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Markus Antonius Wirtz, Carl-Walter Kohlmann u.a. (Hrsg.): Psychologie in der Gesundheitsförderung

Cover Markus Antonius Wirtz, Carl-Walter Kohlmann, Christel Salewski (Hrsg.): Psychologie in der Gesundheitsförderung. Hogrefe (Bern) 2018. 798 Seiten. ISBN 978-3-456-85770-1. 69,95 EUR, CH: 89,00 sFr.
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Autoren

Dieses Lehrbuch wurde von Markus Antonius Wirtz, Carl-Walter Kohlmann und Christel Salewski herausgegeben.

  • C.-W. Kohlmann ist Professor für Pädagogische Psychologie und Gesundheitspsychologie an der Pädagogischen Hochschule Schwäbisch Gmünd.
  • M-A. Wirtz ist als Professor für Pädagogische Psychologie mit Schwerpunkt Forschungsmethoden an der Pädagogischen Hochschule Freiburg tätig.
  • C. Salewski arbeitet als Professorin für Gesundheitspsychologie an der Universität Hagen.

Ergänzt wird das Lehrbuch durch Beiträge verschiedener Experten aus den Bereichen Gesundheitsförderung und Psychologie, die unter anderem an Hochschulen, Universitätskliniken, dem Deutschen Zentrum für Altersfragen, dem Netzwerk Alternsforschung, CEREB (Center of Empirical Research in Economics and Behavioral Sciences) oder dem GKM-Institut für Gesundheitspsychologie tätig sind.

Zielgruppe

Als Zielgruppe lassen sich Studierende und Fachkräfte der Gesundheitspsychologie und Gesundheitsförderung identifizieren, sowie Akteure gesundheitspsychologischer Bezugsdisziplinen, wie Medizin, Pflegewissenschaft, Public Health oder Soziale Arbeit.

Aufbau

Dieses Lehrbuch beinhaltet neun Hauptkapitel, die sich wiederum in mehrere Unterkapitel aufteilen:

  1. Verständnis von Gesundheit
  2. Zentrale Begriffe und Konstrukte der Gesundheitsförderung
  3. Modelle und Methoden zur Förderung des Gesundheitsverhaltens
  4. Maßnahmen zur Förderung des Gesundheitsverhaltens
  5. Gesund aufwachsen
  6. Gesund leben und arbeiten
  7. Gesund im Alter
  8. Psychologische Aspekte der Prävention und Gesundheitsförderung bei ausgewählten Krankheits- und Störungsbildern sowie in Anwendungsfeldern
  9. Evidenzbasierung, Evaluation und Qualitätssicherung, Forschungspraxis

Die Inhaltsstruktur der Kapitel II bis VIII wird als Würfelmodell visualisiert. Zunächst erfolgen Informationen zu Konstrukten, wodurch Modelle und Methoden entwickelt und schließlich Interventionen abgeleitet werden können. Gleichzeitig wird die Gesundheitspsychologie auf die gesamte Lebensspanne und die verschiedenen Settings angewendet. Über all diesen Elementen steht das bio-psychosoziale-Modell der Gesundheit. Kapitel IX bildet den Abschluss mit dem Erkenntnisgewinn und der Qualitätssicherung.

Zu Beginn jedes Kapitels erfolgt ein sogenannter „Advance Organizer“, der das Thema prägnant mit Leitfragen und Problemstellungen darstellt. Im Anschluss gibt das Inhaltsverzeichnis Übersicht über die darauffolgenden Unterkapitel. Blau hinterlegte Boxen veranschaulichen Praxisbeispiele oder nennen Schwerpunkte und Definitionen. Am Ende jedes Kapitels wird, neben einer Auflistung der im Fließtext genannten Literaturverweise, auf weitergehende Literatur zum Vertiefen des Themas verwiesen.

Inhalt

Das Lehrbuch beginnt mit dem Verständnis von Gesundheit und bezieht sich dabei insbesondere auf die Definition der World Health Organization und der salutogenetischen Sichtweise. Die Gesundheitsmotivation, -ziele und -kompetenz spielen in diesem Kapitel eine ebenso wichtige Rolle wie die psychologische Perspektive mit gesundheitsbezogenen Einstellungen, der subjektiven Wahrnehmung und dem individuellen Verständnis von Gesundheit. Gesundheitsbezogenes Verhalten lässt sich in die Elemente gesundheitsförderlich, gesundheitsschädlich, physisch und psychosozial einteilen. Weitere Faktoren, die sich auf das Verständnis von Gesundheit auswirken, sind Gesundheitseinstellungen, Gesundheitskompetenz, Gesundheitsziele und Interozeption.

Im zweiten Kapitel stehen die zentralen Begriffe und Konstrukte im Vordergrund, die als Voraussetzung für die professionelle Abstimmung und transparente Kommunikation der beteiligten Disziplinen dienen können. Beispiele hierfür finden sich im Empowerment, der sozialen Unterstützung, der positiven Psychologie, der Lebensqualität und dem Wohlbefinden wieder. Im Rahmen des Stressmanagements werden verschiedene Bewältigungsstrategien besonders am Arbeitsplatz und anschließend in Präventionsprogrammen dargestellt. Ebenso wichtig ist die Berücksichtigung des Geschlechts und der Geschlechterrollen, da aufgrund von Unterschieden im Gesundheitsverhalten geschlechtsspezifische Interventionen notwendig sind.

Das dritte Kapitel widmet sich den Modellen und Methoden zur Förderung des Gesundheitsverhaltens, die zum Verständnis von gesundheitsförderlichen und ‑gefährdeten Verhaltensweisen dienen. Die Modelle lassen sich in kontinuierliche Modelle (Health Belief Modell, Theorie des geplanten Handelns, Prototype/Willingness-Modell), dynamische Modelle (Transtheoretisches Modell, Preacaution Adoption Process Model) und Hybridmodelle (Sozialkognitives Prozessmodell gesundheitlichen Handelns) unterteilen. Ebenso sind in diesem Zusammenhang sowohl die Faktoren Volition und Intention als auch die Differenzierung in Verhaltens- und Verhältnisprävention zentrale Begriffe. Als Methoden werden die Gesundheitsinformation und Risikokommunikation, die Maßnahmenentwicklung mit Techniken der Verhaltensänderung und die gesundheitspsychologische Diagnostik genannt.

Nachfolgendes viertes Kapitel befasst sich mit den Maßnahmen zur Förderung des Gesundheitsverhaltens, damit sich ein Verständnis und fundierte Kenntnisse zur nachhaltigen Verbesserung entwickeln können. In diesem Zusammenhang stehen das Gesundheitscoaching mit der motivierenden Gesprächsführung, die Veränderung von Präventionsverhalten, die Förderung von Lebenskompetenzen, Gesundheitskampagnen sowie Partizipation und Achtsamkeit. Interventionen zur Förderung des gesundheitlich relevanten Verhaltens werden in diesem Kapitel in den Bereichen Bewegung und Ernährung verdeutlicht, wobei auch E-Health-Interventionen als neue Möglichkeit vorgestellt werden. Zusätzlich werden internet- und mobilebasierte Interventionen traditionellen Präventionskampagnen gegenübergestellt und die Maßnahme der Patientenschulung bei chronischen Erkrankungen näher beleuchtet.

Den Schwerpunkt des fünften Kapitels bildet das Thema „Gesund aufwachsen“, das sich auf die Bereiche Eltern und Familie, Kindheit, Jugend, Gesundheit und Gesundheitsförderung in der Kindestageseinrichtung sowie die Schule als Handlungsfeld psychologischer Gesundheitsförderung fokussiert. Insgesamt kommen den Entwicklungsjahren eine besondere Bedeutung zu, da sich in dieser Lebensspanne gesundheitsförderliches und gesundheitsbewusstes Verhalten am einfachsten erwerben und am nachhaltigsten etablieren lässt.

Darauf aufbauend befasst sich das sechste Kapitel mit dem Bereich „Gesund leben und arbeiten“. Dies bezieht sich neben der betrieblichen Gesundheitsförderung und der gesundheitsfördernden Hochschule, auch auf die Gesundheitsförderung bei Menschen mit Intelligenzminderung und der Rehabilitation bei chronischen Erkrankungen. Des Weiteren wird auch die Bedeutung der sozialen Ungleichheit und Diversität sowie der Migration und Interkulturalität erläutert.

Im Verlauf des siebten Kapitels „Gesund im Alter“ wird der Fokus auf das höhere Alter und die psychologischen Aspekte von Pflege gelegt. Gesundheitsförderung bei Pflegebedürftigen bedeutet hierbei, den Blickwinkel auf den Erhalt der noch vorhandenen körperlichen und geistigen Funktionen zu lenken und gleichzeitig die belastende Situation der Pflegenden nicht außer Acht zu lassen.

Das vorletzte achte Kapitel legt die psychologischen Aspekte der Prävention und Gesundheitsförderung bei ausgewählten Krankheits- und Störungsbildern dar. Diese umfassen beispielsweise den Alkohol- und Tabakmissbrauch, Atemwegserkrankungen, chronisch entzündliche Darmerkrankungen oder demenzielle Erkrankungen. Darüber hinaus werden Entwicklungsstörungen im Kindes- und Jugendalter anhand von Bildungsstörungen und dissozialen Verhalten dargestellt. Zusätzlich wird unter anderem zu den Themen Mundhygiene und ‑gesundheit, Schlaf und Schlafstörungen oder Transplantationen informiert.

Kapitel neun schließt mit der Evidenzbasierung, Evaluation, Qualitätssicherung und Forschungspraxis. Evidenzbasierte Entscheidungen zeichnen sich durch den Gebrauch der gegenwärtig besten wissenschaftlichen und externen Evidenz für Entscheidungen in der medizinischen Versorgung aus. Diese können mit dem Konzept der Evidenzbasierten Gesundheitsversorgung auf individuelle Entscheidungen bzgl. Populationen und des Gesundheitssystems erweitert werden. Konzepte und Modelle der Evaluation und Qualitätssicherung können beispielsweise durch den PDCA-Zyklus oder mithilfe von Zielhierarchien realisiert werden.

Diskussion

Das Thema der Gesundheitsförderung, das sich besonders durch die Ressourcenorientierung und das bio-psychosoziale-Modell der Gesundheit auszeichnet, gewinnt stetig an Bedeutung. Dabei muss berücksichtigt werden, dass Gesundheitsförderung nicht isoliert als Einzeldisziplin betrachtet werden darf, sondern durch verschiedene Bezugsdisziplinen, wie Psychologie, Rehabilitationswissenschaften oder Medizin geprägt wird. Durch eine klare Struktur, Abbildungen, Tabellen und Informationskästen wird dieses komplexe Thema übersichtlich und verständlich dargestellt. Mithilfe des Sachwortverzeichnisses ist ein einfaches Nachschlagen der wichtigsten Begriffe möglich.

Fazit

Diesem Lehrbuch gelingt es somit dem Leser fundierte Informationen zu den Themenbereichen Psychologie und Gesundheitsförderung zu vermitteln. Die Verknüpfung von Theorie und Praxis wird durch zahlreiche Anwendungs- und Fallbeispiele erreicht. Dank den kompakten Kernaussagen am Ende jedes Kapitels können die wichtigsten Aussagen kurz und verständlich präsentiert werden und durch den Einbezug der Autoren aus den verschiedensten Bereichen wird eine breitgefächerte Sichtweise auf die einzelnen Themen und Disziplinen gewährleistet. Der Preis des Buches in Höhe von ca. EUR 70 ist mehr als angemessen.


Rezensentin
Alisa Hemberger
Studentin
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Zitiervorschlag
Alisa Hemberger. Rezension vom 08.05.2019 zu: Markus Antonius Wirtz, Carl-Walter Kohlmann, Christel Salewski (Hrsg.): Psychologie in der Gesundheitsförderung. Hogrefe (Bern) 2018. ISBN 978-3-456-85770-1. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/25502.php, Datum des Zugriffs 16.10.2019.


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