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Ina Plambeck, Erich Eisenstecken u.a.: Zusammenarbeit zwischen professionellen Diensten und Selbsthilfe

Cover Ina Plambeck, Erich Eisenstecken, Kristina Jakob, Mirjam Unverdorben-Beil, Stephanie Striebel: Zusammenarbeit zwischen professionellen Diensten und Selbsthilfe. Ein Leitfaden für die Praxis. AG SPAK Bücher (Neu Ulm) 2018. 126 Seiten. ISBN 978-3-945959-33-6. D: 10,00 EUR, A: 10,00 EUR, CH: 10,00 sFr.

Materialien der AG SPAK ; M 330.
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Thema

Heute sind die Selbsthilfen und ihre Organisationen fest im Gesundheitssystem verankert. Selbst im wichtigsten Gremium der Gemeinsamen Selbstverwaltung-im Gemeinsamen Bundesausschuss G-BA- sind sie (ohne Stimmrecht) vertreten. Die heroischen und kämpferischen Gründungs- und Entwicklungszeiten (so reden die Vorhergehenden immer über sich – Sie werden es auch tun)) sind wohl endgültig vorbei. Das ist der Gang aller Institutionen, die sich auf dem schwierigen Gesundheitsgelände durchsetzen und ein wenig vom Kuchen haben wollen. Das geht nicht ohne Anpassung an die vorhandenen Strukturen. Recht, Geld und ein wenig Anerkennung tun ihr Übriges. Als Teil des Gesundheitssystems wird die Selbsthilfe schwerlich die Aufgabe der Kritik an der Gesundheitspolitik und an der Versorgung so engagiert und eindeutig wie vor Zeiten vortragen wollen und können. Konstruktive Mitarbeit ist gefragt. Was das heißt? Überlegen Sie bitte einmal!

Herausgeber und Autoren

Das Selbsthilfezentrum München hat in der Selbsthilfe seit Jahren, ja seit über drei Jahrzehnten einen guten Ruf und hat sich schon immer für den Austausch an Ideen und Gedanken und neuen Arbeitsweisen in der Selbsthilfe eingesetzt. Ein Blick auf die Website des Zentrums lohnt sich: www.shz-muenchen.de

Ina Plambeck, Erich Eisenstecken, Kristina Jakob, Mirjam Unverdorben-Beil, Stephanie Striebel werden als die Autoren genannt, die dem ansprechenden Buch ihren „Kopf“ geliehen haben.

Aufbau und Inhalt

Wie es sich für einen Leitfaden für die Praxis gehört, gibt es eine klare Gliederung mit insgesamt sieben zentralen Kapiteln:

Mit der unvermeidlichen Frage nach der Definition der Selbsthilfe beginnt es: Was ist Selbsthilfe? Themen der Selbsthilfe, Organisationsformen, Teil des bürgerschaftlichen Engagements, Wirkungen sind ausgewählte Punkte.

Es folgt eine gründliche Beschreibung der einzelnen Elemente der Selbsthilfeunterstützung:

  • Selbsthilfekontaktstellen,
  • die Strukturen auf Landes-und Bundesebene,
  • finanzielle Förderung
  • Förderstränge für die Gesundheitsselbsthilfe und für die soziale Selbsthilfe
  • Wofür brauchen Selbsthilfegruppen Geld?

Sehr ausführlich wird die Zusammenarbeit zwischen professionelle Diensten und Selbsthilfeinitiativen beschrieben: Hier gibt es zahlreiche erprobte Vorgaben für das Wie der Zusammenarbeit bis hin zur Überführung der Gruppen in die Selbstorganisation.

Unter der Überschrift „Selbsthilfefreundlichkeit als Methode und Praxis“ geht es um Qualitätsstandards, Haltung, Arbeits- und Kommunikationsklima, um zwischen Engagierten und Profis geteilte Expertise und Reflexion der Rolle der Beteiligten.

Beispiele erfolgreicher Kooperationen mit Kliniken, Ärzten, Apotheken, Therapeuten und Heilpraktikern u.a. werden vorgestellt. Ergänzt um Darstellungen der Zusammenarbeit mit sozialen Einrichtungen und Ausbildungsstätten.

Auf das Selbsthilfezentrum München und seine Leistungen, die im folgenden Kapitel umfassend beschrieben werden, habe ich schon mit dem entsprechenden Link hingewiesen. Spätestens nach der Lektüre dieses Abschnittes werden Sie dem Ratschlag folgen!

Das letzte Kapitel geht näher auf Fragen der finanziellen Förderung von Selbsthilfe in München und Bayern ein.

Diskussion

Sehr gelungen und hilfreich sind die kleinen Zusammenfassungen, die die wichtigen Gesichtspunkte auf eine kurze Form bringen. Jedes Kapitel ist damit ausgestattet. Ein wirklich guter Einfall, der gerade für neue oder informationssuchende Leser von Vorteil ist.

Die ganze gelungene Publikation ist mit zwei durchaus lesenswerten Vorworten und einem informativen Nachwort, einigen Materialien, Ansprechpartnern und einem Literaturverzeichnis ausgestattet. Was will man zu seiner Information und Aufklärung mehr?

Wenn man davon ausgeht, dass diese Darstellung den aktuellen und fortgeschrittenen Stand der derzeitigen Selbsthilfe und ihrer Kooperationspraxis darstellt – und ich gehe davon aus-, dann wird Kritik leicht beckmesserisch. Aber einen kleinen Hinweis möchte ich mir nicht verkneifen: Es gibt ein Buch eines Pioniers der Selbsthilfe: Michael Lukas Moeller, der vor knapp 40 Jahren über das gleiche Thema geschrieben hat: „Anders helfen. Selbsthilfegruppen und Fachleute arbeiten zusammen“. Wer beide Bücher liest, kann Gemeinsamkeiten, Unterschiede, Fortschritt und Rückschritte der Selbsthilfebewegung besser abwägen.

Fazit

Für alle an Selbsthilfe Interessierten ein Muss. Es hat durchaus Lehrbuch-Charakter und kann der Einführung, aber auch der Festigung und Weiterführung des Wissens über Selbsthilfe dienen. Ich komme zu diesem Urteil, nachdem ich über 40 Jahre berufliche Erfahrungen in und mit der Selbsthilfe in einer Kommune des Ruhrgebietes sammeln konnte.


Rezensent
Dr. Alexander Brandenburg
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Zitiervorschlag
Alexander Brandenburg. Rezension vom 06.03.2019 zu: Ina Plambeck, Erich Eisenstecken, Kristina Jakob, Mirjam Unverdorben-Beil, Stephanie Striebel: Zusammenarbeit zwischen professionellen Diensten und Selbsthilfe. Ein Leitfaden für die Praxis. AG SPAK Bücher (Neu Ulm) 2018. ISBN 978-3-945959-33-6. Materialien der AG SPAK ; M 330.
Inhaltsverzeichnis bei der DNB In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/25066.php, Datum des Zugriffs 19.07.2019.


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