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Stephan Rietmann, Maik Sawatzki (Hrsg.): Zukunft der Beratung

Cover Stephan Rietmann, Maik Sawatzki (Hrsg.): Zukunft der Beratung. Von der Verhaltens- zur Verhältnisorientierung? Springer VS (Wiesbaden) 2018. 324 Seiten. ISBN 978-3-658-18008-9. D: 39,99 EUR, A: 41,11 EUR, CH: 41,50 sFr.

Reihe: Soziale Arbeit als Wohlfahrtsproduktion - Band 11.
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Thema

Von A wie den Anfängen der Beratung bis hin zu Z wie den geforderten Zusatzqualifikationen der BeraterInnen, ist in dem umfangreichen Werk alles enthalten, was das vielseitige Spektrum dieses sozialen Arbeitsfelds anbelangt. Der Leser wird von den umfangreichen Erfahrungen und begründeten Ansichten der vielen Autoren, die meist sowohl wissenschaftlich arbeiten als auch in der Praxis tätig sind, bereichert. Den Herausgebern ist es dabei gelungen, einen für die Zielgruppe interessanten Weg von Theorien und Grundlagen der Erziehungsberatung über aktuelle Fakten sowie Diskurse hin zu Erfolgsmodellen in Form von individuellen Projekten resp. Einrichtungen zu bereiten.

Herausgeber

Der Herausgeber Stephan Rietmann ist Diplom-Psychologe und seit 1999 in leitender Funktion der Psychologischen Beratungsstelle des Caritasverbandes Borken. Des Weiteren ist er u.a. als Coach sowie Familientherapeut tätig.

Der zweite Herausgeber des Werkes, Maik Sawatzki, widmet sich sowohl als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Erziehungswissenschaften der Universität Münster als auch im Tätigkeitsfeld des Beraters/systemischen Beraters für Kinder, Jugendliche und Eltern u.a. dem Themenfeld der Erziehungs- und Familienberatung.

Zielgruppe

PraktikerInnen sowie Studierende und Dozierende der Pädagogik, Psychologie, Erziehungswissenschaft und Sozialen Arbeit.

Aufbau

Dieses Buch umfasst drei Abschnitte, in welchen jeweils bis zu sechs Beiträge zu der entsprechenden Thematik – jedoch von insgesamt 22 Autoren verfasst – versammelt sind. Diese drei Abschnitte sind wie folgt benannt:

  1. Beratung und Gesellschaft
  2. Entwicklungskompetenz und Spannungsfelder der Erziehungsberatung
  3. Praxismodelle der Erziehungsberatung

Bevor der eigentliche Beitrag beginnt, ist diesem jeweils sowohl eine Zusammenfassung dessen als auch eine Aufzählung der darin beschriebenen Themen in Form von Schlüsselwörtern vorangestellt. 

Die Deutsche Nationalbibliothek bietet Einblick in das vollständige Inhaltsverzeichnis.

Inhalt

Abschnitt 1 („Beratung und Gesellschaft“) enthält sechs Beiträge:

  1. Standortbestimmung und Perspektiven institutioneller Erziehungsberatung. Teil 1: Beratung und gesellschaftlicher Kontext
  2. Die soziale Amnesie der Psychotherapie und von der Notwendigkeit der Gesellschaftsdiagnostik
  3. Wege aus der Bequemokratie – Loslassen will gelernt sein
  4. Beziehungsgestaltung und Erziehungsberatung im Zeitalter von Digitalisierung und Globalisierung
  5. Beratung: alte Selbstverständnisse und neue Entwicklungen
  6. Neurowissenschaftliche Erkenntnisse für die Beratungs- und Coachingpraxis

Im ersten Beitrag erörtert das Herausgeberduo in Form eines Dialoges, weshalb in der heutigen Zeit immer mehr Beratung nötig ist sowie aktiv genutzt wird. Hier ist die Sprache von der Verlagerung der gesellschaftlichen Risiken auf das Individuum, persönlichem Entscheidungsdruck – ob privat oder beruflicher Natur – und daraus resultierende Überforderung, Orientierungslosigkeit, Stress sowie Unsicherheit. Das Vertrauen in Institutionen, Personen sowie das System an sich ist des Weiteren durch die zahlreichen Skandale, Vertuschungen und Grenzverletzungen immer mehr erschüttert und führt zu oben erwähnten Verunsicherungen, Verzweiflung, aber auch zu Wut und Leid. Dies endet in einer zunehmenden „Alltagsaggression“, welche zu einem sozialen Gegeneinander der Menschen führt und u.a. den hohen Bedarf an professioneller Beratung erklärt. Jene löst zwar weder die individuellen noch gesellschaftlichen Probleme, bietet jedoch auf konstruktive und vertrauliche Weise z.B. Unterstützung bei Problemlösungsprozessen, der Identitätsfindung oder der Eigenreflexion des Individuums. Dabei soll nicht außer Acht geraten, dass dieses Individuum mit seinen Problemen nicht alleinstehend sondern Teil der Gesellschaft ist, die es mit all den gesellschaftlichen sowie politischen Faktoren stark beeinflussen. Genau aus dieser Ansicht heraus stellen die Autoren begründet die im Untertitel des Buches aufgeführte Frage, v.a. hinsichtlich der im Berufsfeld der Beratung Tätigen.

Der zweite Beitrag, welcher vom Dipl.-Psychologen Heiner Keupp verfasst wurde, beschäftigt sich ebenso mit den Gründen, die den Alltag der Menschen im heutigen Zeitalter durch den gesellschaftlichen Strukturwandel beeinflussen und durch das Erfordernis vielseitiger Lebenskompetenzen erschweren – jedoch vielmehr aus dem Blickwinkel der Psychologie. Die ansteigenden Zahlen von beispielsweise Burnout, Depressionen und ADHS sind weitere Signale für die Veränderung der Sozialwelt durch die Globalisierung. Der Autor analysiert und reflektiert kritisch seine eigenen frühen Ansichten sowie Werke bezüglich des Wandels, den die Zunft der Psychologie erfahren hat und beschreibt diesen aus verschiedenen Perspektiven. Weiter hinterfragt er, ähnlich wie zuvor Rietmann und Sawatzki, ob es nicht an der Zeit wäre umzudenken und nicht nur das (Fehl-)Verhalten des Einzelnen zu durchleuchten, sondern die Verhältnisse sämtlicher gesellschaftlicher Bereiche in der das Individuum sowohl lebt als auch arbeitet mit all deren modernen Anforderungen und daraus resultierenden Risiken einzubeziehen sowie einer kritischen Auseinandersetzung zu unterziehen.

Der dritte Beitrag von den Autoren Katharina Dutz und Niko Paech thematisiert – wie auch die vorangegangenen – den gesellschaftlichen, wirtschaftlichen sowie politischen Wandel hin zur Moderne und dessen drastische Auswirkungen auf den Menschen. Hier ist die Sprache von Anpassungs- und Modernisierungsstress, Innovationsdruck, Orientierungslosigkeit, Überforderung, Unbegrenztheit, Hochgeschwindigkeit, Kontrollverlust u.v.m. Die beiden Autoren bleiben jedoch nicht dabei, lediglich den Ist-Zustand und dessen geschichtlichen Hintergrund sowohl zu beschreiben als auch kritisch zu reflektieren. Sie zeigen mögliche Lösungsstrategien auf, welche zu einem Bewältigen der Erschöpfung und der derartigen Überladung des Individuums führen könnte – hin zur Selbstwirksamkeit, Autonomie, Genügsamkeit, Resilienz, Kompetenz, Zugehörigkeit und Angstfreiheit. Dies würde zudem dazu führen, dass Kinder wieder verlässliche Vorbilder bekämen, die Normen, Rituale ebenso Werte vermitteln und ihnen durch die Art der sozialen Interaktion dazu verhelfen, ihre Um- und Lebenswelt kennenzulernen und aktiv Teil dessen zu werden.

Im vierten Beitrag untersucht und beschreibt der Vorstand der Akademie für Potenzialentwicklung, Gerald Hüter,wie sowohl die Digitalisierung, Globalisierung als auch Technologien unser soziales System beeinflussen und unser Zusammenleben nachhaltig sowie unwiderrufbar verändern. Des Weiteren geht er der Frage nach, was all dies für die Jüngsten unter uns, die Kinder und Jugendlichen, bedeutet und weist u.a. mit Nachdruck auf einen bewussten Umgang mit der intrinsischen Motivation hin.

Der fünfte Beitrag vom Autorentrio Frank Engel, Frank Nestmann und Ursel Sickendiek beschäftigt sich ausführlich und differenziert mit dem Thema Beratung. Wann ist der Beginn der Beratung auszumachen, welche theoretischen Annahmen aber auch praktischen Voraussetzungen sowie Konzepte der Beratung gab es, wie wurde auf den Wandel der Zeit reagiert, was ist einerseits von den traditionellen Anfängen geblieben und was kam andererseits durch die Globalisierung, Mediatisierung, kulturelle Vielfalt u.v.m. an Möglichkeiten aber auch Herausforderungen hinzu? Wo steht Beratung heute, was kann, soll, muss sie leisten und welche Abgrenzung zu anderen Berufsfeldern ist zu ziehen? Mit all diesen Fragen setzen sich die drei Autoren kritisch auseinander und stellen sowohl ihre Ansichten als auch Erfahrungen begründet dar.

Im sechsten und letzten Beitrag des ersten Abschnitts zeigen Alicia Ryba und Gerhard Roth auf, wie Coaching – als eine Form der Beratung – durch das kritische Beleuchten und begründete Handeln aufgrund neurowissenschaftlicher Erkenntnisse, angewandten Psychotherapie-Verfahren sowie Ergebnisse empirischer Untersuchungen der Wirksamkeit in eben diesem Bereich zur Professionalisierung des Coachings führen kann.

Abschnitt 2 („Entwicklungskompetenz und Spannungsfelder der Erziehungsberatung“) umfasst ebenfalls sechs Beiträge:

  1. Standortbestimmung und Perspektiven institutioneller Erziehungsberatung. Teil 2: Entwicklungspotenziale für Erziehungsberatung als Ort individueller und gesellschaftlicher Reflexion
  2. Erziehungsberatung in Zahlen: Statistiken und Kommentierungen der Arbeitsstelle Kinder- und Jugendhilfestatistik. Steckbrief zur Erziehungsberatung (§ 28 SGB VIII)
  3. Erziehungsberatung im Angebots- und Anforderungsprofil. Vielfalt aktueller und potentieller Tätigkeitsfelder, Angebote und Leistungen
  4. Personalmanagement und -entwicklung in der Erziehungsberatung
  5. Junge Erwachsene als Adressaten der Erziehungsberatung – eine „neue“ Herausforderung
  6. Ergebnisse der bundesweiten „Wirkungsevaluation in der Erziehungsberatung“ (Wir.EB) und deren Relevanz für die Beratungspraxis

Im ersten Beitrag dieses Abschnitts beschreiben Stephan Rietmann und Maik Sawatzki - wie bereits zu Beginn in dialogischer Form – die Landschaft der Erziehungsberatungsstellen und deren potentiellen Entwicklungsmöglichkeiten. Sie diskutieren über die teils starren Voraussetzungen um überhaupt in dieses Berufsfeld zu gelangen, die starke Konsensorientierung, die kritisch-reflexive Prozesse verhindert sowie über die Gründe, warum aktuelle gesellschaftliche Themen zu wenig in die Beratung einbezogen und kritisch hinterfragt werden. Dennoch ist mehrfach die Rede von guten institutionellen Beratungsstellen und die Autoren motivieren, vorhandene Kompetenzen sowie Inspirationen für innovative Projekte und neue Konzepte zu nutzen und Einblicke in andere Unternehmen zu fördern.

Der zweite Beitrag gibt Auskunft über die Fallzahlen der von 2008 bis 2014 in Anspruch genommenen Leistungen der Erziehungsberatung gem. § 28 SGB VIII und den dafür jeweils aufgewandten finanziellen Aufwendungen im Vergleich. Weiter führen die Autoren Sandra Fendrich, Jens Pothmann sowie Agathe Tabel - veranschaulicht durch Abbildungen entsprechender Statistiken – den Vergleich der Fallzahlen in den verschiedenen Bundesländern sowie die deutlichen alters- und geschlechtsspezifischen Unterschiede der Inanspruchnahmequote der Erziehungsberatung auf.

Andreas Vossler und Mike Seckinger geben im dritten Beitrag einen Überblick über den geschichtlichen Verlauf, die gesetzlichen Aufgaben sowie gesellschaftlichen Anforderungen der (institutionellen) Erziehungsberatung. Darüber hinaus werden sowohl die zentralen Angebotsbereiche dieser Beratungsform ausgeführt als auch neue Wege, die durch die Globalisierung Veränderungen fordern, beschrieben und kritisch hinterfragt.

Im vierten Beitrag widmet sich Maik Sawatzki gemeinsam mit Tobias Ruttert ausführlich dem bislang wenig beachteten Themenbereich Personalmanagement und -entwicklung im Feld der Sozialen Arbeit – spezifisch jedoch dem Bereich der Erziehungsberatung. Letztlich bilanzieren die beiden Autoren, dass sich in diesem Kontext ihrer begründeten Meinung und Erfahrung nach vier konkrete Herausforderungsbereiche herauskristallisieren. Diese (Professionalisierung, Flexibilisierung des Berufseinstiegs, Leitung und Forschungsbedarf) werden beschrieben, reflektiert, kritisiert und schlussendlich mit konstruktiven Empfehlungen für die zukünftige Weiterentwicklung der Erziehungsberatung bedacht.

Johannes Hüning hinterfragt im fünften Beitrag die sinkenden Fallzahlen der Inanspruchnahme der Erziehungsberatung durch junge Erwachsene (18-21jährige) hingegen der wachsenden Herausforderungen sowie Risiken in jener Lebensphase. Der Autor gibt potenzialorientierte Anregungen, um für diese Sozialgruppe resp. Adressaten im Bereich der institutionellen Beratung benötigte Angebote erarbeiten zu können.

Im sechsten und letzten Beitrag dieses zweiten Abschnitts beschreiben die Autoren Jens Arnold und Michael Macsenaere, wie mit dem Projekt „Wir.EB“ nicht nur eine aktuelle repräsentative Studie zur Evaluation der Wirksamkeit von Erziehungsberatung, sondern ebenso die Entwicklung eines praxistauglichen Instruments für das Evaluationsverfahren von Erziehungsberatungsstellen, dessen Erprobung und zuletzt wissenschaftliche Überprüfung gelungen ist. Darüber hinaus wird das ab 2018 geplante weitere Vorhaben sowie die damit verbundenen Zielsetzungen benannt.

Abschnitt 3 („Praxismodelle der Erziehungsberatung“) gehören 4 Beiträge an:

  1. Stadtteilarbeit als politisches Handeln in der Erziehungsberatung. Ein Bericht am Beispiel der Beratungsstelle Südviertel in Münster
  2. Erziehungsberatung – Dialogpartner im interdisziplinären Kinderschutz
  3. Gegenseitiges Verstehen – nicht nur eine Frage der Sprache
  4. Training selbstregulativer Kompetenzen. Ein EU-Projekt der Erziehungsberatung

Felix Braun, welcher die Beratungsstelle Südviertel in Münster leitet, beschreibt im ersten Beitrag die vielseitigen und auf den umliegenden Sozialraum abgestimmten Angebotsformen sowie Aufgaben dieser über Jahrzehnte bestehenden Beratungseinrichtung. Neben den Erläuterungen bzgl. Fallarbeit, fallübergreifender Arbeit und fallunspezifischen Arbeit geht der Autor auf die Wahrnehmung und Umsetzung des politischen ebenso intermediären Handelns genannter Einrichtung und den darin tätigen BeraterInnen ein. Orientierung gibt dabei das Fach- und Handlungskonzept Sozialraumorientierung.

Der zweite Beitrag dieses Abschnitts von Herausgeber Stephan Rietmann beinhaltet nähere Informationen zu dem aufgrund der Forschungsergebnisse seiner Dissertation mit dem Themenschwerpunkt Kindeswohlgefährdung entwickelten Projekt „GewAlternativen“. In einer drei Module umfassenden interdisziplinären Fortbildung erhalten die Teilnehmenden seit nunmehr 10 Jahren mehrperspektivisches Fachwissen der Experten, Methoden und Umsetzungsverfahren der kollegialen Beratung sowie die (Weiter-)Entwicklung der Kommunikations- und Beratungskompetenzen. Die vorgenommenen Evaluationen bestätigen den nachhaltigen Erfolg und somit die Bedeutsamkeit des Projekts im Kontext des Kinderschutzes.

Andrea Domke, die Leiterin der seit nunmehr 40 Jahre bestehenden „Internationalen Familienberatung“ in Köln führt den Leser im dritten Beitrag durch die Jahrzehnte dieser besonderen Einrichtung – von der Idee 1973 bis hin zu der durch etwa die Globalisierung und Digitalisierung veränderten sowie beschleunigten heutigen Zeit. Die Autorin beschreibt und begründet die darauf basierenden nötigen Veränderungen resp. Weiterentwicklungen im Bereich der Beratung. Hier werden nicht nur Vielfalt befürwortet, interkulturelle Begegnungen ermöglicht und Integrationsprozesse unterstützt, sondern auch im Team der Beratungsstelle aktiv sowie wertschätzend gelebt.

Der vierte und schließlich letzte Beitrag des umfangreichen Werks wurde von einem der beiden Herausgeber, Stephan Rietmann, verfasst. Hier wird erneut ein spezielles Projekt namens VOCIS vorgestellt. Dieses widmet sich sowohl der Auseinandersetzung als auch der Stärkung selbstregulativer Kompetenzen bzw. der Selbststeuerung des Individuums. Dies ist in der heutigen Zeit, in der die Eigenverantwortung so stark gefordert und erwartet wird von hoher Relevanz. In acht durch verschiedene Theorien entwickelte Dimensionen werden die Aspekte der Selbststeuerung präzisiert. Für jede dieser wurden drei Übungen abgeleitet, die je nach Anspruchsniveau entweder recht leicht und rasch umsetzbar oder zeitintensiver und schwieriger umzusetzen sind. Alle Übungen sollen die verschiedenen Bereiche der Selbststeuerung fördern ebenso weiterentwickeln.

Schlussendlich weist der Autor deutlich darauf hin, dass das Individuum diesen enormen Belastungen und all den daraus resultierenden Risiken nicht ausgesetzt wäre, wenn ein gesellschaftlicher Paradigmenwechsel stattfände.

Diskussion

Da die Rezensentin von dem zu besprechenden Band durch die aufgezeigte Vielfalt und daraus entstehenden Auseinandersetzungen mit dem Schwerpunktthema Beratung sehr angetan ist, gibt es wenige Punkte der Diskussion.

Die Begründungen für die steigenden Fallzahlen und den Wandel der (Erziehungs-)Beratung werden mehrfach benannt und umfangreich beschrieben. Einerseits könnten diese Wiederholungen als störend empfunden werden, andererseits zeigt die Übereinstimmung die Brisanz und wird des Weiteren von den verschiedenen Autoren gemäß ihrer unterschiedlichen Berufszugehörigkeiten sowie -erfahrungen aus verschiedenen Blickwinkeln beleuchtet. Der Leser erhält daher eine mehrperspektivische Sicht auf das Spektrum und die Umsetzung der Beratung Stand 2018.

Wobei dies nicht ganz stimmt. Dem Beitrag „Erziehungsberatung in Zahlen“ wurde die Statistik der Hilfen zur Erziehung aus dem Jahr 2016 mit den Fallzahlen der Erziehungsberatung des Jahres 2014 zugrunde gelegt. Es war wohl aufgrund des Veröffentlichungszeitpunktes nicht mehr möglich, stattdessen die Ende 2017 veröffentlichten Fallzahlen der Inanspruchnahmen des Jahres 2016 in das besprochene Werk einzubeziehen.

Der Beitrag „Erziehungsberatung – Dialogpartner im interdisziplinären Kinderschutz“ erläutert eine bedeutsame sowie erfolgreiche Fortbildungsmöglichkeit im Bereich des Kinderschutzes. Der Zusammenhang zur (institutionellen) Beratung ist hier nicht sofort in vollem Ausmaß ersichtlich und bedarf dem erbrachten Hinweis des Autors sowie die anschließende Reflexion seitens des Lesers, da der Kontext erst aus einer anderen Perspektive heraus entsteht als bei den Beiträgen zuvor.

Fazit

Das hier vorgestellte Fachbuch gibt einen umfassenden, mehrperspektivischen und begründeten Überblick der Beratungslandschaft in Deutschland. All die in der Beratung aufkommenden Herausforderungen, gesetzlichen, ethischen, gesellschaftlichen, politischen und sozialen Aufgaben sowie Handlungsweisen werden beschrieben – ebenfalls kritisch reflektiert. Des Weiteren werden zukunftsorientierte Verbesserungsmöglichkeiten aufgezeigt und anhand von Erfolgsmodellen der Praxis beispielhaft veranschaulicht.

Alles in allem handelt es sich um ein wie eingangs beschrieben für die Zielgruppe hilfreiches, verständliches und vielseitiges Werk. Durch die kritisch-reflexive Sicht der Autoren wird der Wunsch nach Reflexion, Weiterentwicklung und Verbesserung im Bereich der Beratung deutlich und überträgt sich gar auf den Leser. Daher ist auch der Titel passend gewählt – denn letztendlich ist die Blickrichtung des Werkes der Zukunft gewidmet.


Rezensentin
Samantha Richter
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Kommentare

Anmerkung der Redaktion: Die Rezension entstand im Rahmen des Masterstudiengangs Kindheits- und Sozialwissenschaften (MAKS) der Hochschule Koblenz.


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Zitiervorschlag
Samantha Richter. Rezension vom 05.02.2019 zu: Stephan Rietmann, Maik Sawatzki (Hrsg.): Zukunft der Beratung. Von der Verhaltens- zur Verhältnisorientierung? Springer VS (Wiesbaden) 2018. ISBN 978-3-658-18008-9. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/25161.php, Datum des Zugriffs 15.10.2019.


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ISSN 2190-9245

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