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Löwenzahn Erziehungshilfe e. V. (Hrsg.): Diese eine Blume, die uns verbindet

Cover Löwenzahn Erziehungshilfe e. V. (Hrsg.): Diese eine Blume, die uns verbindet. Erfahrungen von ehemaligen Pflegekindern. Verlag Karl-Maria Laufen (Oberhausen) 2018. 129 Seiten. ISBN 978-3-87468-376-0. D: 12,00 EUR, A: 12,40 EUR.

Reihe: RückBlickPunkte - 1.
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Entstehungshintergrund und Thema

Der Verein Löwenzahn Erziehungshilfe ist seit 1992 in der Pflegekinderhilfe tätig. In dem Buch (das erste einer geplanten Reihe, veröffentlich bei Karl-Maria Laufen Nachf. Wilhelm R. Kurze) geht es um die Erfahrungen von ehemaligen Pflegekindern.

Aufbau

In dem Buch erzählen acht ehemalige Pflegekinder, was sie in ihrem jeweiligen Leben besonders geprägt hat – positiv wie negativ. Zu Beginn eines jeden Beitrags wird die bisherige Biographie an wenigen Punkten abgebildet, dann erzählt jede Person aus und von sich heraus. Dabei sind die Beiträge unterschiedlich lang und die Bezugspunkte unterschiedlich. Bei vielen wird die Pflegefamilie in den Vordergrund gerückt, aber auch Pflegegeschwister sind von großer Relevanz. Auffallend ist, dass häufig Drogenkonsum und/ oder Straffälligkeit in der Adoleszenz eine Rolle spielte, aber auch der Weg in ein geordnetes Leben (mit Hilfe ehemaliger Pflegeeltern) wieder gefunden wurde.

Ein Anhang mit stichpunktartigen Auflistungen bildet den Abschluss des Buches:

  • Tipps von ehemaligen Pflegekindern für Pflegekinder
  • Wünsche ans Jugendamt/die Hilfeplanung
  • Mir hat gut getan
  • Folgende zusätzliche Angebote wären hilfreich
  • Das habe ich vermisst (bei Löwenzahn)
  • Wichtig war auch
  • Tipps/ Erwartungen von ehemaligen Pflegekindern für/ an Fachkräfte der Jugendhilfe
  • Was mir bleibt

Diskussion

Durch alle Beiträge ist ein wichtiger roter Faden erkennbar: der personelle, persönliche Bezug zu den Pflegeeltern, meistens die Pflegemutter, die auch den Stellwert einer Mutter im Leben der Kinder einnimmt. Selbst dort, wo eine Pflegetochter von ihrem Pflegevater entsetzlicherweise missbraucht wurde, ist die (im Sinne des Jugendamtes logische) Trennung von der Pflegemutter für die Pflegetochter ein Drama. Nach biographischen Irrwegen hat sie Jahre später wieder Kontakt zu ihrer ehemaligen Pflegemutter, was sie als ihr größtes Glück bezeichnet.

Der zweite kontinuierliche Moment ist die permanente Verlustangst, die bei allen Erzählenden vorhanden ist. Die Angst davor, die Pflegefamilie wieder verlassen zu müssen, ist die gravierendste.

Der dritte Aspekt ist, dass Pflegekinder gut mit 2 Eltern aufwachsen können: den Pflegeeltern und auch den leiblichen Eltern. Je nach Bindung und Biographie können sie gut nebeneinander existieren und für die Kinder sind sie beide Eltern.

Manche Beiträge beschreiben episodenhaft das eigene Leben, manche Beiträge stellen Betrachtungen über das eigene Empfinden und Erleben dar.

Ein Tenor, vielleicht die beste Zusammenfassung, bildet sich in diesem kurzen Absatz ab: „An alle Pflegefamilien …gebt den Kindern eine Chance und habt bitte Geduld. Oft wissen wir gar nicht, was für Fehler wir machen und wir bereuen diese sehr. Nur leider prägen einen die schlimmen Erlebnisse so sehr, dass man manchmal nicht mehr weiß, was das richtige ist. Wir sind alle dankbar, dass es euch Pflegefamilien gibt und wissen dies zu schätzen, denn wir haben alle etwas gemeinsam, nämlich diese eine Blume, die uns alle verbindet.“

In der Subjektivität der Beiträge muss man mit allgemeinen Schlussfolgerungen vorsichtig sein, aber alle Bücher über und von Pflegekindern bestätigen immer wieder die enorme Bedeutung des personellen Bezugs, insbesondere zu den Pflegeeltern. Für potentielle Pflegeeltern sowie Jugendamtsmitarbeitende wird das Buch nicht nur Pflichtlektüre, sondern kann auch umfassender Erkenntnisgewinn oder Bestätigung fachlicher Auffassungen sein. Für Pflegeeltern gibt es tiefe Einblicke in die emotionalen Verfassungen von Pflegekindern.

Fazit

Es ist dem Buch zu wünschen, dass es wie Löwenzahnsamen eine weite Verbreitung erfährt und bei vielen Menschen Erkenntnisse hervorruft als diese eine Blume, die uns verbindet.


Rezensent
Prof. Stefan Müller-Teusler
Homepage www.uelzen.paritaetischer.de
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Zitiervorschlag
Stefan Müller-Teusler. Rezension vom 28.02.2019 zu: Löwenzahn Erziehungshilfe e. V. (Hrsg.): Diese eine Blume, die uns verbindet. Erfahrungen von ehemaligen Pflegekindern. Verlag Karl-Maria Laufen (Oberhausen) 2018. ISBN 978-3-87468-376-0. Reihe: RückBlickPunkte - 1.
Inhaltsverzeichnis bei der DNB In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/25483.php, Datum des Zugriffs 19.04.2019.


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