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Antonia Scholkmann, Sabine Brendel u.a. (Hrsg.): Zwischen Qualifizierung und Weiterbildung

Cover Antonia Scholkmann, Sabine Brendel, Tobina Brinker, Robert Kordts-Freudinger (Hrsg.): Zwischen Qualifizierung und Weiterbildung. Reflexionen zur gekonnten Beruflichkeit in der Hochschuldidaktik. wbv Media (Bielefeld) 2018. 290 Seiten. ISBN 978-3-7639-5939-6. D: 34,90 EUR, A: 35,90 EUR.

Reihe: Blickpunkt Hochschuldidaktik - 134.
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Thema

Die Disziplin der Hochschuldidaktik wird aus einer historischen Perspektive beleuchtet, aktuelle nationale und internationale Entwicklungen werden angeführt sowie Empfehlungen für die Zukunft abgeleitet.

AutorInnen

  • Antonia Scholkmann forscht und lehrt im Bereich Organisational Learning and Learning Processes am Department for Learning and Philosophy der Universität Aalborg/Dänemark.
  • Sabine Brendel ist als freiberufliche Dozentin, Moderatorin, Coach und Supervisorin tätig.
  • Tobina Brinker ist Geschäftsführerin des Netzwerks hdw nrw - Hochschuldidaktische Weiterbildung der 20 Hochschulen des Landes Nordrhein-Westfalen.
  • Robert Kordts-Freudinger ist General Programme Manager an der Universität St. Gallen (HSG), Bereichsleiter des Instituts für Wirtschaftspädagogik der HSG.

Entstehungshintergrund

Das Buch ist Teil der Blickpunktreihe zur Hochschuldidaktik, es wurde von Mitgliedern des Editorial Boards der Deutschen Gesellschaft für Hochschuldidaktik herausgegeben.

Aufbau

Das Buch enthält ein Vorwort und ein Editorial sowie drei Hauptkapitel mit einem bis vier Unterkapiteln.

  • Kapitel 1: Das Ganze im Blick: die Makro-Ebene
  • Kapitel 2: Gekonnte Beruflichkeit im Detail: die Mikro-Ebene
  • Kapitel 3: Der Ausblick: Perspektiven für die Zukunft

Inhalt

Im Editorial "Zwischen Qualifizierung und Weiterbildung - Reflexionen zur gekonnten Beruflichkeit" in der Hochschuldidaktik halten die HerausgeberInnen fest, dass es an den Hochschulen zu einer allmählichen Verfestigung der Hochschuldidaktik kommt, basierend auf der Zunahme an in der Hochschuldidaktik Tätigen und der Erweiterung an hochschuldidaktischen Wissens- und Methodenbeständen. Die Hochschuldidaktik entwickelt sich in Richtung einer akademischen Disziplin und im Buch wird der Blick darauf gelegt, wie hochschuldidaktische Tätigkeiten im Sinne einer „gekonnten Beruflichkeit" ausgeführt werden können. Darunter wird ein professionelles Handeln verstanden, welches in komplexen und widersprüchlichen Situationen stattfindet.

Die Beiträge im Kapitel "Das Ganze im Blick: die Makro-Ebene" dienen dem Einstieg. Sabine Brendel und Tobina Brinker stellen die historische Entwicklung der hochschuldidaktischen Weiterbildung anhand von Interviews mit Zeitzeugen dar, sowie der Hochschulpädagogik in der DDR in der Ingenieurbildung. Bastian Hodapp und Dieter Nittel werfen einen kritischen Blick auf die Professionalisierung und Professionalität der Hochschuldidaktik und kommen zu dem Schluss, dass sich die Hochschuldidaktik nicht zu einer neuen Profession entwickelt wird, sondern interdisziplinär aufgestellt ist. Die Entwicklungschancen der Hochschuldidaktik liegen im Feld der Erzeugung von Professionalität im Sinne von gekonnter Beruflichkeit, konkret etwa in der Entwicklung von Studiengängen zur Hochschullehre sowie der institutionellen Verankerung der Hochschuldidaktik. Katrin Stolz und Diana Bücker bieten in ihrem Beitrag eine reflexive-theoretische Grundlage zur hochschuldidaktische Professionalität unter Berücksichtigung soziologischer Professionstheorien. Tobias Jenert und Luci Gommers stellen in ihrem Artikel die Frage, wie die Aus- und Weiterbildung der Hochschuldidaktik im Third Space, zwischen Verwaltung und Akademia, gestaltet werden kann. Während HochschuldidaktikerInnen selbst Angebote konzipieren und durchführen sowie sich selbst und die Angebote weiterentwickeln, liegt die pädagogische Hochschulentwicklung nicht ausschließlich in ihrem Handlungsspektrum.

Im zweiten Kapitel "Gekonnte Beruflichkeit im Detail: die Mikro-Ebene" finden sich konkrete Überlegungen und Ansätze. Antonia Scholkmann und Katrin Stolz widmen sich in ihrem Beitrag einer Systematik hochschuldidaktischer Tätigkeitsgebiete und Themenfelder. Darauf aufbauend analysieren sie das eigene Kompetenzempfinden, die fachliche Herkunft sowie besuchte Weiterbildungen von in der Hochschuldidaktik Tätigen. Tobina Brinker und Dorothea Ellinger identifizieren sieben mögliche Rollen in der Hochschuldidaktik und systematisieren Weiterbildungs- und Qualifizierungsansätze im deutschsprachigen Raum. Daran anschließend beschreiben Sabine Brendel, Anke Timmann und Birgit Stubner einen iterativen und partizipativen Prozess zur Entwicklung von Kompetenzprofilen von HochschuldidaktikerInnen. Der letzte Beitrag in diesem Kapitel erweitert die Entwicklungsformen und Richtungen der Hochschuldidaktik durch eine internationale Perspektive. Katarina Mårtensson und Torgny Roxå reflektieren über 50 Jahre Hochschuldidaktik in Schweden und betonen die Bedeutung der Entwicklung einer Community of practice der AbsolventInnen hochschuldidaktischer Angebote.

Im dritten Kapitel Der Ausblick: Perspektiven für die Zukunft zeigen die HerausgeberInnen zukünftige Entwicklungslinien auf. Basierend auf den Artikeln des Buchs werden die konkreten Ansatzpunkte in einer Synthese zusammengeführt und ein Rahmen für zukünftige Weiterbildungs- und Qualifizierungsmaßnahmen konzipiert.

Diskussion

Auf fast 300 Seiten wird in diesem Buch der Blick zurückgeworfen auf die Entwicklung der Hochschuldidaktik, wobei auch die 150-jährige Tradition der Ingenieurpädagogik einfließt. Der Bologna-Prozess hat unter anderem die Auseinandersetzung mit der Qualität der Lehre gefördert, was sich in unterschiedlichen Programmen zur Hochschuldidaktik niederschlug.

Nach dem quantitativen Ausbau muss sich die Community der HochschuldidaktikerInnen heute mit der Professionalität von Aus- und Weiterbildung beschäftigen. Dabei geht es insbesondere um ein ausgewogenes Zusammenspiel aus Hochschuldidaktik im Allgemeinen, der Didaktik in den Fachdisziplinen sowie der Hochschulentwicklung selbst.

In der Hochschuldidaktik tätige Personen genügen vielen Rollen als WeiterbilderIn und TrainerIn, BeraterIn und Coach, NetzwerkerIn, OrganisationsentwicklerIn, Bildungs- und ProgrammmanagerIn, ForscherIn sowie LeiterIn einer hochschuldidaktischen Einrichtung. Die Kompetenzen, um diese Rollen auszufüllen, könnten möglicherweise modular vermittelt werden. Generische Kompetenzen wie etwa die Entwicklung strategischer Kompetenzen oder die Reflexion der eigenen professionellen Identität sollten Eingang in ein Weiterbildungscurriculum finden, wie die HerausgeberInnen beim Blick in die Zukunft meinen. In nationalen und internationalen Netzwerken können AkteurInnen zusammengebracht und Kompetenzen gebündelt werden.

Fazit

Dieses Buch bietet Einsicht in die Hochschuldidaktik als Ganzes. Es kann einerseits aktiven HochschuldidaktikerInnen eine Basis geben, die eigene Praxis zu reflektieren, die Entwicklung der Hochschuldidaktik mit den eigenen Erfahrungen abzugleichen. Andererseits kann sie Hochschulleitungen inspirieren, über die eigenen Angebote der Hochschuldidaktischen Weiterbildung nachzudenken und diese weiterzuentwickeln. Nicht zuletzt animiert das Buch auch über den eigenen Tellerrand hinauszuschauen und gemeinsam mit anderen die Qualität in der hochschuldidaktischen Aus- und Weiterbildung zu steigern.


Rezensentin
Dr. Jutta Pauschenwein
Homepage www.fh-joanneum.at/zml
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Zitiervorschlag
Jutta Pauschenwein. Rezension vom 16.10.2019 zu: Antonia Scholkmann, Sabine Brendel, Tobina Brinker, Robert Kordts-Freudinger (Hrsg.): Zwischen Qualifizierung und Weiterbildung. Reflexionen zur gekonnten Beruflichkeit in der Hochschuldidaktik. wbv Media (Bielefeld) 2018. ISBN 978-3-7639-5939-6. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/25460.php, Datum des Zugriffs 12.11.2019.


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