Klaus Grunwald, Andreas Langer (Hrsg.): Sozialwirtschaft
Rezensiert von Prof. Dr. Paul Brandl, 07.02.2019
Klaus Grunwald, Andreas Langer (Hrsg.): Sozialwirtschaft. Handbuch für Wissenschaft und Praxis. Nomos Verlagsgesellschaft (Baden-Baden) 2018. 935 Seiten. ISBN 978-3-8487-3599-0. D: 98,00 EUR, A: 59,70 EUR.
Herausgeber
Klaus Grunwald, Prodekan und Professor der Fakultät Sozialwesen der DHBW Stuttgart, Leiter des Studiengangs „Soziale Arbeit in Pflege und Rehabilitation“,
Andreas Langer, Professor für Sozialwissenschaften/Sozialpolitik an der HAW Hamburg; geschäftsführender Direktor des Deutschen Instituts für Sozialwirtschaft (DISW)
sowie ca. 50 bekannten und renommierten Autoren, die auch aus einer Vielzahl anderer Beiträge im Bereich der Sozialwirtschaft bereits sichtbar und bekannt wurden. Sie werden zusammen mit ihren Beiträgen genannt.
Thema
Die Sozialwirtschaft wurde eigentlich zum vierten Sektor der Gesamtwirtschaft – mit einigen Besonderheiten gegenüber der Landwirtschaft, der Produktion oder der Dienstleistung. Genau diese Spezifika arbeiten die Autoren in sechs großen Kapiteln ab:
- Grundlagen der Theorie der Sozialwirtschaft
- Rahmenbedingungen der Sozialwirtschaft
- Sozialwirtschaftliche Organisationen und ihre Gestaltung
- Management sozialwirtschaftlicher Organisationen
- Sozialwirtschaftliche Kooperationsstrukturen
- Trends der Weiterentwicklung
Dieses Handbuch bietet Forschenden, Lehrenden, Studierenden und auch Führungskräften der Sozialwirtschaft einen profunden und differenzierten Überblick zum aktuellen Diskussionsstand der Sozialwirtschaft.
Aufbau und Inhalt
Das Handbuch besteht aus sechs Kapiteln, denen verschiedene Fachbeiträge untergeordnet sind. Nachfolgend werden die Kapitel detaillierter erläutert.
1. Grundlagen der Theorie der Sozialwirtschaft
Nach der Einleitung durch die Herausgeber als Einführung in das Handbuch widmen sich der Altmeister Wolf Rainer Wendt der Geschichte der Sozialwirtschaft und Andreas Langer den sozialen Dienstleistungen in sozialwirtschaftlichen Strukturen.
2. Rahmenbedingungen der Sozialwirtschaft
Zimmer/Paul beginnen mit der volkswirtschaftlichen Bedeutung der Sozialwirtschaft deren Rahmenbedingungen zu beleuchten. Backhaus-Maul zeigt anschließend die sozialpolitischen Entwicklungslinien auf, gefolgt von Güntner/Maucher, die die Sozialwirtschaft in den Kontext des EU-Binnenmarktes und die europäische Sozialpolitik stellen. Dahme/Wohlfahrt gehen anschließend auf die kommunale Ebene der Sozialpolitik ein, gefolgt von Gerlach/Hinrichs mit dem Leistungsrecht in der Sozialwirtschaft sowie mit dem Leistungserbringungsrecht. Die Meritorik in der Sozialwirtschaft wird von Beate Finis-Siegler in einem Artikel beleuchtet, gefolgt von Meyer/Maier mit der Ökonomisierung und Managerialisierung.
3. Sozialwirtschaftliche Organisationen und ihre Gestaltung
Grunwald eröffnet auch hier mit den Organisationen aus sozialwissenschaftlicher Perspektive und übergibt dann an Kollegen Schröer, der sich der Organisation als pädagogisches Konzept widmet. Brink/Langer befassen sich mit dem Thema Wirtschafts- und Unternehmensethik und werden dann thematisch von den Rechts- und Organisationsformen – Beitrag von Schick – weitergeführt. Anschließend geht dann Boeßenecker auf die Spitzenverbände der Wohlfahrtspflege im Transformationsprozess zu sozialwirtschaftlichen Organisationen über. Auch die Banken werden aus sozialwirtschftlicher Sicht von Krüger thematisiert; das naheliegende Thema der Privatisierung und das Outsourcing sozialer Dienstleistungsorganisationen wird von Vaudt unter die Lupe genommen. Damit bleiben noch zwei Themen zur Abrundung dieses Themenbereichs: Organisationsentwicklung/Change Management von Langer und die Beratungsunternehmen als Dienstleister in der Sozialwirtschaft von Noll.
4. Management sozialwirtschaftlicher Organisationen
Wiederum beginnt der Herausgeber Klaus Grunwald das nächste Kapitel mit einem Beitrag zum Management sozialwirtschaftlicher Organisationen zwischen Steuerskepsis, Dilemmatamanagement und postheroischer Führung. Kolhoff diskutiert ganz allgemein das Sozialmanagement und Zimmer/Paulsen fokussieren das Verbandsmanagement, gefolgt von Siegel mit dem Public Management und dem neuen Steuerungsmodell. Fast könnte man das St. Gallener Managementmodell dahinter vermuten, wenn Vilain das Ressourcenmanagement und die Stakeholder diskutiert. Kolhoff bringt anschließend das Personalmanagement auf das Tapet und Kriegsmann nimmt sich des Arbeitsrechts an. Finanzierung und ein Artikel zum Rechnungswesen entstammen der Feder von Schellberg. Controlling und Wirkungscontrolling werden von Halfar/Heider eingebracht, das Risikomanagement von Moos. Schick legt anschließend die Grundlagen für das Gemeinnützigkeitsrecht. Vaudt leitet dann zum Sozialmarketing weiter und Halberstadt/Hölzner bearbeiten das Thema „Social Entrepreneurship“, etwas exotisch gefolgt von der Gesundheitsförderung in der Sozialwirtschaft von Hungerland. Grunwald meldet sich anschließend mit dem Qualitätsmanagement und Merchel mit einem Beitrag zur Evaluation. Schließlich hängen dann zum Abschluss des sehr großen Kapitels noch ein Beitrag zur wissenschaftlichen Begleitung von Schäfer-Walkmann, Social & Health Service Design von Herold-Majumdar und Roß zum bürgerschaftlichen Engagement und seine Förderung dran.
5. Sozialwirtschaftliche Kooperationsstrukturen
Dieses Kapitel beginnt Jüster mit der Transformation der Subsidiarität und übergibt an Bellermann zum Thema Kooperation sozialwirtschaftlicher Organisationen. Reutlinger bringt dann dazu passend das Thema „Infrastruktur und Sozialraum“, um dann wieder an Roß das Thema Governance zu übergeben. Die Märkte der Sozialwirtschaft diskutiert anschließend Schulz-Nieswandt und wird weiterführend von Horcher mit Public Private Partnership diskutiert. Das Kapitel wird weitergeführt von Rieger zum Thema „Sozialarbeitspolitik und Soziallobbying“ und von Sagmeister zu den Netzwerken in der Sozialwirtschaft. Rothschuh rundet hier den Themenbereich noch mit Community Organizing und Gemeinwesenarbeit ab. Mit einem Artikel zur Gesundheitswirtschaft schließt dann der Altmeister Wendt das Kapitel.
6. Trends der Weiterentwicklung
Güntner/Langer beginnen mit dem Thema Innovation in der Sozialwirtschaft. Franz diskutiert anschließend „De-Institutionalisierung und Personenzentrierung“ und Langer kommt dann auf die Professionalisierung und Expertise in der Sozialwirtschaft zu sprechen. Kehl/Then rücken dann soziale Investitionen in den Mittelpunkt, um dann weiter auf die Wirkungsorientierung und den „Social Return“ einzugehen. Auch Digitalisierung und Technisierung sozialer Dienstleistungen darf nicht fehlen. Sie werden von Deckert/Langer eingebracht.
Schließlich runden zwei Beiträge die Trends der Weiterentwicklung in der Sozialwirtschaft ab: Hybridisierung und Modernisierung von Evers sowie Ökologie und Nachhaltigkeit von Tietze.
Fazit
Als potenzieller Leser kann man davon ausgehen, dass ziemlich alle Themen im Bereich der Sozialwirtschaft in der vorliegenden Arbeit enthalten sind und eine solide Grundlage bilden. Auch ein Kapitel zu den gegenwärtigen Entwicklungstrends ist enthalten, wobei nicht nur die Wirkungsorientierung mit dem „Social Returm“, die Digitalisierung, sondern auch die Personenzentrierung sowie der Sozialraum einen Platz erhielten. Ein sehr umfassendes Werk, das dazu einlädt, beim Lesen in viele Portionen zerlegt zu werden. Dabei liegt es am jeweiligen Leser mit seinem Fokus, sich Stück für Stück zu erarbeiten. Für eine gute Grundlage ist durch die Vielzahl der Autoren gesorgt und verleitet zur selbstständigen Vertiefung in Spezialthemen.
Rezension von
Prof. Dr. Paul Brandl
war Professor für Organisationsentwicklung und Prozessmanagement an der FH Oberösterreich, Department für Sozial- und Verwaltungsmanagement und ist Berater insbesondere für die prozessbasierte Optimierung und Neugestaltung von sozialen Dienstleistern
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