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Matthias Prehm: Pflege deinen Humor

Cover Matthias Prehm: Pflege deinen Humor. Eine praktische Anleitung für Pflegepersonal. Springer Science+Business Media GmbH & Co. KG (Berlin) 2018. 145 Seiten. ISBN 978-3-662-56079-2. D: 19,99 EUR, A: 20,55 EUR, CH: 21,00 sFr.
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Thema

Humor ist wichtig, Humor hilft, stressige Situationen im Arbeitsalltag angenehmer zu gestalten und Humor kann trainiert werden! In diesem Buch erfahren Pflegende anhand praktischer Beispiele, wie es gelingen kann, sich die Freude an der Arbeit nicht nehmen zu lassen. Der Autor gibt Tipps, zeigt Tricks sowie zahlreiche Übungen, wie es gelingt, anstrengenden Situationen etwas Positives und Erheiterndes abgewinnen, was sich direkt auf die Laune auswirken kann.

Autor

Matthias Prehm ist seit 25 Jahren Fachkrankenpfleger für Intensivpflege und Anästhesie, davon war er 16 Jahre auf der Intensivstation für Schwerbrandverletzte in Hamburg tätig. Zudem ist er Referent von Humorseminaren.

Aufbau und Inhalt

Das Buch ist im Softcover Format erschienen und hat einen Umfang von 145 Seiten. 46 Illustrationen und einprägsame Grafiken sowie Arbeitsblätter und Anleitungen zu Übungen ergänzen die Inhalte und helfen, das Gelesene im Alltag umzusetzen.

Der Inhalt gliedert sich in fünf Kapitel, zahlreiche Unterkapitel sowie viele Zwischenüberschriften. In grauen Textboxen sind Beispiele hinterlegt, die die Inhalte verdeutlichen. Zur besseren Orientierung ist am rechten oberen Seitenrand die jeweilige Kapitelüberschrift abgedruckt. Jedes Kapitel schließt mit Hinweisen auf die verwendete Literatur und -wenn vorhanden- weiterführenden Links ab.

  1. Warum Humor so wichtig ist
  2. Gehen Sie dem Humor auf den Grund
  3. Humorvoll durch den Pflege- und Klinikalltag
  4. Werden Sie ein Leuchtturm
  5. Resilienz und Humor

Nach einführenden Worten von Eckart von Hirschhausen erläutert Matthias Prehm im ersten Kapitel, warum Humor so wichtig ist und schließt in Kapitel zwei die Aufforderung an, dem Humor auf den Grund zu gehen. Prehm erläutert die -wie er es nennt- „Artenvielfalt des Humors“, beleuchtet, ob Humor gesund macht, welchen Effekt Humor hat und wo die Grenzen von Humor liegen können.

Humorvoll durch den Pflege- und Klinikalltag geht es im dritten Kapitel. Es handelt von Bewältigungsstrategien mit Humor, die im Alltag stark machen. Einstieg bildet die Erklärung zu gutem und schlechtem Stress. Die Lesenden erfahren, dass man Humor trainieren kann. Bewährt haben sich Humorgewohnheiten, von denen der Autor sieben vorstellt wie z.B. sich eine spielerische Haltung zu kultivieren, oft und herzhaft zu lachen oder den eigenen Sprachwitz zu finden. Hilfreich ist, Humor im Stress zu finden, indem man Stresssituationen als Herausforderungen definiert. Auch empfiehlt Prehm die Methode des Emotionssurfens, welches in sieben verschiedenen Stufen abläuft (S. 74). Sicherheit und Handlungsfähigkeit lassen sich gewinnen, in dem die eigene Schlagfertigkeit trainiert wird. Anhand sechs Techniken zeigt er, wie das gelingen kann. Dazu gehören auch eine passende Körperhaltung und eine innere Einstellung, die verdeutlichen, dass man Souveränität ausstrahlen kann z.B. durch die Techniken „Übertreibung“ oder „unerwartetes Zustimmen“.

Das vierte Kapitel macht den Vorschlag, ein Leuchtturm zu werden. Die Metapher „Leuchtturm“ weist darauf hin, dass es gut ist, den Überblick zu behalten und in schwierigen Situationen nach links und rechts schauen zu können. Der Autor vermittelt in seinen Seminaren, dass humorvolle Menschen glücklich sind und glückliche Menschen humorvoll! Es ist wichtig, auf sich zu achten, achtsam durch die Welt zu gehen, zur Ruhe zu kommen und sich Zeit zu nehmen. Ein empathischer Umgang und zwischenmenschliche Begegnungen mit Herz und Hirn sind sehr wertvoll. Das Kapitel endet mit dem Thema Wertschätzung. Diese kann in Worten ausdrücken werden, aber auch dadurch, dass man Interesse am anderen zeigt oder ihm Aufgaben gibt, die seine Kompetenzen abfordern.

Das Buch schließt mit dem fünften Kapitel „Resilienz und Humor“. Prehm erinnert an die Lebensgeschichte von Viktor Frankl, der erlebte, dass seine gesamte Familie 1942 im KZ umgebracht wurde. Frankl schrieb später ein Buch mit dem Titel „Trotzdem ja zum Leben sagen“, in dem er beschreibt, welchen Einfluss die Psyche auf das Überleben und grausame Umständen haben kann. An dieser Stelle wird auf die sieben Säulen der Resilienz nach Rampe verwiesen. Zu diesen sieben Resilienzfaktoren zählen Optimismus im Sinne von Zuversicht, das Verlassen der Opferrolle, in dem man sich selbst als handelnde Person sieht, Akzeptanz in dem Sinne, dass Perfektionismus abgelegt wird, Lösungsorientierung, durch die auch schon kleine Schritte eine Veränderung herbeiführen können, Verantwortungsübernahme, um aktiv zu sein und selber in der Gestaltung zu bleiben, Zukunftsplanung inkl. dem Wissen um Vergangenheit und Gegenwart und als letzte Säule Netzwerkorientierung in dem Sinn, Hilfe und Unterstützung annehmen zu können. Diese Säulen zu erlernen, mit Inhalt zu füllen und anzuwenden sind hilfreich, um mit Belastungen im Alltag besser umzugehen.

Diskussion

Der Fachkrankenpfleger für Intensivpflege und Anästhesie, Matthias Prehm weiß wovon er spricht, denn er blickt auf 25 Jahre Berufserfahrung im Pflegeberuf zurück, davon 16 Jahre auf der Intensivstation für Schwerbrandverletzte. Er ist nicht nur Autor dieses Buches, sondern auch Referent von Humorseminaren. Aus diesem Erfahrungsschatz schöpft der Autor die zahlreichen Beispiele, hervorgehoben in grau hinterlegten Textboxen. Sie ergänzen den Fließtext und wirken nicht nur aufgrund der beschriebenen Inhalte auflockernd. Die Beispiele helfen, die theoretischen Ausführungen zu verstehen und den Transfer in die Praxis herzustellen.

Die hier vorgelegte praktische Anleitung für Pflegepersonal erklärt, wie wichtig Humor ist, wie es gelingt, diesen zu trainieren und damit den stressigen Arbeitsalltag angenehmer zu gestalten.

Humor hat eine große „Artenvielfalt“, es gilt, dem eigenen Humor auf den Grund zu gehen, denn es braucht den Humor, der zu einem selbst passt. Prehm beleuchtet dabei auch die Frage, ob Humor gesund macht und welchen Effekt Humor hat. In seinen Seminaren lässt er Teilnehmende erarbeiten, welche Vorteile Humor hat. Genannt werden dabei z.B. Humor fördert die Leichtigkeit und Kontaktfreudigkeit, Humor ist ein Nothelfer, Humor ist mitreißend und motivierend. Es gibt aber euch Nachteile/Grenzen von Humor, auch damit setzt der Autor sich auseinander z.B. wenn Humor respektlos und verletzend ist.

Humor kann man trainieren, indem man sich Humorgewohnheiten aneignet wie z.B. sich eine spielerische Haltung zu kultivieren, oft und herzhaft zu lachen oder den eigenen Sprachwitz zu finden. Wenn man Stresssituationen als Herausforderung umdeutet, kann es gelingen, Humor im Stress zu finden. Bewährt hat sich dabei z.B. die Methode des Emotionssurfens, die sich aus sieben Stufen zusammensetzt (S. 74). Ein gutes Mittel ist auch, die eigene Schlagfertigkeit zu trainieren, Nebeneffekt ist die Stärkung der Souveränität. Mich haben die Techniken „Übertreibung“ oder „unerwartetes Zustimmen“ besonders angesprochen, auch weil sie so frappierend einfach einzusetzen sind. Beim unerwarteten Zustimmen reagiert man nicht mit Ärger, sondern wechselt die Perspektive und nimmt Aussagen wortwörtlich. Damit wird sehr deutlich, dass man in der Lage ist, selber etwas an der Situation zu ändern.

Die sieben Säulen der Resilienz sind wie ein Fundament, sie geben Stabilität und helfen, mit Belastungen im Alltag besser umzugehen. Jeder der sieben Resilienzfaktoren steht für eine Säule. Optimismus im Sinne von Zuversicht, das Verlassen der Opferrolle, in dem man sich selbst als handelnde Person sieht, Akzeptanz in dem Sinne, dass Perfektionismus abgelegt wird, Lösungsorientierung bei der auch schon kleine Schritte eine Veränderung herbeiführen können, Verantwortungsübernahme, um aktiv zu sein und selber in der Gestaltung zu bleiben, Zukunftsplanung inkl. das Wissen um Vergangenheit und Gegenwart und als letzte Säule Netzwerkorientierung in dem Sinn, Hilfe und Unterstützung annehmen zu können.

Fazit

Humor ist eine Haltung, nämlich die Haltung der Gelassenheit. Humor ist wichtig, Humor hilft, stressige Situationen im Arbeitsalltag angenehmer zu gestalten, Humor kann man trainieren, aber nicht erst, wenn man im Stress ist, sondern pro-aktiv. In diesem Buch erfahren Pflegende anhand praktischer Beispiele, wie es gelingen kann, sich die Freude an der Arbeit nicht nehmen zu lassen. Sicher gibt es in pflegenden Berufen unvorhersehbare Ereignisse, belastende Situationen, Enttäuschungen und Krisen. Dem Autor geht es in seinem Tun darum, dabei zu unterstützen, handlungsfähig zu bleiben, in Distanz zu Problemen zu gehen, zu gestalten und aktiv zu agieren. Das Buch gibt Tipps, zeigt Tricks und zahlreiche Übungen, wie es gelingt, anstrengenden Situationen etwas Positives und Erheiterndes abgewinnen, was sich direkt auf die Laune auswirken kann. Zahlreiche Beispiele, Arbeitsblätter und Anregungen zur Reflexion unterstützen dabei, die Ausführungen zu verstehen und diese direkt im Alltag anzuwenden. Die witzigen Illustrationen von Martje Kleinhans lockern den Fließtext auf und regen immer wieder zum Schmunzeln an. Ein lesenswertes Buch mit einem starken Praxisbezug!


Rezensentin
Dipl.-Päd. Petra Steinborn
Heilpraktikerin für Psychotherapie. Einrichtungsleitung in einer großen Ev. Stiftung in Hamburg-Horn und freiberuflich in eigener Praxis ABC Autismus tätig. Schwerpunkte: Herausforderndes Verhalten, Strategien der Deeskalation, Autismus, TEACCH, Erworbene Hirnschädigungen
Homepage www.abc-autismus.de
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Zitiervorschlag
Petra Steinborn. Rezension vom 02.07.2019 zu: Matthias Prehm: Pflege deinen Humor. Eine praktische Anleitung für Pflegepersonal. Springer Science+Business Media GmbH & Co. KG (Berlin) 2018. ISBN 978-3-662-56079-2.
Inhaltsverzeichnis bei der DNB In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/25461.php, Datum des Zugriffs 19.07.2019.


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