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Harmsen Thomas: Familienzentren kompetent managen

Cover Harmsen Thomas: Familienzentren kompetent managen. Professionelle Herausforderungen und empirische Befunde. disserta Verlag (Hamburg) 2017. 168 Seiten. ISBN 978-3-95935-378-6. 34,99 EUR.
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Thema

Familienzentren sind ein fester Bestandteil der kommunalen Versorgungslandschaften, die familien- und sozialraumorientierte Unterstützungs- und Förderangebote für Kinder und Familien anbieten. Aktuell gibt es für Familienzentren keine Bundeseinheitlichen Standards, die für eine gelingende Familienzentrumsarbeit notwendig sind.

Die Entwicklung der nötigen Rahmenbedingungen und Strukturen der Familienzentren wird in dieser qualitativen Studie auf der Ebene der Mitarbeiter und der Führungskräfte beleuchtet. Die Ergebnisse werden auf die professionellen Handlungskompetenzmodelle übertragen, aus dem sich ein Ansatz für ein erfolgreiches Management von Familienzentren ableiten lässt.

Autor

Prof. Dr. Thomas Harmsen ist M.A.-Sozialwissenschaftler, Diplom-Sozialarbeiter, Supervisor, Familienberater und Qualtätsmanager. Während verschiedener Beschäftigungen und Projekte in Praxis und Wissenschaft hat er sich bereits mit der integrierten Betrachtung von sozialen Strukturen, räumlichen Kontexten und ihren organisatorischen Rahmenbedingungen in Bereich der Familienzentren befasst.

Aufbau

Neben einer Einführung ist der Text in sechs Kapitel eingeteilt und umfasst 139 Seiten. Die Kapitel sind thematisch wie folgt aufgebaut:

  1. Einleitung
  2. Familienzentren in der Kindheitspädagogik und Sozialen Arbeit
  3. Familienzentren in Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen
  4. Die Anlage der Studie
  5. Komplexitätsmanagement als Kernkompetenz
  6. Zusammenfassung Ergebnisse und Schlussfolgerungen

Inhalt

Der Schwerpunkt des Buches liegt in der Darstellung und Beschreibung von Familienzentren auf den Ebenen der komplexen Alltagsarbeit sowie den Grenzen von Familienzentrumsarbeit. Die sechs Kapitel des Buches thematisieren die unterschiedliche Themenfelder, die inhaltlich aufeinander aufbauen:

Das Buch startet mit der „Einleitung“ in der die Motivation und der Ist-Zustand der Familienzentren in Deutschland aufgezeigt wird und die Fragen aufgezeigt werden: Welche Rahmenbedingungen und Strukturen sind für gelingende Familienzentrumsarbeit notwendig, welche professionellen Handlungskompetenzen bringen Leitungskräfte bereits mit, um Familienzentren dauerhaft in im Sozialraum zu verankern und welche Unterstützung brauchen sie?

Das zweite Kapitel „Familienzentren in der Kindheitspädagogik und Sozialen Arbeit“ (S. 11–19) zeigt den aktuellen Forschungsstand im Bereich der Familienzentren auf sowie deren Verortung im Kontext unterschiedlicher Professions- und Handlungsmodellen.

Im dritten Kapitel „Familienzentren in Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen“ (S. 20–22) wird die historische Entwicklung von Familienzentren dargestellt sowie die Organisation und Finanzierung von Familienzentren in Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen.

„Die Anlage der Studie“ (S. 23–29) stellt das vierte Kapitel dar und widmet sich schwerpunktmäßig der Methodik und dem Forschungsstil der Grounded Theory, die zur Erforschung des professionellen Handelns angewandt wurde.

Das fünfte Kapitel „Komplexitätsmanagement als Kernkompetenz“ (S. 30- 128) ist das umfangreichste Kapitel aus dem Buch „Familienzentren kompetent managen“. In diesem Kapitel werden die nötigen Handlungskompetenzen von Leitungskräften aus den Familienzentren als Komplexitätsmanagement zusammengefasst, die für den Aufbau und Leitung eines Familienzentrums elementar sind. Wichtige Bestandteile sind hier die persönlichen Kompetenzen, Organisations- und politikbezogene Kompetenzen und Teamkompetenz.

Der Umgang mit strukturellen Rahmenbedingungen, wie zeitliche Ressourcen, Räumlichkeiten und Finanzen, gehören zu den alltäglichen Managementaufgaben der Führungskräfte. Die einzelnen Rahmenbedingungen werden thematisch vertieft, indem einzelne Interviewpassagen von erfahrenen Führungskräften der Familienzentren aufgezeigt werden. Die Kernkompetenzen in der Familienzentrumarbeit liegen in der Sozialraumkompetenz, der Netzwerkkompetenz, Alltagsmanagement und den professionellen Handlungskompetenzen. Das Kapitel wird abgerundet, indem ein Abgleich mit dem Kompetenzprofil von Joachim Merchel mit den Ergebnissen aus den Interviews dargestellt wird.

Im Kapitel „Zusammenfassung Ergebnisse und Schlussfolgerungen“ (S. 131–134) werden Anregungen für ein gelingendes Komplexitätsmanagement von Familienzentren aufgezeigt, indem politische, strukturelle und individuelle Voraussetzungen formuliert werden. Der Autor hebt noch einmal besonders hervor, dass die Rahmenbedingungen für eine erfolgreiche Steuerung von Familienzentren nicht allein in der Supervision und Coaching von Führungskräften liegt. Vielmehr spielen fehlende Finanzierungen und fehlende Standards in den Arbeitsprozessen zu hohen Herausforderungen in der alltäglichen Arbeit und im Team. Werden Familienzentren von der Politik und Verwaltung konstruktiv begleitet und unterstützt, gelingt der Auf-und Ausbau von Familienzentren. Der Einbezug von Kindern, Eltern und Teammitgliedern müssen in einem dialogischen Prozess von Beginn an integriert werden. Da Familienzentren sozialraumorientiert arbeiten, benötigen die Mitarbeiter größtmöglicher Autonomie und Gestaltungsfreiheit, sowie regelmäßige Fortbildungen und eine Vernetzung zu anderen Familienzentren.

Die Leitungskräfte sollten keine doppelte Leitungsaufgabe haben um Rollenkonflikte und latente Überforderungen zu vermeiden. Zudem erweist sich in der Praxis eine Trennung von Koordinationstätigkeiten und Leitungsaufgaben als sinnvoll. Führungskräfte sollten über Managementkompetenzen verfügen um Netzwerkarbeiten mit den verschiedenen Stakeholdern umsetzen zu können und sollten über Kompetenzen und Wissensbestände aus Sozialer Arbeit und Kindheitspädagogik verfügen.

Diskussion

Das Buch setzt sich zum Ziel die Frage danach zu beantworten, welche persönlichen, politischen, finanziellen sowie pädagogischen Rahmenbedingungen und Kompetenzen Leitungskräfte benötigen, um den vielfältigen alltäglichen Anforderungen gerecht zu werden. Mehrere Aspekte tragen dazu bei, dass das gesetzte Ziel tatsächlich erreicht wird, wie im Kapitel fünf ausführlich erläutert wird. Darüber hinaus zeigt der Autor Fragestellung aus der Handlungspraxis auf, die für die zukünftige Arbeit in dem Arbeitsfeld beantwortet werden müssen. Die Empfehlung von Standards zur erfolgreichen Leitung von Familienzentren, rundet das Buch ab.
Die Darstellung und Beschreibung der einzelnen Kompetenzen ist hervorragend umgesetzt. Eine strukturierte Beschreibung der Kompetenzen, die übersichtliche Aufmachung und die gute Lesbarkeit der einzelnen Kapitel fördert eine unkomplizierte Handhabung des Praxishandbuchs und motiviert zur Anwendung in der alltäglichen Arbeit in Familienzentren.

Für ein besseres Verständnis und eine gute Lesbarkeit hat der Autor in Kapitel sechs versäumt die Empfehlungen für ein gelingendes Komplexitätsmanagement von Familienzentren, den einzelnen Kategorien „Politik“, „Struktur“ und „Individuelle“ zuzuordnen. Eine bildliche Zusammenfassung der wichtigsten Ergebnisse hätte dem Buch den letzten Schliff gegeben und eine bessere Diskussionsgrundlage bieten können.

Der Schwerpunkt in dieser Arbeit liegt in der Anwendung von Professionellen Handlungskompetenzen für ein erfolgreiches managen von Familienzentren. Darüber hinaus gibt der Autor Einblicke in die Aufbau- und Ablauforganisation der Familienzentren aus Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen, die interessante Ansätze für die eigene Praxis liefern.

Fazit

In dem Werk Familienzentren kompetent managen handelt es sich um eine Veröffentlichung einer einmaligen Studie in Deutschland zum Thema Familienzentren, welche den Interessierten einen vielfältigen Überblick über aktuelle Entwicklungen in diesem Feld verschafft und wichtige Impulse zur Organisationsentwicklung der Familienzentren aufzeigt. Die Zusammenfassung der Ergebnisse und Schlussfolgerungen in Kapitel sechs, fallen sehr kurz aus und werfen mehr Fragen auf, als es Antworten liefert. Hieraus lässt sich ableiten, dass es noch einen hohen Bedarf an weiteren Studien zur Erforschung der Familienzentren bedarf. Zudem könnte eine Befragung der Besucher der Organisation und Anwohner aus dem Quartier in denen die Familienzentren angesiedelt sind, zusätzliche Aspekte aufwerfen, die in der Planung berücksichtigt werden könnten.


Rezensentin
Manuela Bostel
Master of Social Management (MSM), Unternehmensberaterin im Bereich Soziales und Teilhabe
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Zitiervorschlag
Manuela Bostel. Rezension vom 25.11.2019 zu: Harmsen Thomas: Familienzentren kompetent managen. Professionelle Herausforderungen und empirische Befunde. disserta Verlag (Hamburg) 2017. ISBN 978-3-95935-378-6. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/25403.php, Datum des Zugriffs 07.12.2019.


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