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Reinhard J. Wabnitz: Grundkurs Kinder- und Jugendhilferecht für die Soziale Arbeit

Cover Reinhard J. Wabnitz: Grundkurs Kinder- und Jugendhilferecht für die Soziale Arbeit. UTB (Stuttgart) 2019. 5. aktual. Auflage. 183 Seiten. ISBN 978-3-8252-5192-5. D: 19,99 EUR, A: 20,60 EUR, CH: 26,90 sFr.
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Autor

Prof. Dr. jur. Dr. phil. Reinhard Joachim Wabnitz ist Professor für Familien-, Kinder- und Jugendhilferecht am Fachbereich Sozialwesen an der Hochschule RheinMain in Wiesbaden.

Thema

Der Autor gibt mit dem Grundkurs Kinder- und Jugendhilfe in knapper Form einen Überblick über das für die Soziale Arbeit relevante Basiswissen des SGB VIII und weiterer ergänzender Gesetze.

Entstehungshintergrund

Das vorliegende Buch ist aus Lehrveranstaltungen des Autors hervorgegangen und vermittelt – besonders zugeschnitten auf die Zielgruppe der Studierenden an Sozialen Fachbereichen – das notwendige Wissen über das Kinder- und Jugendhilferecht.

Aufbau und Inhalt

Das Kinder- und Jugendhilferecht wird vom Autor in 14 Kapiteln dargestellt, wobei die Grundsätze und Strukturprinzipien des Kinder- und Jugendhilferechts in zwei, die Hilfe zur Erziehung in drei und andere Aufgaben der Kinder- und Jugendhilfe in zwei Kapiteln aufgeteilt wird.

Die ersten zwei Kapitel beschäftigen sich mit den Grundsätzen und Strukturprinzipien des Kinder- und Jugendhilferechts.

  1. Als Erstes wird eine Definition des heutigen Kinder- und Jugendhilferechts als der Gesamtheit der Regelungen in den Bundes- und Ländergesetzen gegeben und danach wird das wichtigste Gesetz – das SGB VIII – in seiner Gliederung vorgestellt und bildet im Folgenden den Schwerpunkt dieses Buches. Das SGB VIII ist danach ein Erziehungs-, Leistungs-,Struktur- und Förderungsgesetz mit dem Fokus auf Stärkung und Unterstützung der Familien.
  2. Es wird das Spannungsverhältnis zwischen Elternrecht und Wächteramt des Staates beschrieben: Nach Art. 6 Abs. 2 GG sind Pflege und Erziehung in erster Linie Pflicht und Recht der Eltern – allerdings wacht der Staat über ihre Betätigung und greift bei Kindeswohlgefährdung in diese Rechte ein.
  3. Anschließend werden die Träger der Kinder- und Jugendhilfe – freie und öffentliche Träger – und ihr kompliziertes Verhältnis zueinander (z.B. das Subsidiaritätsprinzip) erläutert.
  4. Wichtige Begriffe wie Kind, Jugendlicher, junger Volljähriger oder junger Mensch des § 7 SGB VIII werden in Abgrenzung zu anderen Gesetzen dargestellt.
  5. Der nächste Punkt umfasst die Wunsch-, Wahl- und Beteiligungsrechte der §§ 5 und 8 SGB VIII. Daran schließt sich eine Übersicht über Elternrechte und Kinderrechte an.
  6. Dann wird der besondere Schutzauftrag des Jugendamtes aus Art. 6 Abs. 2 GG und dem Bundeskinderschutzgesetz herausgearbeitet, der sich in den §§ 8a und 8b SGB VIII konkretisiert hat. In diesem Zusammenhang wird auch auf die Garantenstellung der betroffenen Sozialarbeiter nach § 13 StGB hingewiesen, was bei Unterlassen des richtigen oder nicht rechtzeitigen Handelns zur strafrechtlichen Verfolgung führen kann.
  7. Zum Abschluss der Grundsätze und Strukturprinzipien wird in einer Übersicht die historische Entwicklung des Kinder- und Jugendhilferechts von der Verkündung des Reichsjugendwohlfahrtsgesetz am 9.7.1922 bis zum Erlass des Gesetzes zur Verbesserung der Unterbringung, Betreuung und Versorgung ausländischer Kinder und Jugendlicher im Jahre 2015 dargestellt.

Im dritten Kapitel werden die Aufgaben der Kinder- und Jugendhilfe nach den §§ 2 und 9 SGB VIII bearbeitet. Dabei wird einerseits zwischen den objektiven Rechtsverpflichtungen und andererseits zwischen den subjektiven Rechtsansprüchen unterschieden. Dazu kommen kurze Abschnitte über die Fachaufsicht und Rechtsaufsicht sowie über das so genannte jugendhilferechtliche Dreiecksverhältnis.

Im vierten Kapitel werden verschiedene Maßnahmen der Prävention der §§ 16 f. SGB VIII vorgestellt. So z.B. die allgemeine Förderung der Erziehung in der Familie, § 16 SGB VIII, die sich an Mütter, Väter, andere Erziehungsberechtigte, schwangere Frauen und werdende Väter richtet. Weiter die Beratung in Fragen der Trennung und Scheidung, § 17 SGB VIII und die Beratung und Unterstützung bei der Ausübung der Personensorge und des Umgangsrechts, § 18 SGB VIII.

Das fünfte Kapitel beschäftigt sich einmal mit der Jugendarbeit nach § 11 SGB VIII und den Jugendverbänden nach § 12 SGB VIII. Zum anderen mit der Jugendsozialarbeit nach § 13 SGB VIII, wobei hier auf die Jugendberufshilfe, das Jugendwohnen und besonders auf die Schulsozialarbeit eingegangen wird.

Das sechste Kapitel gibt einen Überblick über die Förderung von Kindern in Tageseinrichtungen und in Kindertagespflege sowie in selbst organisierter Förderung. Dazu wird ausgeführt, dass in den 16 Bundesländern separate Landesgesetze zum Teil sehr ausführlich und unterschiedlich die Förderung im einzelnen regeln.

Im siebten, achten und neunten Kapitel werden die Hilfen zur Erziehung, §§ 27 f. SBG VIII ausführlicher behandelt.

  1. Als Erstes wird auf den § 27 SGB VIII als Grundnorm der Hilfen zur Erziehung eingegangen und dann ein Überblick über die Hilfen gegeben. Die häufigste Hilfe ist die Erziehungsberatung nach § 28 SGB VIII, die bei noch weitgehend intakten Familiensystemen als geeignet angesehen wird. Weiter werden die Soziale Gruppenarbeit, § 29, die Erziehungsbeistandschaft, § 30 und die Sozialpädagogische Familienhilfe, § 31 SGB VIII behandelt.
  2. Dann werden die teil- und vollstationären Hilfearten nach den §§ 32 bis 35 SGB VIII ( Erziehung in einer Tagesgruppe,Vollzeitpflege, Heimerziehung, sonstige betreute Wohnform, intensive sozialpädagogische Einzelbetreuung) sowie die Hilfearten wie Eingliederungshilfe für seelisch behinderte Kinder und Jugendliche nach § 35a SGB VIII und Hilfe für junge Volljährige nach § 41 SGB VIII behandelt.
  3. Zum Schluss werden die sogenannten Annex-Leistungen wie Unterhalt oder Krankenhilfe dargestellt und dann die entsprechenden Tatbestandsvoraussetzungen der §§ 27 f. SGB VIII wie Mitwirkung, Hilfeplan nach § 36 SGB VIII oder Kostenübernahmeerklärung aufgeführt.

In den Kapiteln zehn und elf werden weitere Aufgaben der Kinder- und Jugendhilfe erklärt wie z.B. die Inobhutnahme von Kindern und Jugendlichen nach § 42 SGB VIII, die Unterbringung, Versorgung und Betreuung ausländischer Kinder und Jugendlicher nach §§ 42a f. SGB VIII, aber auch die Unterrichtung und Unterstützung der Familiengerichte sowie die Mitwirkung und Zusammenarbeit in Verfahren der Familiengerichte durch das Jugendamt.

Andere Aufgaben der Kinder- und Jugendhilfe sind Schutz- und Kontrollfunktionen in der Familienpflege und in Einrichtungen, §§ 43 bis 49 SGB VIII. Verschiedene Erlaubniserteilungen wie zur Kindertagespflege, Vollzeitpflege oder dem Betrieb einer Einrichtung. Weiter die Zuständigkeit der Jugendämter bei Beratung und Unterstützung bei Vaterschaftsfeststellung und Unterhaltsansprüchen. Und die wichtigen Aufgaben bei Vormundschaft, Pflegschaft und Beistandschaft sowie die Annahme als Kind nach § 51 SGB VIII und die Adoptionsvermittlung.

Das zwölfte Kapitel beschreibt die Träger der öffentlichen Jugendhilfe: Die Zweigliedrigkeit des Jugendamtes in Verwaltung und Jugendhilfeausschuss, §§ 70,71 SGB VIII. Die Hierarchie der öffentlichen Träger, aber auch die besonderen Anforderungen an die Mitarbeiter der öffentlichen Jugendhilfe.

Kapitel dreizehn stellt die Zusammenarbeit zwischen der öffentlichen und der freien Jugendhilfe dar. Insbesondere wird die Anerkennung der freien Träger beschrieben, die zwar nicht die Voraussetzung für eine Förderung ist, jedoch den Vorrang des freien Trägers vor den öffentlichen Trägern gewährt, § 4 Abs. 2 SGB VIII – das Subsidiaritätsprinzip und weiter ein Vorschlagsrecht für die Mitgliedschaft im Jugendhilfeausschuss, eine vorzugsweise öffentliche Förderung bis hin zur Beteiligung an der Jugendhilfeplanung zur Folge hat.

Weiter wird die Finanzierung von Trägern der freien Jugendhilfe beschrieben: die Subventionsfinanzierung, § 74 SGB VIII und die Entgeltfinanzierung, §§ 77 bis 78g SGB VIII.

Im Kapitel vierzehn geht der Autor auf verschiedene Verfahrensfragen und einige ergänzende Vorschriften ein. So auf die jeweilige örtliche Zuständigkeit, §§ 86 bis 88 SGB VIII, die Kostenbeteiligung, §§ 90 bis 97c SGB VIII, den Sozialdatenschutz in der Kinder- und Jugendhilfe, §§ 61 bis 68 SGB VIII, Vorschriften zur Kinder- und Jugendhilfestatistik sowie auf Bußgeld- und Strafvorschriften.

Im Anhang finden sich die Musterlösungen der Fragen der 14 kurzen Fälle, die jeweils im Anschluss an die einzelnen Kapitel gestellt wurden und so eine Überprüfung des Verständnisses der jeweils wichtigsten Punkte ermöglicht.

Ein umfangreiches Literaturverzeichnis und ein Sachregister schließen den Grundkurs Kinder- und Jugendhilferecht für die Soziale Arbeit ab.

Diskussion

Der Autor hat allein oder mit anderen bereits mehrere Bücher in der Reihe Grundkurs Recht des Ernst Reinhardt Verlages mit Erfolg veröffentlicht. Diese Reihe richtet sich in erster Linie an Studierende der Sozialen Fachbereiche und bietet mit stetig neuen Titeln einen guten Einstieg und Überblick in das jeweilige rechtliche Spezialgebiet wie Grundkurs Familienrecht, Grundkurs Bildungsrecht oder Grundkurs Sozialverwaltungsrecht. Von daher kann nicht erwartet werden, dass die zahlreichen Probleme und Veränderungen im Kinder- und Jugendhilferecht in aller Ausführlichkeit mit pro und kontra dargestellt werden können, wie das in den entsprechenden Handbüchern oder Kommentaren der Fall ist. Aber das Wichtigste für die Unterrichts- und Prüfungssituationen wird in knapper, übersichtlicher und präziser Darstellung jeweils vermittelt.

Für das Kinder- und Jugendhilferecht liegt nunmehr die gründlich überarbeitete und aktualisierte 5. Auflage vor, was auf die hohe Nachfrage und auf die Bedeutung gerade auch dieser Thematik in der Ausbildung der Sozialen Arbeit an den Hochschulen hinweist. Die meist auf das Wesentliche beschränkte, kurze Darstellung ist verständlich geschrieben und die wichtigsten Punkte werden dazu in Übersichten gut aufgelistet. Das umfangreiche Literaturverzeichnis verweist für interessierte Leser auf weiterführende Literatur und regt zur Vertiefung an.

Fazit

Der Grundkurs Kinder- und Jugendhilferecht für die Soziale Arbeit von R.J. Wabnitz ist eine kompakte, aber dennoch leicht verständliche Einführung in wesentliche Themen des Jugendhilferechts, die durch die ergänzenden, inhaltlich umfangreichen Übersichten, die interessanten Fallbeispiele mit Lösungen und die speziellen Literaturangaben für eine weitergehende Vertiefung besonders für Studierende der Sozialen Arbeit sehr empfehlenswert ist.


Rezensent
Prof. Nils Volkersen
Prof. Dr. Jörg Reinhardt lehrt rechtliche Grundlagen der Sozialen Arbeit an der Hochschule für angewandte Wissenschaften in München.
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Zitiervorschlag
Nils Volkersen. Rezension vom 10.04.2019 zu: Reinhard J. Wabnitz: Grundkurs Kinder- und Jugendhilferecht für die Soziale Arbeit. UTB (Stuttgart) 2019. 5. aktual. Auflage. ISBN 978-3-8252-5192-5. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/25469.php, Datum des Zugriffs 15.10.2019.


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ISSN 2190-9245

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