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Udo Rauchfleisch, Michael Ermann u.a. (Hrsg.): Diagnose Borderline

Rezensiert von Prof. Dr. phil. Peter Olm, 25.03.2020

Cover Udo Rauchfleisch, Michael Ermann u.a. (Hrsg.): Diagnose Borderline ISBN 978-3-17-035996-3

Udo Rauchfleisch, Michael Ermann, Dorothea Huber (Hrsg.): Diagnose Borderline. Diagnostik und therapeutische Praxis. Verlag W. Kohlhammer (Stuttgart) 2019. 97 Seiten. ISBN 978-3-17-035996-3. 19,00 EUR.
Reihe: Lindauer Beiträge zur Psychotherapie und Psychosomatik hersg. von Michael Ermann, Michael und Dorothea Huber
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Thema

Die Borderline-Diagnose ist eine oft vergebene, aber in der einschlägigen Literatur heftig diskutierte Störung. Das vorliegende Werk geht nicht auf die strittigen und kontrovers diskutierten Aspekte ein, sondern hilft zu einer gesicherten Diagnose zu kommen und liefert Impulse für die therapeutische Arbeit. Für den Interessierten sei nur angemerkt, dass Udo Rauchfleisch Psychoanalytiker ist und das Thema aus einer analytischen Perspektive betrachtet.

Autor

Udo Rauchfleisch ist emeritierter Professor für Klinische Psychologie an der Universität Basel. Außerdem ist er in eigener psychotherapeutischer Praxis tätig. In zahlreichen Veröffentlichungen hat er sich mit Randgruppen der Gesellschaft sowie mit Menschen in psychosozialer Not beschäftigt. Viele seiner Bücher sind Pflichtlektüre für Studierende der Sozialen Arbeit. Wie kaum ein anderer Autor gelingt es ihm in seiner feinfühligen Art, Menschen in ihrer Not den Studierenden näher zu bringen.

Entstehungshintergrund

Der Autor hat sich in seiner mehr als 45-jährigen Praxis intensiv mit Menschen mit schweren Persönlichkeitsstörungen befasst. Das vorliegende Buch basiert auf einer Vorlesungsreihe, die der Autor zu dem Thema gehalten hat.

Aufbau

Das Inhaltsverzeichnis folgt der Vorlesungsreihe. Insgesamt fanden fünf Vorlesungen statt, die gleichzeitig die Hauptkapitel des Buches darstellen:

  1. Deskriptive Diagnostik
  2. Strukturelle Diagnostik
  3. Differentialdiagnose
  4. Behandlung und Behandlungstechnik
  5. Arbeit mit Borderline-PatientInnen auf tiefem Funktionsniveau

Inhalt

Obwohl das Buch keine 100 Seiten hat, hat der Autor aus 54 Quellen zitiert und fügt am Ende noch ein Stichwort- und Personenverzeichnis hinzu. Allein das Quellenverzeichnis liefert dem Leser/der Leserin einen Überblick über die relevante Literatur zu dem Thema.

Geht es in den ersten drei Kapiteln um die Diagnose der Borderline-Störung, behandelt Rauchfleisch in dem Kapitel vier und fünf die Behandlung sowie die Arbeit mit den betreffenden PatientInnen. Bei den Kapiteln zur Diagnostik geht Rauchfleisch auf DSM und ICD ein und diskutiert unterschiedliche Sichtweisen der Borderline-Störung. Er grenzt die Borderline-Störung von der neurotischen Störung sowie der Schizophrenie ab und stellt Gemeinsamkeiten und Unterschiede zu den narzisstischen Persönlichkeitsstörungen dar. Ausführungen zu den Abwehrmechanismen sowie entwicklungspsychologische Aspekte ergänzen das Kapitel.

Die Kapitel zur Behandlung und Behandlungstechnik beginnen mit einer stichwortartigen Erörterung des Übertragungs- und Gegenübertragungsgeschehen. Rauchfleisch geht dann weiter auf Motivation, Aggression und die Aktivität der Therapeuten ein. Hier liefert er Impulse für die Arbeit mit aggressiven PatientInnen sowie mit selbstdestruktivem Verhalten.

Für die therapeutische Arbeit setzt er auf eine „Fokussierung auf des Hier und Jetzt“ sowie die Arbeit mit Traummaterial der PatientInnen. Im Unterschied zu den anderen Kapiteln, fällt die Beschreibung der Arbeit mit Träumen mit knapp sechs Seiten relativ lang aus.

Im letzten Kapitel geht der Autor auf die Bedeutung der sozialen Aspekte und den Umgang mit mangelnder Motivation ein. Am Ende folgt noch eine knappe Seite zum Thema Dauer der Behandlung. Hier hätte der Autor sich noch mehr Mühe geben können. Bewegt doch die Frage der Behandlungsdauer viele TherapeutInnen.

Diskussion

Wie man dies vom Autor gewohnt ist, schreibt er sehr verständlich und mit viel Wertschätzung für Menschen in besonders schwierigen Problemlagen. Das Werk hat keine 100 Seiten und die Stärke des Werkes ist auch gleichzeitig seine Schwäche. Es ist kein umfassendes Standardwerk zum Thema, was in aller Tiefe und Gründlichkeit die Borderline-Störung beschreibt. Manche Ausführungen sind nur stichwortartig und erinnern schon ein wenig an ein Lexikon. Es ist aber ein sehr hilfreiches und gut lesbares Buch für Interessierte, die etwas über die Diagnose der Störung suchen.

Fazit

Udo Rauchfleisch legt mit diesem Buch ein hilfreiches Werk zur Diagnostik und für die therapeutische Praxis der Borderline-Störung vor. Es ist einfach und gut lesbar geschrieben, setzt aber eine gewisse Affinität für die Psychoanalyse voraus. Aufgrund dieser Einfachheit ist es weniger ein Werk für erfahrene Analytiker, vielmehr ist es für Studierende bzw. PsychotherapeutInnen in der Ausbildung zu empfehlen.

Rezension von
Prof. Dr. phil. Peter Olm
Psychologischer Psychotherapeut, Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeut, Evangelische Hochschule Nürnberg
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Es gibt 8 Rezensionen von Peter Olm.

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Zitiervorschlag
Peter Olm. Rezension vom 25.03.2020 zu: Udo Rauchfleisch, Michael Ermann, Dorothea Huber (Hrsg.): Diagnose Borderline. Diagnostik und therapeutische Praxis. Verlag W. Kohlhammer (Stuttgart) 2019. ISBN 978-3-17-035996-3. Reihe: Lindauer Beiträge zur Psychotherapie und Psychosomatik hersg. von Michael Ermann, Michael und Dorothea Huber. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/25525.php, Datum des Zugriffs 27.05.2022.


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