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Daniel Mays, Larissa Zwetzschler: Mathematik­unterricht für Kinder mit auffälligem Verhalten

Cover Daniel Mays, Larissa Zwetzschler: Mathematikunterricht für Kinder mit auffälligem Verhalten. Anregungen und Beispiele für die Grundschule. Ernst Reinhardt Verlag (München) 2019. 155 Seiten. ISBN 978-3-497-02803-0. D: 29,90 EUR, A: 30,80 EUR.
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Thema

Das Buch „Mathematikunterricht für Kinder mit auffälligem Verhalten“ bietet Anregungen und Beispiele für einen inklusiven Mathematikunterricht in der Grundschule und verbindet dabei die beiden Perspektiven der Mathematikdidaktik und der Sonderschulpädagogik.

Autor und Autorin

Prof. Dr. phil. Daniel Mays ist Sonderpädagoge und lehrt Erziehungswissenschaft mit dem Schwerpunkt Förderpädagogik („Emotionale und soziale Entwicklung“) an der Universität Siegen.

Dr. paed. Larissa Zwetzschler ist Akademische Rätin am Institut für Mathematische Bildung an der PH Freiburg / Br.

Aufbau und Inhalt

Schon in der Einleitung bezieht der Text Position für den inklusiven Unterricht. Er stellt die Erfolgsaussichten der Förderschulen in Frage, macht aber auch deutlich, dass es in den allgemeinen Schulen an „ausgefeilten Konzepten“ mangelt, „die letztlich eine höhere Schulabschlussquote für diese Schülergruppe ermöglichen“ (S. 8). Dafür braucht es einen Unterricht, der sowohl mathematische, als auch sozial-emotionale Kompetenzen entwickeln lässt – nach dem Prinzip des „entdeckenden Lernens“.

Im 2. Kapitel wird zunächst ein größerer Rahmen zum Umgang mit SchülerInnen mit herausforderndem Verhalten gespannt. Die sehr unterschiedlichen Erscheinungsformen verlangen für die Unterrichtsplanung und die Durchführung ein sehr individuelles Vorgehen, um den Problemen aber auch den Kompetenzen der SchülerInnen gerecht zu werden: „Eine verweigernde Arbeitshaltung, konsequente Störungen des Unterrichts, Unkonzentriertheit oder gar Absentismus können auch als subjektiv (überlebens-)notwendiger Schutz“ verstanden werden (S. 13).

Allgemeine Strategien zum Umgang mit herausforderndem Verhalten verlangen ein „präventives Gespür“ für den Umgang mit der Problematik. Es müssen Lösungen gesucht werden auf der Schulebene, den Methoden (Methodenpool, Curricula zum Erlernen emotionaler und sozialer Kompetenzen, Teamarbeit), auf der Klassen- und auf der individuellen Ebene, wobei es hier vor allem um die Beziehung Lehrkraft – SchülerIn geht.

Erforderlich ist auch eine fundierte und ausführliche Förderdiagnostik, die zum Ende des 2. Kapitels in Grundzügen angedeutet wird

Das 3. Kapitel widmet sich der Diagnose und Förderung im Mathematikunterricht. Es beginnt mit der Darstellung der aktuellen Mathematikdidaktik und zeigt Beispiele einer differenzierten Diagnose der mathematischen Kompetenzen. Neben der Durchführung von standardisierten Tests (DEMAT, EMBI) erweisen sich diagnostische Gespräche (hier finden wir ein transkribiertes Beispiel eines „klinischen“ Interviews) und Diagnosen auf Aufgabenebene.

Im sehr ausführlichen 4. Kapitel wird anhand von sechs zentralen mathematischen Inhaltsbereichen exemplarisch aufgezeigt, wie ein inklusiver Mathematikunterricht für SchülerInnen mit dem Förderschwerpunkt emotional-soziale Entwicklung gestaltet werden kann. Dabei wird jeweils der mathematische Hintergrund kurz erläutert, dann die besonderen Herausforderungen von SchülerInnen mit einem spezifischen Störungsbild im Bereich der emotional-sozialen Entwicklung dargestellt um dann praxiserprobte Beispiele zu entwickeln.

  • Multiplikation mit Kindern mit und ohne ADHS
  • halbschriftliche Strategien mit Kindern mit und ohne ADHS
  • Messen mit Kindern mit und ohne ADHS
  • Prozessbezogene Kompetenzen mit Kindern mit und ohne Angststörungen
  • schriftliche Rechenverfahren mit Kindern mit und ohne Mutismus
  • Teil-Ganzes-Konzept als Teil von Zahlvorstellungen mit SchülerInnen mit und ohne Autismus-Spektrum-Störungen

Das 5. Kapitel befasst sich mit dem Problem des Übergangs von der Grundschule in die Sekundarstufe 1, hier insbesondere mit dem Blick auf den Mathematikunterricht. Die AutorInnen plädieren hier für eine themenspezifische, fachdidaktische Klärung von Voraussetzungen, Vorwissen und anschlussfähigen Konzepten, für dessen Realisierung sie exemplarisch Wege aufzeigen.

Abgeschlossen wird das Buch im 6. Kapitel mit allgemeinen Tipps für den schulischen Alltag bezogen auf die schulorganisatorische, auf die Klassen- und auf die individuelle Ebene – eine Aufzählung, die als Poster an jede Lehrerzimmerwand gepinnt werden sollte.

Diskussion und Fazit

Dieses Buch lebt von seinem Bezug zur Praxis und seinen fundierten Kenntnissen sowohl was das Thema „auffälliges Verhalten“ als auch die Mathematikdidaktik betrifft. Insbesondere die Problematik ADHS und Autismus wird ausführlich dargestellt und konkret überlegt, wie man diesen SchülerInnen gerecht werden kann. Dazu sind neben mathematikdidaktischen auch Kenntnisse erforderlich zu diesen Störungsbildern, vor allem aber eine Beziehungsgestaltung, die gekennzeichnet ist „durch Fürsorge, Respekt, Wertschätzung und Freundlichkeit“ (S. 22, z.n. Hattie). Nur auf dieser Basis kann Unterricht gelingen.

Die Praxisnähe wird erreicht durch eine tabellarische Darstellung von Unterrichtsreihen, die bis zu 10 Stunden Umfang haben, präzisiert durch die ausführliche Darstellung einer exemplarischen Unterrichtsstunde zu den Themen, wie sie im 4. Kapitel aufgezählt wurden. Die zitierten Masterarbeiten dazu zeigen, dass dieser Unterricht auch erprobt wurde.

Hilfreich sind auch die zahlreichen Literaturhinweise im Text, die zum Weiterlesen einladen.

Ein sehr gut gestaltetes Buch, das jeder GrundschullehrerIn zu empfehlen ist.


Rezensent
Dr. Richard Hammer
Dipl. Motologe
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Zitiervorschlag
Richard Hammer. Rezension vom 21.06.2019 zu: Daniel Mays, Larissa Zwetzschler: Mathematikunterricht für Kinder mit auffälligem Verhalten. Anregungen und Beispiele für die Grundschule. Ernst Reinhardt Verlag (München) 2019. ISBN 978-3-497-02803-0. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/25296.php, Datum des Zugriffs 23.07.2019.


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