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Thomas Hanstein: Selbstmanagement - mit Coachingtools

Cover Thomas Hanstein: Selbstmanagement - mit Coachingtools. Ressourcen erkennen, nutzen und pflegen. Tectum (Baden-Baden) 2018. 259 Seiten. ISBN 978-3-8288-4196-3. D: 22,00 EUR, A: 22,70 EUR.

Reihe: Tectum Ratgeber.
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Thema

Die Intention dieses Buches ist dem Leser ein Ratgeber zur Verfügung zu stellen, der Einblicke in die Coaching-Praxis gewährt. Ebenso betont Herr Dr. Hanstein sein Wille zur Verbreitung von professionellen Formaten. Es handelt sich um eine Art persönliche Schatzkiste von Coaching-Methoden, die sich dem systemisch-lösungsorientierten bzw. ressourcenorientierten Coaching-Ansatz zuordnen lassen, die Herr Dr. Hanstein teilen möchte. Diese Methoden werden mit Hilfe von Fallbeispielen und einer Anleitung zur Durchführung erklärt. Auch wird der erhoffte Effekt beim Klienten skizziert.

AutorIn oder HerausgeberIn

Basierend auf seiner über 20-jährigen Erfahrung in verschiedenen Arbeitsfeldern als Fach- und Führungskraft sowie Begleiter in der freien Wirtschaft, von Schulen, Hochschulen, Erwachsenenbildung und Seelsorge, des öffentlichen Dienstes und der Verwaltung führt Herr Dr. Thomas Hanstein seine Lieblingstools in diesem Buch komprimiert zusammen. Ursprünglich promovierte Herr Dr. Thomas Hanstein in der Theologie und war eine Zeit lang als Diakon und Referent in der Kirchenleitung tätig.

Aufbau und Inhalt

Der erste Teil des Buches stellt eine Art Einführung in das Themengebiet Coaching dar. Herr Hanstein diskutiert das Wort Coaching, damit verbunden die Ursprünge, Möglichkeiten, Grenzen sowie die Trends. Der Leser erfährt z.B. was der Unterschied zwischen Personal- bzw. Business-Coaching ist.

Im nächsten Abschnitt geht es um die Fundierung seiner Coaching-Methoden. Die nachhaltige Wirkung seiner Coaching-Methoden würde auf eine neurowissenschaftliche Erklärung basieren. Dabei nimmt er Bezug zu dem Ansatz von Roth und Ryba, die das Gehirn in mehreren Ebenen einteilen. So sollten möglichst auch die tiefen „Schichten“ im Gehirn (die implizit-prozedurale Ebene) im Coaching erreicht werden, um einen nachhaltigen Effekt zu erzielen. Diese seien v.a. durch sozial-emotionale Interventionen zu aktivieren. Anhand dessen wird abgeleitet, welche Schulen bzw. Zugänge für das Coaching von Nutzen sein können und welche eher von geringer Relevanz sind. Insgesamt wird als Fazit gezogen, dass eine integrative Coaching-Praxis, die mehrere Ansätze umfasst, zu bevorzugen sei. Hier wird vom Autor angemerkt, dass er Ansätze, die den Körper als Sitz erlebter Erfahrungen miteinbeziehen und Ansätze, die eine Problemfixierung vermeiden, favorisiert. Statt Problemfokussierung möchte der Autor, die Ressourcen seiner Klienten freilegen, damit die Klienten Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten zur Lösungsfindung aufbauen können.

Im vierten Kapitel „Systemisches Coaching- vom Wissen um Organisationsprozessen“ wird u.a. das Menschenbild und die Grundhaltung des Autors vermittelt. Hier wird deutlich, dass die Techniken oder Methoden nur ein Teil des Erfolgs eines Coaches begründen. Auch später wird zunehmend deutlich, dass „der Klient nicht für die Tools da ist, sondern die Tools für den Klienten!“

Im zweiten Teil des Buches sind seine „Lieblingsinterventionen“ dargestellt. Einige Interventionen beruhen z.B. darauf, die Perspektive zu verändern, Gewohnheiten zu durchbrechen oder sich ein Zielbild bzw. -zustand zu imaginieren. Handschriftliche Skizzen veranschaulichen die Anwendung.

Diskussion

Besonders schön ist, dass Herr Hanstein statt einer Auflistung von Coaching-Tools seine Haltung, sein Konzept und die Fundierung erläutert. So erhält der Leser den Eindruck von „professionellem“ Coaching, das sich an die Wissenschaft anlehnt. Der Theorieteil ist jedoch nicht einfach zu lesen. Die starke Komprimierung, die der Autor auch ankündigt und mit dem Verweis stehen lässt, dass bei weiterführendem Interesse die genannten Quellen zugezogenen werden können, hat den Preis, dass viele Fragezeichen entstehen. Oftmals werden Fachbegriffe verwendet, die das Lesen zusätzlich erschweren. Hypothesen werden aufgestellt, die der Diskussion bedürfen. So hinterlässt es den praktizierenden Therapeuten mit gewisser Reaktanz, wenn davon gesprochen wird, dass die Verhaltenstherapie ungeeignet für das Coaching sei, da dieser Ansatz problematisierend vorgehen würde. Dass die Physiotherapie bewertend vorgehen würde und andere Aussagen sind ebenfalls schwer nachvollziehbar (möglicher Tippfehler im Buch?). Die Grundaussage des ersten Theorieteils wird dem Leser dennoch klar (siehe Inhalt).

Die Interventionen könnten noch mehr Angaben zum Einsatzgebiet und Kontraindikation enthalten, sind aber bereits verständlich dargestellt. Der Autor arbeitet viel mit Symbolik, Körperwahrnehmung und Achtsamkeit. Die Methoden wirken unkonventionell. So lassen die Fallbeispiele, die die Anwendung der Tools präsentieren, den Leser an der ein oder anderen Stelle schmunzeln. Hier gilt, dass der Zweck die Mittel heiligt. Scheinbar funktionieren diese Methoden sehr gut, wie der Autor mit seinen Fallbeispielen demonstriert.

Fazit

Ein Sammelband mit verschiedenen Coaching-Tools ist gerade für neue und bestehende Coaches eine gute Orientierung. Herr Dr. Hanstein macht deutlich, dass das Menschenbild und die Fundierung elementar für die Anwendung der Coaching-Tools und für die Arbeit als Coach sind. Auch wenn der Theorieteil eher schwierig zu verstehen ist, bietet er eine Einleitung in das Theoriekonstrukt des Autors. Die Interventionen sind als Handreichung und Orientierung zu verstehen, geben Einblick in die ressourcenorientierte Coachingspraxis und laden zum Ausprobieren ein.


Rezension von
Dagmar Linnartz
M.Sc. in Psychologie, tätig in der Wissenschaft, Psychotherapie und Beratung.
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Zitiervorschlag
Dagmar Linnartz. Rezension vom 09.09.2020 zu: Thomas Hanstein: Selbstmanagement - mit Coachingtools. Ressourcen erkennen, nutzen und pflegen. Tectum (Baden-Baden) 2018. ISBN 978-3-8288-4196-3. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/25534.php, Datum des Zugriffs 22.10.2020.


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