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Martina Falk, Dorothea Muthesius u.a.: Musik – Demenz – Begegnung

Cover Martina Falk, Dorothea Muthesius, Jan Sonntag, Britta Warme: Musik – Demenz – Begegnung. Musiktherapie für Menschen mit Demenz. Mabuse-Verlag GmbH (Frankfurt am Main) 2019. 2. überarbeitete Auflage. 337 Seiten. ISBN 978-3-86321-433-3. D: 44,95 EUR, A: 46,21 EUR, CH: 55,90 sFr.

Reihe: Demenz Support Stuttgart.
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Thema

Dem Titel des Buches entsprechend handelt es sich bei dem Band um ein Grundlagenwerk zu Musiktherapie mit dementiell veränderten Menschen. Anliegen des Buches ist es, „den Blickwinkel auf das Phänomen Demenz zu erweitern“ (S. 11). Das Buch zeigt ausführlich verschiedene Aspekte des Themas auf. Durch zahlreiche kursiv gedruckte und damit klar erkennbare Fallbeispiele werden musiktherapeutische Interventionen eindrucksvoll nachvollziehbar.

Autor*Innen

„Musik-Demenz-Begegnung“ wurde von insgesamt vier Autor*innen verfasst, die als Expert*innen auf dem Gebiet von Musiktherapie von Menschen mit dementiellen Veränderungen anzusehen sind.

  • Dorothea Muthesius ist Flötistin, Diplom-Soziologin und Musiktherapeutin. Sie ist seit vielen Jahren musiktherapeutisch mit dementiell veränderten Menschen tätig.
  • Jan Sonntag ist Diplom-Musiktherapeut. Er ist ebenfalls seit vielen Jahren als Therapeut, Forscher, Berater, Dozent und Autor im Bereich Demenz tätig.
  • Britta Warme ist Diplom-Musiktherapeutin. Sie hat mit verschiedenen Zielgruppen gearbeitet und ist seit 2004 in eigener Praxis tätig.
  • Martina Falk ist Diplom-Psychologin und Diplom-Musiktherapeutin. Seit 2017 arbeitet sie in privater psychologischer Praxis.

Entstehungshintergrund

„Musik-Demenz-Begegnung“ aus dem Jahr 2019 ist bereits die zweite, vollständig überarbeitete Auflage des unter dem gleichnamigen Titel im Jahr 2010 erschienenen Buches. Gefördert wurde die Neuauflage durch die „Andreas-Tobias-Kind-Stiftung“, die „Deutsche Musiktherapeutische Gesellschaft“ sowie die „Erich und Liselotte Gradmann-Stiftung“.

Aufbau

„Musik-Demenz-Begegnung“ beinhaltet insgesamt sechs durchnummerierte Großkapitel

  1. Musik und Demenz,
  2. Typische Phänomene und Prinzipien in der musiktherapeutischen Praxis,
  3. Musiktherapeutische Interventionen anhand der Bestimmung von Kontakt- und Beziehungsfähigkeit,
  4. Offenes Setting: Zeit für Musik, Raum für Musik, Lust auf Musik,
  5. ‚Sie wünschen bitte?‘: Versorgungskontexte und Zielrichtung musiktherapeutischer Angebote
  6. Sich selbst nicht aus den Augen verlieren: Zur professionellen Selbstpflege

Jedes der Großkapitel enthält mehrere Unterkapitel. Hinzu kommen ein Vorwort von Peter Wißmann, dem Geschäftsführer und wissenschaftlichen Leiter der „Demenz Support Stuttgart gGmbH“ sowie die „Einleitung: Demenz und Therapie“ und vier ergänzende Kapitel (Literatur, Tabellen und Abbildungen, Autorinnen und Autor, Danksagung).

Das Buch enthält neun Tabellen und acht Abbildungen. Beigefügt ist eine DVD (Laufzeit ca. 1 h 20 Min).

Inhalt des Buchs

Die vier Autor*innen erläutern im ersten Kapitel ausführlich die Zusammenhänge zwischen Musik und Demenz. Zunächst werden neurologische Grundlagen aufgezeigt, dann die biografische Bedeutung von Musik erläutert, es werden Anregungen zum Umgang mit der aktuellen Befindlichkeit der Patient*innen gegeben, die verschiedenen Formen von Demenz-Erkrankungen sowie die Phasen einer Alzheimer Demenz dargestellt. Es werden außerdem musiktherapeutische Konzepte beschrieben.

Im zweiten Großkapitel werden dann ausgiebig und mit zahlreichen Beispielen versehen typische musiktherapeutische Situationen vorgestellt: Zum einen die Gruppenmusiktherapie und zum anderen die Einzelmusiktherapie.

Das dritte Großkapitel analysiert musiktherapeutische Interventionen mittels einer spezifischen Methode (EBQ = Einschätzungsskala der Beziehungs-Qualität) im Hinblick auf Kontakt- und Beziehungsfähigkeit der dementiell veränderten Klient*innen und Musiktherapeut*innen.

Das darauffolgende vierte Großkapitel setzt sich mit den Rahmenbedingungen für musiktherapeutische Angebote auseinander („Offene Räume: Zur Frage des Therapieraums“ – „Wiederbelebung sozialer Szenen“ – „Musiktherapie zwischen Therapie, Alltag und Fest“ – „Die Begleitung als Kontinuum“), ähnlich wie das fünfte Großkapitel.

Zuletzt befasst sich das sechste Kapitel mit der therapeutischen Reflexion im Rahmen der professionellen musiktherapeutischen Tätigkeit.

Inhalt der DVD

Die DVD beinhaltet 21 Filmszenen, die musiktherapeutische Interventionen zeigen, sowie teilweise eine Auswertung der gezeigten Szenen mittels des EBQ-Instruments. Gezeigt werden die drei Autorinnen des Buches (Dorothea Muthesius, Britta Warme, Martina Falk) in verschiedenen Settings (Gruppentherapie, Paartherapie, Einzeltherapie).

Diskussion

„Musik-Demenz-Begegnung“ stellt zweifelsohne wichtige Grundlagen, Vorgehensweisen und Ziele musiktherapeutischer Interventionen mit dementiell veränderten Menschen dar. Die musiktherapeutischen Vorgehensweisen werden einleuchtend und nachvollziehbar beschrieben. Sehr überzeugend wirkt der ressourcenorientierte Ansatz der Autor*innen hinsichtlich der dementiell veränderten Menschen, denn es ist „auch Anliegen dieses Buches, den Blickwinkel auf das Phänomen Demenz zu erweitern“ (S. 11). Das Buch kommt außerdem trotz der insgesamt vier Autor*innen einheitlich daher. Allerdings sind die Ausführungen teilweise etwas langatmig.

Umso erfrischender ist die beigefügte DVD: Die beschriebenen musiktherapeutischen Interventionen können am Bildschirm mitvollzogen werden. Der Wechsel des Mediums bringt noch einmal eine zusätzliche Fülle an Informationen, denn „Musikalische Ereignisse per se sperren sich einem verbalen, narrativen Zugriff“ (S. 207). Die DVD zeigt auf, welche musikalischen Qualitäten ein*e Musiktherapeut*in haben kann, in welchen Settings sie*er arbeitet, welches Repertoire benötigt wird, welche Aspekte der Ganzheitlichkeit Musiktherapie einbeziehen kann. Welche Aspekte bei der Arbeit mit dementiell veränderten Menschen von Bedeutung sind, wird außerdem durch die DVD noch einmal klarer. Leider sind die Aufnahmen auf der DVD allerdings teilweise von schlechter Qualität, sie sind unscharf und es ist nur jeweils ein kleiner Ausschnitt des gesamten Settings durch die Kamera festgehalten. Zusätzlich wirkt auch die DVD stellenweise langatmig durch eingeflogene Zwischenüberschriften. Die teilweisen Auswertungen durch das EBQ-Instrument sind in großen Teilen deckungsgleich mit dem Fließtext im Buch. Auffällig ist außerdem, dass die dementiell veränderten Menschen namentlich genannt werden, nicht aber die Therapeutinnen. Im Sinne eines respektvollen und gleichberechtigen Umgangs mit den Klient*innen und Therapeut*innen wäre eine namentliche Nennung beider Seiten erfreulich gewesen.

Fazit

Ein insgesamt lesenswertes Buch mit bedeutenden Informationen zum Themenfeld „Musik-Demenz-Begegnung“. Sowohl der Fließtext, als auch die beiliegende DVD ermöglichen einen lebendigen Einblick in musiktherapeutische Arbeit mit dementiell veränderten Menschen.


Rezensentin
Dr. Raika Lätzer
Historische Musikwissenschaften, M.A.(Musikwissenschaften), Diplom-KA Künstlerische Ausbildung Gesang), Diplom-GP (Gesangspädagogik), B.Mus.(Gesang) Frühere Rezensionen siehe Raika Maier
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Zitiervorschlag
Raika Lätzer. Rezension vom 24.05.2019 zu: Martina Falk, Dorothea Muthesius, Jan Sonntag, Britta Warme: Musik – Demenz – Begegnung. Musiktherapie für Menschen mit Demenz. Mabuse-Verlag GmbH (Frankfurt am Main) 2019. 2. überarbeitete Auflage. ISBN 978-3-86321-433-3. Reihe: Demenz Support Stuttgart.
Inhaltsverzeichnis bei der DNB In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/25438.php, Datum des Zugriffs 20.07.2019.


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