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Amelie Funcke, Gabriele Braemer: Ein Herz fürs Team

Cover Amelie Funcke, Gabriele Braemer: Ein Herz fürs Team. Methodensammlung für Teamworkshops und Teamentwicklungen. managerSeminare Verlags GmbH (Bonn) 2019. 311 Seiten. ISBN 978-3-95891-049-2.

Reihe: Edition Training aktuell. Praxishandbuch Beratung.
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Thema

Wer als TrainerIn, ModeratorIn, OrganisationsentwicklerIn oder Coach mit Teams arbeitet, ist immer auf der Suche nach kreativen und attraktiven Methoden. Was Wunder, dass mit der Nachfrage auch die Angebote zahlreicher werden. Das reicht von Publikationen, deren Ordnungsprinzip nicht ohne weiteres verstehbar ist, über Komplettentwürfe vollständiger Workshops bis zu gut sortierten Methodensammlungen wie zum Beispiel dem vorliegenden Buch. Die Idee des vorliegenden Buches ist es, Methoden anzubieten, die schnell – also auch im laufenden Workshop – einsetzbar sind, weil sie nicht viel Vorbereitung erfordern: „Für solche ‚Eventualitäten‘ wollten wir eine praxiserprobte Methodensammlung zusammenstellen, in der man sich schnell orientieren kann und die wir in Teamworkshops dann immer dabeihaben.“ (S. 7).

Zur erklärten Praxisrelevanz gehört auch eine Gliederung, die eine rasche Orientierung in den Methoden erlaubt. Das Buch folgt dem Bogen, den ein Workshop üblicherweise beschreibt: vom interessanten Beginn bis zum bestärkenden Abschluss. Dass man auch nach dem Schwerpunkt der jeweiligen Veranstaltung suchen kann, ist naheliegend.

Autorinnen

  • Amelie Funcke ist von der Grundausbildung her Sozialpädagogin und Industriekauffrau, hat lange im Theaterbereich gearbeitet, bevor sie damit begann, Unternehmensprozesse als Beraterin, Moderatorin und Trainerin zu begleiten. Sie ist Autorin weitere Bücher zum Thema Moderation und Training.
  • Gabriele Braemer nennt als den Boden, in dem ihre Wurzeln sind, die Tourismusbranche, sie versteht Reisen als das „beste Veränderungscoaching“ (Umschlagtext). Sie arbeitet als Coach, Beraterin, Moderatorin und Spezialistin für interkulturelle Teamentwicklungen. Auch sie ist Autorin weiterer Fachbücher.

Aufbau und Inhalt

Das Buch folgt, wie gesagt, nach einer kurzen Einführung den Phasen eines Teamworkshops. Unter jeder Überschrift bzw. Zwischenüberschrift finden sich 4 – 7 verschiedene Methoden. Den Anfang macht das erste Kapitel mit der Überschrift „Interessant beginnen“.

„Abholen, einstimmen, öffnen“ sind die inhaltlichen Schwerpunkte dieses Kapitels. Hier formulieren die Autorinnen, was nicht nur für das erste Kapitel, sondern für das ganz Buch gilt im Angesicht der Tatsache, dass viele (Einstiegs-)Methode schon an vielen Orten beschrieben worden sind: „Wir haben uns deshalb entschieden, uns hier auf solche zu beschränken, die nach unserem Wissen noch nicht so häufig beschrieben wurden.“ (S. 19).

Das zweite Kapitel ist überschrieben mit: „Herausfinden, was ist“ mit den Unterüberschriften „Sichtweisen erheben“, „Zusammenarbeit live erleben“ und „Kreieren, was sein SOLL“. Teamworkshops werden häufig dann gebucht, wenn es entweder im Team nicht rund läuft oder das Potenzial nicht hinreichend ausgeschöpft wird bzw. die Leistungsfähigkeit gesteigert werden soll. Die Methoden erlauben einen genaueren Blick auf das, was möglicherweise unterhalb der Wahrnehmungsschwelle des Teams bleibt. Kooperationsübungen bahnen den Weg vom Miteinanderreden zum Miteinanderhandeln. In vielen Teamworkshops geht es außerdem um das Erarbeiten und Beschreiben von Zielen bzw. Visionen, auch hierfür bietet das Buch eine Reihe von z.T. umfangreichen Entwürfen.

Das vierte Kapitel ist dem Thema „Austausch initiieren“ gewidmet. Einen solchen Austausch man sich unter verschiedenen Perspektiven vorstellen, nämlich:

  • „Menschen ins Gespräch bringen und begleiten“,
  • „Informationen austauschen“,
  • „Austausch in konflikthaften Situationen“ und schließlich 
  • „Vertiefend kennenlernen“.

Denn erfolgreiche Teamworkshops hängen vor allem davon ab, ob der Austausch unter den Teammitgliedern zu zielführenden und konstruktiven Plänen führt.

Damit Teams solche Pläne umsetzen können, ist es wichtig, „Stärken und Ressourcen (zu) ermitteln“ – das ist die Überschrift des fünften Kapitels. Die Unterabschnitte sind:

  • „Stärken und Ressourcen ermitteln“,
  • „Werte ergründen“,
  • „Mit Stress umgehen“,
  • „Kulturen thematisieren“ und
  • „Probleme bearbeiten“, wobei z.B. das Thema Stress längere Formate präsentiert – „quasi ein Workshop im Workshop“ (S. 188).

„Transfer anstoßen“, das Thema des sechsten Kapitels, ist ein berechtigter und immer wieder eingeforderter Schritt in einer Teambegleitung. Das, was möglicherweise innovativ im Workshop gedacht und entwickelt worden ist, soll im Alltag nicht wieder verblassen oder gar verschwinden. Nicht für alles kann noch innerhalb eines Workshops gesorgt werden, dennoch gibt es eine Reihe von Methoden, die mehr Nachhaltigkeit ermöglichen. Und das siebte Kapitel schließlich ist überschrieben mit „Bestärkend abschließen“, und was am meisten stärkt, sind abschließende wertschätzende Ressourcenrückmeldungen wie z.B. der „Komplimente-Quickie“ (S. 297f).

Diskussion

Ich beginne mit dem Fazit: Ich halte das Buch für uneingeschränkt empfehlenswert und bereichernd für die Beratungspraxis. Das betone ich umso mehr, als ich mich schon einige Male eher kritisch zu Sammlungen von „Tools“ geäußert habe, weil sie zu einem eher verdinglichten Verständnis der vorgestellten Settings und Interventionen einladen. Vermutlich sprechen die Autorinnen ganz bewusst von „Methoden“, die ja mehr prozesshaft zu verstehen sind. Dieses Buch heißt auch nicht zufällig „Ein Herz fürs Team“, denn dass die Herzen von Amelie Funcke und Gabriele Braemer für die Arbeit mit Teams schlagen, spürt man den methodischen Zugängen zu den verschiedenen Themen ab.

Nicht alle LeserInnen werden über umfangreiche eigene Erfahrungen in der Beratungsarbeit mit Teams verfügen, neben den alten gibt es auch viele junge Hasen und Häsinnen. Ich bin aber ziemlich sicher, dass diese Methodensammlung für beide ausgesprochen nützlich ist. Sie ist nicht die „ewige Wiederkehr desselben“, sondern eine gute Zusammenstellung zum Teil bewährter, zum Teil auch neuer Methoden. Und: Welche Methoden vorgestellt werden, ist die eine Sache, wie sie vorgestellt werden, ist eine andere. Die Auswahl ist gut und in der Zuordnung zu den einzelnen Themen stimmig, umfangreich genug und gleichzeitig hilfreich reduziert. Großartig finde ich die Aufbereitung der einzelnen Methoden, die immer mit „Anwendung und Wirkung“ beginnt, „Praxistipps“ hinzufügt, immer wieder auch einige Sätze zu „Vertiefendes/Hintergrund“ hinzufügt und dann mit „Technischen Hinweisen“ und ggf. „Variationen“ schließt. Die einzelnen Schritte sind detailliert und gangbar beschrieben, die notwendigen Informationen übersichtlich geordnet, und schließlich sind die vielen Abbildungen von Flipcharts zu den Themen für die Präsentation in Teamtrainings sehr nützlich – also kurz: „aus der Praxis für die Praxis“.

Zur Qualität des Buches trägt m.E. auch bei, dass die vorgestellten Methoden aus sehr unterschiedlichen Konzepten stammen: aus der lösungsfokussierten Beratung, aus den kommunikationstheoretischen (und -praktischen) Arbeiten von Schulz von Thun, aus der Psychotherapie, aus dem NLP, aus dem Forumtheater und anderen Quellen. Dadurch gewinnt es an Weite. Und meines Erachtens sind Aspekte thematisiert, die in Teamcoachings, -entwicklungen, – trainings immer wieder vorkommen, sodass das Buch auch so etwas wie eine Schatzkiste für die Arbeit ist. Und diese Schätze sind leicht zu heben. Den Anspruch, dass man das Buch dabeihaben und notfalls in Pausen laufender Workshops noch zu Rate ziehen kann, finde ich gleichwohl etwas zu hoch, aber mir ist klar, dass auch die Autorinnen eine solide Vorbereitung präferieren. Schon allein die notwendige Flipcharts sind kaum ad hoc zu erstellen. Bleibt noch zu erwähnen, dass es zu dem Buch weiteres Onlinematerial gibt. Es enthält Arbeitsanweisungen, Regeln oder auch Kärtchenvorlagen zu den im Buch enthaltenen Methoden.

Fazit

Ich wiederhole mein Fazit: Ich halte das Buch für uneingeschränkt empfehlenswert und bereichernd für die Beratungspraxis. Wer immer wieder oder auch nur hier und da Teamworkshops anbietet, sollte das Buch auf jeden Fall im Regal haben – und gelegentlich tatsächlich in der Aktentasche!


Rezensent
Peter Schröder
Pfarrer
(Lehr-)Supervisor (DGSv), Seniorcoach (DGfC)
Homepage www.resonanzraeume.de
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Zitiervorschlag
Peter Schröder. Rezension vom 25.07.2019 zu: Amelie Funcke, Gabriele Braemer: Ein Herz fürs Team. Methodensammlung für Teamworkshops und Teamentwicklungen. managerSeminare Verlags GmbH (Bonn) 2019. ISBN 978-3-95891-049-2. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/25392.php, Datum des Zugriffs 19.11.2019.


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