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Karin Mackevics: Koopkurrenz (Kooperation und Konkurrenz) in der Kinder- und Jugendarbeit

Cover Karin Mackevics: Koopkurrenz (Kooperation und Konkurrenz) in der Kinder- und Jugendarbeit. Strategische Optionen für Jugendhilfeträger im Kontext der Ganztagsschule. Logos Verlag (Berlin) 2018. 131 Seiten. ISBN 978-3-8325-4619-9. D: 26,00 EUR, A: 27,00 EUR.

Reihe: Sozialwissenschaftliche Forschungswerkstatt - Band 5.
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Thema

Karin Mackevics beschäftigt sich in ihrer Masterarbeit mit dem Modell der Koopkurrenz (Kooperation und Konkurrenz) im Bereich der Kinder- und Jugendarbeit. Sie bezieht den aus der Betriebswirtschaft stammenden Begriff der Koopkurrenz auf das Angebot der Ganztagsschulen und nutzt die daraus erworbenen Erkenntnisse, um Strategien für Träger der Kinder- und Jugendhilfe herauszuarbeiten, wie diese ihre Position sichern bzw. verbessern können.

Autorin und Herausgeber

Die Autorin verfasste das Werk „Koopkurrenz (Kooperation und Konkurrenz) in der Kinder- und Jugendarbeit“ als Masterarbeit im weiterbildenden Masterstudiengang „Sozialmanagement“, den die Alice-Salomon-Hochschule in Zusammenarbeit mit der Paritätischen Akademie und der AWO-Bundesakademie seit Oktober 2000 anbietet. Die leicht überarbeitete Fassung dieser Qualifikationsarbeit erschien nun im Rahmen der Reihe: „Sozialwissenschaftliche Forschungswerkstatt“, herausgegeben von Michael Brodowski, Leitung und Management frühkindlicher Bildungseinrichtungen und Heinz Stapf-Finé, Professor für Sozialpolitik an der Alice-Salomon-Hochschule in Berlin.

Entstehungshintergrund

Die zunehmende Ökonomisierung des Sozialen Bereichs erfordert eine stärkere Managementorientierung des betrieblichen Handelns. Angesichts der Wettbewerbssituation und der stärkeren Orientierung der Leistungen an den „Kunden“ müssen sich Träger der Jugendhilfe damit auseinandersetzen, wie sie sich strategisch besser aufstellen (Mackevics 2018, S. 9). Karin Mackevics untersucht dies bezogen auf den Ganztagsschulbereich als spezielles Feld der Kinder- und Jugendhilfe, in welchem die Träger zudem die Herausforderung bewältigen müssen, ihr Angebot in Kooperation mit der Schule anzubieten.

Aufbau und Inhalt

Einleitung

In der Einleitung klärt Mackevics Grundlegendes, wie beispielsweise die in der Arbeit eingenommene Perspektive eines Kinder- und Jugendhilfeträgers. Außerdem erläutert sie den Begriff der „Koopkurrenz“, die „Gleichzeitigkeit von Kooperation und Konkurrenz“ (Mackevics 2018, S. 19) welcher von Ray Noorda geprägt und einige Jahre später in einem Praxisratgeber des strategischen Managements von Brandenburger und Nalebuff (ebd.) aufgenommen wurde. Anschließend folgt ein Überblick über den Aufbau des Buches.

Das Arbeitsfeld Ganztagsschule

Zunächst werden die beiden sich im Bereich der Ganztagsschule überschneidenden Bereiche „Schulwesen“ und „Kinder- und Jugendhilfe“ in ihren Rechtsnormen und Aufgaben, ihrer Strukturierung sowie dem jeweiligen Zugang und ihren Mitwirkungsmöglichkeiten definiert und abschließend in einem kurzen Resümee zusammengefasst.

Danach erfasst die Autorin das Arbeitsfeld „Ganztagsschule“ als eben jenen Überlappungsbereich der beiden zuvor behandelten Felder unter den oben genannten Aspekten (Rechtsnormen und Aufgaben etc.).

In einem weiteren Schritt werden als spezifische Problemstellungen in der Zusammenarbeit von Schule und Kinder- und Jugendhilfe im Bereich Ganztagsschule Bildung als gesellschaftliche Aufgabe, Strukturelle Bedingtheiten und Machtaspekte in der Zusammenarbeit identifiziert.

Anschließend stellt die Autorin Überlegungen zu den Motivatoren für die Zusammenarbeit von Schule und Jugendhilfe an, sodass sowohl für die Schule und den Staat als auch für die Kinder- und Jugendhilfe Gründe gefunden werden, sich in eine Kooperation mit dem jeweils anderen hineinzubegeben.

Aus dieser Motivation heraus ergeben sich unterschiedliche Kooperationsformen in der Praxis, auf welche die Autorin an dieser Stelle eingeht. Sie zieht hierfür die vier Kooperationsmodelle nach Olk heran (vgl. Olk 2004, S. 91; Mackevics 2018, S. 50): Das additive Kooperations-Modell („Nebeneinanderherlaufen“), das Distanz-Modell (Ablehnung der Zusammenarbeit), das Subordinations-Modell (Unterordnung) und das Kooperations-Modell (Offenheit für gemeinsame Projekte und Problemlösungen).

Als Schlussfolgerungen aus den bisherigen Überlegungen zieht Mackevics, dass die Schule aufgrund staatlicher Regulierung „nicht nur dominant, sondern regelsetzend ist“ (Mackevics 2018, S. 52), was in der Praxis am häufigsten zum Modell der Unterordnung und dem additiven Modell führt. So stehe der Jugendhilfeträger in einem positional unterlegenen Konkurrenzverhältnis zu den Schulangeboten, während noch vielfältige Konkurrenzbeziehungen auf unterschiedlichen Ebenen und zwischen den verschiedenen Akteuren bestünden. Aufgrund dieser Konkurrenzsituation konstatiert die Autorin ein Kooperationserfordernis, welches über die reine Angebotsdienstleistung hinausgehen müsse.

Umweltanalyse eines Jugendhilfeträgers

Im darauffolgenden Kapitel stellt die Autorin das Wertenetz nach Brandenburger und Nalebuff (Brandenburger et al. 2009, S. 42, Mackevics 2018, S. 56 ff.) als Instrument für die Umweltanalyse von Unternehmen vor und wendet dieses in einem zweiten Schritt auf das Geschäftsfeld Ganztagsschule an. Sie identifiziert Konkurrenten, Kunden, „Komplementäre“ und Lieferanten von Trägern einer Betreuungseinrichtung nach § 22 SGB VIII, ab diesem Kapitel „Hortträger“ genannt. Als Felder horizontaler Konkurrenz wird im wirtschaftlichen Sinne der „Kampf um Lieferanten oder Kunden“ (Mackevics 2018, S. 62) verstanden, welchen Mackevics für den Bereich der Ganztagsschule analysiert. Auch Kooperationsformen im Ganztagsschulbereich werden einer näheren Betrachtung unterzogen, wonach auf eine Systematisierung und Klassifizierung von Koopkurrenzformen von Sjurts Bezug genommen wird. (Mackevics 2018, S. 69, Sjurts 2000, S. 156).

Im Anschluss geht Mackevics auf den Kunden Schule als Auftraggeber der Kinder- und Jugendhilfe näher ein und widmet zu guter Letzt zwei Kapitel der regulierten Konkurrenz von Seiten des Staates, welche durch die Ausweitung von Schule auf den Nachmittag auch im Ganztagsschulbereich zu finden sei. Sie kommt zu dem Schluss, dass aufgrund der Kapazitätsgrenzen des Marktes und den Konkurrenzvorteilen der Schule gegenüber der Kinder- und Jugendhilfe strategische Maßnahmen für letztere angezeigt sind.

Entwicklung strategischer Optionen

Auf eben diese geht Mackevics im folgenden Abschnitt näher ein. Sie stellt sich die Frage, welche Möglichkeiten ein Träger hat, sich seine (Betreuungs-)Marktanteile zu sichern oder auszuweiten. Einen möglichen Weg der Sicherung dieser Marktanteile, die Erhöhung der Lieferantenmacht, wendet sie mithilfe des Konzepts der Koopkurrenz an. Dafür geht sie zunächst generell auf Koopkurrenz im strategischen Management ein und erläutert dann verschiedene Strategietypen in Bezug auf die Erhöhung der Lieferantenmacht, um schlussendlich verschiedene Möglichkeiten der strategischen Kooperation für einen Hortträger durchzuspielen: Die Erhöhung des Produktwertgewinns, die Änderung der Wahrnehmung über den Produktwert und die Erhöhung der Umstellungskosten durch strukturelle Verbindungen. Dabei führt sie für jeden der (möglicherweise) betroffenen Akteure Nutzen wie Risiken auf, sodass eine umfassende Betrachtung der einzelnen Strategien sichtbar wird.

Mackevics kommt zu dem Schluss, dass „grundsätzlich die Kooperation mit allen Akteursgruppen von strategischem Vorteil sein“ kann (Mackevics 2018, S. 113), jedoch das geringste Risiko des Scheiterns in der Regel bei Kooperation mit einem komplementären Akteur besteht. Beispielsweise könnte über Kooperationen mit Hochschulen Evaluierungen in Form von Bachelor- oder Masterarbeiten erstellt werden (Mackevics 2018, S. 107).

Schlussbetrachtung

In ihrer Schlussbetrachtung blickt Mackevics noch einmal auf ihre ursprüngliche Frage zurück, wie die unter Umständen problematische Kooperation zwischen Schule und Kinder- und Jugendhilfeträger im Bereich der Ganztagsschule optimiert werden könnte. Das Konzept der Koopkurrenz hat sich aus Sicht der Autorin als geeigneter Ansatz zur Anwendung im Bereich der Kinder- und Jugendhilfe erwiesen, sodass sich außer der eingehenden Analyse von Konkurrenzbeziehungen und strategischer Optionen zur Erhöhung der Lieferantenmacht noch weitere Chancen für die Kinder- und Jugendhilfe sowie die Sozialwirtschaft ergeben. Mackevics unterzieht ihre Arbeit jedoch auch einer kritischen Schlussbetrachtung: Weder wurde eine Systematisierung und Bewertung der aufgezeigten strategischen Möglichkeiten hinsichtlich Chancen und Risiken unternommen, noch fand eine Gegenüberstellung mit nicht-kooperationsbezogenen Optionen statt. Die Frage nach der Ausgestaltung in der Praxis des einzelnen Trägers bedarf einer empirischen Überprüfung, resümiert die Autorin abschließend. 

Diskussion

Das Buch verfolgt konsequent einen roten Faden und der Aufbau der Arbeit ist logisch und nachvollziehbar. Die Ausführungen in den ersten Kapiteln vermitteln der Leserschaft, welche Herangehensweise die Autorin für Ihre Arbeit gewählt hat. Die synonyme Verwendung der Begriffe „Ganztagsschule“ und „Hortträger“, ab dessen Einführung in Kapitel 3.2, wirkt für den/die Leser_in teilweise etwas irritierend, da diese (zumindest in einigen Bundesländern) unterschiedliche Konzepte beinhalten. Dies schmälert jedoch nicht den positiven Gesamteindruck der Arbeit. Die Entwicklung der strategischen Optionen ist gut durchdacht und berücksichtigt verschiedene Interessen und Perspektiven der beteiligten Akteure. Mackevics führt diese in detailliert ausgearbeiteten Tabellen aus, wodurch sie eine konkrete Vorstellung über mögliche Schritte und deren potenzielle Auswirkungen vermittelt.

Fazit

In ihrer Masterarbeit beleuchtet Karin Mackevics aus einer unternehmensstrategischen Sicht die nicht immer unproblematische Beziehung zwischen Schule und Kinder- und Jugendhilfe im Bereich der Ganztagsschule. Sie überträgt das betriebswirtschaftliche Konzept der Koopkurrenz, die Gleichzeitigkeit von Kooperation und Konkurrenz, auf diesen Bereich der Sozialwirtschaft und erstellt eine Umweltanalyse eines Jugendhilfeträgers. Dabei stellt sie fest, dass die Beziehung der Kinder- und Jugendhilfe im Bereich der Ganztagsschule von Konkurrenznachteilen gegenüber der Schule geprägt ist. Von diesem Ausgangspunkt aus entwickelt Karin Mackevics strategische Optionen, um als einen möglichen Weg der Sicherung der Marktanteile die Lieferantenmacht des Kinder- und Jugendhilfeträgers zu erhöhen. Eine empirische Überprüfung dieser Strategien steht noch aus. Dieses Werk ist insbesondere für Führungskräfte der Kinder- und Jugendhilfe empfehlenswert, da es für Träger Optionen eröffnet, die eigene Position gegenüber der Schule zu verbessern, während betriebswirtschaftliche Fachbegriffe leicht verständlich erläutert werden.

Summary

In her Master Thesis, Karin Mackevics focuses the barely uncomplicated cooperation between school and youth welfare in all-day-school from a business strategic view. She transfers the business-management concept „coopetition”, the simultaneity of cooperation and competition, to this sector of social economy and establishes an environmental impact study of a youth welfare institution. She asserts that the cooperation of youth welfare in all-day-school is embossed from disadvantages in competition to the school. From this point, Karin Mackevics develops strategic options as one possible way saving the market share to rise the delivery power of the youth welfare institution. An empirical survey of these strategic options is still owing. This work is particulary recommendable for pedagogical manager of youth welfare because it offers options to improve a youth welfare institution’s position in comparison to the school, while business-management terms are declared comprehensibly.

Literatur

Brandenburger, Adam; Nalebuff, Barry (2009): Coopetition: kooperativ konkurrieren. Mit der Spieltheorie zum Geschäftserfolg. 4. Auflage. Eschborn, Christian Rieck Verlag.

Mackevics, Karin (2018): Koopkurrenz (Kooperation und Konkurrenz) in der Kinder- und Jugendarbeit. Strategische Optionen für Jugendhilfeträger im Kontext der Ganztagsschule. In: Brodowski, Michael; Stapf-Finé, Heinz (Hrsg.): Sozialwissenschaftliche Forschungswerkstatt, Band 5, Logos Verlag Berlin.

Olk, Thomas (2004): Kooperation von Jugendhilfe und Schule – das Verhältnis zweier Institutionen auf dem Prüfstand. In: Hartnuß, Birger; Maykus, Stephan (Hrsg.): Handbuch Kooperation von Jugendhilfe und Schule. Ein Leitfaden für Praxisreflexionen, theoretische Verortungen und Forschungsfragen. Berlin, Eigenverlag des Deutschen Vereins für öffentliche und private Fürsorge, S. 69–101.

Sjurts, Insa (2000): Kollektive Unternehmensstrategie. Grundfragen einer Theorie kollektiven strategischen Handelns. Reihe: nbf neue betriebswirtschaftliche forschung. Wiesbaden, Deutscher Universitäts-Verlag/Gabler Verlag.


Rezensentin
Veronika Knoche
Doktorandin im BayWISS Verbundkolleg „Sozialer Wandel"
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Zitiervorschlag
Veronika Knoche. Rezension vom 19.09.2019 zu: Karin Mackevics: Koopkurrenz (Kooperation und Konkurrenz) in der Kinder- und Jugendarbeit. Strategische Optionen für Jugendhilfeträger im Kontext der Ganztagsschule. Logos Verlag (Berlin) 2018. ISBN 978-3-8325-4619-9. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/25489.php, Datum des Zugriffs 18.11.2019.


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ISSN 2190-9245

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