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John C. Moore: A Brief History of Universities

Cover John C. Moore: A Brief History of Universities. Springer International Publishing AG (Cham/Heidelberg/New York/Dordrecht/London) 2018. 126 Seiten. ISBN 978-3-030-01318-9. D: 58,84 EUR, A: 60,49 EUR, CH: 60,50 sFr.
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Thema

Das Buch illustriert in kondensierter Form die Geschichte der europäischen höheren Bildung von ihren Ursprüngen in der griechischen und römischen Antike über die Gründung der ersten Universitäten im zwölften Jahrhundert bis ins 21. Jahrhundert.

Autor

John C. Moore ist emeritierter Geschichtsprofessor der Hofstra Universität in Long Island, New York.

Entstehungshintergrund

In Anbetracht der außerordentlichen Wichtigkeit welche Universitäten hatten, empfindet John C. Moore seine eigene Unwissenheit auf dem Gebiet (S. 1) als Manko. Aus diesem Grund erläutert der Autor schon im zweiten Satz des Buches seine Motivation das Buch zu schreiben: „Mainly as a remedy for my own [des Autors] ignorance“ (S. 1). 

Aufbau

Der Aufbau des Buches orientiert sich grob an die geschichtlichen Epochen Europas. Das als „Einführung“ betitelte Kapitel behandelt die Geschichte der höheren Bildung im europäischen Raum von ihren Anfängen in der griechischen und römischen Antike bis zum Beginn des Mittelalters, gefolgt von der Darstellung der folgenden Entwicklungen bis zum Ende desselben in etwa im Jahre 1500. Die dritte Periode behandelt die Zeit von 1500 bis zur französischen Revolution (1789), um dann mit der Darstellung des „langen“ 19. Jahrhunderts (1789-1914) fortzufahren und mit der weiteren Entfaltung der Universitäten bis zum heutigen Tag endet. Die letzten Seiten beinhalten eine Liste weiterführender Literatur zum Thema.

Inhalt

Einführung

Das erste Kapitel beginnt mit der Darstellung des Entstehungshintergrundes des Buches.

Auf den folgenden Seiten werden wichtige Personen und Werke der griechischen und römischen Antike, die einen besonderen Einfluss auf die späteren Bildungsinstitutionen hatten, ausgemacht. So werden unter anderen die Schriften und Lehren der drei großen griechischen Philosophen Sokrates, Plato und Aristoteles, die der Römer Cicero und Vergil und die der großen Kirchenväter als entscheidend für die späteren Lehrinhalte, dargestellt.

Parallel dazu wird die geschichtliche Entwicklung im europäischen und Mittelmeerraum bis ins sechste Jahrhundert bestehend aus der Expansion Roms gefolgt von dessen Verfall, Teilung und anschließender Eroberung des westlichen Teils durch germanische Stämme nachgezeichnet.

Das Mittelalter: 500-1500

Den kirchlichen Eigenbedarf an gebildeten Klerikern identifiziert Moore als wichtige Motivation für den Betrieb von Lerninstitutionen im frühen Mittelalter, Eigenbedarf der zur Gründung von Kloster- und später Domschulen geführt hat. Während die Lehrpläne dieser Epoche aus den Inhalten der sieben freien Künste bestanden, kam die Jurisprudenz als wichtiges Lehrgebiet im elften Jahrhundert hinzu, später gefolgt von Medizin und weiteren Fächern.

Die Entstehung früher Lehrzentren und deren Entwicklung wird über das späte Mittelalter hinweg verfolgt. Für die geistige Kultur und die Entfaltung der Universitäten wichtige Persönlichkeiten, wie z.B. Irnerius von Bologna, Peter Abelard, Gratian, Jean Buridan, Petrarca u.a. werden zusammen mit ihren wichtigsten Errungenschaften erwähnt. Die Organisation der Universitäten im Mittelalter sowie die Situation der Lehrenden und Lernenden wird, untermalt von den geschichtlichen Entwicklungen, wie z.B. die grassierende Pest, die Hussitenkriege aber auch den technischen Fortschritten wie z.B. der Buchdruck und die Entdeckung vieler griechischen, lateinischen, jüdischen und arabischen Autoren, beschrieben.

Die frühe Neuzeit: 1500-1789

Sieben Entwicklungen werden als entscheidend für den weiteren universitären geschichtlichen Verlauf in der frühen Neuzeit ausgemacht:

  1. der Humanismus,
  2. die Erfindung des Buchdrucks im 15. Jahrhundert,
  3. das Zeitalter der Entdeckungen („oceanic age“),
  4. die reformatorischen Bestrebungen,
  5. die Entwicklung der Naturwissenschaften,
  6. das Aufkommen der Aufklärung und
  7. die aufstrebende Macht der zentralisierten Staaten.

Entsprechend ist das Kapitel untergliedert, jede Unterteilung beinhaltend wichtige Ereignisse und Persönlichkeiten, die alle auf der einen oder anderen Weise einen Einfluss auf die Entwicklung der Universitäten gehabt haben.

Während der führen Neuzeit fand auch die Entwicklung von – auf diversen Gebieten spezialisierte – Schulen außerhalb der Universitäten statt, aber auch die Gründung vieler neuer Universitäten, inklusive in den neu entdeckten Territorien. Parallel dazu fand eine Diversifizierung des Lehrangebots innerhalb und außerhalb der Universitäten statt. Während die gelehrten „Fachkräfte“ im Mittelalter den kirchlichen Bedarf an gebildetem Personal deckten, kommen die Staaten mit ihren Verwaltungsapparaten in der frühen Neuzeit als wichtige Arbeitgeber hinzu.

Das neunzehnte Jahrhundert

Das neunzehnte Jahrhundert wird als eines der drei wichtigsten Jahrhunderte, zusammen mit dem dreizehnten – die Entstehungszeit der Universitäten – und dem sechzehnten – ein sehr ereignis- und dadurch einflussreiches Zeitalter durch die kombinierten Effekte der Reformation, des Humanismus und der neu entdeckten Territorien, bezeichnet. Als wichtigste Einflussgrößen dieses Jahrhunderts werden

  • die Effekte der französischen Revolution (1789),
  • die revolutionären Bestrebungen innerhalb der deutschen Gebiete und
  • die „seismische Macht der industriellen Revolution“ (S. 62) [1] genannt.

Prägend haben laut dem Autor ebenfalls gewirkt:

  • die Säkularisierung,
  • der aufstrebende europäische Imperialismus,
  • die wichtig werdenden demokratischen und marxistischen Ideen und
  • die nationalen Bestrebungen, die zu neuen nationalen Staaten wie das Italienische Königreich oder das Deutsche Kaiserreich geführt haben.

Im neunzehnten Jahrhundert werden viele neue Universitäten, oder Stätte der höheren Bildung, die sich später zu Universitäten entwickeln sollten, in und außerhalb Europas gegründet. Das europäische Universitätsmodell setzt sich auch in Staaten wie China und Japan, die von den europäischen Mächten nicht kolonisiert wurden, durch. Latein, die Lingua franca des Mittelalters, wird endgültig durch nationale Sprachen verdrängt. Nicht zuletzt wird die zunehmende Wichtigkeit der Ingenieurwissenschaften beschrieben, die initial nicht als gleichwertig den tradierten Fächern angesehen wurden, später aber ihren festen Platz in den universitären Curricula fanden.

Das zwanzigste Jahrhundert

Das letzte Kapitel des Buches beginnt mit dem ersten Weltkrieg und endet mit der Gegenwart. Wie in den Kapiteln zuvor werden auch zu Beginn dieses die wichtigsten Einflüsse auf die Entwicklung der Universitäten im beschriebenen Zeitraum dargestellt:

  • der Kalte Krieg,
  • der verfallende Imperialismus und
  • die immer wichtiger werdende Technik, vor allem der Computer, in unseren Leben.

Während die erste Hälfte des zwanzigsten Jahrhunderts durch die Bremsung des Wachstums der Universitäten durch die zwei Weltkriege und der Großen Depression charakterisiert ist, folgt in der Zeit nach diesen Ereignissen ein umso stärkerer Aufschwung derselben. Neue Fächer wie Psychologie, Geographie, Politikwissenschaften und viele andere finden ihren Platz in den Angeboten der Hochschulen. Dabei streben die Sozialwissenschaften nun eine ähnliche Exaktheit wie die der Naturwissenschaften an. Die Studierendenschaft wird durch ihre hohe Mobilität und oft anzutreffende Beteiligung an diversen Protestbewegungen charakterisiert. Auf der anderen Seite werden die unterschiedlichen Rangstufen des lehrenden Hochschulpersonals aufgelistet.

John C. Moore geht auch auf aus seiner Sicht kritikwürdige Zustände und Entwicklungen der modernen Universität ein:

  • Durch die Mobilität der Studierenden besteht das Risiko der Talentabwanderung aus den schwächeren Regionen dieser Welt in die wirtschaftlich stärkeren (S. 96).
  • Die Bewertung der Professoren durch Studenten in den USA könnte das Benotungsverhalten der ersteren beeinflussen (S. 103).
  • Die Universitäten und ihr Angebot orientieren sich zu stark am Markt, Führungs- und Marketingpraktiken wurden aus der Wirtschaftswelt übernommen (S. 109 f.).
  • Die MINT-Fächer werden zu stark und mit potentiell negativen Folgen den anderen sozialwissenschaftlichen Fächern vorgezogen mit einem entscheidenden Risiko (S. 111 f.): „[...] universities could cease to be places where the fundamental questions of human existence are asked, where the variety of human values are preserved and discussed, and where the intersection of political institutions and fundamental questions are examined.“

Das Buch endet mit einer Warnung, die gleichzeitig als Appell verstanden werden kann, die universitären Traditionen nicht leichtfertig aufs Spiel zu setzen: „It seems to me that it would be an unwise gamble for the modern world to abandon one of its most valued treasures, the proven traditions of its universities“ (S. 112).

Diskussion und Fazit

Prägnant zeichnet John C. Moore in seinem etwa 120 Seiten umfassenden Büchlein die Geschichte der höheren Bildung im westeuropäischen Raum nach. Kurze Exkurse in andere Regionen der Welt, vor allem der USA, vervollständigen das Bild des europäisch geprägten Universitätskonzeptes und der Entwicklung desselben.

Das Band stellt für den interessierten Laien einen leicht zugänglichen Einstieg in die Geschichte der europäischen höheren Bildung dar und gibt dabei einen umfangreichen Überblick über die wichtigsten historischen, kulturellen und religiösen Ereignissen Europas, mit denen die Entwicklung der Universitären in einer engen Wechselwirkungsbeziehung stand und weiterhin steht.


[1] Eigene Übersetzung.


Rezensent
Petre Sora
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Zitiervorschlag
Petre Sora. Rezension vom 01.04.2019 zu: John C. Moore: A Brief History of Universities. Springer International Publishing AG (Cham/Heidelberg/New York/Dordrecht/London) 2018. ISBN 978-3-030-01318-9. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/25246.php, Datum des Zugriffs 15.10.2019.


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