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Marianne Friese, Klaus Jenewein u.a. (Hrsg.): Arbeitslehre und Berufsorientierung modernisieren

Cover Marianne Friese, Klaus Jenewein, Georg Spöttl (Hrsg.): Arbeitslehre und Berufsorientierung modernisieren. Analysen und Konzepte im Wandel von Arbeit, Beruf und Lebenswelt. wbv Media (Bielefeld) 2018. 361 Seiten. ISBN 978-3-7639-5972-3. 49,90 EUR.
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Thema

Die aktuellen Veränderungen in der Arbeitswelt führen zu neuen Herausforderungen für die Berufliche Orientierung sowie die Fachdidaktik der Arbeitslehre. In dem Sammelband werden Themen wie die Digitalisierung, der demografische Wandel sowie die Gender-Diskussion aufgegriffen und Anregungen für die Neugestaltung der Fächer Arbeitslehre und Berufliche Orientierung formuliert.

Herausgeberin, Autorinnen und Autoren

Die Herausgeberin Frau Prof. Dr. Marianne Friese ist Professorin für Erziehungswissenschaften mit dem Schwerpunkt Berufspädagogik / Didaktik der Arbeitslehre an der Justus-Liebig-Universität Gießen. Sie ist Mitherausgeberin der Reihe „Berufsbildung, Arbeit und Innovation“ bei wbv Media sowie der Zeitschrift „Berufsbildung. Zeitschrift für Theorie-Praxis-Dialog“ des Eusl-Verlags und ist als Reviewerin für diverse Fachzeitschriften sowie Publikationsreihen in Deutschland und der Schweiz tätig.

Die AutorInnen des Sammelbands stammen vorwiegend aus der Wissenschaft und sind als ProfessorInnen und wissenschaftliche MitarbeiterInnen für die Hochschulausbildung von Fachkräften der Arbeitslehre und Beruflichen Bildung zuständig. Sie werden am Ende jedes Kapitels in Form einer Kurzbiografie vorgestellt.

Entstehungshintergrund

Der Sammelband entstand im Kontext der Fachtagung Arbeitslehre auf den Hochschultagen Berufliche Bildung.

Aufbau

In einem einführenden Kapitel wird die Relevanz des Buches aufgegriffen und die einzelnen Kapitel zusammengefasst. Darauf folgen die Fachbeiträge, die in drei Themenschwerpunkte untergliedert sind.

Inhalt

Teil I: Historische Entwicklungen und Modernisierung der Arbeitslehre

Frau Prof. Dr. Marianne Friese beschreibt im Kapitel „Modernisierung der Arbeitslehre, Entwicklungen, Handlungsfelder und Zukunftsgestaltung“ einen historischen Überblick von der Industrieschulbewegung des 18. Jahrhunderts bis zur zukünftigen Entwicklung der Arbeits- und Lebenswelt und den Konsequenzen für die Arbeitslehre in der Lehramtsausbildung an Hochschulen.

Im Kapitel „Freiheit der Berufswahl: Historische Entwicklungen und theoretische Standpunkte im Spannungsfeld von sozialer Herkunft, schulischer Selektion und individueller Begabung“ von Dietmar Heisler werden die gesellschaftlichen Entwicklungen der Zeitgeschichte beschrieben und dargestellt, wie sich diese auf die Berufs-Wahlfreiheit auswirken.

Kritisch analysieren Rolf Oberliesen und Hermann Zöllner das Thema „Arbeitsorientierte Bildung 2030 – Anforderungen an eine zukunftsfähige Entwicklung“. Ihrer Einschätzung nach bedarf das System der Arbeitsorientierten Bildung (AOB) einer Reform, bei der aktuelle gesellschaftliche und bildungspolitische Entwicklungen einbezogen werden.

„Das berufsbildende Schulwesen im Zeichen des demografischen Wandels“ steht in der Betrachtung von Dieter Münk und Gero Scheiermann verschiedenen Entwicklungen gegenüber. Sie beschreiben u.a. den Einfluss durch Trends wie die Akademisierung, den Einbezug Benachteiligter im Rahmen von Inklusion und Integration sowie Standortfaktoren, welche die Prognosen – und somit auch die Schulentwicklungsplanung – erschweren.

„Die Auswirkungen demografischer Entwicklungen auf die Berufsbildung in den neuen Bundesländern unter der Perspektive der Berufsorientierung“ beschreibt Klaus Jenewein. Er erläutert den Widerspruch zwischen dem Berufswahlverhalten der Jugendlichen und den Bemühungen für Ausbildungs- und Fachkräftesicherung der Unternehmen.

In Bezug auf die „Bildung für nachhaltige Lebensführung durch Berliner Arbeitslehre“ stellt Ulf Schrader die Potenziale – aber auch die Herausforderungen und Grenzen in der Praxis dar.

Im Kapitel „Verändertes Verbraucherverhalten – gewandelter Markt. Das elektische Verbraucherverhalten und seine Auswirkungen auf eine prospektive Verbraucherbildung“ beschreibt Birgit Peuker Verbraucher- sowie Einzelhandelskonzepte und die Transfermöglichkeiten für die Arbeitslehre.

Teil II: Zielgruppen und Handlungsfelder der Berufsorientierung

Im Beitrag „Berufliche Aspirationen von Kindern“ skizziert Birgit Ziegler den aktuellen Forschungsstand u.a. anhand der Berufswünsche von GrundschülerInnen und appelliert an den stärkeren Einbezug dieser Ergebnisse in der Forschung über die Berufswahl bzw. Berufliche Orientierung.

Philipp Struck erläutert anhand von Motiven und Erwartungen der jungen Generation, „Was gestiegene Bildungsaspirationen bei Jugendlichen für die Berufswahl bedeuten“ und zeigt Optimierungsmöglichkeiten für die Berufliche Orientierung auf.

Ein breiteres (Alters-)Spektrum wird von Eva Anslinger im Kapitel „Bildung-Arbeit – Arbeit-Bildung aufgegriffen und Berufliche Orientierung (BO) über die Lebensspanne am Beispiel beruflich qualifizierter Studierender“ abgebildet. In Bezug auf die BO über die Schulzeit hinaus betont sie den Bedarf lebenslangen Lernens und Orientierens für Absolventen von Ausbildungs- und Studiengängen und deren Karriere-Entwicklung. 

Hannelore Faulstich-Wieland appelliert, „Gendersensible Berufswahl – Entstereotypisierung von der Berufswahl“ im Kontext der Arbeitslehre umzusetzen. Dargestellt werden in diesem Zuge aktuelle Forschungsergebnisse und Möglichkeiten gendersensibler Beruflicher Orientierung.

Über „Informelle Bildung, Kompetenzentwicklung und Berufsorientierung von Jungen und Mädchen im Bereich Technik“ berichten Elisabeth Schlemmer und Martin Binder mit besonderem Fokus auf empirische Studien über MINT.

Stefan Brämer greift die „Einflussfaktoren auf die Wahl einer technischen dualen Berufsausbildung bzw. eines technischen (dualen) Studiengangs von jungen Frauen“ auf. Neben der empirischen Erhebung werden Handlungsempfehlungen aufgezeigt.

Die Ausgestaltung und das Potenzial von „Simulationsmethoden in der beruflichen Orientierung. Möglichkeiten und Grenzen zur Abbildung von Modernisierungstendenzen am Beispiel der SchülerInnenfirmen“ stellen Isabelle Pfennig und Ralf Kiran Schulz vor.

Teil III Professionalisierung der Arbeitslehre

Auf den Einbezug aktueller Entwicklungen in einer spezifischen Schulform geht Hans-Liudger Dienel im Kapitel „Alte und neue Wege für die Arbeitslehre ins Gymnasium: Das Modellprojekt Ergänzungsschulfach Digitale Welten für die Berliner Sekundarstufe II“ ein und skizziert dazu die Historie der Konzeption und Implementation sowie Erfahrungen, Strategien und Perspektiven.

Auf das Spektrum von historischen und konzeptionellen Ansätzen sowie deren kritischen Reflektion gehen Eva Anslinger, Christine Barp und Marc Partetzke im Beitrag „Berufliche Orientierung. Überdenken – Weiterdenken. Plädoyer für eine Sozialwissenschaftlich fundierte Berufsorientierung in der gymnasialen Oberstufe“ ein.

Eine Diskussion zur Hochschulausbildung von künftigen Lehrkräften mit dem thematischen Schwerpunkt Beruflicher Orientierung wird am Beispiel von empirischen Untersuchungen an zwei Universitäten in den Kapiteln „Berufs- und Studienorientierung im Curriculum des Faches Arbeitslehre an der Justus-Liebig-Universität Gießen“ (Alexandra Brutzer, Tatjana Hocker, Alexander Schnarr) und „Vorbereitung Studierender des Lehramts WTH/S für die Gestaltung des Übergangs Schule-Berufsausbildung“ (Carolin Frank, Antje Goller) dargestellt.

Claudia Pohlmann zeigt praxisnah „Professionsethische Anforderungen an die schulische Berufsorientierungsberatung“ und greift dabei u.a. Interaktionsprozesse wie Beratungskompetenz, Mitwirkung der Ratsuchenden, aktuelle gesellschaftliche, bildungspolitische und arbeitsmarktrelevante Entwicklungen auf.

Abschließend geht Marianne Friese auf das landesspezifische Beispiel der „Berufs- und Studienorientierung in Hessen. Evaluation des Gütesiegels, der Lehrmaterialentwicklung und der Fortbildung“ ein.

Diskussion

Der Sammelband zeigt ein breites Spektrum an Themen der Arbeitslehre und Berufsorientierung auf. Die einzelnen Beiträge unterscheiden sich dabei nicht nur inhaltlich, sondern auch in der Darstellung der Inhalte. Zum Teil wird in den Artikeln ein stark wissenschaftlicher Fokus eingenommen, das heißt, aktuelle empirische Ergebnisse beschrieben und in den aktuellen wissenschaftlichen Kontext gestellt. Bei einigen forschungsbasierten Artikeln werden in der Zusammenfassung verallgemeinernde Schlussfolgerungen gezogen, die einen Praxis-Transfer ermöglichen. Manche Artikel vermitteln eine lebensnahe Verknüpfung von Wissenschaft und Praxis. Sie greifen Herausforderungen, mit denen die Akteure vor Ort konfrontiert sind, direkt auf und geben praxisnahe Handlungsempfehlungen.

Fazit

In der ausführlichen Einführung von Marianne Friese wird das breite Themenspektrum der Einzelbeiträge miteinander verknüpft und die Zusammenhänge sichtbar. Die inhaltliche Rahmung zu Beginn, Unterkapitel wie Abstract, Zusammenfassung bzw. Fazit sowie die Kurzbiografie der AutorInnen erleichtern das Erfassen und Einordnen der Inhalte.

Sowohl für Akteure aus der Wissenschaft als auch aus der Praxis bieten die Artikel interessante Ansätze für die Weiterentwicklung ihrer Profession, da beide Ebenen in den verschiedenen Artikeln abgebildet werden.

Anmerkung: Als Mitarbeiterin von INBAS und Teil des OloV-Teams wird das Kapitel über das Gütesiegel Berufs- und Studienorientierung von Marianne Friese aufgeführt, jedoch in der Diskussion und im Fazit inhaltlich nicht bewertet.


Rezensentin
Melanie Sittig
M.A., Wissenschaftliche Mitarbeiterin, INBAS Institut für berufliche Bildung, Arbeitsmarkt- und Sozialpolitik GmbH Offenbach
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Zitiervorschlag
Melanie Sittig. Rezension vom 06.05.2019 zu: Marianne Friese, Klaus Jenewein, Georg Spöttl (Hrsg.): Arbeitslehre und Berufsorientierung modernisieren. Analysen und Konzepte im Wandel von Arbeit, Beruf und Lebenswelt. wbv Media (Bielefeld) 2018. ISBN 978-3-7639-5972-3. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/25493.php, Datum des Zugriffs 13.11.2019.


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