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Esther Derby, Diana Larsen: Agile Retrospektiven

Cover Esther Derby, Diana Larsen: Agile Retrospektiven. Übungen und Praktiken, die die Motivation und Produktivität von Teams deutlich steigern. Verlag Franz Vahlen GmbH (München) 2019. 139 Seiten. ISBN 978-3-8006-5855-8. 27,90 EUR.

übersetzt von Luitgard Köster.
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Thema

Anleitung, Übungen (Aktionen) und Tipps zur Durchführung von regelmäßigen agilen Retrospektiven.

Autorinnen

Beide Autorinnen – Esther Derby und Diana Larsen – sind als Unternehmensberaterinnen seit Jahren tätig, verfügen über vielfältige Erfahrungen in der Begleitung und Unterstützung von Teams und Unternehmen. Sie gehören zu den führenden Expert*innen für Retrospektiven in Teams der Softwareentwicklung.

Inhalt und Aufbau

In diesem Buch finden sich Anleitungen, Übungen und Praktiken für das Vorgehen bei regelmäßigen Retrospektiven (Iterationsretrospektiven) von Software-Entwicklungsteams und agilen Projekten. Es bietet vielfältige Tipps für das Leiten von Retrospektiven. Methodisches Vorgehen und konkrete Aktionen für das Daten sammeln, für Schritte der Erkenntnisgewinnung und Entscheidungsfindung werden vorgestellt. Das Buch bietet eine Auswahl von Vorgehensweisen, die gut eingeleitet und begründet werden.

Der formulierte Anspruch lautet: Durch regelmäßige Retrospektiven werden Produktivität, Leistungsfähigkeit, Qualität und Kapazität der Teams gesteigert.

Kapitel 1 beginnt mit einem Beispiel. Der Verlauf einer Retrospektive eines Finanzsoftware-Teams wird exemplarisch beschrieben (S. 1ff). Dieses Exempel liefert die typische Struktur eines Verlaufes und dient der weiteren Exploration der einzelnen Schritte einer solchen Retrospektive:

  • Rahmen schaffen,
  • Daten sammeln,
  • Erkenntnisse gewinnen,
  • Entscheidungen treffen und
  • die Retrospektive beenden (S. 4–13).

In jedem der Abschnitte wird die besondere Bedeutung dieses Schrittes für einen erfolgreichen Gesamtverlauf hervorgehoben. So geht es beim Rahmen schaffen zum Beispiel auch darum, dass zu Beginn jeder seine Stimme erklingen lässt, jeder einmal zu Wort kommt und sei dies auch nur durch das Nennen des eigenen Namens. Beim Schritt des Datensammelns wird hervorgehoben, dass auch die Gefühle der Beteiligten einbezogen werden sollten. Es finden sich Hinweise, durch welche Fragen ein Sprechen über Gefühle, das sonst womöglich tabu ist, angeregt und ermöglicht werden kann. Erkenntnisse zu gewinnen, bedeutet auch alternative Möglichkeiten zu durchdenken, den eigenen Mustern auf die Spur zu kommen. Das Team sollte also in einen gemeinsamen Denkprozess eintreten. Schließlich sollen dann Entscheidungen für Verbesserungen fallen, denen sich das Team auch wirklich „verpflichtet fühlen“ (S. 12) kann. Beschlossene Veränderungen sollten im Verfügungsbereich des Teams liegen.

Im Kapitel 2 werden die für eine Retrospektive notwendige Vorbereitungen erläutert (S. 15-26). Es geht um folgende Fragen:

  • Was sollte man über die Vorgeschichte und das Umfeld wissen?
  • Wie werden Ziele ermittelt und die Dauer bestimmt?
  • Was ist bei der Auswahl und Planung der Aktionen zu beachten?

In Kapitel 3 werden die Rolle und Fähigkeiten der Leiter*in einer Retrospektive (S. 27-38) thematisiert. Die Leitungsrolle ist eine Moderatorenrolle, die Ablauf und Struktur im Auge haben, Aktionen und Zeiten steuern sollte. Das Leiten einer Retrospektive verlangt aber auch die sich entfaltende Gruppendynamik zu beobachten und aufzunehmen, also mit ihr zu arbeiten.

In den Kapiteln 4 bis 8 werden jeweils alternativ einsetzbare „Aktionen“ vorgestellt.

  • Im Kapitel 4 sind „Aktionen, um den Rahmen zu schaffen“ (S. 39-46) versammelt.
  • Kapitel 5 enthält „Aktionen, um Daten zu sammeln“ (S. 47-68).
  • Im Kapitel 6 werden „Aktionen, um Erkenntnisse zu gewinnen“ (S. 69-88) beschrieben.
  • Kapitel 7 stellt Aktionen vor, die der Entscheidungsfindung dienen (S. 89-97).
  • Und in Kapitel 8 geht es schließlich um „Aktionen, um die Retrospektive abzuschließen“ (S. 99-109).

Als Aktion wird das methodische Vorgehen gefasst, das stets mit einem Ziel der entsprechenden Phase im Gesamtverlauf verbunden ist. Die benötigte Zeit, das Material, zu treffende Vorbereitungen und einzelne Schritte werden jeweils erläutert.

Während in den vorherigen Kapiteln die regelmäßigen Iterationsretrospektiven im Fokus sind, beschäftigt sich das Kapitel 9 mit Releas- und Projektretrospektiven (S. 112-124). Wobei hier die Unterschiede eher kurz umrissen werden. Während sich Iterationsretrospektiven auf das Team und den vorhergehenden Entwicklungsabschnitt konzentrieren, geht es nun um die Reflexion eines abgeschlossenen Projektes in seiner Bedeutung für das gesamte Unternehmen. Personell sollte als nicht nur das Projektteam einbezogen werden, sondern eben auch wichtige Akteure aus anderen Teilen des Unternehmens oder auch Kunden. Insgesamt steht eine unternehmensübergreifende Perspektive im Vordergrund.

In Kapitel 10 geht es um die Frage, was benötigt, was beachtet werden sollten, um Ergebnisse aus Retrospektiven, etwa beschlossene neue Verhaltensweisen nach der Retrospektive Nachhaltigkeit zu verleihen. Pläne alleine reichen nicht. Hier stellt sich die Frage nach Lernmöglichkeiten, die nur gelingen können, wenn Fehler akzeptiert zum Lernen genutzt werden, wenn Empathie für die durch Veränderungen entstehenden Gefühle von Verlust und Frustration aufgebracht vorhanden ist und die Veränderung immer wieder durch das Wahrnehmen von Fortschritten unterstützt werden.

Diskussion

Dieses Buch bildet einen Fundus an wertvollen Tipps und möglichen methodischen Vorgehensweisen (Aktionen). Man spürt die Erfahrung der Autorinnen hinter den Beschreibungen. Die eigentliche Stärke des Buches beruht darauf, dass es sich nicht darauf beschränkt Tools, Methoden und Vorgehensweisen anzubieten, sondern die Aktionen, das Handeln in der Rolle der Leitung stets hergeleitet und gut begründet werden. Man erfährt, warum welches Handeln produktiv oder eher destruktiv sein kann. Und kann auf dieser Basis eigene Einschätzungen vergleichend reflektieren.

Deutlich werden die Herausforderungen einer Retrospektive in Bezug auf die Wahrnehmung von Gruppendynamiken, den Einbezug von Gefühlen und die Arbeit mit diesen. Es versteht sich nicht von selbst, dass die emotionale Wahrnehmungsfähigkeit und ein kompetentes Umgehen mit den eigenen Gefühlen, sowie mit denen, die im Team entstehen in einer so starken Weise einbezogen werden. Das gehört für die Autorinnen zum notwendigen Umgang mit Gruppendynamiken und Selbstmanagement. Und das schätze ich an diesem Buch. Diese Kompetenzen sind bedeutsamer für eine gelingende Retrospektive als das bloße Wissen um und Verfügen über Methoden und Tools. Diese braucht man freilich auch.

Fazit

Für alle, die Retrospektiven durchführen wollen, aber auch für alle, die sich mit Teamentwicklung und Metareflexion in Teams beschäftigen oder Moderationen bei Teamentwicklungsprozessen übernehmen wollen, bildet dieses Buch einen wertvollen Fundus nicht nur an Anregungen und Tipps, sondern auch Anregungen zur Reflexion der eigenen Praxis und Erfahrung. Es ist also sehr gut für Einsteiger*innen geeignet, aber auch erfahrene Teamentwickler*innen und Moderator*innen von Retrospektiven können mit Gewinn darin lesen.


Rezensentin
Prof. Dr. Brigitte Scherer
Kompetenzthemen: Supervision und Beratung, Psychoanalyse, Gruppendynamik und Individuum, Team, Führungskompetenz, Management in sozialen Organisationen, Mediation, Konfliktmanagement, Sozialpsychologie, Operatives/strategisches Management, Organisationspsychologie; Arbeits- und Forschungsschwerpunkte: Veränderungsmanagement und Mitarbeiterbeteiligung, Widerstände in Veränderungsprozessen, Motivation und Identifizierung in Arbeitsorganisationen
Homepage www.kh-freiburg.de/hochschule/ansprechpartner/perso ...
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Zitiervorschlag
Brigitte Scherer. Rezension vom 28.05.2019 zu: Esther Derby, Diana Larsen: Agile Retrospektiven. Übungen und Praktiken, die die Motivation und Produktivität von Teams deutlich steigern. Verlag Franz Vahlen GmbH (München) 2019. ISBN 978-3-8006-5855-8. übersetzt von Luitgard Köster.
Inhaltsverzeichnis bei der DNB In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/25244.php, Datum des Zugriffs 24.07.2019.


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