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Lars Balzer, Wolfgang Beywl: Evaluiert

Cover Lars Balzer, Wolfgang Beywl: Evaluiert. Erweitertes Planungsbuch für Evaluationen im Bildungsbereich. h.e.p.-verlag (Bern) 2018. 2., überarbeitete Auflage. 264 Seiten. ISBN 978-3-0355-0872-7. D: 28,00 EUR, A: 28,80 EUR, CH: 34,00 sFr.
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Thema

Planung und Durchführung von Evaluationen im Bildungsbereich

Autoren

Prof. Dr. Lars Balzer ist Leiter der Fachstelle Evaluation am Eidgenössischen Hochschulinstitut für Berufsbildung EHB IFFP IUFFP und dort zuständig für Fragen der Evaluation in Forschung, Lehre sowie interner und externer Projektarbeit.

Prof. Dr. Wolfgang Beywl leitet die Professor für Bildungsmanagement und Schulentwicklung an der Pädagogischen Hochschule FHNW und ist Leiter von Univation – Institut für Evaluation.

Aufbau und Inhalt

Mit der zweiten überarbeiteten Auflage von «evaluiert» liegt ein aktualisiertes und ergänztes Sach- und Lehrbuch vor. In der neuen Auflage sind zahlreiche inhaltliche Erweiterung vorgenommen worden. Resultat sind insgesamt rund 60 zusätzliche und wertvolle Textseiten. Zudem haben die Autoren die verwendete Literatur umfassend aktualisiert. Das Lehr- und Planungsbuch «evaluiert» richtet sich gleichermassen an Bachelor-, Master- und Weiterbildungsstudierende wie auch an Lehrende in den Bereichen der Bildungswissenschaft sowie interessierte Personen aus verwandten Disziplinen, die sich mit der systematischen Evaluation von (Bildungs-)Programmen auseinandersetzen wollen. Das Buch liefert einen guten Einstieg in die Evaluationspraxis. Die Autoren kategorisieren den Evaluationsprozess von der Planung bis zur Berichterstattung und zur Metaevaluation in zehn Arbeitsschritte. In der Neuauflage sind insbesondere die evaluationsspezifischen methodischen Grundlagen und einige Fallbeispiele in drei komplett neuen Kapiteln vertieft worden. Der Aufbau von «evaluiert» folgt einer prozessualen Logik und die einzelnen Kapitel bauen aufeinander auf.

In Kapitel 1 zeigen die Autoren an einem ersten detaillierten Fallbeispiel auf, welche Herausforderungen die Planung und Durchführung von Evaluationen mit sich bringen. Kapitel 2 schliesst an diese Einführung an und führt in die verschiedenen Dimensionen des Evaluationsbegriffs an. Kapitel 3 rundet die Einführung ab, indem der Evaluationsprozess beschrieben wird. Besonders positiv fallen in dieser dreiteiligen Einleitung die formulierten «Schlüsselaussagen» auf. Sie bieten einen guten Überblick über Kernelemente, die es zu beachten gilt. Zudem leiten sie mit Verweisen auf weiterführende Erläuterungen in den Folgekapiteln über.

Kapitel 4 markiert den Beginn der inhaltlichen Beschreibung des Evaluationsprozesses, die mit Kapitel 13 abgeschlossen wird. Im vierten Kapitel wird auf die Bestimmung des Evaluationsgegenstandes eingegangen. Dazu werden im Besonderen die Formulierung und die Bewertung spezifischer Zielsysteme diskutiert. Zudem werden verschiedene theoretische Modelle zur Planung und Realisierung eines (Bildungs-)Programmes besprochen. Da sich das Buch auch an Leserinnen und Leser ohne Evaluationserfahrung richtet, legen die Autoren Wert darauf, die vielfältigen und häufig unterschiedlich verwendeten Fachbegriffe aus der Literatur und der Evaluationspraxis zu klären und einzuordnen. Bedauerlicherweise gelingt dies nur teilweise. Das Festlegen einer einheitlichen und gut nachvollziehbaren Definition der klassischen Evaluationsgegenstände (Konzept, Umsetzung, Output, Outcome und Impacts) entlang des Wirkungsmodells wäre für das Verständnis der nachfolgenden Kapitel gewinnbringend gewesen.

In Kapitel 5 wird eine umfassende Übersicht über die Bestimmung der evaluationsrelevanten Akteure und die Rolle der Evaluierenden vorgenommen. Besonders wertvoll ist hier die differenzierte Beschreibung der Erwartungen und Interessen der verschiedenen Anspruchsgruppen einer Evaluation.

Kapitel 6 beschreibt die Bestimmung der Evaluationszwecke und der Evaluationsfragestellungen. Dieses Kapitel ist für die zweite Auflage des Buches grundsätzlich überarbeitet worden. Im Vergleich zur ersten Auflage wurde eine Übungsaufgabe zur Unterscheidung der verschiedenen Arten von Evaluationsfragen ergänzt. Leider findet sich aber keine Übung zur eigenständigen Formulierung von Evaluationsfragestellungen. Das ist überraschend, da solide und zielgerichtete Evaluationsfragen ausschlaggebend für eine erfolgreiche Evaluation und für die Erwartungserfüllung der verschiedenen Anspruchsgruppen sind. Die Darstellung der Fragestellungen hätte weiter von Verweisen auf das potenzielle methodische Vorgehen zur Beantwortung der Evaluationsfragen profitiert. Gerade für Personen mit wenig sozialwissenschaftlichen Vorkenntnissen oder wenig Evaluationserfahrung wäre ein Verweis auf die methodischen Möglichkeiten aus der Evaluationspraxis interessant.

Kapitel 7 schliesst an die Formulierung von Evaluationsfragen an und behandelt die Bewertungskriterien. Auch dieses Kapitel wurde für die zweite Auflage stark überarbeitet. Die Autoren führen in die Entwicklung von und relevante Quellen für Evaluationskriterien ein. Sie stützen sich unter anderem auf die Vorgaben der Schweizerischen Evaluationsgesellschaft (SEVAL). Sie betonen die Wichtigkeit von Evaluationskriterien für die praktische Durchführung und Planung einer systematischen, wissenschaftlichen Evaluation. Die Stärke des überarbeiteten Beitrages zeigt sich im Besonderen darin, dass die Autoren die zentrale Verbindung zwischen den Evaluationsfragestellungen und den systematisch ausgewählten Evaluationskriterien aufzeigen. Dadurch ermöglichen sie ihren Leserinnen und Lesern, die Systematik des Evaluationsprozesses nachzuvollziehen und verdeutlichen die Bewertungsfunktion von Evaluationen.

Die Kapitel 8, 9 und 10 behandeln das methodische Vorgehen bei der Planung und Durchführung einer Evaluation. Dazu werden Erhebungsdesigns, der Datenerhebungsprozess sowie die Auswertung und Interpretation der Daten diskutiert. Kapitel 8 wurde gegenüber der ersten Auflage gekürzt und aktualisiert. Es werden sowohl qualitative als auch quantitative Methoden und deren Vor- und Nachteile besprochen. Die Autoren zeigen im Besonderen auf, dass die Evaluationspraxis vor allem durch einen Methodenmix geprägt ist und verschiedene Evaluationsfragen verschiedene methodische Zugänge erfordern. Wertvoll ist auch Kapitel 9, das die Herausforderungen und Problematiken aufgreift, welche eigenständig durchgeführte Datenerhebungen mit sich bringen. Die methodischen Ausführungen werden in Kapitel 10 mit einer Einführung in die systematische Datenauswertung abgeschlossen. Ein wichtiger Teil dieses Kapitels stellt die umfassende Literatursammlung dar, die auf die weiterführenden Erläuterungen zur qualitativen und quantitativen Datenauswertung verweist. Im Vergleich zur ersten Auflage des Buches wurde zudem der Prozess der Bewertung eingehend beleuchtet und mit einem ausführlichen Beispiel illustriert.

In Kapitel 11 werden zentrale Aspekte der Berichterstattung zu einer Evaluation behandelt. Die Autoren gehen auf die Adressatinnen und Adressaten, den Zeitpunkt der Berichterstattung, die Verantwortlichkeiten sowie auf die Auswahl eines geeigneten Berichterstattungsformates ein. Vor allem die formulierten Richtlinien für eine verantwortliche Berichterstattung sind für wenig erfahrene Evaluierende sehr wertvoll, da sie gut nachvollziehbar dargestellt sind. Diese Ausführungen würden allerdings von einer etwas ausführlicheren Auseinandersetzung mit der Formulierung und möglichen Inhalten von Empfehlungen profitieren. Die Formulierung von Empfehlungen ist sowohl für unerfahrene als auch erfahrene Evaluierende häufig herausfordernd. Kapitel 12 greift die Nutzung von Evaluationen auf und legt ausführlich dar, welche Nutzungsarten in der Literatur besprochen werden.

Die Autoren haben für die zweite Auflage drei neue Buchkapitel konzipiert, die sich unter anderem mit den methodischen Herausforderungen der Evaluationspraxis auseinandersetzen. Kapitel 14 nimmt Ansätze aus den methodischen Diskussionen in den Kapitel 8 bis 10 auf und führt detailliert in die Entwicklung von standardisierten Fragebögen ein. Es werden die Gestaltung, verschiedene Frage- beziehungsweise Antworttypen sowie allgemeine Hinweise zur Frageformulierung diskutiert. Diese Erweiterung steigert den Mehrwert dieses Buches nachhaltig, da sie sich detailliert mit einem in der Evaluationspraxis häufig verwendeten Datenerhebungsinstrument befasst. Kapitel 15 führt in die Text-Sortier-Technik (TST) ein; es handelt sich dabei um eine einfache Form der qualitativen Inhaltsanalyse. Die Autoren führen Schritt für Schritt durch das Verfahren − vor allem für Leserinnen und Leser, die keinen routinierten Umgang mit der Verwendung von qualitativen Inhaltsanalysen pflegen, ist diese detaillierte Anleitung sehr hilfreich.

Den Abschluss des Buches bildet das ebenfalls neu hinzugefügte Kapitel 16, das zwei ausführliche Fallbeispiele umfasst. Die Autoren illustrieren die in den vorangegangenen Kapiteln erklärten Evaluationsschritte ausführlich. Damit haben die Leser und Leserinnen die Möglichkeit, das Gelernte anhand empirischer Beispiele nachzuvollziehen. Diese Ergänzung stellt im Vergleich zur ersten Auflage des Buches ebenfalls einen grossen Mehrwert dar, da es die Inhalte des Buches auf sehr sinnvolle Weise synthetisiert und praktisch zur Anwendung bringt.

Fazit

Die neue Auflage von «evaluiert» schliesst an die klare Strukturierung und ansprechende Gestaltung der ersten Auflage an. Die zahlreichen Erweiterungen und Überarbeitungen sind gut gemacht und nützlich. Das Buch behandelt den vorgestellten, in zehn Schritten konzipierten Evaluationsprozess kompakt und ist besonders für Personen ohne oder mit wenig Evaluationserfahrung sehr nützlich. Es behandelt sowohl theoretische Grundlagen als auch zahlreiche empirische Beispiel aus der Evaluationspraxis in leicht zugänglicher Art und Weise. Die grosse Evaluationserfahrung und die didaktische Kompetenz der Autoren zeigt sich nicht zuletzt in den zahlreichen und gut aufgearbeiteten Praxisbeispielen. Es gelingt den Autoren auch, die Bedeutung evaluationswissenschaftlicher Grundlagen für die Praxis zu belegen.

«evaluiert» zeigt die Kernthemen wissenschaftlicher Evaluationen im Bildungsbereich auf und erfüllt den Anspruch, ein systematisches und methodisch fundiertes Vorgehen zur Durchführung einer Evaluation zu erläutern. Das didaktische Geschick der Autoren und die breite Abstützung der Literaturgrundlage auf den aktuellen Forschungsstand tragen besonders zur Qualität der Publikation bei. Durch Verweise auf weiterführende Literatur erfüllt «evaluiert» auch die Ansprüche der Lehrenden. Die ausführlichen Fallbeispiele, Übungsaufgaben, dazugehörige Musterlösungen und ein umfangreiches Glossar runden den positiven Gesamteindruck ab. Generell kann die überarbeitete Auflage von «evaluiert» all jenen empfohlen werden, die das Evaluationshandwerk erlernen oder mit spezifischem Bezug auf den Bereich der Bildungswissenschaften vertiefen möchten.


Rezension von
Prof. Dr. rer.pol. Andreas Balthasar
Professor for Swiss Politics and Health Policy
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und
Chiara Büchler
Studentische Forschungsmitarbeiterin, Universität Luzern
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Zitiervorschlag
Andreas Balthasar/Chiara Büchler. Rezension vom 03.07.2020 zu: Lars Balzer, Wolfgang Beywl: Evaluiert. Erweitertes Planungsbuch für Evaluationen im Bildungsbereich. h.e.p.-verlag (Bern) 2018. 2., überarbeitete Auflage. ISBN 978-3-0355-0872-7. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/25396.php, Datum des Zugriffs 04.08.2020.


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ISSN 2190-9245

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