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Wolfram Malte Fues: Zweifel

Cover Wolfram Malte Fues: Zweifel. Verlag Königshausen & Neumann (Würzburg) 2018. 220 Seiten. ISBN 978-3-8260-6624-5. D: 34,00 EUR, A: 35,00 EUR.
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Intellektuelle Debattenkultur

Es gibt Zeitpunkte, wo Intellektuelle aufräumen. In den Archiven, Bücherschränken, Ablageplätzen, Zettelkästen, auf Schreibtischen und Formaten. Nicht selten sind es Zeiten im „Ruhestand“, losgelöst von beruflichen Pflichten und Terminen. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler machen sich dann daran, ihr publiziertes Erdachtes und Erforschtes in Sammelbänden zusammen zu fassen oder in Autobiografien zu verarbeiten. Herauskommen können dann intellektuelle Debatten, ein Für und Wider im Lebens- und Denkdiskurs, ein Pro und Contra, Realistisches und Kritisches. Wenn hinter den Denkmonumenten keine Ausrufe-, sondern Fragezeichen stehen, und der Tenor der jahrzehntelangen Veröffentlichungen nicht mit dem unbedingten „Ich weiß!“, sondern eher mit dem bescheidenen und einsichtigen „Ich weiß, dass ich nichts weiß“ markiert ist und der „Zweifel“ vorherrscht, kann ein solcher Sammelband auch ein (Nach-)Denkwerk für Leserinnen und Leser werden.

Autor

Der 1944 in Bremen geborene, seit 1965 in der Schweiz lebende und lehrende Literaturwissenschaftler, Germanist und Philosoph Wolfram Malte Fues legt zu seinem 75. Geburtstag eine Sammlung von kurzen Texten vor, die er aus zahlreichen Vorträgen, Konferenzbeiträgen, Forschungen und Veröffentlichungen entnimmt.

Aufbau und Inhalt

Die 24 Beiträge werden eingegrenzt in die Spannweite, die als Motto seines Denkens und Schaffens gelten kann: „Was ist modern?“ – „Die Linke neu denken“.

Es sind gesellschaftspolitische Analysen und zeitpolitische, kritische Bestandsaufnahmen, die mit dem Titel „Der doppelte Blick“ eine Befindlichkeitsstudie zwischen Soll und Haben, zwischen Lust und Lüge, oder zwischen „Maserati Spyder“ und Kunstwerk herstellen; es ist die „doppelte SVP“, die Schweizerische Volkspartei, die sich als rechtskonservativer nationalistischer Zusammenschluss konkreten politischen und gesellschaftlichen Lösungen durch Ressentiments entzieht, menschenfeindlich und populistisch argumentiert; es ist die „neue Übersichtlichkeit“, die als Rasenmäher-Mentalität dazu führt: „Alles bleibt sich gleich, aber nichts bleibt mehr beim Gleichen“; es sind die kapitalistischen und neoliberalen Brandsätze, die auf den „IS-Terror“ reagieren wollen, und doch nur Abhängigkeiten und Ausbeutung produzieren; ob dabei „Gaja“ Alternativen anzubieten vermag? Und: Wie gehen wir mit „sinnlosem Vandalismus“ um? Gibt es einen „sinnvollen Vandalismus“? Ja, und dann das „Ich“, das Subjekt, das zum Objekt wird. „Ich und die Anderen, die für mich in Wahrheit das sind, was Ich als Selbst werden kann und ohne die ich bloß und einfach übrig bleibe“; der Ruf nach „Verantwortung“, der sich ziseliert in „Selbst- und Waren-Beziehung“; da sind die konsumtiven und momentanistischen Wünsche, die in Stopp- und Einbahnstraßen landen und doch kein Veränderungsbewusstsein schaffen; es ist das „kapitalistische Manifest“, das Widerstände verursacht und doch keine Alternativen anzubieten vermag; „Monotheismus“ – „Neoliberalismus“ – „Neofeudalismus“: Wo sind die Rettungsanker? Ist es eine „Kultur der Genügsamkeit“? Bietet „Political Correctness“ Antworten? Wenn Sie mit offenen, aufrechten Blick durch die Stadt gehen, werden ihnen Smombies und Slombies begegnen, die mit dem Blick nach unten, auf das blinkende Etwas in ihrer Hand starren und flink, ohne nach vorne, nach rechts oder links zu schauen, Mitmenschen und Verkehr ignorieren, mit den Fingern Nachrichten eingeben, wischen und schalten; besteht das Leben aus „Süchten“? Was ist das „Opium des Volkes“? Und dann noch die schon beinahe gegenstandslose, weil unnütze Frage: „Was vermag Literatur“?

Fazit

Es sind Splitter, die das Leben schreibt. Es sind Bemerkungen und Bedenklichkeiten. Und es sind Zwischenrufe und Themen, die auf der Straße liegen. Die der Autor aufklaubt und in Lebens-Erfahrungen und -Zweifel bringt. So ist aus der Sammlung von Imponderabilien und Wortmeldungen ein Stichwort-Register geworden, dessen sich die Leserinnen und Leser bedienen können. Der Rezensent vermisst dabei eine gewisse Systematik oder eine Begriffszusammenfassung. Die eher ungefähre Auflistung von Beobachtungen und Erlebnissen jedoch hat auch etwas Reizvolles: Es ist eine Fundgrube von Alltags- und gesellschaftlichen Erfahrungen, die es zu lesen lohnen, ob auf der Couch, am Strand oder als Diskussionsgrundlage zu Fragen: Wie ticken Menschen?

In diesem Zusammenhang will der Rezensent auf drei weitere Veröffentlichungen verweisen, in denen Fragen zum Sosein und zum Zusammensein thematisiert werden:


Rezensent
Dipl.-Päd. Dr. Jos Schnurer
Ehemaliger Lehrbeauftragter an der Universität Hildesheim
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Zitiervorschlag
Jos Schnurer. Rezension vom 07.06.2019 zu: Wolfram Malte Fues: Zweifel. Verlag Königshausen & Neumann (Würzburg) 2018. ISBN 978-3-8260-6624-5. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/25265.php, Datum des Zugriffs 23.07.2019.


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