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Mathias Schwabe, Karlheinz Thimm: Alltag und Fachlichkeit in stationären Erziehungshilfen

Cover Mathias Schwabe, Karlheinz Thimm: Alltag und Fachlichkeit in stationären Erziehungshilfen. Erkenntnisse aus dem Modellprojekt ´Qualitätsagentur Heimerziehung´. Beltz Juventa (Weinheim und Basel) 2018. 470 Seiten. ISBN 978-3-7799-3860-6. D: 39,95 EUR, A: 41,10 EUR, CH: 51,90 sFr.
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Autoren

Die beiden Autoren Dr. Mathias Schwabe und Dr. phil. Karlheinz Timm sind Professoren für Soziale Arbeit an der Evangelischen Hochschule Berlin.

Aufbau

Das Buch gliedert sich in sieben Großkapitel:

  1. Einleitung
  2. Das Modellprojekt Qualitätsagentur
  3. Die Visitationen
  4. Alltag und Fachlichkeit nach Qualitätsdimensionen
  5. Auswertung: Das Format Visitation der pädagogischen Arbeit in stationären Erziehungshilfen
  6. Was ist Qualität und wie geht Qualitätsentwicklung? Vier Modelle und ihre Implikationen
  7. Ausblick

Im Anhang des Buches finden sich zudem ausgewählte Visitationsinstrumente wie beispielsweise ein Leitfaden zur Situations- und Auftragsklärung.

Inhalt

Zunächst wird das Modellprojekt „Qualitätsagentur Heimerziehung“ vorgestellt. Dabei gehen die Autoren auf die Ausgangslage und mögliche Vorgehensweise bei einer Qualitätsbemessung bzw. -entwicklung mit möglichen Einrichtungen ein. Es werden Vor- und Nachteile aufgezeigt sowie der, dem Vorgehen zugrundeliegende Qualitätsrahmen dargelegt.

In Kapitel 3 werden zu Beginn die durchgeführten Visitationen überblicksartig dargestellt und die Erkenntnisse anschließend weiter ausgeführt.

Im vierten Kapitel, welches inhaltlich und hinsichtlich des Umfangs den Schwerpunkt Buches darstellt, werden die gewonnenen Erkenntnisse gemäß den aus dem Qualitätsrahmen hervorgehenden 14 Dimensionen aufbereitet. Dabei wird die breite Datenlage des Projektes verdeutlicht und kommentierend der Alltag in stationären Jugendhilfeeinrichtungen rekonstruiert.

In Kap. 5 wird die Methode „Visitation“ mögliches Element zur Erforschung und Weiterentwicklung von Qualität in Kinder- und Jugendhilfeeinrichtungen reflektiert und weitere Auszüge aus der Datenerhebung werden vorgestellt.

In Kapitel 6 behandelt Mathias Schwabe die Frage, was unter Qualität in der Kinder- und Jugendhilfe zu verstehen sei und wie diese entwickelt werden könnte. Dabei werden vier Qualitätsentwicklungsansätze herausgestellt und in deren Folge entsprechende Qualitätsbegriffe eingeführt. Jedes der im sechsten Kapitel vorgestellten Modelle fußt auf einer anderen Qualitätsdimension. Die Stichwörter dabei sind:

  • Herstellung von Qualität über Montage,
  • Kultur,
  • personenbasiert und
  • Koproduktion.

Der Autor betont dabei, dass es sich bei den Modellen weder um wissenschaftlich ausgewiesene noch um alltagstheoretische Modelle handele, sondern um „irgendetwas dazwischen“ (S. 448). Über die Modelle wird abschießend ein tabellarischer Überblick gegeben.

Der Ausblick besteht v.a. in der Darstellung, welche Produkte die Qualitätsagentur für die Praxis auch weiterführend anbietet.

Diskussion

Die beiden Autoren bieten in ihrem Werk einen hermeneutisch-normativen Zugang zur Qualitätsbemessung und -entwicklung in der Kinder- und Jugendhilfe. Der Rahmen, an dem eine nicht näher definierte Qualität bemessen wird, fußt laut Aussagen der Autoren einerseits auf einem persönlichen Brainstorming sowie andererseits auf Erkenntnissen aus der Fachliteratur, welche jedoch nicht näher dargestellt werden (S. 17).

Das Buch bietet einen sehr praxisnahen Einblick in eine mögliche externe Überprüfung der eigenen Vorgehensweisen von Kindern- und Jugendhilfeeinrichtungen und bewirbt das im Institut erarbeitete Konzept. Die Ergebnisse werden verständlich und praxisorientiert aufbereitet und bieten einen guten Einblick in das Forschungsvorgehen über den Weg „Visitation“. Bei der wissenschaftlichen Reflexion und Diskussion bleiben die Autoren eher vage. Kritische Stimmen bezüglich des Vorgehens werden aus den eigenen Erkenntnissen aufgezeigt, jedoch auch mit eigenen Argumenten der Autoren entkräftet. Den Autoren geht es v.a. um die Darstellung der gewonnenen Erkenntnisse und dem Bewerben der Produkte des Institutes, was im Anhang herausgestellt wird. Bei knapp einem Viertel der gewählten Quellen des Buches beziehen sich die beiden Autoren auf sich selbst. Das Buch stellt die Praxisnähe auch durch die gewählten Formulierungen und Ausführungen in den Fokus.

Fazit

Das Buch bewirbt die normativ-hermeneutische externe Überprüfung und Entwicklung eines nicht näher definierten Qualitätsbegriffes in stationären Kinder- und Jugendhilfeeinrichtungen. Durch die ausführlich dargestellten Ergebnisse und Kommentare regt es Einrichtungen an, sich mit eigenen Standards auseinander zu setzen und ggf. eine externe Prüfung in Betracht zu ziehen.


Rezensentin
Jutta Harrer
Schwerpunkte: Kinder- und Jugendhilfe Theorien der Sozialen Arbeit. Promotion zu: "Multimodalität und Variabilität in der Fallarbeit der Sozialpädagogischen Familienhilfe"
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Zitiervorschlag
Jutta Harrer. Rezension vom 02.04.2019 zu: Mathias Schwabe, Karlheinz Thimm: Alltag und Fachlichkeit in stationären Erziehungshilfen. Erkenntnisse aus dem Modellprojekt ´Qualitätsagentur Heimerziehung´. Beltz Juventa (Weinheim und Basel) 2018. ISBN 978-3-7799-3860-6. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/25102.php, Datum des Zugriffs 21.04.2019.


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