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Robin Haring (Hrsg.): Gesundheit digital

Cover Robin Haring (Hrsg.): Gesundheit digital. Perspektiven zur Digitalisierung im Gesundheitswesen. Springer (Berlin) 2019. 233 Seiten. ISBN 978-3-662-57610-6. D: 49,99 EUR, A: 51,39 EUR, CH: 51,50 sFr.
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Thema

Perspektiven zur Digitalisierung im Gesundheitswesen

Herausgeber

Prof. Dr. habil. Robin Haring ist Professor für vergleichende Gesundheitswissenschaften an der Europäischen Fachhochschule (EUFH) in Rostock und Adjunct Professor an der Monash University in Melbourne.

Entstehungshintergrund

Für den Herausgeber befindet sich die Digitalisierung im Gesundheitswesen noch in der Anfangsphase (S. V). Mit dem interdisziplinären Zugang des Sammelbandes will er Orientierungswissen in einer Phase geben, in der die Umrisse einer digitalen Medizin im „großen Spektrum möglicher Zukünfte“ (S. VI) noch kaum zu erkennen sind.

Aufbau

Das Buch besteht aus zwölf Kapiteln, die jeweils von einem/r AutorIn bzw. Autorenteam verantwortet werden. Jedes Kapitel ist in sich abgeschlossen mit jeweils eigenen Schlussfolgerungen und Literaturhinweisen.

Inhalt

Im ersten Kapitel erläutert Thomas Lux, Professor an der Hochschule Niederrhein, den Begriff E-Health und beschreibt Umsetzungsbarrieren. Nachhaltigkeit und Nutzen werden sich nach seiner Auffassung nur in einem „multiperspektivischen Gestaltungsansatz“ (S. 13) entfalten.

Stafan Rüping und Jil Sander vom Fraunhofer-Institut für intelligente Analyse- und Informationssysteme beschäftigen sich anschließend mit Big Data in Gesundheitswesen und Medizin. Sie betonen die Notwendigkeit interdisziplinärer Teams, die die Potenziale zur Verbesserung der Versorgung in iterativen und agilen Formen der Projektzusammenarbeit erschließen.

Für Christoph Auer, Nora Hollenstein und Matthias Reumann von IBM Research ist es offensichtlich, dass der Einsatz Künstlicher Intelligenz im Gesundheitswesen einen positiven Einfluss auf die Gesundheitsversorgung haben wird. Sie fordern deshalb in ihrem Beitrag verlässliche Rahmenbedingungen von der Politik.

Fünf Autoren um den Leipziger Psychiatrie-Professor Ulrich Hegerl erläutern am Beispiel depressiver Erkrankungen, welche Chancen sich für die Betroffenen durch den Einsatz digitaler Techniken bieten, denn für digitale Interventionen mit fachlicher Begleitung konnten bereits Wirksamkeitsnachweise geführt werden. Allerdings reicht die Evidenzlage für die Beurteilung von Smartphone-gestütztem Selfmonitoring noch nicht aus.

Christian Kohlschein und zwei weitere Autoren von der Technischen Hochschule Aachen weisen in ihrem Beitrag zum Informationsmanagementzyklus im Gesundheitswesen auf die wachsende Bedeutung eines effizienten und effektiven Informationsmanagements und der Datensicherheit hin.

Karsten Knöppler und Pia Stendera von dem Berliner Beratungsunternehmen _fbeta fragen in ihrem Beitrag, wie der Transfer von Digital Health in den Versorgungsalltag gelingen kann und stellen dafür ihr Transfermodell vor, das einen beschleunigten und qualitätsgesicherten Zugang von Innovationen in den Versorgungsalltag gewährleisten soll.

Drei Autoren um den Oldenburger Professor Frank Wallhoff dämpfen in ihrem Aufsatz zur Gestaltung der Mensch-Maschine-Schnittstelle die aktuelle Euphorie über den Einsatz von Assistenz- und Servicerobotik im Gesundheitswesen. Weil die Autoren aber davon überzeugt sind, dass sich diese Systeme mit Blick auf die demographische Entwicklung und den Fachkräftemangel durchsetzen werden, fordern sie von der Politik entsprechende Förder- und Investitionsprogramme.

Ein Ökosystem, das die verschiedenen Stakeholder und Technologien auf einer offenen Plattform miteinander vernetzt stellen Marc Lauterbach und Kathrin Hörner von Siemens Healthcare als strategisches Konzept zur Digitalisierung im Gesundheitswesen vor. Sie zeigen die Komplexität dieses Ansatzes auf, der versucht, die speziellen Bedürfnisse der Akteure in Bezug auf Daten, Applikationen und Geschäftsmodelle zu berücksichtigen.

Die personalisierte Medizin steht im Mittelpunt des Beitrags von Hagen Pfundner von der Roche Pharma AG. Nach seiner Überzeugung werden Big Data und die Digitalisierung zu patientenrelevanten Verbesserungen in der Krebstherapie führen.

In seinem auf Englisch verfassten Beitrag befasst sich Sönke Bartling vom Humboldt Institut für Internet und Gesellschaft mit dem Thema „Blockchain for Science and Knowledge Creation“. Für ihn ist diese Technologie ein „game changer“, der zwar vor zahlreichen Herausforderungen steht, aber perspektivisch Verschwendung reduzieren und Werte schaffen wird.

Ein interdisziplinäres Forscherteam der Universität Greifswald um den Theologen Martin Langanke stellt die Ergebnisse eines Projektes vor, das vom Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördert wurde. Es geht dabei um die methodische Weiterentwicklung einer „sozialwissenschaftlichen Erhebungsmethode für translationsethische und gesundheitsökonomische Zwecke“ (S. 211). Es gelingt nach Überzeugung der Autoren der Nachweis, dass die vorgestellten online-basierten qualitativen Erhebungsmethoden geeignet sind, Forschungshypothesen zu generieren und mögliche Hindernisse bei der praktischen Anwendung von E-Health und Systemmedizin zu identifizieren.

Im abschließenden Beitrag beschäftigen sich Klaus Wiegerling und Reinhard Heil vom Karlsruher Institut für Technologiefolgenabschätzung und Systemanalyse mit gesellschaftlichen und ethischen Folgen der digitalen Transformation des Gesundheitswesens. Ihr Fazit kann als Grundtenor des gesamten Bandes gelesen werden: „Dafür zu sorgen, dass die Digitalisierung des Gesundheitswesens sich als Heilmittel und nicht als Gift erweist, ist eine Herausforderung, der sich Ärzte und Patienten, Gesundheitspolitiker und Kostenträger gemeinsam stellen müssen“ (S. 226).

Diskussion

Sammelbände zur digitalen Transformation des Gesundheitswesens gehören inzwischen in das Portfolio aller relevanten Fachverlage. Der Herausgeber versucht, durch die Mischung der AutorInnen aus Wissenschaft, Industrie, Versorgungspraxis und Beratung der Komplexität der Thematik gerecht zu werden. Die 31 AutorInnen nähern sich eher chancenorientiert den jeweiligen Aspekten und bemühen sich, Orientierungspunkte zu setzen, die häufig aber recht allgemein bleiben. Die gute Struktur der Beiträge und die zum Teil sehr ausführlichen Literaturhinweise helfen Lesern, die das Buch zum Einstieg und ersten Orientierung nutzen, um sich dann mit einzelnen Themen vertiefend zu beschäftigen.

Fazit

Der Sammelband beleuchtet in zwölf Beiträgen relevante Aspekte der Digitalisierung im Gesundheitswesen. Die AutorInnen versuchen für ein Fachpublikum Schneisen der Orientierung in diesen komplexen und sich dynamisch verändernden Bereich zu schlagen.


Rezensent
Dr. phil. Andreas Meusch
Homepage www.andreas-meusch.de
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Zitiervorschlag
Andreas Meusch. Rezension vom 01.04.2019 zu: Robin Haring (Hrsg.): Gesundheit digital. Perspektiven zur Digitalisierung im Gesundheitswesen. Springer (Berlin) 2019. ISBN 978-3-662-57610-6. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/25234.php, Datum des Zugriffs 14.11.2019.


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