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Nina Brendel, Gabriele Schrüfer u.a. (Hrsg.): Globales Lernen im digitalen Zeitalter

Cover Nina Brendel, Gabriele Schrüfer, Ingrid Schwarz (Hrsg.): Globales Lernen im digitalen Zeitalter. Waxmann Verlag (Münster, New York) 2018. 218 Seiten. ISBN 978-3-8309-3900-9. 26,90 EUR.

Erziehungswissenschaft und Weltgesellschaft, Band 11.
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Thema

Peter Senges Entwurf eines neuen Management-Denkens, mit dem er den Begriff und das Prinzip der „Lernenden Organisation“ prägte, ist bereits 1990 zum ersten Mal erschienen und längst zum Klassiker avanciert (vgl. Senge 11. Aufl. 2011) Senge postulierte, dass durch die zunehmende Globalisierung und die sich rasch wandelnden Umweltbedingungen die Anforderungen an die Mitarbeiter einer Organisation steigen. Hinzu kommen heute die fundamentalen Konsequenzen der Digitalisierung im privaten und beruflichen Bereich. Digitalisierung bedeutet dabei nicht nur die digitale Abbildung bestehender Prozesse, sondern eine Transformation der Geschäftsmodelle, insbesondere auch der Bildungsanbieter, die einen disruptiven Charakter hat, indem die bisherige Vorgehensweise durch neue, digital gestützte Alternativen ersetzt wird.

Dies hat zur Folge, dass die Menschen zunehmend Kompetenzen, also die Fa?higkeit zur selbstorganisierten Bewa?ltigung von Herausforderungen, beno?tigen und Ordner fu?r ihr Handeln – also Werte. Diesen Anforderungen werden die bisher dominierenden wissens- und qualifikationslastigen Bildungsmaßnahmen nicht mehr gerecht. Wir benötigen vielmehr einen grundlegenden Wandel der Lernziele, die den Aufbau der erforderlichen Werte und Kompetenzen ermöglichen.

Herausgeberinnen und AutorInnen

  • Prof. Dr. Nina Brendel ist Juniorprofessorin für Georgraphische Bildung an der Universität Potsdam.
  • Prof. Dr. Gabriele Schrüfer lehrt undf forscht am Institut für Didaktik und Geographie an der Westfälischen Wilhelms-Universität in Münster.
  • Dr. Ingrid Schwarz lehrt am Institut für Geographie und Regionalforschung der Universität Wien sowie an der Kirchlichen Pädagogischen Hochschule Wien/Krems.

Neben diesen Herausgeberinnen enthält der Band Beiträge von weiteren 14 Autorinnen und Autoren aus dem Schul- und Hochschulbereich.

Entstehungshintergrund

Die globalisierte und digitalisierte Lebenswelt der gesamten Gesellschaft sollte sich in den schulischen und außerschulischen Lernorten abbilden, damit die Menschen sich auf die neuen Herausforderungen vorbereiten können. Die notwendige Veränderung der fachdidaktischen Zugänge, Inhalte und Methoden sowie Strategien zur „Bildung in der digitalen Welt“, aber auch eine „digitale Grundbildung“ werden aktuell breit diskutiert. Es fehlt jedoch ein Konsens über die geeignete Vorgehensweise.

Die Globalisierung hat dazu geführt, dass sich die Menschheit mit vielfältigen Herausforderungen, z.B. Umweltveränderungen, Verknappung natürlicher Ressourcen, Armut, Menschenrechtsverletzungen und Risiken einer vernetzten Weltwirtschaft konfrontiert sieht. Deshalb gewinnt das Leitbild einer Nachhaltigen Entwicklung an Bedeutung. Bildung für Nachhaltige Entwicklung setzt den Aufbau von Kompetenzen voraus, zukunftsfähig zu handeln. Belehrungen helfen Dabei nicht weiter.

Mit der Digitalisierung wird sich die Art und Weise des Lernens weiter grundlegend verändern. Situiertes und informelles Lernen sowie nach Bedarf werden in den Vordergrund rücken. Damit geht eine Veränderung der Lernkultur einher, die Lerner werden primär für ihren Lernprozess selbst verantwortlich sein. Die Verteilung von Milliardenbeträgen über alle Schulen hinweg wird deshalb nicht wirklich dazu beitragen, diese Herausforderungen zu bewältigen, wenn die Lernkonzepte sich nicht grundlegend verändern.

Die Autoren versuchen Antworten auf die Frage zu geben, wie zukünftig die Bildungsprozesse in Schulen, Hochschulen und im außerschulischen Bildungsbereich gestaltet werden müssen, um Lebenslanges Lernen zu ermöglichen.

Aufbau und Inhalt

Gabriele Schäfer und Nina Brendel zeigen in Ihrem grundlegenden Beitrag „Globales Lernen im digitalen Zeitalter“ auf, wie Kompetenzen des Globalen Lernens und der Bildung für Nachhaltige Entwicklung mit der Strategie „Bildung in der digitalisierten Welt“ verknüpft werden können.

René Danz und Stephanie Widholm betrachten aus dem Blickwinkel der Zivilgesellschaft die Entwicklung des Orientierungsrahmens für den Lernbereich „Globale Entwicklung“ in der Schule und erläutern, wie digitale Medien und mediale Lebenswelten integriert werden. Der Schwerpunkt liegt hierbei auf Open Educational Resources (OER).

Lisa Rosa geht der Frage nach, wie mit spezifischen Lernformen und digitalen Endgeräten Lerninhalte aktiv angeeignet werden können. Sie kommt zum Ergebnis, dass es keinen Sinn ergibt, digitale Medien als „Add-on“ und globale Themenstellungen in den bestehenden Fachunterricht zu integrieren. Sie verweist auf Entwicklungen der Reformpädagogik, aber auch des selbstorganisierten Projektlernens und des Lebenslangen Lernens sowie des Lernens im Netz in der betrieblichen Praxis. Danach ist Lernen im Digitalzeitalter lernerzentriert, forschend sowie problemorientiert und findet auch in Projekten und im Internet statt. Lernen in der Schule sollte deshalb konsequent vernetzt, problemorientiert und selbstbestimmt sein. Digitale Medien ermöglichen dabei eine Umgestaltung des bisherigen Unterrichts nach „Netzprinzipien“. Dass die Lehrerbildung entsprechend grundlegend neu gestaltet werden muss, ergibt sich zwingend daraus, dass die heutigen Nachwuchskräfte solche innovativen Lernkonzeptionen und die entsprechende Lernkultur niemals selbst als Schüler erfahren haben. Rosa fordert deshalb, dass die Lehrerbildung selbst in Projektform, experimentierend, die eigene Praxis reflektierend (kontextuell) und kollaborativ im Web aus dem Seminarraum in die Welt hinausreichen. Dies erfordert im ersten Schritt eine radikale Abkehr von den zweistündigen „Lehrveranstaltungen“ zu langfristigen Werkstattformaten, die beispielsweise durch Working-Out-Loud-Prinzipien und Communities of Practice geprägt sind.

Nina Brendel und Gabriele Schürfer erläutern, wie Weblogs als Reflexionsmedium das Globale Lernen ermöglichen können und zeigen Praxisbeispiele. Johanna Mägen stellt ihr Konzept des „schreibenden Handelns“ vor. Handeln im Unterricht wird dabei dadurch erreicht, dass die Schüler kommunikative Texte entwickeln und diese mit der Öffentlichkeit austauschen.

Detlef Kanwischer, Uwe Schulze und Teresa Segbers berichten über ein Fallbeispiel, in dem digitale Geomedien in die Ausbildung der Lehrer integriert werden. Anne-Kathrin Lindau und ihre Kollegen beschreiben eine virtuelle Exkursion „The Bittersweet Journey of Chocolate“, die durch Lehramtsstudierende entwickelt wurde. Anna Chatel und Gregor Falk zeigen, wie Smartphones zur Spurensuche in Sozialräume genutzt werden können und wie Studierende Apps für ihre wissenschaftliche Projektarbeit nutzen können.

Fazit

Der Sammelband bietet eine Vielzahl von innovativen und nützlichen Ansätzen zum Aufbau Globaler Kompetenzen und zur Integration digitaler Medien. Fast durchgängig werden die Möglichkeiten der Digitalisierung als Ergänzung zur Optimierung der Lernprozesse im Rahmen der bisherigen Unterrichtskonzepte diskutiert. Dabei wird das Prinzip des „Unterrichts“ mit formalen Lehr- und Lernprozessen sowie die Rolle des „Lehrenden“ meist nicht hinterfragt. Die Struktur mit Fächern wie „Geographie“ und „Wirtschaftskunde“ wird als gegeben akzeptiert, auch wenn die globalen Herausforderungen diesen Rahmen sprengen. In diesem Kontext bietet der Sammelband eine Vielzahl von spannenden Erkenntnissen, die in der Praxis umgesetzt werden können.

Deutlich hebt sich der Beitrag von Lisa Rosa ab, die auf Basis der Veränderungen in Gesellschaft und Wirtschaft konsequent den Veränderungsbedarf in Schule und Lehrerausbildung ableitet. Ihr Beitrag zeichnet sich dabei besonders dadurch aus, dass sie nicht nur untersucht, wie bisherige Lehrprozesse mit digitalen Medien verbessert werden können. Sie geht vielmehr konsequent der Frage nach, was die digitale Transformation und Bildung für nachhaltige Entwicklung für das System Schule bedeutet. Ihre Antworten darauf sind in besonderem Maße richtungsweisend, auch wenn sie für manche radikal wirken könnten. Die Erfahrungen in der betrieblichen Bildung zeigen, dass die vorgeschlagenen Ansätze den heutigen Herausforderungen der Digitalisierung gerecht werden.

Eine spannende Lektüre mit einer Vielzahl innovativer Ansätze für die Praxis. Angesichts der zunehmenden Herausforderungen, die sich aus der Digitalisierung und der Globalisierung für das Handeln und das Lernen der Menschen ergeben, wäre jedoch eine vertiefte, kritische Diskussion der aktuellen Strukturen, Rollen und Prozesse in den Schulen wünschenswert.


Rezensent
Prof. Dr. Werner Sauter
Blended Solutions GmbH
Homepage www.blended-solutions.de
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Zitiervorschlag
Werner Sauter. Rezension vom 18.07.2019 zu: Nina Brendel, Gabriele Schrüfer, Ingrid Schwarz (Hrsg.): Globales Lernen im digitalen Zeitalter. Waxmann Verlag (Münster, New York) 2018. ISBN 978-3-8309-3900-9. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/25056.php, Datum des Zugriffs 20.08.2019.


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