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Michael Brodowski (Hrsg.): Das große Handbuch für die Kita-Leitung

Cover Michael Brodowski (Hrsg.): Das große Handbuch für die Kita-Leitung. Carl Link (Kronach) 2018. 970 Seiten. ISBN 978-3-556-07345-2. D: 79,95 EUR, A: 82,20 EUR.

Reihe: Kita-Management.
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Herausgeber

Prof. Dr. Michael Brodowski lehrt seit 2010 Leitung und Management frühpädagogischer Bildungseinrichtungen an der Alice Salomon Hochschule Berlin. 1990 wurde er Facharbeiter für Forstwirtschaft, dann 1992 staatlich anerkannter Erzieher und schloss 1995 an der FH Erfurt sein Studium als Diplom Sozialarbeiter/Sozialpädagoge ab. Im Jahr 2000 beendete er erfolgreich ein Universitätsstudium als Diplom-Pädagoge und war von 2005–2010 Leiter der Koordinationsstelle zur Umsetzung der UN Weltdekade „Bildung für eine Nachhaltige Entwicklung“ für das Bundesland Thüringen. Im Jahr 2005 erfolgte die Promotion zum Dr. phil. mit dem Thema „Kooperativ- kollektives Lernen als Grundlage organisationalen Lernens“.

Entstehungshintergrund

Durch das mäßige Abschneiden Deutschlands in den sogenannten „PISA-Studien“ rückte unter anderem auch die frühkindliche Erziehung in die öffentliche Wahrnehmung und führte zu einer Akademisierung der Kindheitspädagogen. In Deutschland sollte wie in anderen Ländern auch die Erzieherinnen-Ausbildung aufgrund der vermeintlichen Überlegenheit des Studiums gegenüber der beruflichen Bildung an Fachschulen akademisch werden. Parallel dazu wurde in ganz Deutschland, ähnlich wie früher in der DDR, die Kindertagesbetreuung vor allem für Kinder im Alter von null bis drei Jahren quantitativ ausgebaut. Damit sehen Sie sich Kita-Leitungen jeden Tag vielfältigsten Anforderungen ausgesetzt. Angesichts immer neuer politischer Vorgaben ist es dabei nicht immer leicht, den Überblick zu behalten. Dieses klassische Handbuch soll als Nachschlagewerk verlässliche und praxisnahe Informationen zu allen Bereichen der Leitungsarbeit geben. Autoren aus Wissenschaft und Praxis sollen mit ihrer Expertise durch alle Themenfelder, die wichtig sind – von Personalmanagement über Kita-Recht bis hin zu Qualitätsentwicklung und Organisation – die Leitungen begleiten.

Aufbau

Das Layout ist ansprechend gemäß dem Anspruch eines Handbuchs gestaltet. Marginalien erleichtern eine schnelle Orientierung. Tabellen sind farbig hervorgehoben, Praxistipps in einen Rahmen gefasst, Definitionen rötlich und Aufgaben beziehungsweise Beispiele grau unterlegt. Zudem gibt es in Kästen Beschreibungen und Exkurse. Hinzu kommen Muster als Handreichungen für die praktische Umsetzung.

Die vier Teile sind jeweils durch ein rotes Trennblatt kenntlich gemacht. Zudem gibt es nach einzelnen Kapiteln „Link- und Literaturempfehlungen“, die den wissenschaftlichen Anspruch untermauern. Am Ende des Buches finden sich ein Autoren-, Stichwort- und ein Abbildungsverzeichnis.

Inhaltlich sind die 26 Kapitel des Buchs in vier Teile sowie einen abschließenden fünften Teil „Anhang und Methodensammlung“ gegliedert. Interessant ist auch, dass nach dem Vorwort auf einigen Seiten die Autoren zu Wort kommen und sich teilweise direkt an die Leser, insbesondere die Kita-Leitungen wenden. Ungewöhnlich ist allerdings, dass den einzelnen Kapiteln kein Inhaltsverzeichnis vorangestellt ist und die Kapitel durchnummeriert sind; beides verbessert nicht unbedingt die Lesbarkeit.

Inhalte

Teil I: Personal & Führung (Kapitel 1-4)

Direkt am Beginn wird ein wesentlicher Teil der Leitungsaufgaben aufgegriffen: Personal zu binden und zu entwickeln. Es wird zwischen Führung und Management unterschieden, wobei es um die zwischenmenschlichen Beziehungen und geteilte mentale Modelle geht.

Kapitel 1. Pia Schnadt & Nicole Stockamp Personalplanung und -entwicklung in der Kita. Von der Personalplanung bis zur Personalentwicklung geht es in sechs Unterkapiteln, wobei erstaunlicherweise zwischen Personalentwicklung und Personalentwicklungsmaßnahmen unterschieden wird. Bei diesen Maßnahmen stellt sich die Frage, ob die Beraterfloskeln „xxx-the-job“ überhaupt eine Bedeutung für die Personalentwicklung einer Kita haben.

Kapitel 2. Michael Brodowski Führung und Leitung von Kindertageseinrichtungen. Nachdem der Einstieg über einige Aufgaben erfolgt ist, werden zunächst sehr kurz einige Führungstheorien geschildert. Dann folgen das Führen durch Zielvereinbarungen sowie Aufgaben einer Leitung und Leitungskompetenzen.

Kapitel 3. Thomas Riecke-Baulecke & Kerstin Ratzeburg Kommunizieren! – Grundlagen und Praxis der Gesprächsführung und Motivation. Paul Watzlawick hat einmal festgestellt „Man kann nicht nicht kommunizieren.“ Dies ist wohl richtig und man sollte auch Autoren wie Friedemann Schulz von Thun richtig benennen. Geschildert werden kurz Modelle, Missverständnisse und Störungen bis zur Diskussionsleitung und Moderation.

Kapitel 4. Bernd Rudow Gesundheitsmanagement als Aufgabe der Kita-Leitung. Das BGM befasst sich mit der Gesundheitsförderung der Arbeitnehmer, wobei der Autor richtigerweise auch die Kinder einbezieht. Es geht um die Belastungsfaktoren und die Gesundheitsrisiken, wobei er diese in der spezifischen Kita-Umgebung reflektiert. Ausführlich werden die Handlungsfelder und -aufgaben erörtert.

Teil II Organisation & Verwaltung (Kapitel 5-13)

Dieses ist der umfangreichste Teil der Publikation. Man mag bedauern, dass den Managementfunktionen ein so breiter Platz eingeräumt wird, aber wahrscheinlich ist gerade die öffentlich kontrollierte Kita-Leitung diesen Anforderungen ausgesetzt. Allerdings sind die einzelnen Kapitel dann doch teilweise anders gestaltet und handeln eher praktische Themen ab.

Kapitel 5. Michael Brodowski Organisationstheorie und Organisationspraxis für Kita-Leitungen. Hier geht es darum, grundsätzlich zu lernen, wie Organisationen funktionieren. Nach der Organisation als soziales Subjekt geht es um eine Begriffsannäherung, dann die Struktur und deren Funktionen, Rollenstrukturen, Ziele und Organisationstheorien.

Kapitel 6. Michael Brodowski Die Kita als Lernende Organisation. In einem Kasten auf S. 169 sowie auf S. 181 f. erläutert der Autor die Bedeutung der Lernenden Organisation für Kitas. Dies ist auch notwendig, denn prima vista erschließt sich nicht, warum die Konzepte von Chris Argyris & Donald Schön und in der Folge von Peter Senge Bedeutung für Kitas haben sollten.

Kapitel 7. Anna Kramer Zeit- und Selbstmanagement für Kita-Leitungen. Ganz klassisch beginnt die Autorin mit der Begriffsdefinition und Entwicklungsgeschichte, dem etwas willkürlich Benjamin Libets Gedanken zum freien Willen folgen – ohne den Autor zu nennen. Danach wird es pragmatisch mit dem Start ins Selbstmanagement und Tipps zur Arbeitsorganisation.

Kapitel 8. Lutger Kohlhoff Projektmanagement für Kita-Leitungen. Am Anfang stellt der Autor klar, dass es sich nicht um die Projektarbeit mit Kindern handelt, sondern um zeitlich, inhaltlich und finanziell befristete innovative Vorhaben. Im Projektmanagement geht es um die Beteiligten, deren Organisation und Management (= Ablauf) und endet mit einem Fazit.

Kapitel 9. Anna Kramer Kitaplanung und -entwicklung – Veränderungsprozesse einleiten und begleiten. Die Autorin beginnt mit Heraklit, der bekanntlich sagte, dass nichts beständiger sei als der Wandel. Nach einer kurzen Einführung kommt dann Change Management, wobei sie sich bemüht, dieses auf Kitas anzuwenden. Es werden pragmatische Methoden wie Kotters Phasenmodell vorgestellt. Schade, dass es nach Kapitel 9.1 kein weiteres mehr gibt?

Kapitel 10. Jens Hübner Zusammenarbeit im Sozialraum – Netzwerke aufbauen und managen. Der Autor postuliert, dass die Aufgabe der Kita darin besteht, „die Lebenswelt der Familie und des Sozialraums miteinander zu verbinden.“ (S. 265) Kinder und Familien heute (mit Fragebogen), der Begriff des Sozialraums und der Arbeit darin sowie die Bedeutung von Netzwerken werden ausführlich geschildert. Abschließend wird die Kita als ein Haus für Kinder und Familien dargestellt.

Kapitel 11. Harald Christa Fundraising für Leitungen – Spenden, Sponsoring und Stiftungen. Schon der Titel impliziert die Frage, ob das Aufbringen zusätzlicher Mittel wirklich zu den Leitungsaufgaben einer Kita gehört oder gehören sollte? Die Werbung um Spenden ist sicherlich in gemeinnützigen Organisationen verbreitet – doch auch hier? Der Autor schildert, wie Fundraising funktioniert und erklärt danach das Sponsoring. Image-Entwicklung im Fundraising-Management oder eine entsprechende Corporate Identity für die Kita sind weitere Themen.

Kapitel 12. Heinrich B. Pieper Finanzierung, Controlling, Bilanz und Rechnungswesen in Kindertageseinrichtungen. In den Bundesländern haben sich vielfältige Finanzierungssysteme herausgebildet. Diese schildert der Autor ebenso wie die Elternbeiträge und gibt ein Beispiel für die Kitafinanzierung. Zweifellos ist dies für Kita-Leitungen notwendiges Wissen. Auch die betriebswirtschaftliche Betrachtung der Kita anhand von Controlling, Bilanz und Rechnungswesen ist für ein Grundverständnis notwendig.

Kapitel 13. Beatrice Rupprecht Praxisanleitung, Mentoring & Coaching. Hierbei geht es darum, wie ein Praktikum gut gestaltet werden kann. Zunächst setzt sich die Autorin mit der berufspraktischen Ausbildung auseinander. Dann geht es pragmatisch um den Praktikumsvertrag sowie die praktische Anleitung zur Förderung beruflicher Handlungskompetenz. Nach weiteren praktischen Hinweisen geht es um Mentoring und Coaching. Vielleicht wäre eine andere Überschrift hier besser gewesen, um die Bedeutung dieses Aufsatzes zu betonen.

Teil III Qualität (Kapitel 14-18)

Spätestens seitdem in den 1980er Jahren unter dem Einfluss japanischer Managementmodelle das TQM (Total Quality Management) Einzug in das deutsche Wirtschaftsleben hielt, ist Qualität eine Schlüsselkomponente des Handelns geworden. Daher stellt sich die Frage: Lässt sich die Qualität einer Kita jenseits des Betreuungsschlüssels messen?

Kapitel 14. Malte Mienert Bildungspläne und -programme – Richtschnur für die pädagogische Arbeit. Zunächst geht es um den Zweck, die Gemeinsamkeiten und die Unterschiede der Bildungspläne. Dann werden die Geschichte von Bildungsplänen und die Auslösungsgründe dargestellt. Den Abschluss bildet die Bedeutung der Pläne – und letztlich dessen, was ein Bildungsverständnis ausmacht.

Kapitel 15. Michael Obermaier Qualitätsmanagement und -entwicklung in Kindertagesstätten. Im Unterschied zur vorangegangenen Betrachtung geht es jetzt um den bildungspolitischen und rechtlichen Rahmen. Nachdem dieser vorgestellt ist, folgt die Auseinandersetzung mit den Grundbegriffen: der Qualitätsbegriff wird in seinen unterschiedlichen Dimensionen diskutiert. Dann folgen die Qualitätsverfahren im Überblick und am Schluss die Rolle der Kita-Leitung hierbei.

Kapitel 16. Anna Kramer Interne und externe Evaluation – wichtiger Baustein der Qualitätsentwicklung. Zunächst fragt die Autorin, was genau Evaluation ist und nennt dann deren Spielregeln. Dann wird die Notwendigkeit vor allem rechtlich legitimiert und auf die Bildungsqualität – warum nicht Erziehungsqualität? – in Kindertageseinrichtungen eingegangen. Sodann folgen verschiedene Ansätze und Konzepte sowie Hinweise für die praktische Durchführung.

Kapitel 17. Christina Vetter Konzeptionsentwicklung als Leitungsaufgabe. Die Konzeptionsentwicklung wird als eine gesetzlich verankerte Aufgabe für Kitas bezeichnet und bedeutet die schriftliche Darstellung professionellen Handelns. Die Autorin beginnt dann mit den Anforderungen, wobei eher die Auslöser geschildert werden. Dann werden die Inhalte einer Konzeption beleuchtet. Am Schluss folgen mit vielen Übersichten die Methoden der Entwicklung.

Kapitel 18. Bettina Stoll Inklusion (und Integration) als Managementaufgabe in Kindertagesstätten. Die Autorin beginnt mit dem Statement, dass Inklusion das Orientierungsprinzip sein sollte; sie geht also nicht wissenschaftlich neutral an das Thema heran, sondern hat eine bestimmte Meinung dazu. Entsprechend schildert sie ihr Verständnis hiervon ebenso wie die vom Inklusionsmanagement. Interessant ist, dass sie beim dreidimensionalen Inklusionsmanagement auf die Vier-Felder-Portfolio-Matrix der BCG Balanced Scorecard eingeht und Kinder, Eltern, Träger und Kostenträger als »Kunden« bezeichnet. Dies ist schon vom Grundsatz her sicher fragwürdig, denn Kunden zahlen für ein Produkt oder eine Leistung, die sie erwerben oder mieten – was Kommunen als Träger einer Kita sicher nicht tun.

Teil IV Recht & Politik (Kapitel 19-26)

Hier sollen alle für die Kita-Arbeit, also nicht nur für die Leitung, relevanten rechtlichen Grundlagen zusammengefasst und für die Leitungsträger praxisnah aufbereitet werden. Dies erscheint insofern nicht ganz stringent zu sein, da rechtliche Tatbestände bereits in vielen der vorangegangenen Kapitel aufgegriffen wurden.

Kapitel 19. Peter Obermaier-van Deun Rechtsgrundlagen für die Kita-Leitung. Ausgangspunkt ist die Systematik des Kinder- und Jugendhilferechts, wie es im SGB VIII und landesrechtlichen Regelungen bestimmt ist. Zunächst wird daher der bundesrechtliche Rahmen vorgestellt. Dann folgende die vertragsrechtlichen Grundlagen mit Fallbeispielen. Besonders behandelt werden der Infektionsschutz als Leitungsaufgabe und die rechtlichen Regelungen für das Essen.

Kapitel 20. Peter Obermaier-van Deun Aufsichtspflicht in Kindertageseinrichtungen. Die Führung von Aufsicht ist eine vertragliche Verpflichtung der Einrichtungen. Sie geht über den Begriff der Betreuung hinaus, da hiermit auch Selbstschutz sowie Rücksicht auf andere und die Umwelt erlernt werden sollen. Entsprechend wird zunächst ein zeitgemäßes pädagogisches Vorverständnis von Aufsichtsführung dargestellt. Dann wird beschrieben, wer aufsichtspflichtige Personen sind und wie der Aufsichtsumfang ist. Hinweise zur Aufsichtsführung und die Folgen einer Aufsichtspflichtverletzung runden den Beitrag ab. Die Kapitel 19 und 20 stellen das unabdingbare rechtliche Grundwissen für Kita-Leitungen dar und sind uneingeschränkt empfehlenswert.

Kapitel 21. Rolf Schwartmann & Maximilian Hermann Medien- und Urheberrecht in der Kita. Basis sind das Jugendschutzgesetz und der Jugendmedienschutz-Staatsvertrag. Zunächst geht es um das Medienrecht in der pädagogischen Arbeit. Dann geht es um die rechtlichen Aspekte bei der Gestaltung einer Webseite.

Kapitel 22. Tanja Keller Arbeitsrecht für Kita-Leitungen. Arbeitsrechtliche Handlungen wie Anweisungen an Mitarbeiter, Einteilung des Personals oder das Eingreifen in Konfliktfällen gehören zum Leitungsalltag. Beschrieben werden die folgenden arbeitsrechtlichen Themen: Stellenausschreibung und Bewerbungsgespräch, Arbeitsvertrag, Pflichten der Mitarbeiter, Pflichten des Arbeitgebers, Krankheit und Urlaub, Arbeitsverhältnisse in Teilzeit und mit Befristung sowie die Beendigung des Arbeitsverhältnisses. Den Abschluss bildet der Arbeitsschutz.

Kapitel 23. Björn Köhler Betriebliche Mitbestimmung. Das Thema verwundert zunächst, da die Kitas doch überwiegend in kommunaler und kirchlicher Trägerschaft sind und daher dort die betriebliche Mitbestimmung im eigentlichen Sinne nicht gilt. Dort sind es die wesentlich schwächeren Instrumente des Personalrats (kommunal) und der Mitarbeitervertretung (kirchlich); vgl. S. 780. Trotz der etwas verwirrenden Überschrift geht der Autor dann auf die wichtigen Tatbestände der kirchlichen Mitbestimmung ein. Interessant ist, dass er das BetrVG bei dem Tendenzbetrieb Kita diskutiert; dies dürfte eher Spezialisten interessieren. Anschließend geht er auf das wichtige Personalvertretungsrecht ein und nennt die landesrechtlichen Besonderheiten.

Kapitel 24. Marion Hundt Kindeswohl und Kinderschutz in der Kita. Pädagogische Fachkräfte in Kitas sind durch das Bundeskinderschutzgesetz aktiv in das Kinderschutzsystem einbezogen. Entsprechend wird der Begriff des Kinderwohls definiert, das Kinderschutzverfahren mit den entsprechenden Datenschutzregelungen und das Kindeswohl als Maßstab für die Betriebserlaubnis geschildert. Danach werden noch die Kinderschutzaufgaben unterschiedlicher Institutionen dargelegt.

Kapitel 25. Heinz Stapf-Finè Kita(sozial)politik – Politische und gesellschaftliche Entwicklungstrends in der Kindertagesbetreuung. Betreuungsquote und Personalschlüssel sind nur einige der politischen Schlüsselbegriffe. Der Autor schlägt einen weiten Bogen von der gesellschaftspolitischen Bedeutung über die qualitative Weiterentwicklung bis zu den gesellschaftlichen Rahmenbedingungen.

Kapitel 26. Michael Brodowski Bildung für eine Nachhaltige Entwicklung (BNE): Kindheitspädagogik und der Nationale Aktionsplan. Der Herausgeber hat sozusagen das Schlusswort. Bildung für eine Nachhaltige Entwicklung (BNE) soll die Lebensqualität der gegenwärtigen Generation sichern und gleichzeitig zukünftigen Generationen die Wahlmöglichkeit zur Gestaltung ihres Lebens erhalten.

Den Abschluss als Teil V bilden „Methoden für vielfältige Kommunikationsanlässe“ von Ilona Böttger & Jasson Jakovides, bei denen es sich um bekannte klassische Seminarmethoden handelt.

Diskussion

Was bedeutet „Leitung“ in einer Kita? Vor allem die Sicherstellung einer optimalen frühkindlichen Erziehung. Es ist ein hochkomplexe personenbezogene Dienstleistung, welche sich nicht nur wie sonst üblich auf die Mitarbeiter bezieht, sondern insbesondere auch die Kinder und ihre Eltern in das Leitungshandeln einbeziehen muss. Legt man diesen Gedanke zugrunde, so müssten Kitas geführt und nicht gemanagt werden. Warren G. Bennis & Bert Nanus hatten erstmals zwischen Managen und Führen differenziert: Manager machen die Dinge richtig (effizient), Führende tun die richtigen Dinge (effektiv). Allerdings machen die politischen Handelnden vor allem Managementvorgaben: der Betreuungsschlüssel gilt als Indikator für die Qualität einer Kita, wobei dieser weder etwas über die Qualifikation des Personals noch über die soziale Situation aussagt. Sicher, es gibt quantitative Obergrenzen, wie viele Kinder rechnerisch von einer Person betreut werden können. Aber dieses ist nur der Rahmen, in dem die Betreuung stattfindet. Erfolgreiche Kita-Leitung ist von vielen weiteren Faktoren abhängig. Und hierzu will das Handbuch die „erste Anlaufstation“ sein. Ist dieses gelungen? Ja und Nein. Ja, weil viele wichtige Themen aufgegriffen werden und sich die Autoren zumindest teilweise von vorgegebenen politischen Kennzahlen lösen. Nein, weil viele Themen nur sehr allgemein abgehandelt werden und sich nicht speziell mit den Besonderheiten einer Kita auseinandersetzen. Man fragt sich bei einigen Kapiteln, ob diese wirklich zum Kernwissen von Kita-Leitungen gehören. Viele der dargestellten Methoden und Themen basieren auf dem HRM und der Personalentwicklung der unternehmerischen Wirtschaft; hier hätte deutlich kritischer geprüft werden müssen, ob und wie ein Transfer auf die sehr spezielle personenbezogene Dienstleistung „Kita-Leitung“ erfolgen kann. Zudem verbleiben viele Kapitel eher an der Oberfläche, was der Vielzahl der Themen trotz fast tausend Seiten Umfang geschuldet sein mag. Letztlich besteht bei einem Buch mit vielen Autoren immer das Risiko, dass sich die Qualität der einzelnen Aufsätze stark unterscheidet. Leider trifft dies hier zu. Vielleicht wäre eine Konzentration auf weniger Kapitel, die dafür speziell die Kita-Situation abbilden, hilfreich gewesen.

Fazit

Im Zentrum der Kita-Leitung muss die optimale frühkindliche Erziehung stehen. Und daher sind alle Kapitel dieses Buches daraufhin zu prüfen, ob sie dazu beitragen. Nicht immer scheint dies der Fall zu sein und so manches Mal bedarf es schon einer langen Argumentationskette, um die Bedeutung des entsprechenden Kapitels hierfür herzuleiten. Um es prägnant zu formulieren: „Weniger (Kapitel) wäre(n) mehr (relevantes Wissen) gewesen!“ Aber trotz dieser Vorbehalte handelt es sich um ein empfehlenswertes Buch, das ein wichtiges Thema aufgreift. Ob es bei der täglichen Arbeit hilft, dies kann nur jede Kita-Leitung für sich allein entscheiden.


Rezensent
Prof. Dr. Rüdiger Falk
em. Professor für Allgemeine Betriebswirtschaftslehre, insbesondere Human Resource Management, an der Hochschule Koblenz
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Zitiervorschlag
Rüdiger Falk. Rezension vom 14.03.2019 zu: Michael Brodowski (Hrsg.): Das große Handbuch für die Kita-Leitung. Carl Link (Kronach) 2018. ISBN 978-3-556-07345-2. Reihe: Kita-Management.
Inhaltsverzeichnis bei der DNB In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/25512.php, Datum des Zugriffs 16.07.2019.


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