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Cornelia Schinzilarz, Charlotte Friedli: Humor in Coaching, Beratung und Training

Cover Cornelia Schinzilarz, Charlotte Friedli: Humor in Coaching, Beratung und Training. E-Book inside und Online-Materialien. Beltz Verlag (Weinheim, Basel) 2018. 2., überarbeitete und erweiterte Auflage. 332 Seiten. ISBN 978-3-407-36666-5. D: 44,95 EUR, A: 46,50 EUR, CH: 57,90 sFr.
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Thema

Das hier in der zweiten überarbeiteten und erweiterten Neuauflage erschienene Buch thematisiert praxisnah und anwendungsorientiert die Themen Humor als Haltung und Strategie, humorvolle Methoden und Techniken und ergänzt dies um vertiefende theoretische Ausführungen. Zusätzlich werden als weitere Schwerpunkte Humor mit Kindern und Jugendlichen und Humor und Führung in den Blick genommen.

Autorinnen

Cornelia Schinzilarz, Humorcoach, Supervisorin, Theologin. In Deutschland und in der Schweiz als Coach, Trainerin und Dozentin tätig. Co-Leitung der Weiterbildung in Humorcoaching.

Charlotte Friedli, Professorin und Dozentin für Kommunikation, Beratung und Coaching an der Fachhochschule Nordwestschweiz FHNW. Als Trainerin und Coach in der Praxis tätig. Co-Leitung der Weiterbildung in Humorcoaching.

Aufbau und Inhalt

Das Buch beginnt mit einem Vorwort von Barbara Will, die Humorforscherin und Chefärztin ist und sich in diesen Rollen intensiv mit der Thematik befasst hat. Ein Vorwort der Autorinnen zur zweiten Auflage schließt sich an, gefolgt von einer inhaltlichen Einführung. Das Werk selbst gliedert sich in fünf Teile:

  1. Humor kompakt – Die Praxis
  2. Humor kompakt – Hintergründe, Richtlinien und Haltung
  3. Humor in spezifischen Kontexten
  4. Humor – Eine inhaltliche Verortung
  5. Anhang.

Der Begriff Humor leitet sich etymologisch vom Lateinischen umor ab, das Feuchtigkeit oder Flüssigkeit bedeutet. In der griechischen Antike wurde Humor mit den vier Körpersäften assoziiert, die als entscheidend für Leben und Gesundheit betrachtet wurden. Ein Mensch war gesund, wenn er im Humor war, was bedeutete, dass die Körpersäfte in einem ausgeglichenen Verhältnis zueinander standen.

Die Autorinnen verstehen Humor: „als Haltung, die aus sinnlicher Wahrnehmung der inneren und äußeren Reize, aus Gefühlen und Stimmungen, Empfindungen und Körper besteht, die wir im denkenden Prozess vereinen. Durch das aktive Gestalten 
dieser Humorhaltung in den verschiedenen Bereichen, in denen wir leben, wird die Perspektive verändert und das Spektrum der Handlungsmöglichkeiten eröffnet. Die Selbstwahrnehmung gestalten wir uns damit klarer und realistischer, der Blick auf die eigenen, gemeinsamen und fremden Ressourcen und Potenziale wird geschärft. Humor als Haltung macht es Menschen möglich, einen verrückten Blick auf sich, die anderen und die Welt zu werfen, sodass auch vermeintlich Alltägliches in neuem Lichte betrachtet und heiter erlebt werden kann.“ (16). Die Autorinnen gehen davon aus, dass sowohl Humor als auch Lachen Kompetenzen sind, die den Menschen im Prinzip zur Verfügung stehen, aber auch erweitert und ausgebaut werden können. Im Coaching-, Beratungs- und Trainingsprozess können Lachen und Lächeln gezielte Interventionen darstellen, mit denen Situationen bewusst gestaltet werden.

In Teil 1 des Buches „Humor kompakt – Die Praxis“ beschreiben die Autorinnen sehr konkrete Vorgehensweisen, wie Humor und Lachen in den beruflichen und privaten Alltag integriert werden können. Dazu haben sie vielfältige Interventionen, Übungen und Rituale entwickelt, etwa den Humorgang (67 f.), das reflektierte Feedback (s.S. 128) oder das Mimiktraining (s.S. 140 ff.) oder Humorrituale im Arbeitsalltag und vieles mehr.

Das zweite Kapitel „Humor als Haltung“ widmet sich eher den Hintergründen und Grundlagen des Themenkomplexes, sodass die Praxis sich hier mit entsprechendem Hintergrundwis- sen verknüpft. Es werden zunächst grundlegende Ausführungen zu aussersprachlichen menschlichem Ausdruckformen in Gestik und Mimik etc. präsentiert. In diesem Kapitel gehen die Autorinnen auch genauer auf Lachen und Lächeln ein. Beides verstehen sie „als Humorhandlungen und als intentionalen Code, der den Sprachcode ergänzt, unterstützt, ihm auch einmal widersprechen kann.“ (193). Es schließen sich ausführlichere Darstellungen zu den einzelnen Formen und Funktionen des Lächelns und des Lachens an, wobei z.B. betont wird, dass Kinder 500 mal am Tag lachen, Erwachsene hingegen noch 15 mal (199). Interessant in beiden Fällen die Ausführungen zu Lachen als Führungsinstrumente.

Wichtig ist den Autorinnen auch der Aspekt der „Richtlinien des Humors“ im Sinne einer ethischen beruflichen Verpflichtung in Verbindung mit Verantwortung und der Wahrung von verschiedenen Ebenen der Gerechtigkeit: das gerechte Verhältnis der Person zu sich selbst, der Personen zueinander, der Personen in Bezug zur Situation. In Bezug auf die o. g. Richtlinien werden beispielsweise folgende unverzichtbare Standards betont:

  • Respektvoller Humor
  • Wissensdimension Humor
  • Soziale Dimension Humor
  • Personale Dimension Humor
  • Emotionale Dimension Humor.

Sie erläutern, was Humorhaltung bedeutet und aus welchen Komponenten sie sich zusammensetzt, nämlich: „Humor stellt eine Haltung, auf deren Boden ein unterstützender Umgang mit sich selbst und anderen Personen gestaltet wird. Sowohl Ironie, als auch der Zynismus und der Sarkasmus verhindern gerade diesen unterstützenden Umgang, denn sie sind in ihrer Ausführung herablassend und andere oder sich selbst schlecht machend.“ (232). Die Autorinnen verstehen Humor als persönlichkeitverändernd im positiven Sinne. Nach ihrer Auffassung ermöglicht und erleichtert Humor nämlich:

  • Höhere Lebenszufriedenheit
  • Bessere Arbeitseffizienz
  • Gesundheit, verbunden mit Glück
  • stimmige Resilienz
  • bessere Kommunikation in heiterer Gelassenheit
  • höhere Schlaftiefe
  • vertiefte Wahrnehmungsfähigkeit
  • innere und äußere Schönheit.

Im Kapitel „Humor in spezifischen Kontexten“ (s. S. 243 ff.) gibt die Ärztin und Humorforscherin Barbara Wild in einem Interview einen Einblick in ihrer Forschung und die praktische Umsetzung im Gesundheitswesen. Es schließen sich Unterkapitel an, die einzelne thematische Vertiefungen vornehmen, z.B. Humor mit Kindern und Jugendlichen oder Humor im Kontext von Unterricht und die Erziehung von Kindern und Jugendlichen sowie humorvolle Führung.

Im vierten Kapitel werden die theoretischen Grundlagen der Humorforschung genauer beleuchtet, so wird u.a. Humor in den systemisch-konstruktivistischen Kontext eingeordnet, der Zusammenhang zu Gerechter Sprache wird beschrieben, aber auch betrachtet, was aktuelle neurowissenschaftliche Erkenntnisse der Humorforschung ausmachen oder wie sich Philosph*innen über Humor geäußert haben: Abschließende Betrachtungen widmen sich der eine inhaltliche Verbindung von Humor mit den Themen Potenzialorientierung und Resilienz.

Ein Schlusskapitel rückt „FAQ – Häufig gestellte Fragen“ in den Mittelpunkt und fokussiert so wieder vor allem praktische Fragestellung und Aspekte. Ausführliche Praxisberichte stellen die Autorinnen als Download bereit.

Diskussion und Fazit

Die vorgelegte Publikation ist eine sehr anwendungsorientiertes Buch, das insbesondere Menschen, die an einem ganz praktischen Umgang und Einsatz von Humor interessiert sind, etwa in ihrer Tätigkeit in Coaching-, Beratungs-, Bildungs- oder Therapiesettings sehr konkrete Hinweise dafür liefert, wie hier eine humorvolle Haltung aussehen kann, wie sie umgesetzt werden könnte, aber auch welche Standards auf ethischer oder anderweitiger Ebene sinnvollerweise einzuhalten sind. Immer wieder laden die Autorinnen dazu ein, selbstreflektiv inne zu halten, Auswirkungen zu überdenken und multidisziplinäre theoretische Bezüge mitzubedenken. Dabei wird nicht nur auf Erkenntnisse der Humorforschung im engeren Sinne Bezug genommen, sondern auch spannende Querverweise zur Psychologie, Medizin, den Sprach- und Kognitionswissenschaften oder auch den Neurowissenschaften oder der Philosophie hergestellt. Anregend sind die vielfältigen Querverweise auf spannende Literatur, nicht nur in Bezug auf Humor im engeren Sinne, sondern durchaus auch darüber hinausgehend, z.B. auf Marie Luise Knotts Werk über Hanna Arendt (201). Sehr positiv ist auch die Option weiterer Downloadmöglichkeiten, z.B. für das kostenfreie E-Book oder zusätzliche Downloadressourcen.


Rezensentin
Elisabeth Vanderheiden
Pädagogin, Germanistin, Mediatorin; Geschäftsführerin der Katholischen Erwachsenenbildung Rheinland-Pfalz, Leitung zahlreicher Projekte im Kontext von beruflicher Qualifizierung, allgemeiner und politischer Bildung; Herausgeberin zahlreicher Publikationen zu Gender-Fragen und Qualifizierung pädagogischen Personals, Medienpädagogik und aktuellen Themen der allgemeinen berufliche und politischen Bildung
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Zitiervorschlag
Elisabeth Vanderheiden. Rezension vom 07.06.2019 zu: Cornelia Schinzilarz, Charlotte Friedli: Humor in Coaching, Beratung und Training. E-Book inside und Online-Materialien. Beltz Verlag (Weinheim, Basel) 2018. 2., überarbeitete und erweiterte Auflage. ISBN 978-3-407-36666-5.
Inhaltsverzeichnis bei der DNB In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/25462.php, Datum des Zugriffs 24.07.2019.


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