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Kira Klenke: Studieren kann man lernen

Cover Kira Klenke: Studieren kann man lernen. Mit weniger Mühe zu mehr Erfolg. Springer Gabler (Wiesbaden) 2018. 5., durchgesehene Auflage. 196 Seiten. ISBN 978-3-658-23414-0. D: 19,99 EUR, A: 20,46 EUR, CH: 22,00 sFr.
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Thema

Gegenstand dieser Rezension ist Kira Klenkes Buch „Studieren kann man lernen. Mit weniger Mühe zu mehr Erfolg“, das mittlerweile in der 5. Auflage vorliegt. Mit ihm präsentiert sie den Lesenden ein Selbst-Coaching-System, um damit für die große Bedeutung der inneren Einstellung zum Studium zu sensibilisieren und Studierenden unter anderem dabei zu helfen, lernhinderliche und lernförderliche Glaubenssätze sowie ihr bisheriges Lernverhalten zu reflektieren. Daneben werden unter anderem die Fragen behandelt, wie günstige Ziele in Bezug auf das Studium gesetzt und formuliert werden können, was gegen Schreibblockaden unternommen werden kann und wie Studierende leichter und schneller lernen können.

Was den Studienratgeber von anderen studienpropädeutischen Einführungswerken unterscheidet, wird nach Informationen zur Autorin und einer konzisen Übersicht über den Inhalt diskutiert.

Autorin

Die Autorin, Prof. Dr. Kira Klenke, war 24 Jahre Professorin für Statistik an der Hochschule Hannover. Heute ist sie selbstständig als zertifizierte NLP-Trainerin und Autorin von Selbstcoaching-Ratgebern tätig (vgl. Klenke 2019, o. S.).

Aufbau und Inhalt

Der Ratgeber umfasst insgesamt 196 Seiten (inklusive 54 Abbildungen) und ist in vier inhaltliche Hauptkapitel gegliedert:

  1. Lernen auf neuen Wegen: Das Selbstcoaching-Konzept (S. 1–57)
  2. Fundamente Ihres Erfolges legen (S. 59–111)
  3. Ziele setzen: Gut gezielt ist halb gewonnen (S. 113–150)
  4. Eine Frage des Glaubens (S. 151–186).

Zwei Vorwörter und ein Nachwort bilden den Rahmen für die zentralen Inhalte des Buches.

Im 1. Kapitel, Lernen auf neuen Wegen: Das Selbstcoaching-Konzept, stellt die Autorin den möglichen Nutzen des Buches für die Lesenden heraus, gibt erste Erfolgstipps fürs Studium, geht auf Erfolgsjournale als Selbstcoaching-Instrumente zur Begleitung persönlicher Lernprozesse ein. Daneben stellt sie sich selbst vor.

Mit Kapitel 2, Fundamente Ihres Erfolges, soll den Lesenden grundlegendes Wissen zu Coaching-Techniken vermittelt werden. Zudem wird thematisiert, was Erfolg ist und was unter diesem in Bezug auf das Studium verstanden und wie der eigene innere Erfolgsraum mit Hilfe des Erfolgswürfels – einer Visualisierungsübung – vergrößert werden kann. Darüber hinaus wird den Lesenden eine Gebrauchsanweisung für ihr Gehirn gegeben: Dabei wird unter anderem auf das Hemisphärenmodell, verschiedene Lerntypen und das Phänomen der selektiven Wahrnehmung Bezug genommen. Außerdem steht die Methode des Kreativen Schreibens im Fokus. Diesbezüglich werden Grundprinzipien und Umsetzungsmöglichkeiten dargestellt.

In Kapitel 3, Ziele setzen: Gut gezielt ist halb gewonnen, verweist die Autorin auf die Bedeutung des bewussten und ständigen Setzens, des günstigen Formulierens und des schriftlichen Festhaltens von (Teil-)Zielen im Studium. Sie zeigt Möglichkeiten auf, wie die eigene Ausgangslange analysiert und Ziele entwickelt werden können. Ferner zeigt sie auf, welche Möglichkeiten es gibt, mit seinen gesetzten Zielen zu arbeiten und sie nicht aus den Augen zu verlieren (u.a. Visionboard, Mindmovie).

In Kapitel 4, Eine Frage des Glaubens, dem letzten inhaltlichen und kürzesten Hauptkapitel des Buches, wird den Fragen nachgegangen, was Glaubenssätze sind, wie diese entstehen und welche Bedeutung sie für Erfolg oder Misserfolg im Studium haben. Es wird darauf eingegangen, wie limitierende beziehungsweise negative Glaubenssätze identifiziert und durch vorteilhafte respektive positive Überzeugungen und Denkmuster ersetzt werden können.

Diskussion

Ein etwa zweiseitiges Inhaltsverzeichnis stellt die Struktur des Buches übersichtlich – bis in die dritte Gliederungsebene aufgefächert – dar. Den Gestaltungsregeln für die Gliederung und Benummerung von Texten folgend (DIN 1421), lässt lediglich Abschnitt 4.1 einen weiteren Unterabschnitt vermissen (1.4.2).

Positiv hervorzuheben sind die Lernzielübersichten, die jeweils die (Teil-)Kapitel eröffnen und die Checklisten, die die Kapitel schließen und so jeweils einen Überblick über die wesentlichen Inhalte geben. Wünschenswert wäre, dass die Lernziele bei einer Neuauflage nicht als Fragen, sondern tatsächlich als Ziele formuliert werden.

Die Kapitel sind in einem für Studienanfänger(innen) angemessenen und verständlichen, Schreibstil verfasst. Die leserfreundlichen Ausführungen werden dabei durch mehrere konkrete Beispiele, (Reflexions-)Aufgaben und Abbildungen ergänzt. Positiv hervorzuheben sind der ressourcenorientierte und bestärkende Sprachstil der Autorin sowie die zahlreichen Geschichten, die die Inhalte sehr anschaulich werden lassen.

Das Element ebook inside, das Käufer(inne)n des Taschenbuchs ermöglicht, auch die digitale Version zu benutzen, stellt aus Sicht des Rezensenten eine äußerst sinnvolle Neuerung der 5. Auflage dar.

Studieren kann man lernen. Diese Aussage, die gleichzeitig den Titel des vorliegenden Bandes bildet, sollte Studierenden immer wieder ins Gedächtnis gerufen werden. Studieren respektive wissenschaftliches Denken und Arbeiten kann – zumindest bis zu einem gewissen Maß – als Handwerk verstanden werden, das erlernt werden kann, jedoch regelmäßig und zielgerichtet geübt werden muss.

Eine große Stärke des Buches ist die mehrfache und starke Betonung der großen Bedeutung der inneren Haltung zum Studieren für Wohlbefinden und Erfolg im Studium. Diese sollte gemäß der Abwandlung eines Satzes von Schopenhauer nicht unterschätzt werden: Die richtige innere Haltung ist nicht alles, aber ohne die richtige innere Haltung ist alles nichts.

Obgleich die intensive Thematisierung von motivationalen Orientierungen und (Selbstwirksamkeits-)Überzeugungen – auch wenn diese im Ratgeber nicht so genannt werden, begrüßenswert ist, da eine Bewusstmachung dieser Aspekte zur Persönlichkeitsentwicklung der Lesenden (auch über das Studium hinaus) beitragen kann, sollte in einer möglichen Neuauflage stärker auf zentrale Techniken wissenschaftlichen Arbeitens Bezug genommen werden. Diese nehmen im vorliegenden Buch jedoch nur eine äußerst marginale Rolle ein.

Studieren kann man lernen. Hierzu bedarf es jedoch einer umfassenden Auseinandersetzung mit zentralen Arbeitstechniken wissenschaftlichen Arbeitens (u.a. Recherche-, Schreib-, Zitier- und Präsentationstechniken) sowie einer sukzessiven Aneignung eben dieser. Wer sich dazu fundiertes Grundlagenwissen aneignen möchte, sollte umfangreichere propädeutische Einführungswerke heranziehen (u.a. Obermaier 2017 | 328 S.; Rost 2018 | 355 S.; Sandberg 2017 | 330 S.).

Mit weniger Mühe zu mehr Erfolg – wenn das (reißerische) Versprechen des nach dem umstrittenen Minimal-Maximum-Prinzip formulierten Untertitel des Buches überhaupt eingelöst werden kann, geschieht dies nach Auffassung des Rezensenten durch das frühzeitige Erlernen und Anwenden grundlegender wissenschaftlicher Arbeitstechniken, da diese in der Regel ein systematisches und effizientes Arbeiten ermöglichen.

Bei einer potentiellen Neuauflage des Buches sollte unbedingt die wissenschaftliche Fundierung einiger „Erfolgsgeheimnisse“ (Klenke 2018, S. 91) kritisch geprüft werden (u.a. Lerntypen --> vgl. Kirschner 2017, Brain Gym® --> vgl. Hyatt 2007).

Zudem sollte durchweg einheitlich und vollständig zitiert und bibliografiert werden. Wohingegen beim Erfolgskubus der Schöpfer genannt wird, ist dies beim Lernzonenmodell, das auf Luckner & Nadler (1997, S. 29 f.) zurückgeht, nicht der Fall. Hier sollte nicht der Eindruck entstehen, dass es sich bei diesem Modell um das geistige Eigentum der Autorin handelt. Zudem wäre es begrüßenswert, wenn die verwendete Literatur sowie weiterführende Literaturvorschläge zur Vertiefung bei allen Kapiteln angegeben würden.

Fazit

Studieren kann man lernen – mit dem hier besprochenen Buch aber nur bedingt. Die Beschäftigung mit der Neuauflage des Studienratgebers Studieren kann man lernen. Mit weniger Mühe zu mehr Erfolg von Kira Klenke kann insbesondere für Studienanfänger(innen) sinnvoll sein, die an Ihrer Einstellung zum Studieren und zum Erfolg im Studium arbeiten möchten. Diesbezüglich können die Ausführungen und Übungen der Autorin den Lesenden wertvolle Denkanstöße bieten und dazu anregen, selbst die Verantwortung für das Studium und den eigenen Lernerfolg zu übernehmen.

Wer sich jedoch schrittweise mit konkreten Lern- und Arbeitstechniken für das Studium vertraut machen möchte beziehungsweise sich diesbezüglich grundlegendes Wissen aneignen möchte, sollte eher auf studienpropädeutische Nachschlagewerke zurückgreifen.

Literaturverweise

  • Hyatt, Keith J. (2007): Brain Gym®. In: Remedial and Special Education 28 (2), S. 117–124. doi: 10.1177/07419325070280020201.
  • Kirschner, Paul A. (2017): Stop propagating the learning styles myth. In: Computers & Education 106 (1), S. 166–171. doi: 10.1016/j.compedu.2016.12.006.
  • Klenke, Kira (2018): Studieren kann man lernen. Mit weniger Mühe zu mehr Erfolg. 5. durchg. Aufl., Wiesbaden: Springer Gabler.
  • Klenke, Kira (2019): Prof. Dr. Kira Klenke. abrufbar unter: https://kiraklenke.de/kira-klenke2/(21.02.2019)
  • Luckner, John L.; Nadler, Reldan S. (1997): Processing the experience. Strategies to Enhance and Generalize Learning, 2. Aufl., Iowa: Kendall/ Hunt.
  • Obermaier, Michael (2017): Arbeitstechniken Erziehungswissenschaft. Studieren mit Erfolg. Paderborn: Ferdinand Schöningh.
  • Rost, Friedrich (2018): Lern- und Arbeitstechniken für das Studium. 8. vollst. überarb. u. akt. Aufl., Wiesbaden: Springer VS.
  • Sandberg, Berit (2017): Wissenschaftliches Arbeiten von Abbildung bis Zitat. Lehr- und Übungsbuch für Bachelor, Master und Promotion. 3. durchg. u. erw. Aufl., Berlin/Boston: De Gruyter Oldenbourg.

Rezensent
Stefan Siegel
M.A. Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl für Pädagogik (Prof. Dr. Eva Matthes) und Doktorand im Fach Pädagogik an der Universität Augsburg
Homepage www.philso.uni-augsburg.de/lehrstuehle/paedagogik/p ...
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Zitiervorschlag
Stefan Siegel. Rezension vom 28.03.2019 zu: Kira Klenke: Studieren kann man lernen. Mit weniger Mühe zu mehr Erfolg. Springer Gabler (Wiesbaden) 2018. 5., durchgesehene Auflage. ISBN 978-3-658-23414-0.
Inhaltsverzeichnis bei der DNB In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/25451.php, Datum des Zugriffs 19.06.2019.


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