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Inka Neus: Singen

Cover Inka Neus: Singen. Zentrale Begriffe, psychosoziale Wirkfunktionen und musikpädagogische Handlungsfelder : Eine interdisziplinäre Untersuchung. Lit Verlag (Berlin, Münster, Wien, Zürich, London) 2017. 248 Seiten. ISBN 978-3-643-13625-1.

Reihe: Empirische Forschung zur Musikpädagogik - Band 8.
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Thema

Inka Neus nähert sich in „Singen“ dem Phänomen des Singens aus unterschiedlichen Perspektiven an und schlägt mit ihrem Buch „einen weiten Bogen von medizinischer Effektforschung bis hin zu Grundsatzfragen musikalisch-ästhetischer Bildung“ (S. 15). Insbesondere ist es Inka Neus ein Anliegen, Singen als Begriff und Handlung zu klären, um Singen nachvollziehbar beschreiben zu können und für den wissenschaftlichen Gebrauch vergleichbar zu machen. Es geht außerdem darum, ein „Perspektivraster“ auszuarbeiten, mit dessen Hilfe dann ein strukturierter Umgang mit Singen als Begriff möglich wird (S. 14).

AutorIn und Entstehungshintergrund

Die Sängerin und Gesangspädagogin Inka Neus hat in Hamburg studiert. In Heidelberg verfasste sie „Singen“ als Dissertationsschrift im Fach Musikpädagogik. Sie singt in verschiedenen Ensembles, unterrichtet im Fach Gesang, leitet Chöre und tritt solistisch als Altistin auf.

Inka Neus stellte fest, dass häufig zwischen Musik, dem inneren Erleben und Gesundheit ein Zusammenhang hergestellt wird. Wissenschaftliche Grundlage gebe es jedoch hierzu nicht in ausreichender Form. Die Dissertationsschrift will diesem Umstand entgegenwirken, indem sie den Zusammenhang von Gruppensingen und psychosozialen Wirkfunktionen untersucht, fehlgeleitete Wirkerwartungen an das Singen beleuchtet, forschungsmethodische Schwierigkeiten diskutiert und vor diesem Hintergrund den Umgang mit Singen an allgemeinbildenden Schulen untersucht (13).

Aufbau

„Singen. Zentrale Begriffe, psychosoziale Wirkfunktionen und musikpädagogische Handlungsfelder“ besteht aus insgesamt sieben Großkapiteln:

  1. „A Klinische Studie“,
  2. „B Problemstellung“,
  3. „C Perspektiven auf den singenden Menschen“,
  4. „D Narrative Review“,
  5. „E Qualitative Inhaltsanalyse“,
  6. „F Interpretation“ sowie
  7. „G Erkenntnisse“.

Die Großkapitel sind in zahlreiche durchnummerierte Unterkapitel gegliedert.

Inhalt

Ausgangspunkt aller Auseinandersetzungen ist die Vielfältigkeit des Singens (S. 215). Hieran knüpft Inka Neus verschiedene Überlegungen und stellt fest: „Die Unbestimmtheit von Singen als Begriff und Handlung führte zu der banalen Frage, was das Singen eigentlich ist.“ (S. 215). Dieser Frage nähert sie sich in den sieben Kapiteln ihres Buches ausführlich an.

In Kapitel „A Klinische Studie“ wird zunächst eine Studie vorgestellt, die von 2012 bis 2015 an der Universitätsklinik Heidelberg als empirische Studie zu den Auswirkungen auf Lebensqualität und Gesundheit erstellt wurde (S. 13). Inka Neus beschreibt in diesem Kapitel die verschiedenen Parameter der Studie mit einem bewusst medizinisch-wissenschaftlichen Sprachstil, da es sich um eine rein medizinische Untersuchung gehandelt habe (17).

Im darauffolgenden Kapitel „B Problemstellung“ umreißt die Autorin die verschiedenen Fragen, die sich im medizinisch-wissenschaftlichen, aber auch musikpädagogisch-wissenschaftlichen Umgang mit Singen auftun. Sie stellt fest, dass Singen häufig nicht explizit genug beschrieben werde, um eine Vergleichbarkeit von Studienergebnissen zu gewährleisten.

„C Perspektiven auf den singenden Menschen“ hingegen fasst noch einmal zusammen, welche Aspekte für das Singen eine Rolle spielen: Beispiele hierfür sind kulturelle Aspekte oder die Tatsache, dass es beim Singen immer um den singenden Menschen geht, da Singen nicht ohne den dazugehörigen singenden Menschen vollzogen werden kann.

In Kapitel „D Narrative Review“ trägt Inka Neus Studien zusammen, die im Zusammenhang mit der Studie stehen, an der sie selbst beteiligt war. Anhand verschiedener Kriterien beurteilt sie diese Studien und zeigt auf, dass eine Vergleichbarkeit kaum gegeben ist.

„E Qualitative Inhaltsanalyse“ beschreibt das methodische Vorgehen ihrer Untersuchungen, „F Interpretation“ beschäftigt sich mit den Möglichkeiten des Singens im Musikunterricht anhand von drei didaktischen Handreichungen.

„G Erkenntnisse“ fasst „Singen“ übergreifend zusammen und fragt noch einmal danach, was Singen ist, in welcher Beziehung es zu Lebensqualität steht, wie Singhandlungen beschrieben werden können und zuletzt, was Singen für den Musikunterricht leisten kann.

Diskussion

Inka Neus nähert sich in „Singen“ dem Phänomen des Singens in besonderer Weise an. Singen wird im Alltagsverständnis als selbstverständlich angesehen, aber auch im wissenschaftlichen Kontext kaum in Frage gestellt. Singen erfährt hier eine umfassende wissenschaftliche Aufarbeitung, indem die Autorin vielfältige und originelle Fragen an den Begriff stellt, die bislang in wissenschaftlichen Auseinandersetzungen so nicht gestellt worden sind.

Besonders hervorzuheben ist auch Inka Neus' schlüssige Vorstellung der methodischen Vorgehensweise: Inka Neus zeigt nachvollziehbar auf, in welchen Schritten sie sich mit ihren Fragestellungen auseinandersetzt. Der Band kommt außerdem kompakt und damit lesefreundlich daher.

Bei der Lektüre bleiben somit nur wenige Wünsche offen: Zum Beispiel verwendet Inka Neus ausschließlich die männliche Form bei Substantiven und wählt damit eine Vorgehensweise, die angesichts der aktuellen Diskussion des „Rats der deutschen Rechtschreibung“ über das Gendersternchen wenig reflektiert erscheint.

Zudem verwundert das Titelbild: Es ist ein junger Mann zu sehen, der Gitarre spielt. Bei einer Publikation mit dem Titel „Singen“ wäre vermutlich eine singende Person näherliegend gewesen.

Fazit

„Singen“ ist ein unbedingt lesenswertes Buch. Inka Neus zeigt stringent und überzeugend auf, welche Aspekte bei der wissenschaftlichen Auseinandersetzung mit dem Phänomen Singen in Zukunft bedacht werden müssen und gibt damit Möglichkeiten vor, wissenschaftliche Untersuchungen zu Singen zu vereinheitlichen und vergleichbar zu machen.


Rezensentin
Dr. Raika Maier
M.A.(Musikwissenschaften) Neuere Rezensionen siehe Raika Lätzer
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Zitiervorschlag
Raika Maier. Rezension vom 21.12.2018 zu: Inka Neus: Singen. Zentrale Begriffe, psychosoziale Wirkfunktionen und musikpädagogische Handlungsfelder : Eine interdisziplinäre Untersuchung. Lit Verlag (Berlin, Münster, Wien, Zürich, London) 2017. ISBN 978-3-643-13625-1. Reihe: Empirische Forschung zur Musikpädagogik - Band 8. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/25157.php, Datum des Zugriffs 21.04.2019.


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