuten, die sich bei weiterer Orientierung auch bestätigt. Durch die Herangehensweise wie auch die Formulierungen der Überschriften hebt es sich von anderen Werken ab.

Die Autor*innen der einzelnen Artikel stellen ihre Themen klar und gut nachvollziehbar dar. Quellen und Rechtsgrundlagen werden genannt und – wo immer möglich – wird ein Praxisbezug durch Beispiele, Projektdarstellung oder konkrete Tipps hergestellt. Am Ende der Kapitel finden sich jeweils Literaturverzeichnisse, die sich durch Aktualität auszeichnen.

Das Handbuch eignet sich für alle, die sich mit Qualitätsmanagement in der Kita beschäftigen oder auseinandersetzen wollen.

Fazit

Ein umfassendes Werk, das sich mit seinen Elementen facettenreich mit dem Thema Qualitätsmanagement in der Kita auseinandersetzt. Die fachlich fundierten Beiträge geben grundlegende und weiterführende Informationen und regen zum Weiterlesen beziehungsweise zur vertiefenden Auseinandersetzung an.


Rezensent
Dipl.Soz-Päd. Martin Walz
Master of Social Management, Diplom-Sozialpädagoge (FH) Geschäftsführer Kindertageseinrichtungen mit mehrjähriger Berufserfahrung in der Kinder- und Jugendhilfe
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Zitiervorschlag
Martin Walz. Rezension vom 08.11.2019 zu: Rainer Strätz: Das große Handbuch Qualitätsmanagement in der Kita. Carl Link (Kronach) 2018. ISBN 978-3-556-07349-0. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/25025.php, Datum des Zugriffs 22.11.2019.


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ISSN 2190-9245

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