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Susanne Sachse, Gesina Volkmann u.a. (Hrsg.): So funktioniert alltagsintegrierte Sprachbildung

Cover Susanne Sachse, Gesina Volkmann, Kerstin Mahssasse, Ulrike Lehmann (Hrsg.): So funktioniert alltagsintegrierte Sprachbildung. Die besten Ideen aus der Kita-Praxis. Verlag an der Ruhr (Mülheim an der Ruhr) 2018. 160 Seiten. ISBN 978-3-8346-3908-0. D: 23,99 EUR, A: 24,70 EUR, CH: 30,00 sFr.
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Thema

Das Thema des Buches „So funktioniert alltagsintegrierte Sprachbildung – Die besten Ideen aus der Kita-Praxis“ widmet sich der Frage, wie sich die Sprachförderung von ein- und mehrsprachigen Kindern in der Bildungseinrichtung Kindertagesstätte im Alltag gewinnbringend gestalten lässt. Die Praxisorientierung wird in diesem Zusammenhang großgeschrieben. Das Buch enthält eine umfassende Sammlung von Praxiswissen und -material zur alltagsintegrierten Sprachbildung. Die praxiserprobten Ideen stammen aus einem Bundesförderprojekt, das in Berliner Kitas zur Förderung der sprachlichen Bildung und der Integration durchgeführt wurde.

Autorinnen

Die Herausgeberinnen bzw. Autorinnen des Buches sind Expertinnen auf dem Gebiet der Sprachbildung und dies sowohl im fachwissenschaftlichen als auch im berufspraktischen Zusammenhang. So sind alle vier Autorinnen im Bereich der Fortbildung von pädagogischen Fachkräften im Bereich der Sprachbildung tätig und haben zudem durch die praktische Arbeit mit Kindern ein Bild von den Anforderungen und Möglichkeiten, die den Kitaalltag rahmen.

Entstehungshintergrund

Das Praxisbuch entstand im Rahmen des Bundesprojekts „Offensive Frühe Chance“, das im Jahr 2011 in 21 Kitas des Berliner Eigenbetriebs „Kindergärten City“ durchgeführt wrde. Die teilnehmenden Kitas mit dem Schwerpunkt Integration und Sprache setzten sich zum Ziel im Verlauf des Projekts die alltagsintegrierte Sprachbildung fest im Kitaalltag zu verankern und das pädagogische Handlungsrepertoire der Fachkräfte im Hinblick auf die Sprachbildung abzustimmen. Zusammengestellt und informativ aufgearbeitet wurden die besten Ideen, Projekte und Methoden, die sich in den einzelnen Einrichtungen etabliert haben.

Aufbau

Das Buch im DIN A4-Format ist in zehn Kapitel gegliedert. Vorangestellt ist ein kurzes Vorwort, in dem die einzelnen Kapitel in Kürze thematisch vorgestellt werden und in dem die Machart der Kapitel erläutert wird. Die im Inhaltsverzeichnis verwendeten, farblich gestalteten Überschriften stimmen mit den Farben der Kapitel überein, die sich jeweils einem Oberthema, wie z.B. „Soziale Kompetenzen stärken“ widmen. Jedes Kapitel wird mit einem kurzen theoretischen Input zum Förderschwerpunkt eingeleitet. Die erprobten Angebote werden jeweils auf einer Doppelseite dargestellt und beschrieben. Es gibt pro Kapitel zwischen vier und neun Angebote. Die Darstellung wird durch die Zwischenüberschriften „Was braucht es?“, „So geht es.“ und „Was steckt dahinter“ gegliedert. Zudem wird das Angebot in einer Schritt-für-Schritt-Anleitung beschrieben und mit Fotos von z.B. selbsterstellen Materialien oder Liedtexten aus der Praxis unterstützt. Jedes Angebot enthält eine Angabe für die geeignete Altersgruppe. Am Ende des Buches findet man einen Anhang mit einer Kopiervorlage, Informationen zu den Autorinnen sowie Medientipps und die Bildnachweise.

Inhalt

Der Schwerpunkt des Buches liegt in der Darstellung und Beschreibung praxisorientierter Sprachförderangebote. Die zehn Kapitel des Buches thematisieren jeweils unterschiedliche Förderschwerpunkte:

Das erste Kapitel „Sprache im Kita-Alltag“ (S. 7-23) greift die alltäglichen Abläufe in der Gestaltung eines Kitatages auf. Im Fokus der Angebote steht die Handlungsorientierung, d.h., dass die Kinder ihre Aktivitäten möglichst mit Sprache in Verbindung bringen, z.B. das Tischdecken, das Händewaschen. Sprachförderliche Ideen für den Morgenkreis, rund um das gemeinsame Essen und das Zubereiten von Speisen stehen hier im Vordergrund.

Im zweiten Kapitel „Soziale Kompetenzen stärken“ (S. 25-33) werden Sprachanlässe durch das gemeinsamen Handeln der Kinder initiiert. Beispiele für den Einsatz von Handpuppen zur Konfliktlösung oder Spiele zur Förderung des Zusammenhalts der Kinder werden hier beschrieben.

„Sprachliche Basisqualifikationen fördern“ (S. 35-49) stellt das dritte Kapitel dar und widmet sich schwerpunktmäßig verschiedenen Übungen für die Mundmotorik. Da das Sprechen motorisch realisiert werden muss, werden hier spielerische Ideen zur Koordination und Kräftigung der am Sprachprozess beteiligten Körperteile, wie Lippen, Zunge, Stimmbänder vorgestellt. Pustespiel, Zungengeschichten und Übungen zur phonologischen Bewusstheit kommen hier zum Einsatz.

Das vierte Kapitel „Sprach, Musik und darstellendes Spiel“ (S. 51-62) wendet sich der Verbindung von Sprache und Musik bzw. Rhythmus zu. In diesem Kapitel wird das Potenzial der Musik zum Sprachenlernen aufgegriffen und spielerisch gestaltet. Der Entchen-Rap, eine Kombination des berühmten Kinderliedes mit einem Rockklassiker, regt dazu an, Altbekanntem neuen Schwung zu verleihen und die Kreativität der Kinder und ihren Begleitern zu fördern. Weitere Beispiele für die Verbindung von Geschichten und Alltagsroutinen mit Gesang und Klang sind der Schwerpunkt des Kapitels.

Im fünften Kapitel (S. 65-75) geht es um die Verbindung von Sprache und dem mathematischen Grundverständnis von Kindern. Im Zentrum der Angebote steht die Förderung der kognitiven Fähigkeiten. Das Anregen zur Entwicklung eines Zahlen- und Mengenbegriffs, des Abstraktionsvermögens, des räumlichen Vorstellungsvermögens und der Orientierung passiert in Verknüpfung mit dem Sprechen und dem Spielen.

Im sechsten Kapitel (S. 77-91) wird der Bedeutung der Sinneswahrnehmung in Kombination mit der Sprachentwicklung Rechnung getragen. Da Sprache durch die Einbeziehung aller Sinne gelernt wird, greifen die Praxisbeispiele Ideen auf, die möglichst viele Sinne aktivieren und bei denen die sprachliche Begleitung der Sinneseindrücke im Vordergrund steht. Kinderyoga, Bewegungsgeschichten sowie Tast- und Hörspiele sind die Grundlage des Kapitels.

Das siebte Kapitel „Bücher und Geschichten mal anders“ (S. 93-107) geht differenziert auf die alternative Bilderbuchbetrachtung und das Geschichtenerzählen ein. Diese Methoden helfen insbesondere Kindern mit noch geringen Deutschkenntnissen dabei, an diesem zentralen Bestandteil des Kitaalltags teilzuhaben. Die Praxisbeispiele stellen verschiedene Methoden vor, z.B. das Bilderkino und das interaktive Erzählen mit dem Kamishibai.

Im achten Kapitel „Sprache und Umwelterfahrungen“ (S. 109-119) werden fünf einfache Experimente zur Verdeutlichung naturwissenschaftlicher Phänomene thematisiert. Dabei steht die sinnliche Erfahrbarkeit im Vordergrund, die bei den Kindern einen Aha-Effekt im Sinne des Erkennens von Zusammenhängen auslösen kann. Das Verbalisieren von Vermutungen oder die Konstruktion eigener Erklärungen über interessante Rätsel (Weshalb schwimmen manche Dinge auf dem Wasser und manche nicht?) bietet Sprachanlässe ebenso wie physikalische Grunderkenntnisse.

Die beiden letzten Kapitel des Buches wenden sich der Team- (S. 121-139) und Elternarbeit (S. 141-157) zu.

Im Kapitel „Zusammenarbeit im Team“ werden ausführlich Methoden zur Reflexion der eigenen Person, zur gegenseitigen Wertschätzung, zum Austausch innerhalb des Teams, zum Umgang mit Fehlern bei Äußerungen von Kindern, zur konstruktiven Entwicklungsarbeit und viele mehr dargestellt.

Im Kapitel „Zusammenarbeit mit Familien“ werden Anregungen für eine erfolgreiche Familienarbeit gegeben. Hierbei werden insbesondere Familien mit geringen Deutschkenntnissen eingezogen. Die Praxisideen tragen dazu bei, Familien über wichtige Aspekte der Kitaarbeit zu informieren (z.B. anhand der Gestaltung von Aushängen für mehrsprachige Eltern) und das Miteinander und den Austausch zu initiieren (z.B. durch die Durchführung gemeinsamer Spielnachmittage).

Diskussion

Das Buch setzt sich zum Ziel die Frage danach zu beantworten, wie alltagsintegrierte Sprachbildung wirklich im Kita-Alltag umgesetzt werden kann. Mehrere Aspekte tragen dazu bei, dass das gesetzte Ziel tatsächlich erreicht wird:

  1. Der multiprofessionelle Blickwinkel der Autorinnen begünstigt eine Verknüpfung von gut aufbereitetem theoretischem Grundwissen und Praxisorientierung im Hinblick auf die Sprachförderung in der Kitapraxis. Das Buch ist damit ein erstklassiger Ratgeber für pädagogisches Fachpersonal, das sich im Hinblick auf die alltagsintegrierte Sprachförderung professionalisieren will. Die kurzen theoretischen Einführungen zu jedem Kapitel, wecken das Bewusstsein dafür, welche Bereiche die Sprachbildung überhaupt umfasst und welche Rolle die jeweiligen Bereiche für die Entwicklung der Sprache spielen. Wünschenswert wäre gewesen, die Autorinnen hätten die Grundlage für die vorgenommene Kategorisierung kurz erläutert.
  2. Die Darstellung und Beschreibung der einzelnen Angebote ist hervorragend umgesetzt. Eine strukturierte Beschreibung der Angebote, die übersichtliche Aufmachung und die passende bildliche Untermalung fördert eine unkomplizierte Handhabung des Praxishandbuchs und motiviert zur Anwendung in der Praxis.
  3. Es handelt sich um einen authentischen Ratgeber, der zum einen die Alltagsanforderungen des pädagogischen Fachpersonals berücksichtig und zum anderen das Kind in den Mittelpunkt der Betrachtung rückt. Die Praxisideen beziehen das Alter und die Interessen der Kinder mit ein. Dabei werden immer wieder Hinweise zur Differenzierung, z.B. im Hinblick auf Zweitsprachlerner, gegeben. Sehr gelungen ist das Kapitel zur Teamarbeit, das zur Eigenreflexion von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in der Sprachbildung anregt.

Ergänzend dazu wäre es sinnvoll gewesen, einen Hinweis auf die zentrale Rolle des Sprachvorbilds für alle am Sprachbildungsprozess Beteiligten zu geben. Dieser hätte im Kapitel Teamarbeit seinen Platz finden können.

Fazit

Ein sehr gelungener Ratgeber zur professionellen Gestaltung der alltagsintegrierten Sprachförderung in der Kita. Keine bloße Aneinanderreihung verschiedener Ideen, sondern eine gut strukturierte, theoriebasierte Darstellung unterschiedlicher Förderbereiche der Sprachbildung. Die Vielfältigkeit des Förderprozess wird durch die ganzheitliche Herangehensweise an die Sprachförderung verdeutlicht. Die umfangreiche Sammlung von erprobten Praxisbeispielen ist authentisch und lässt sich gut in der Kitapraxis umsetzen. Die unkomplizierte Handhabung des Buches wird durch die übersichtliche Gestaltung und Darstellung der Praxisideen garantiert. Man möchte sofort loslegen mit der Sprachförderung!


Rezensentin
Katrin Neumann
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Zitiervorschlag
Katrin Neumann. Rezension vom 17.05.2019 zu: Susanne Sachse, Gesina Volkmann, Kerstin Mahssasse, Ulrike Lehmann (Hrsg.): So funktioniert alltagsintegrierte Sprachbildung. Die besten Ideen aus der Kita-Praxis. Verlag an der Ruhr (Mülheim an der Ruhr) 2018. ISBN 978-3-8346-3908-0.
Inhaltsverzeichnis bei der DNB In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/25320.php, Datum des Zugriffs 23.07.2019.


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