socialnet - Das Netz für die Sozialwirtschaft

Elisabeth Scharfenberg, Inga Teglas: Pflege ist stark

Cover Elisabeth Scharfenberg, Inga Teglas: Pflege ist stark. Gelebte Ideen und Zukunftsimpulse. Vincentz Network GmbH & Co (Hannover) 2018. 184 Seiten. ISBN 978-3-86630-764-3. D: 26,90 EUR, A: 27,70 EUR.
Inhaltsverzeichnis bei der DNB
Recherche bei DNB KVK GVK

Besprochenes Werk kaufen
über socialnet Buchversand


Thema

Hohe Arbeitsdichte, Fachkräftemangel, geringer Verdienst, Arbeitszeiten zu ungünstigen Zeiten und ein Gefühl der Machtlosigkeit – in der Altenpflege an der Tagesordnung? Nicht so in diesem Buch! Hier werden Menschen vorgestellt, die sich auf den Weg gemacht haben, die Altenpflege positiv zu verändern.

Autoren

Elisabeth Scharfenberg war 12 Jahre lang Mitglied des deutschen Bundestages und Sprecherin für Pflege- und Altenpolitik.

Inga Teglas ist Publizistin und Politikwissenschaftlerin.

Aufbau und Zielgruppe

Auf 179 Seiten finden sich 23 Beiträge in neun Kapiteln:

  • Kapitel 1: Von der Berufung zum Beruf, für den man einsteht: die Pflegekräfte
  • Kapitel 2: Pflege ist Gesicht zeigen
  • Kapitel 3: Pflege neu gestalten: Führungskräfte in der stationären Pflege
  • Kapitel 4: Pflege neu gestalten: Führungskräfte in der ambulanten Pflege
  • Kapitel 5: Pflege ist Vielfalt
  • Kapitel 6: Pflege fit machen für die Zukunft: die Auszubildenden
  • Kapitel 7: Pflege ist gemeinsam stark und geht neue Wege
  • Kapitel 8: Starke Pflege – Fit für Morgen
  • Kapitel 9: Abschlusswort

Inhalt

Kapitel 1 nimmt die beruflichen Pflegenden als Akteure in den Fokus. Wirksame Kommunikation ist eine wesentliche Strategie dabei, denn die Wirkung von Sprache ist im direkten Umgang mit Pflegebedürftigen, Angehörigen und dem eigenen Team von essentieller Bedeutung. Eine andere Strategie im Kapitel 2 ist die berufliche Organisation in Gewerkschaften. Die Historie insbesondere der beruflichen Altenpflege und die gesellschaftliche Entwicklung zeigt das Erbe, an dem die Pflegefachkräfte heute noch tragen.

Führung steht im Kapitel 3 und 4 im Mittelpunkt. Mut und Vertrauen sind zwei essentielle Elemente in der Führung: Mut der Führungskräfte, Verantwortung abzugeben und Vertrauen der Pflegekräfte, sich selbst mehr einzubringen. Eine Schweizer Kollegin skizziert das angstbesetzte Handeln im Gesundheitswesen als eine Hürde der Innovation. Diese Angst aufzubrechen ist aus ihrer Sicht ebenso eine Führungsaufgabe. Teamentwicklung setzt auch voraus, dass Perspektiven gewechselt werden und die eigenen Bedürfnisse wahrgenommen und kommuniziert werden: wenn Teammitglieder Nein fühlen, sollen sie auch Nein sagen. Klingt simpel, ist aber eine große Herausforderung. Führungskräfte geraten mitunter mehr oder minder zufällig an ihren Posten und die Motivation, etwas zu bewegen, ist unterschiedlich. Gemeinsame Werte für das tägliche Handeln, die mit dem Team entwickelt werden, können in einer basisdemokratischen Organisationsentwicklung zu erfolgreichen Maßnahmen und Umsetzungen führen – dass eine macht das andere möglich. Dieser Weg haben die Rummelsberger Dienste für Menschen im Alter mbH eingeschlagen und wird hier genauer beschrieben. Eindrücklich dabei: von den fast 500 Maßnahmen, die im Prozess formuliert wurden, erforderte nicht eine mehr Personal. Es ging eher um Schnittstellenproblematiken, Unterstützung über ein betriebliches Gesundheitsmanagement oder bauliche Maßnahmen. Im Prozess verbesserte sich die Mitarbeitermotivation und die Fluktuation sank gegen Null. Aus dem Setting der häuslichen Versorgung lernt der Leser das niederländische Konzept Buurtzorg kennen, was übersetzt Nachbarschaftshilfe bedeutet. Aufgabe eine Pflegefachkraft bei Buurtzorg ist neben der pflegerischen Versorgung der Aufbau eines sozialen Netzwerks rund um den zu versorgenden Menschen. Die Pflegeteams sind dabei autonom: innerhalb der Grundprinzipien von Buurtzorg organisieren die Teams hierarchielos ihre Arbeit selbst, von der Pflegeplanung über die Dienst- und Urlaubsplanung bis hin zur Entscheidung wie viele und welche Pflegebedürftige versorgt werden können. Entscheidungen werden anhand eines vorgegebenen Prozesses gemeinsam getroffen. Eine Zentrale unterstützt im Bedarfsfall und übernimmt Prozesse im Hintergrund.

Kapitel 5 widmet sich der bunten und vielfältigen Pflegelandschaft. Akademisierung kann hier eine Chance sein. Pflegefachkräfte gehen dadurch nicht zwingend aus patientennahen Bereichen fort. Die Akademisierung kann den Beruf insgesamt stärken sowie handlungsfähiger und selbstbewusster machen. Spannend ist auch der Perspektivwechsel, in dem Senioren- und Alltagshilfe aus Sicht einer selbstständigen Ergotherapeutin gezeigt wird.

Die Initiative „Pflege macht Schule“ und die Kandidatur für das Parlament in Bremen sind zwei Beispiele, wie sich Auszubildende für den Pflegeberuf auf den Weg machen. Eine Essenz dieses Kapitel 6 ist der Profit für alle, wenn einzelne hinterfragen, Antworten fordern, Nein sagen und ihre Position der Stärke erkennen und nutzen.

Diese gemeinsame Stärke ist auch Gegenstand von Kapitel 7. Es existieren in Deutschland zahlreiche Bündnisse und Organisationen, die auf ihre Art und Weise ihre Stimme für die Pflege erheben. Im Idealfall stehen die Organisationen auch als Netzwerk und gegenseitige Ergänzung für Verbesserungen ein. Dazu gehören das Open Space Aktivcamp Pflege, die Pflegekammer Rheinland-Pfalz, Walk of Care, Pflege in Bewegung e.V. oder der Bochumer Bund.

Kapitel 8 widmet sich dann dem Thema Digitalisierung in der Pflege. Digitalisierung schafft Entlastung und Zeit und damit wieder mehr menschliche Nähe und Zuwendung – so wird in diesem Abschnitt die Sichtweise zusammengefasst. Robotik, digitale Dokumentation, pflegerisch entlastende Hilfsmittel, Alarmsysteme und Automatisierung können Strategien zur Unterstützung einer starken Pflege sein. Ebenso können digitale Lösungen lebenslanges Lernen unterstützen. Lernen wird dabei als Erweiterung der Möglichkeiten und nicht als Defizitausgleich verstanden.

Ein Abschlusswort der Herausgeberinnen rundet das Buch ab, unter anderem mit den vielzitierten Worten von Agnes Karll: „Wer soll denn unseren Beruf aufbauen, wenn wir es selbst nicht tun! Wir haben gar kein Recht zu verlangen, dass andere das tun. Selbstständigkeit ohne Verantwortung gibt es nicht, dass muss sich jede einzelne von uns dauernd vor Augen halten.“

Diskussion

Scharfenberg und Teglas greifen die aktuellen Entwicklungen im Gesundheitswesen auf und zeigt Wege aus dem Jammertal: von Buurtzorg über Pflegegewerkschaft zu Digitalisierung und mehr. Sehr eindrücklich sind die Stimmen der Autorinnen und Autoren, die aus ihrem Alltag berichten, ihre Motive darlegen und praxisnah und ehrlich die Chancen und Barrieren aufzeigen. Lesefreundlich sind die Autorenbeiträge und hinführenden Texte aufbereitet und Illustrationen lockern das Buch auf.

Fazit

Wenn die Pflege ein Elfmeter ist, der verwandelt werden will – muss man aufs Spielfeld gehen! Dieses Buch hilft informativ und inspirierend dabei.


Rezensentin
Dr. sc.hum. Nina Fleischmann
M.A. Public Health und Pflegewissenschaft
E-Mail Mailformular


Alle 59 Rezensionen von Nina Fleischmann anzeigen.

Besprochenes Werk kaufen
Sie fördern den Rezensionsdienst, wenn Sie diesen Titel – in Deutschland versandkostenfrei – über den socialnet Buchversand bestellen.


Zitiervorschlag
Nina Fleischmann. Rezension vom 07.05.2019 zu: Elisabeth Scharfenberg, Inga Teglas: Pflege ist stark. Gelebte Ideen und Zukunftsimpulse. Vincentz Network GmbH & Co (Hannover) 2018. ISBN 978-3-86630-764-3.
Inhaltsverzeichnis bei der DNB In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/25316.php, Datum des Zugriffs 24.05.2019.


Urheberrecht
Diese Rezension ist, wie alle anderen Inhalte bei socialnet, urheberrechtlich geschützt. Falls Sie Interesse an einer Nutzung haben, treffen Sie bitte vorher eine Vereinbarung mit uns. Gerne steht Ihnen die Redaktion der Rezensionen für weitere Fragen und Absprachen zur Verfügung.


socialnet Rezensionen durch Spenden unterstützen
Sie finden diese und andere Rezensionen für Ihre Arbeit hilfreich? Dann helfen Sie uns bitte mit einer Spende, die socialnet Rezensionen weiter auszubauen: Spenden Sie steuerlich absetzbar an unseren Partner Förderverein Fachinformation Sozialwesen e.V. mit dem Stichwort Rezensionen!

Zur Rezensionsübersicht

Hilfe & Kontakt Details
Hinweise für

Bitte lesen Sie die Hinweise, bevor Sie Kontakt zur Redaktion der Rezensionen aufnehmen.
rezensionen@socialnet.de

ISSN 2190-9245

Stellenangebote

Betreuer (w/m/d) für Wohnheim, Berlin

Betreuer (w/m/d) für Wohnheim, Berlin

Weitere Anzeigen im socialnet Stellenmarkt.

Newsletter bestellen

Immer über neue Rezensionen informiert.

Newsletter

Über 13.000 Fach- und Führungskräfte informieren sich monatlich mit unserem kostenlosen Newsletter über Entwicklungen in der Sozialwirtschaft.

Gehören Sie auch schon dazu?

Jetzt kostenlosen Newsletter abonnieren!

socialnet optimal nutzen!

Recherchieren

  • Rezensionen liefern den Überblick über die aktuelle fachliche Entwicklung
  • Materialien bieten kostenlosen Zugang zu aktuellen Fachpublikationen
  • Lexikon für die schnelle Orientierung und als Start für eine vertiefende Recherche
  • Sozial.de für tagesaktuelle Meldungen

Publizieren

  • wissenschaftliche Arbeiten
  • Studien
  • Fachaufsätze

erreichen als socialnet Materialien schnell und kostengünstig ihr Publikum

Stellen besetzen
durch Anzeigen im socialnet Stellenmarkt

  • der Branchenstellenmarkt für das Sozial- und Gesundheitswesen
  • präsent auf führenden Fachportalen
  • schnelle und preiswerte Schaltung
  • redaktionelle Betreuung