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Margit Franz: Essen und trinken in der Kita

Cover Margit Franz: Essen und trinken in der Kita. Für Teams. 33 Fotoimpulse. Nachdenk-Fragen. Don Bosco Verlag (München) 2019. 33 Seiten.

Fotokartenset. EAN: 4260179515552

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Thema

Mit dem Rechtsanspruch auf einen Krippenplatz besuchen inzwischen über 30 % aller Kinder unter drei Jahren einen Krippenplatz. So verbringen kleine Kinder einen großen Teil ihres Tages – manchmal auch mehr als 10 Stunden – in der Krippe oder in einer altergemischten Kitagruppe. Dabei soll der Tagesablauf für die Kinder an ihren Grundbedürfnissen orientiert möglichst stressfrei verlaufen, sodass die Gestaltung eines gut gelebten Alltags verstärkt in den Mittelpunkt der Krippenpädagogik rückt. Das Thema „Esssen und trinken in der Kita“ nimmt im Krippenalltag einen bedeutsamen Raum ein und fordert von den pädagogischen Fachkräfte vielfältige Aspkete in den Blick zu nehmen. Essen und trinken ist ein basales lebensnotwendiges Bedürfnis und gleichzeitig ein soziales Ereignis. Kinder bringen in die Kita bereits ihre eigene familienbezogene Essensbiografie mit und müssen oftmals diese dann in Einklang mit institutionsbezogenen Vorgaben bringen. Das vorliegende Kartenset greift dieses Thema durch Fotoimpulse auf und regt mit Fragen zum Nachdenken und Austausch im Team an. In einem Begleitheft werden zentrale Inhalte beschrieben; Ergänzungsmaterialien können downgeloadet werden.

Autorin

Margit Franz verfügt als Dipl. Pädagogin über verschiedene pädagogische und therapeutische Zusatzqualifikationen. Nach beruflichen Tätigkeiten als Erzieherin, Kitaleitung, Fachberaterin ist sie nun als Publizistin, Autorin, Referentin und Herausgeberin einer pädagogischen Fachzeitschrift tätig; siehe auch unter: www.margitfranz.de

Aufbau und Inhalt

Die Box„ Essen und Trinken in der Kita“ von Margit Franz besteht aus einem Kartenset und einem Begleitheft.

33 Fotokarten des Kartensets sind im A 6 – Format mit jeweils einem Foto auf der Vorderseite und Fragen zum Nachdenken auf der Rückseite gestaltet. Dabei werden die Fragen den drei Qualitätsdimensionen – Orientierungs- Struktur- und Prozessqualität zu geordnet.

Beispielhaft zu diesen Qualitätsdimensionen sind an dieser Stelle einige Fragen anzuführen:

Orientierungsqualität (8 Karten):

  • „Akzeptieren wir Reste auf dem Teller, auch wenn sich ein Kind beim Auftun der Speisen verschätzt hat?“
  • „Probierlöffel – Essen als Erziehungsmittel? – Hat das Kind das Recht, selbstbestimmt zu entscheiden, von welchen Speisen es kosten möchte?“
  • „Bekommt jedes Kind einen Nachtisch – unabhängig davon, wieviel es von der Hauptspeise gegessen hat?“

Strukturqualität (16 Karten):

  • „Hat der Raum eine wohltuende Akustik, sodass die Essenssituationen entspannt sind?“
  • „Händewaschen, Sitzplatz einnehmen, Tischspruch, Anfang, Essen, Ende, Zähneputzen – wie sind die Handlungsabläufe bei welchem Mahlzeitenritual?“
  • „Ist für das Mittagessen ein kompletter Besteckssatz eingedeckt, sodasss Kinder eigenständig wählen und ausprobieren können?“

Prozessqualität (9 Karten):

  • „Können Kinder auf das Speisenangebot Einfluss nehmen und Wünsche äußern?“
  • „Selbstreflexion: Wie wirken sich meine eigenen Ess-Erfahrungen auf mein berufliches Handlen aus? Welche Ess-Erlebnisse sind mir in positiver Erinnerung? Was habe ich als Kind besonders gerne gegessen?“

Das Begleitheft führt in den Themenbereich „Essen und Trinken“ ein.

Kindheit spielt sich heute zunehmend im geteilten Betreuungsfeld von Familie und Institution/Kita ab. „Bei wachsender Verweildauer von Kindern in Kitas und gleichzeitig immer jüngeren Betreuungsalter kommt der Einnahme und Gestaltung von Mahlzeiten deshalb ein hoher Stellenwert zu.“ (4f) In der Kita lernt ein Kind neben den familiären Essgewohnheiten andere Abläufe kennen, die es lernen muss als „mentale Repräsentation“ in „alltägliche Handlungsmuster“ wiederzufinden. Margit Franz bezieht sich hierbei auf das Konzept des Mahlzeiten-Skript von Gutknecht/Höhn (2017). Die Fachkräfte in der Kita sind daher gefordert, sich gemeinsam über die Gestaltung der Mahlzeitenabläufe zu verständigen, damit die Kinder sich in der Gemeinschaftverpflegung sicher fühlen und schnell orientieren können.

Mahlzeiten in der Kita – ein verantwortungsvolles Dienstleistungsangebot verlangen eine enge Kooperation zwischen dem Cateringservice, Hauswirtschaftskräften, den Richtlinien des Gesundheitsamtes, der Dienstplangestaltung durch Leitung, den pädagogischen Fachkräfte und Eltern im Hinblick auf entwicklungspsychologisches Fachwissen und religiöse und kulturelle Vorgaben.

Der Ausdruck Bildungsort „Esstisch“ ist in der Fachliteratur inzwischen zu einem festen Begriff geworden und verdeutlicht, dass das Einnehmen von Mahlzeiten eine Vielzahl von bildungsrelevanten Themen ( Regulation von Hunger und Sättigung, eigenständiges Essen, das Miteinander in der Gemeinschaft etc.) beinhaltet.

Kindliche Ess-Biografien sind bestimmt einerseits vom Enerigie und Nährstoffbedarf, anderseits auch vom Temperament und der familiären Esskultur. „Vom Familientisch zu ‚Essen in der Kita‘ …bedeutet für Kinder, dass…

  • Sie neue Werthaltungen, Esskulturen und Tischregeln erfahren,
  • Sie mit anderen Erwartungen und Verhaltensformen konfrontiert werden sie neue Lebensmittel, Speisezubereitungen, Abläufe, Rituale kennenlernen …
  • Sie lernen, sich einer veränderten Essenssituation anzupassen.“(9)

Im Abschnitt „Entwicklungspsychologische Aspekte“ beschreibt die Autorin, Phasen der kindlichen Ess-Entwicklung, die zwischen der Abneigung vor unbekannten Lebensmitteln (Neophobie) und und dem wachsenden bedürfnis nach Selbstständigkeit liegt. Einzentrales pädagogisches Prinzip sollte hierbei sein, dass die Erwachsenen verantortlich sind für das, was an Essen auf den Tisch kommt, die Kinder selbst bestimmt, was sie essen wollen. Auch können die Erwachsenen wieder für Kinder gute Vorbilder sein.

Je kleiner die Kinder sind, umso mehr Assistenz benötigen sie aber auch Fachkräfte, die ihnen Raum zum Ausprobieren gewähren, ob mit Fingern oder Löffel, Gabel und Messer gegegessen wird. So ist Essen auch ein Beitrag zur Beziehungsgestaltung.

Die pädagogisch vorbereitete Umgebung hat einen großen Einfluss auf „die Beteiligungsmöglichkeiten von Kindern, ihr Autonomiestreben und die damit verbundenen Erfahrungen erlebter Selbstwirksamkeit“. (12) Ein den Entwicklungsbedürfnissen der Kinder angepasste Einrichtung (Moblilar, Geschirr) muss Entwicklungbereiche der Motorik und Sinneswahrnehmung berücksichtigen, wozu von den Fachkräften ein vertiefter Wissen zur kindlichen Bewegungsentwicklung nötig ist.

Im letzten Abschnitt Achtsame Haltung betont Margit Franz, dass Mahlzeiten ein Kristallisationpunkt für Beziehungsgestaltung sind und „Achtsamkeit, Empathie, Humor, Respekt und Werte“ (14f) für das Erleben von Wohlbefinden von lebenslanger Bedeutung sein können.

Diskussion und Fazit

Die Kartenbox „Essen und Trinken in der Kita“ führt inhaltlich mit den zentralen Aspekten in das Thema Essen in der Kita ein. Während die Bildkarten den eigenen Reflexionsprozess anregen, vermittelt das Begleitheft grundlegende Informationen. Beide Materialien ergänzen sich sehr gut, können jedoch auch unabhängig verwendet werden. Sie sind hilfreich für die Diskussion im Team und tragen zur Weiterentwicklung der pädagogischen Qualitat in den Kindertageseinrichtungen bei. Daher sind sie auch eine ganz wertvolle und sehr empfehlenswerte Arbeitshilfe für Teamfortbildung.


Rezensentin
Jutta Daum
Erziehungswissenschaftlerin (M.A.), Gießen
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Zitiervorschlag
Jutta Daum. Rezension vom 27.06.2019 zu: Margit Franz: Essen und trinken in der Kita. Für Teams. 33 Fotoimpulse. Nachdenk-Fragen. Don Bosco Verlag (München) 2019. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/25293.php, Datum des Zugriffs 22.10.2019.


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