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Ullrich Böttinger, Klaus Fröhlich-Gildhoff (Hrsg.): Teilhabe aller Kinder ermöglichen

Cover Ullrich Böttinger, Klaus Fröhlich-Gildhoff (Hrsg.): Vielfalt in der Kita fördern - Teilhabe aller Kinder ermöglichen! Ein Beitrag zur Gesundheitsförderung in Kindertageseinrichtungen. FEL Verlag Forschung Entwicklung Lehre (Freiburg) 2017. 91 Seiten. ISBN 978-3-932650-84-0. D: 5,00 EUR, A: 5,20 EUR.
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Thema

Diese Handreichung des „Präventionsnetzwerks Ortenaukreis (PNO)“ ist auf Grundlage bisheriger Praxis- und Forschungserfahrungen in der Kooperation zwischen dem Landratsamt Ortenaukreis und dem Zentrum für Kinder- und Jugendforschung (ZfKJ) im Forschungs- und Innovationsverbund an der Evangelischen Hochschule Freiburg (FIVE e.V.) entstanden. Kindertageseinrichtungen sollen praxisorientiert und qualitativ hochwertig in einer vorurteilsbewussten Pädagogik, Beratung und Begleitung von Kindern und Familien unterstützt werden.

Die Herausgeber

Prof. Dr. Klaus Fröhlich-Gildhoff lehrt an der Evangelischen Hochschule Freiburg und leitet das Leitung Forschungsinstitut ZfKJ – Zentrum für Kinder- und Jugendforschung.

Ullrich Böttinger leitet das Amt für Soziale und Psychologische Dienste des Landratsamts Ortenaukreis.

Die Autorinnen sind Mitarbeiterinnen an der Hochschule bzw. im Präventions-Netzwerk Ortenaukreis.

Aufbau und Inhalt

In der Einführung orientieren sich die Autorinnen an der Definition der WHO von Gesundheit als vollständiges körperliches, geistiges und soziales Wohlbefinden und am bio-psycho-sozialen Modell der Entwicklung mit ihren Wechselwirkungen. Da es bereits viele Vorschulprogramme zur Förderung der körperlichen und seelischen Gesundheit sowie des sozial-emotionalen Bereichs gibt, konzentriert sich die vorliegende Handreichung auf die soziale Teilhabe. Soziale Teilhabe, Inklusion und Partizipation werden definiert.

Das zweite Kapitel befasst sich mit Dimensionen der Heterogenität als Exklusionsrisiken, mit Armut, Behinderung, Migration und Geschlecht. Es werden jeweils erst allgemeine Fakten, z.B. statistische Daten, referiert und dann der Aspekt der sozialen Teilhabe gezielt besprochen:

  • Armut: materielle, soziale, kulturelle und gesundheitliche Lebenslage.
  • im Bereich Behinderung wird nochmals das biosoziale Modell der ICF herausgestellt und die vorschulische Förderung diskutiert, wobei der Frühförderung eine zentrale Weichen stellende Rolle zugesprochen wird.
  • Migration: Ein Migrationshintergrund hat nicht unmittelbar die Konsequenz von Benachteiligung, aber verstärkt das Risiko, wenn andere Faktoren hinzukommen.
  • Das Geschlecht wird als mit anderen Dimensionen verwoben verstanden.

Um Teilhabe zu ermöglichen, ist die Kenntnis der kindlichen Wahrnehmung von Vielfalt notwendig. Im dritten Kapitel werden die Begriffe und die Funktion von Stereotypen und Vorurteilen diskutiert und besprochen wie Kinder Armut, Behinderung, kulturelle Heterogenität und Geschlechtszugehörigkeit erleben.

Das folgende zentrale vierte Kapitel thematisiert den Umgang mit Vielfalt in der Kita. Als übergreifendes Ziel der pädagogischen Arbeit werden der Abbau von Barrieren und das Schaffen förderlicher Bedingungen formuliert, um Teilhabe zu ermöglichen. Die Autorinnen setzen sich ausführlich mit den verschiedenen Qualitätsdimensionen auseinander:

  • Kontextqualität,
  • Orientierungsqualität,
  • Strukturqualität,
  • Organisations- und Managementqualität,
  • Prozessqualität,
  • Ergebnisqualität.

Sie arbeiten jeweils die Bedeutung der Qualitätsdimension heraus, verdeutlichen dies in Fallbeispielen und regen die persönliche Auseinandersetzung bzw. die Diskussion im Team mit vielen Reflexionsfragen an.

Abschließend charakterisieren sie soziale Teilhabe als „Werkzeug“ für Inklusion und präsentieren einen Kreislauf professionellen Handelns.

Diskussion

Die Herausgeber stellen in ihrem Vorwort fest, dass ein gesundes Aufwachsen und die Herstellung gesundheitlicher Chancengleichheit für alle Kinder und Familien ein zentrales Anliegen im Ortenaukreis darstellt. Kindertagesstätten sind dabei ein wichtiger Faktor, die aber großen Unterstützungsbedarf haben.

Diese Handreichung mit ihren thematischen Einführungen und den konkreten Umsetzungshilfen bietet dabei eine praxisnahe Grundlage. Bedeutsam halte ich die Einführung und die Sensibilisierung für das bio-medizinische Modell der ICF, das zukünftig für die Leistungsgewährung im Behindertenbereich relevant sein wird.

Diese Handreichung entstand im Zusammenwirken von Praxis- und Forschungserfahrungen und zeigt ein gelungenes Beispiel der Umsetzung. Der Ortenaukreis in Baden-Württemberg kann mit seinem Präventionsnetzwerk Vorbild für andere Kommunen sein.

Zielgruppen

Leitungen und pädagogische Fachkräfte in Kindertageseinrichtungen

Fazit

Die Handreichung greift vier Dimensionen von Heterogenität auf, die als Risikofaktoren für die soziale Teilhabe gelten: Armut, Behinderung, Migrationshintergrund und Geschlecht. Es werden ausführlich die Bedeutung von Qualitätsdimensionen erörtert und Anregungen gegeben, wie Barrieren abgebaut und förderliche Bedingungen geschaffen werden können. Eine hilfreiche Handreichung aus dem Ortenaukreis.


Rezensent
Dr. Dipl.-Psych. Lothar Unzner
Leiter der Interdisziplinären Frühförderstellen im Landkreis Erding im Einrichtungsverbund Steinhöring
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Zitiervorschlag
Lothar Unzner. Rezension vom 11.09.2019 zu: Ullrich Böttinger, Klaus Fröhlich-Gildhoff (Hrsg.): Vielfalt in der Kita fördern - Teilhabe aller Kinder ermöglichen! Ein Beitrag zur Gesundheitsförderung in Kindertageseinrichtungen. FEL Verlag Forschung Entwicklung Lehre (Freiburg) 2017. ISBN 978-3-932650-84-0. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/25420.php, Datum des Zugriffs 13.11.2019.


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