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Klaus Fröhlich-Gildhoff, Ullrich Böttinger u.a. (Hrsg.): Gesundheits­förderung und Prävention für Kinder

Cover Klaus Fröhlich-Gildhoff, Ullrich Böttinger, Sabrina Döther, Jutta Kerscher-Becker (Hrsg.): Gesundheitsförderung und Prävention für Kinder im Alter von 3-10 Jahren in Kindertageseinrichtungen und Schulen. Ein Curriculum für die Weiterbildung von pädagogischen Fachkräften und Lehrkräften. FEL Verlag Forschung Entwicklung Lehre (Freiburg) 2018. 519 Seiten. ISBN 978-3-932650-87-1. D: 55,00 EUR, A: 56,60 EUR.
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Thema und Zielsetzung

Bereits der Titel des Buches legt die Thematik klar fest: „Gesundheitsförderung und Prävention für Kinder im Alter von 3–10 Jahren in Kindertageseinrichtungen und Schulen“. Darüber hinaus wird das Thema hinsichtlich der Zielsetzung konkretisiert: „Ein Curriculum für die Weiterbildung von pädagogischen Fachkräften und Lehrkräften“. Es handelt sich somit um eine Art Manual bzw. Arbeitsbuch für die Weiterqualifizierung von pädagogischen Fachkräften und Lehrern, die nun mehr über Prävention und Gesundheitsförderung lernen möchten.

HerausgeberInnen

Das Team der Herausgeber besteht aus vier Personen

  1. Professor Dr. Klaus Fröhlich-Gildhoff. Er hat eine Professur für Klinische Psychologie und Entwicklungspsychologie an der Evangelischen Hochschule in Freiburg inne. Er ist Psychotherapeut für Kinder und Jugendliche und Psychoanalytiker und leitet das Zentrum für Kinder- und Jugendforschung; auf diesem Feld hat er unzählige wissenschaftliche Arbeiten in verschiedensten Formaten veröffentlicht.
  2. Dipl.-Psych. Ullrich Böttinger ist Amtsleiter des Amtes für Soziale und Psychologische Dienste des Ortenaukreises.
  3. Sabrina Döther, MSc ist Pädagogin und Bildungspsychologin und Mitarbeiterin des Zentrums für Kinder- und Jugendforschung.
  4. Jutta Kerscher-Becker, M.A. ist Kindheitspädagogin und Mitarbeiterin des Zentrums für Kinder- und Jugendforschung.

Entstehungshintergrund

Das Buch ist im Rahmen des Praxisforschungsprojektes „Präventionsnetzwerk Ortenaukreis (PNO)“ entstanden. Es wurde dort entwickelt, erprobt und evaluiert. Hervorgegangen ist das Praxisforschungsprojekt aus einem Bestreben des Ortenaukreises und des Zentrums für Kinder- und Jugendforschung, das mittlerweile verstetigt wurde.

Aufbau und Inhalt

Das verschriftlichte Curriculum basiert auf wissenschaftlichen Erkenntnissen und Erfahrungen der Herausgeber bzw. der mitwirkenden Autoren. Es ist in zwei Teil untergliedert:

  1. Einführung in das Curriculum sowie
  2. Praxisteil.

Darüber hinaus gibt es einen sehr üppigen Anhang.

Der deutlich kleinere Teil der Einführung in das Curriculum umfasst lediglich wenige Seiten; der Praxisteil hingegen nimmt mit seien insgesamt sechs Bausteinen die wesentlichen Teile des Buches ein und umfasst nahezu 490 Seiten.

Im ersten Kapitel, der „Einführung in das Curriculum“ beginnen die HerausgeberInnen, den Aufbau des Curriculums zu beschreiben und erklären die Handhabung und Umsetzung. Dabei geben sie Hinweise zum Medieneinsatz, den Räumlichkeiten, in denen das Curriculum stattfinden sollte, etc.

Schließlich widmet sich der erste Teil des Buches dem „II.I Basisbaustein“; alle Bausteine des Buches sind nahezu gleich bzw. sehr ähnlich aufgebaut.

Der erste Basisbaustein widmet sich der Thematik „Gesundheitsförderung und Prävention (in der pädagogischen Arbeit mit Kinder)“. Hier schildern die Autoren zunächst die Ziele des Moduls/ Bausteins und geben zu erwerbende Kompetenzen an. Daran schließt sich die Darstellung eines Ablaufschemas an mit unterschiedlichen Lehrformaten an. Auch Pausenaktivitäten werden beschrieben sowie die Länge der Lehreinheiten. Hinsichtlich der Lehreinheiten finden sich diverse pädagogische Formate von Frontalunterricht über Gruppenarbeiten bzw. Arbeitseinheiten für einzelnen sowie Gruppen bis hin zu Reflexionseinheiten, für die der Leser genau instruiert wird. Abgerundet werden die Bausteine durch je eine üppige Liste mit Literaturempfehlungen. Für den Frontalunterricht werden schließlich Powerpointfolien mit den entsprechenden Inhalten gezeigt. Im Anschluss daran werden Arbeitsblätter (als Kopiervorlage) abgedruckt. Hier finden sich Fallbeispiele, an denen die Teilnehmer üben können, Fragen ans Plenum, Maßnahmen zur Projektplanung, etc. Die Bausteine orientieren sich insgesamt an den SMART-Kriterien: Ziele sollten daher spezifisch, messbar, attraktiv, realistisch und terminiert sein.

Der Fokus liegt im ersten Baustein entsprechend der Überschrift auf allgemeineren Grundlagen der Gesundheitsförderung und Prävention in der pädagogischen Arbeit mit Kindern.

Schließlich schließt sich der Baustein 2 an: „Grundlagen der Zusammenarbeit mit Eltern/ Familien“. Hier findet sich eine analoge Struktur bzw. ein analoger Aufbau des Bausteins mit einem Ablaufschema, Methoden und Instruktionen zur Durchführung, Literaturangaben, Powerpointfolien sowie Arbeitsblättern. Der Fokus liegt hier entsprechend der Überschrift auf den Grundlagen der Eltern- und Familienarbeit. Die Arbeitsblätter fokussieren dabei auf Ansätzen zu Veränderungs- bzw. Interventionsmöglichkeiten in der Arbeit mit Familien bzw. den erwachsenen Personen der Familien, wobei auch Krisen und schwer erreichbare Eltern thematisiert werden.

Analog ist das Vorgehen der Autoren im bzw. für den „Baustein 3: Vernetzung und Kooperationen“. In ihm widmen sich die Autoren der Netzwerkarbeit mit den verschiedensten Akteuren in der Prävention und Gesundheitsförderung. Hier werden u.a. Vereine, Familien, Professionelle, Nachbarn, Freunde, Kollegen/ Mitschüler sowie Verwandte als Netzwerkakteure benannt.

Nach diesen ersten drei Basisbausteinen folgt die Darstellung der „II.II Schwerpunktbaustein“. Dieser beschäftigt sich mit den Bausteinen

  • Seelische Gesundheit, Resilienz und Lebenskompetenz“,
  • Ernährung und Esskultur in Kita und Schule“,
  • Bewegung und Ruhe“ sowie
  • Soziale Teilhabe – Vielfalt fördern“.

In diesen Bausteinen wird Gesundheitsförderung aber auch Prävention aus den o.g. Perspektiven angegangen bzw. es beinhaltet den Charakter der Prävention und Gesundheitsförderung, der Intersektoralität und der Multiprofessionalität bestehend aus mehreren Akteuren. Auch der Settingansatz wird hier verdeutlicht, wobei dieser bereits bei der Darstellung der Vernetzung im voran gegangenen Kapitel deutlich wurde.

Der Baustein über Seelische Gesundheit sowie Resilienz und Lebenskompetenzen enthält entsprechende Hinweise aus dem psychologischen Bereiche.

Der Baustein zur Ernährung und Esskultur in Kita und Schule beinhaltet als Besonderheit explizite Speisepläne, anhand derer die Zusammensetzung von Mahlzeiten nachvollzogen werden kann. Hier berücksichtigen die Autoren auch das Europäische Kerncurriculum der Ernährungsbildung.

Der Baustein über Bewegung und Ruhe beinhaltet diverse Aspekte, die auch die Körperwahrnehmung einbeziehen sowie Achtsamkeitsübungen; aber auch Hinweise zu Atemübungen werden gegeben. Dieser Baustein erscheint besonders groß.

Der Baustein über Soziale Teilhabe fokussiert vor allem auf die Heterogenität bzw. vier Heterogenitätsdimensionen: Armut, Behinderung, Migration und Kultur sowie Gender. Diesen Themengebieten bzw. Heterogenitätsdimensionen wird besondere Aufmerksamkeit eingeräumt.

Schließlich folgt die Beschreibung der „II.III Ergänzungsbausteine“. Auch hier gehen die Autoren nach dem bewährten Schema vor und widmen sich den Schwerpunkten

  • Gesundheit der pädagogischen Fachkräfte und Lehrkräfte“,
  • Professionelle pädagogische Begegnung mit herausforderndem Verhalten“,
  • Kinder in Familienkrisen“ sowie „Kinder chronisch kranker Eltern stärken“.

Hier fließen auch (Er-) Kenntnisse aus den bisherigen Bausteinen mit ein.

Der „II.IV Abschlussbaustein“ dient der „Auswertung, Bilanzierung und Sicherung der Nachhaltigkeit“. Auch hier findet man die bewährte Struktur aus den vorherigen Modulen bzw. Bausteinen wieder.

Zielgruppe

Die Zielgruppe erschließt sich bereits durch die eng umgrenzte Thematik des Buches und findet sich im Kreis der pädagogischen Fachkräfte und Lehrkräfte. Für diese Leserschaft dürfte sich das Buch eignen bzw. für sie neue (Er-) Kenntnisse liefern.

Diskussion und Fazit

Das Buch stellt weit weniger ein Buch im eigentlichen Sinne als vielmehr ein Manual oder Handbuch dar, das vom Verlag mit einer Ringbuchbindung versehen ist. Wer also ein „Buch“ im herkömmlichen Sinne erwartet, der wird bitter enttäuscht. Wer das Buch aber als Manual bzw. Arbeitsbuch nutzen möchte und in der pädagogischen Arbeit mit Kindern im Bereich von drei bis zehn steckt und nach Möglichkeiten sucht, Gesundheitsförderung und Prävention sinnvoll zu vermitteln, der wird von diesem Buch begeistert sein und viele didaktisch klug und geschickt konzipierte Elemente aus ihm herausholen können.

Dabei wird das Curriculum sehr nachvollziehbar dargestellt und best möglich illustriert. Pädagogische Fachkräfte und Lehrer können sich neben dem gesamten Curriculum auch Teile aus dem Buch herausholen, worauf die Autoren explizit hinweisen. In genau diesem Sinne schreibt Klaus Fröhlich-Gildhoff auch „Pädagogische Kunst besteht nicht darin, ein Manual abzuarbeiten. Pädagogische Kunst besteht darin, die Möglichkeiten des Manuals flexibel auf die Gruppe anzupassen“.

Im Großen und Ganzen ist der Inhalt des Manuals zwar im Ortenaukreis entwickelt worden, was aber keinesfalls heißt, dass es sich nicht für alle anderen Teile der Bundesrepublik – und darüber hinaus – ebenso gut eignet.


Rezensent
Prof. Dr. med. et Dr. disc. pol. Andreas G. Franke
M.A. Professur für Medizin in Sozialer Arbeit, Bildung und Erziehung. Hochschule der Bundesagentur für Arbeit Mannheim
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Zitiervorschlag
Andreas G. Franke. Rezension vom 11.04.2019 zu: Klaus Fröhlich-Gildhoff, Ullrich Böttinger, Sabrina Döther, Jutta Kerscher-Becker (Hrsg.): Gesundheitsförderung und Prävention für Kinder im Alter von 3-10 Jahren in Kindertageseinrichtungen und Schulen. Ein Curriculum für die Weiterbildung von pädagogischen Fachkräften und Lehrkräften. FEL Verlag Forschung Entwicklung Lehre (Freiburg) 2018. ISBN 978-3-932650-87-1.
Inhaltsverzeichnis bei der DNB In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/25419.php, Datum des Zugriffs 21.04.2019.


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