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Natalia Haas: Praxisfälle Pflege

Cover Natalia Haas: Praxisfälle Pflege. Ein Arbeitsbuch für Ausbildung, Studium und Weiterbildung mit 250 Fallbeispielen. Verlag W. Kohlhammer (Stuttgart) 2018. 295 Seiten. ISBN 978-3-17-032677-4. D: 35,00 EUR, A: 36,00 EUR.

Reihe: Aus- und Weiterbildung.
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Thema

„Heute mach ich das mal nach Schule“ – dieser oft gehörte Satz zeigt die Lücke zwischen Theorie und Praxis in der Gesundheits- und Krankenpflegeausbildung auf. Dieses Buch will die Ausbildung begleiten, mit Praxisfällen für die Prüfung vorbereiten und den Transfer von der Theorie zur Praxis stärken.

Autorin

Natalia Haas ist Ärztin für Pädiatrie und seit über 20 Jahren als Dozentin an Berufsfachschulen für Kranken- und Altenpflege tätig.

Aufbau und Zielgruppe

Das Arbeitsbuch teilt den Inhalt auf 295 Seiten in 250 Fälle ein, die nach 20 Organsystemen strukturiert sind und sich am Lehrplan für Krankheitslehre orientieren. Die einzelnen Fälle sind folgendermaßen gegliedert:

  • A Aktuelle Beschwerden, Anamnese, klinische Untersuchung
  • B zusätzliche Untersuchungen
  • C Diagnose, Behandlung und Prognose

Inhalt

Aus den 250 Fällen werde ich für diese Rezension exemplarisch zwei Fälle näher betrachten.

Das Kapitel „Erkrankungen des Ausscheidungssystems“ beinhaltet neun Fälle. Im Fall 156 wird geschildert, das sich eine 60jährige Patientin mit Dysurie, Pollakisurie, Nykturie und Schmerzen über dem Schambein vorstellt. Die Eigenanamnese ergibt, dass die Beschwerden plötzlich aufgetreten seien, das dritte Mal seit zwei Monaten. Vor zwei Jahren habe die Patientin sich wegen eines Ovarialkarzinoms einer Operation und Chemotherapie unterzogen. Die familiäre Anamnese zeigt, dass die Mutter der Patientin an einem Mammakarzinom verstorben ist und die Schwester ein Lungenkarzinom hatte. Die Patientin arbeitet als Bürokauffrau. Die Patientin zeigt sich blass und kraftlos, der Unterbauch bei palpatorischer Untersuchung leicht druckdolent. In der Blutuntersuchung werden eine Anämie, leichte Entzündungszeichen und ein Östrogenmangel festgestellt. Der Urin ist trüb und weist eine Leukozytourie, Mikrohämaturie, Proteinurie und Glukosurie, im Urikult auch einen E.coli nach. Sonografisch zeigt sich eine leichte Vergrößerung der Harnblase, im Röntgen-Abdomen ist kein Tumorrezidiv zu sehen. Als Diagnose wird eine Infektion der unteren Harnwege beschrieben.

Fall 228 im Kapitel „Erkrankungen des Nervensystems“ beschreibt einen 62jährigen Patienten mit heftigen Kopfschmerzen, Erbrechen, Schwindel, Riechverlust und Sehstörungen beidseits, der vor kurzem einmalig einen einmaligen epileptischen Anfall. In der Eigenanamnese werden Kopfschmerzen seit sechs Monaten berichtet, er sieht die Türschwelle links nicht deutlich und stößt sich immer wieder. Der Patient trägt keine Brille. In der familiären Anamnese seien alle gesund. Der Patient ist Musiklehrer. In der Blutuntersuchung ist der Tumormarker EMA erhöht und in der Augenuntersuchung eine Visusminderung beidseits festgestellt. Neben Gesichtsfeldausfällen, die rechts mehr als links bestehen, zeigt das CT ein 4cm großes Meningeom. Die Diagnose sei damit ein malignes anaplastisches Mengingeom frontobasal und im Keilbeinflügel rechts Grad III mit Foster-Kennedy-Syndrom.

Haas schlägt zwei Herangehensweisen an die Praxisfälle vor:

  • zum einen kann der Leser jeden Fall von A bis C durcharbeiten
  • zum anderen kann zunächst C betrachtet unter den Fragestellungen: An welchen typischen Beschwerden kann der Patient leiden? Welche Untersuchungen würden Sie durchführen, um eine Diagnose zu stellen? Im Anschluss kann als Selbstprüfung A und B gelesen werden.

Diskussion

Das Buch „Praxisfälle Pflege“ ist für die Ausbildung in der Gesundheits- und Krankenpflege nutzbar und sicherlich auch dort einsetzbar, wo Fallarbeit didaktisch sinnvoll eingesetzt wird. Die Handhabung der gegliederten Fälle erfordert eine Einfindungszeit zum Orientieren und Hin- und Herblättern. Die Fälle umfassen breite Themenfelder und Krankheitsbilder, wobei nicht alle Symptomlagen in die momentan üblichen Arbeitsgebiete von Gesundheits- und Krankenpflegenden fallen und zum Teil eher der Primärversorgung zuzuordnen sind.

Im Grunde genommen wäre der Titel Praxisfälle Medizin für das Buch passender. Die Veranlassung zusätzlicher Untersuchungen und Bewertung der Befunde obliegt nach momentanem Stand dem Verantwortungsbereich von Ärzten – wobei sich dies perspektivisch mit dem Ausbau innovativer Arbeitsfelder wie Community Health Nursing und Advanced Nursing Practice auch verändern kann. Pflegerische Aspekte wie der Umgang der Patienten mit der geschilderten Erkrankung, Einschränkungen und Ressourcen im Alltag werden in den Fällen kaum angesprochen.

Vermisst habe ich Unterstützung für Lehrkräfte wie didaktische Hinweise und verschiedene Einsatzmöglichkeiten für den Unterricht – einzig eine Kopiervorlage mit Arbeitsanweisungen zur Fallbearbeitung ist vorhanden

Fazit

250 Fälle mit Anamnese, Untersuchungsbefunden und Diagnosestellung können Lernen in der Gesundheits- und Krankenpflegeausbildung unterstützen.


Rezensentin
Dr. sc.hum. Nina Fleischmann
M.A. Public Health und Pflegewissenschaft
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Zitiervorschlag
Nina Fleischmann. Rezension vom 16.04.2019 zu: Natalia Haas: Praxisfälle Pflege. Ein Arbeitsbuch für Ausbildung, Studium und Weiterbildung mit 250 Fallbeispielen. Verlag W. Kohlhammer (Stuttgart) 2018. ISBN 978-3-17-032677-4. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/25305.php, Datum des Zugriffs 22.09.2019.


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