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Corinna Oswald, Janina Meeß: Kinder und Jugendliche aus suchtbelasteten Familien

Cover Corinna Oswald, Janina Meeß: Methodenhandbuch Kinder und Jugendliche aus suchtbelasteten Familien. Lambertus Verlag GmbH (Freiburg) 2019. 237 Seiten. ISBN 978-3-7841-3064-4.
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Thema und Zielgruppe

Das Buch richtet sich in erster Linie an Fachkräfte aus dem Suchthilfe- oder Kinder- und Jugendhilfebereich, die mit suchtbelasteten Familien arbeiten, in der selektiven Prävention tätig sind oder therapeutisch intervenieren. Es bietet ganz konkrete Handreichungen, um Einzel- oder Gruppenangebote für Kinder und Jugendliche aus suchtbelasteten Familien durchzuführen. Zur erweiterten Zielgruppe gehören auch ErzieherInnen, Lehrkräfte, engagierte Eltern, Pflege- oder Adoptiveltern und Studierende.

Autorinnen

Corinna Oswald ist Psychologin, klientenzentrierte Therapeutin und seit 2006 im Beratungs- und Behandlungszentrum des Caritasverbandes Schaumberg-Blies e.V. tätig.

Janina Meeß ist Sozialarbeiterin/Sozialpädagogin und systemische Therapeutin und seit 2005 im gleichen Zentrum tätig.

Der Caritasverband hat seit 2006 das Projekt Wiesel als Angebot für Kinder und Jugendliche aus suchtbelasteten Familien etabliert.

Aufbau 

Das Buch beginnt mit einer Einleitung, welche kurz Resilienzfaktoren der Zielgruppe anschneidet und dann das Gruppenangebot Wiesel vorstellt.

Den Hauptteil des Buches bildet eine Methoden- und Materialsammlung: Sie gliedert sich in

  • Methoden und Materialien in der Arbeit mit den Kindern und Jugendlichen ( allgemeiner Rahmen und spezifische Themenkomplexe). Diese Sammlung bildet mit knapp 150 Seiten das Herzstück des Buches.
  • Freizeitaktivitäten und
  • Elternberatung.

Es folgt ein ausführlicher Anhang mit kommentierter Literatur und Filmen für Betroffene und dem Fachliteraturverzeichnis.

Inhalt

Das Angebot Wiesel besteht seit 2006 aus 14 tägigen altershomogenen Gruppen, die den Kindern und Jugendlichen einen geschützten Rahmen bieten, um sich mit den Erlebnissen im Elternhaus auseinander zu setzen. Es existiert ein Hohl- und Bringedienst. Ergänzend können Einzelberatungen angeboten werden. Begleitend findet Elternarbeit statt. Die Ausrichtung ist klientenzentriert und systemisch. Es besteht eine enge Kooperation zwischen Suchthilfe, Jugendhilfe und medizinischem Dienst. Hierbei wird auch die Problematik FASD mit berücksichtigt.

Zu Beginn der Materialsammlung werden allgemeine Methoden aufgeführt, die dem Gruppenfindungsprozess dienen und Kohäsion herstellen. Danach werden Themenkomplexe wie Selbstbild, Familie, Umgang mit Gefühlen, Suchterkrankung in der Familie und Suchtprävention vertieft. Die einzelnen Methoden sind nach Alter (Vorschulalter bis Jugend), Spezifik und teilweise nach ihrer Abfolge im Gruppenprozess sortiert. Sie sind meist folgendermaßen gegliedert:

  • Quelle
  • Alter
  • Intervention
  • Durchführung (konkrete Anleitung)
  • Anmerkungen oder Fallbeispiele
  • Z.T. Literaturhinweise

Symbole machen kenntlich, ob sich die Methode für Gruppen, Einzelsettings oder Familienarbeit anbietet. Die einzelnen Methoden werden auf einer halben bis hin zu mehreren Seiten beschrieben. Erfahrene GruppenleiterInnen können diese direkt umsetzen. Besonders spezifisch ist das Kapitel „Suchterkrankung in der Familie“. Hier finden sich auch zahlreiche Anregungen, wie man gemeinsam mit den Kindern und Jugendlichen Medien zum Thema gestalten kann (Bilder, Skulpturen, Hörspiele, Comics, Fotostorys, Homepages, Spiele, Theaterstücke, Rollenspiele, Verfassen eines Briefes an die Eltern …).

Freizeitaktivitäten, Elternarbeit und gemeinsame Eltern-Kind-Aktionen werden nur kurz angerissen. Das Thema FASD wird fast nur im kommentierten Literaturbereich durch Verweise auf einen Roman, zwei Dokumentationen und ein Medienpaket angeschnitten, kann jedoch auch im Bereich Suchterkrankung in der Familie mit thematisiert werden.

Diskussion

Das Buch bietet eine praxiserprobte, vielfältige Methoden- und Materialsammlung, die von erfahrenen PsychologInnen oder SozialarbeiterInnen in der Einzel-, Gruppen- und mit Einschränkung auch Familienarbeit problemlos eingesetzt werden kann. In Form von Praxisbeispielen werden bei einigen Methoden vertiefende Hinweise aus der eigenen Arbeit gegeben, Fotodokumente machen Gruppenergebnisse sichtbar und lockern die Darstellung auf. Ein tieferer Vergleich unterschiedlicher Zugangsweisen zur Thematik, theoretische Reflexionen oder systematische Evaluationen finden nicht statt. Erfreulicherweise wird auch das Thema FASD angeschnitten, hier wären jedoch noch Gelegenheiten, die Thematik konkret zu vertiefen.

Die Hinweise auf Bücher und Medien für die Zielgruppe finden sich an zwei verschiedenen Stellen im Buch, einerseits im Methodenteil „Suchterkrankungen in der Familie“ – dort für den Gruppeneinsatz kommentiert – und andererseits im Anhang. Dies könnte man etwas übersichtlicher gestalten

Fazit

Das Buch von PraktikerInnen für PraktikerInnen kommt zum richtigen Zeitpunkt, da derzeit gerade eine Arbeitsgruppe im Auftrag des Deutschen Bundestages Vorschläge erarbeitet, wie die Bundesregierung Hilfen für Kinder psychisch kranker und suchtkranker Eltern organisieren und finanzieren kann. Die AutorInnen geben, gestützt auf langjährige Erfahrungen, ganz konkrete methodische und inhaltliche Anregungen wie Einzel-, Gruppen-und Familienangebote für Kinder und Jugendliche suchtkranker Eltern durchgeführt werden können. Das Thema FASD könnte in Zukunft noch ausführlicher Berücksichtigung finden.


Rezensentin
Prof. Dr. Annemarie Jost
Professorin für Sozialpsychiatrie an der Fakultät 4 der Brandenburgischen Technischen Universität Cottbus-Senftenberg
Homepage www.b-tu.de/fg-sozialpsychiatrie/
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Zitiervorschlag
Annemarie Jost. Rezension vom 14.06.2019 zu: Corinna Oswald, Janina Meeß: Methodenhandbuch Kinder und Jugendliche aus suchtbelasteten Familien. Lambertus Verlag GmbH (Freiburg) 2019. ISBN 978-3-7841-3064-4. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/25427.php, Datum des Zugriffs 09.12.2019.


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