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Marion Schwarz, Albert Matthias Fink u.a.: Konzepte, Erfahrungen und Perspektiven der Kinder- und Jugendlichenpsychotherapie

Cover Marion Schwarz, Albert Matthias Fink, Jürgen Hardt, Michael Bastian, Désirée Beumers u.a.: Konzepte, Erfahrungen und Perspektiven der Kinder- und Jugendlichenpsychotherapie. Facetten eines Heilberufs. Psychosozial-Verlag (Gießen) 2019. 260 Seiten. ISBN 978-3-8379-2848-8. D: 29,90 EUR, A: 30,80 EUR.

Borg-Laufs, Michael; Brock, Inés; Fink, Albert Matthias; Fröhlich-Gildhoff, Klaus; Gahleitner, Silke Birgitta; Gümbel, Anette; Hanswille, Reinert Hopf, Hans; Jung, Christina Kapp, Matthias; Katz-Bernstein, Nitza Kubesch, Kerstin; Lehndorfer, Peter Maur, Sabine; Niebergall, Julius Schwarz, Marion; Staniszewski, Oliver Wedjelek, Marc; Weinberg, Dorothea; Wesenberg, Sandra Reihe: Therapie & Beratung.
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Thema

Nur in wenigen Ländern gibt es die verschiedenen Berufsgruppen von Erwachsenpsychotherapeut(inn)en einer- sowie Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeut(inn)en andererseits, und ausschließlich in Deutschland sind (noch!) Unterschiede in den Zulassungsvoraussetzungen zwischen beiden Gruppen zu finden. Die zweite Besonderheit ist nur auf dem Hintergrund der spezifischen Entwicklung des Berufs der Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeut(inn)en in Deutschland zu verstehen (Heekerens, 2016a).

Der bkj, dies vorweg für alle (möglichen) Leser(innen), die sich für Kinder- und Jugendlichenpsychotherapie interessieren, aber nicht mit dessen Verbandsleben vertraut sind, der bkj ist das Kürzel für den – nicht „(therapie-)schulisch“ gebundenen – „Berufsverbandes der Kinder-und Jugendlichenpsychotherapeutinnen und Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten e.V. Deutschland“. Dessen Zweck ist „die Berufsinteressenvertretung der approbierten Kinder-und Jugendlichenpsychotherapeuten in Deutschland“ (§ 2 der bkj-Satzung). Einen gesonderten professionell definierten Personenkreis (weder Ärzte noch Psychologen), der sich um die Beackerung des Feldes der Kinder- und Jugendlichenpsychotherapie – ehedem unter dem Namen „ambulante Heilerziehung“ – kümmern sollte, gab es in Deutschland schon seit dem Hitler-Reich, später hießen diese Personen „Psychagog(inn)en“ und erst seit Inkrafttreten des Psychotherapeutengesetzes 1999 gibt es in Deutschland „approbierte Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeut(inn)en“ (ausf. Heekerens, 2016a). Handlungen, die als „Kinder- und Jugendlichenpsychotherapie“ bezeichnet werden können, sind schon älteren Datums (Heekerens, 2016a).

Der bkj wurde offensichtlich schon vor 1999 gegründet. Wann genau, von wem, mit welcher primären Zielsetzung wissen nur die Eingeweihten. Über die bkj-Geschichte erfährt man weder in diesem Buch noch auf der bkj-Homepage (www.bkj-ev.de/); ebenso wenig über dessen Ziele, Leitbild oder Corporate Identity. Die bkj erfüllt damit die beiden wichtigsten von der Postmoderne erhobenen Forderungen nach Nicht-Identität bzw. Nicht-Identifizierbarkeit: no history, no face. Da tritt die die „schulisch“ orientierte „Vereinigung Analytischer Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten“ in Deutschland e.V. (VAKJP; Homepage; www.vakjp.de), die ihre Gründung auf das Jahr 1953 datiert, sowohl hinsichtlich „history“ als auch „face“ wesentlich selbstbewusster auf. Das Verhältnis von bkj und VAKPJ ist weder auf Organisationsebene noch für Einzelne, die beiden Gruppierungen angehören, spannungsfrei. Das wird im vorliegenden Buch hie und da angedeutet, nie aber offen und auch für Außenstehende nachvollziehbar dargelegt.

Ebenso im Graulicht des Vagen bleibt das Buch bei der grundsätzlicheren Frage, ob es denn nun von „Therapie“ oder von „Therapeut(inn)en“ berichten möchte. Im Titel spricht es von „Therapie“, im ersten Untertitel durch „Beruf“ implizit von „Therapeut(inn)en“ und im zweiten Untertitel faktisch weiter einschränkend von solchen, die im bkj organisiert und dort mit dem Herzen dabei sind. In Deutschland wird Kinder- und Jugendlichenpsychotherapie betrieben nicht nur von Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeut(inn)en, die dem bkj nahe-, sondern auch von solchen die ihm (emotional) ferne stehen, ferner von Psychologischen Psychotherapeut(inn)en ohne und mit Zusatzfachkunde „Kinder- und Jugendlichentherapie“, von Fachärzt(inn)en für Kinder- und Jugendpsychiatrie und -psychotherapie sowie von psychotherapeutisch qualifizierten Mitarbeiter(innen) der Kinder- und Jugendhilfe, die z.B. an Erziehungsberatungsstellen der Sache nach Kinder- und Jugendlichenpsychotherapie betreiben – ohne Approbation, aber dennoch völlig legal.

Von solchen Differenziertheiten berichtet das vorliegende Buch hie und da an eher versteckten Stellen und meist nur beiläufig, systematisch aber ist hier davon nie die Rede. Und man und frau darf sich als (potentielle) Leser(in) des vorliegenden Buchs seinen je eigenen Reim darauf machen, was denn wohl die beabsichtigte Botschaft des Buches sei. Da hilft es nicht einmal, in Erfahrung zu bringen, welchen Plan denn das Buch verfolge; davon erfährt frau und man nichts. Man kann einen möglichen Sinn nicht einmal dadurch in Erfahrung bringen, dass man die Entstehungsgeschichte des Buches zur Kenntnis nimmt; auch darüber wird eisern geschwiegen – in den 18 Kapiteln des Buches, im Vorwort der Herausgeber(innen) und im Nachwort, das das „Danebenreden“ (die Paralogie) zur edelsten Form der Kommunikation (v)erklärt.

Herausgeber*innen

  • Marion Schwarz ist Diplom-Psychologin (Marburg, 1984) mit Approbation als Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeutin und Psychologischer Psychotherapeutin (1999, Fachkunde: tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie). Sie ist derzeit Vorsitzende des bkj und unterzeichnete in dieser Eigenschaft die im März 2019 verabschiedete „Stellungnahme des bkj zum Kabinettsentwurf des Gesetzes zur Reform der Psychotherapeutenausbildung“ (bkj, 2019).

Besagtes Gesetz kommt nicht aus heiterem Himmel und ist der deutschen Psychotherapeutenschaft auch nicht „von außen“ aufgezwungen worden. Die Initiative dazu kam von einem im November 2014 gefassten Beschluss des Deutschen Psychotherapeutentags (DPT; vgl. Heekerens, 2016a). 

In der bkj-Stellungnahme heißt es u.a.: „Die in § 9 (1) [besagten Entwurfs] vorgenommene Begrenzung der Verortung des Studiums nur an Universitäten und ihnen gleichgestellte Hochschulen ist aus unserer Sicht fachlich nicht akzeptabel. Wir fordern die Einbindung der Hochschulen für angewandte Wissenschaften (HAW) als gleichwertige Ausbildungsstätten.“ Sowohl die Deutsche Psychotherapeutenvereinigung (DPtV), die größte Interessenvertretung für Psychologische Psychotherapeuten und Kinder- und Jugendlichen-psychotherapeuten und Psychotherapeuten, als auch die Bundespsychotherapeutenkammer (BPtK) hingegen unterstützen hier den Kabinettsentwurf in ihren diesbezüglichen Stellungnahmen vom Mai 2019 (BPtK, 2019; DPtV, 2019).

  • Albert Matthias Fink, Dipl.-Soz.päd., Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeut (Fachkunde: tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie) im Ruhestand, war jahrzehntelang berufspolitisch tätiges bkj-Mitglied auf Regional, Landes- und Bundesebene. Er hatte zwei zentrale Anliegen: Psychotherapeutische Versorgung von Kindern und Jugendlichen in der Jugendhilfe und Erhalt der Pädagogik und Sozialwissenschaften in der Psychotherapeut(inn)enausbildung – auch der künftigen.

Dass, um das gleich hier anzumerken, die beiden Finkschen Anliegen, die mein ganzes Wohlwollen haben, „gerettet“ würden dadurch, dass die künftige Psychotherapeut(inn)enausbildung auch an HAW-Hochschulen – etwa mit etablierten Studiengängen in Früh- und Sozialpädagogik – möglich sei, halte ich für blanke Illusion (Heekerens, 2014). Auch unter den noch bestehenden Verhältnissen, da ein gehöriger Teil an Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeut(inn)en solche Studiengänge durchlaufen (haben), ist es doch im Regelfall – ja, es gibt Ausnahmen – so, dass das „Soziale“ und das „Pädagogische“, sofern im Studium überhaupt jemals internalisiert und nicht einfach aus Gründen des Zertifikatserwerbs überstanden, im Laufe der psychotherapeutischen Ausbildung zu Pulver zermahlen wurde, das spätestens in der beruflichen Praxis vom Winde der Abrechnungswirklichkeit oder der „Einrichtungslogik“ verweht wurde. Maria Ohling (2014) und ich (Heekerens, 2016b) haben zu diesem Punkte Jahre lang in Deutschland und Österreich (desillusionierende) Erfahrungen gesammelt.

Aufbau und Inhalt

Das Buch enthält zwischen Vorwort und Nachwort 18 Artikel, die von 22 Autor(inne)n stammen, zu denen auch die Herausgeber(innen) zählen. Die Beiträge wurden einzelnen oder zu zweit verfasst, sind mit gesondertem Literaturverzeichnis und berufsbiographischen Angaben zu den Autor(inn)en versehen. Sie sind, ohne dass die Zuordnungslogik zwingend erscheint, drei Buchteilen zugeordnet.

In Buchteil I Biografisches, Zugänge zum/r und Identität als Kinder- und JugendlichenpsychotherapeutIn finden sich sieben Beiträge:

  • Kinder- und JugendlichenpsychotherapeutIn: Zukünftige Entwicklung einer beruflichen Identität (Michael Borg-Laufs)
  • Einige Gedanken zur Kinder- und Jugendlichenpsychotherapie (Peter Lehndorfer)
  • Meine Geschichte als Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeutin (Marion Schwarz)
  • Kinder- und Jugendlichenpsychotherapie im institutionellen Kontext der Jugendhilfe, speziell in der Erziehungsberatung (Albert Matthias Fink)
  • Das Leben als Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeut*in in Ausbildung (PiA): Zwischen Begeisterung und Wut (Désirée Beumers & Marc Wedjele)
  • Approbation, und nun?: Wege der Neuorientierung und berufspolitischen Mitgestaltung (Christina Jung & Kerstin Kubesch)
  • Leben in zwei Welten: Fluch und Segen einer weiblichen Biografie (Inés Brock)

Der zweite Buchteil Psychotherapeutische Verfahren in der Kinder- und Jugendlichenpsychotherapie enthält sechs Einzeldarstellungen:

  • Gesellschaftliche Veränderungen und neue Symptome: Brauchen wir veränderte Behandlungstechniken? (Hans Hopf)
  • Systemische Kinder- und Jugendlichenpsychotherapie (Reinert Hanswille)
  • Integrative Therapie und Kinder- und Jugendlichenpsychotherapie: Einige Gedanken und Zugänge zur integrativen Arbeit (Nitza Katz-Bernstein)
  • (Therapeutische) Chancen für alle: Plädoyer für eine sozialtherapeutisch ausgerichtete Kinder- und Jugendlichenpsychotherapie (Silke Birgitta Gahleitner & Sandra Wesenberg)
  • Mehr Selbstbewusstsein bitte, Kinder- und JugendlichenpsychotherapeutInnen! (Sabine Maur)
  • Ein (Psychotherapeuten-)Leben als Suchender und „Grenzgänger“ (Klaus Fröhlich-Gildhoff)

Unter dem Titel des dritten Teils Tätigkeitsfelder von Kinder- und JugendlichenpsychotherapeutInnen und spezielle Behandlungsansätze/Schwerpunkte sind fünf Artikel vereint:

  • Kinder- und Jugendlichenpsychotherapie im Krankenhaus (Matthias Kapp)
  • Tätigkeit von Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeut*innen in einer Kinderschutzberatungsstelle (Julius Niebergall & Anette Gümbel)
  • Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeut*innen als Niedergelassene in der Psychotherapeutischen Praxis (Oliver Staniszewski)
  • „Geschlechtsdysphorie/Geschlechtsinkongruenz“ in der psychotherapeutischen Arbeit mit Jugendlichen und jungen Erwachsenen (Michael Bastian)
  • Mein Weg zur Traumabezogenen Spiel- und Bindungstherapie (Dorothea Weinberg)

Diskussion

Die Mehrzahl der Autor(innen) sind, dem Geschlechterverhältnis bei Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeut(inn)en einigermaßen gerecht werdend, Frauen. Außenstehenden, aber an der Kinder- und Jugendlichenpsychotherapie Interessierten sind eher wenige von ihnen bekannt: Peter Lehndorfer etwa, das Münchner Urgestein in der KJP-Professionalisierung oder die Hochschullehrer(innen) Michael Borg-Laufs, Klaus Fröhlich Gildhoff und Silke Gahleitner, die auf je eigene Weise seit Jahrzehnten an bestimmten Punkten einen wollen, was die Mode streng geteilt. Die „Mode“, das ist die Differenzierung auch der bundesdeutschen Gesellschaft in unterschiedliche Funktionssysteme mit je unterschiedlichen Gesetzesbündeln: SGB V hie, SGB VIII dort.

Vergleicht man frühere Publikationen der vier Vorgenannten mit den hier zu findenden Buchbeiträgen, wird wenig Neues sichtbar. Das gilt auch anderswo. Über systemische Kinder- und Jugendlichenpsychotherapie hat man Vergleichbares wie bei Reinert Hanswille schon anderswo gelesen und selbst Nitza Katz-Bernsteins „Integrative Therapie für Kinder und Jugendliche“ ist „Eingeweihten“ schon vertraut. Aber eben dieses letzte Beispiel zeigt auch: Originalität kann nicht der einzige, ja noch nicht einmal der vorrangige Bewertungsmaßstab für die Güte des vorliegenden Buches sein. Vielleicht muss man das Buch als ein Stück Selbstvergewisserung des bkj lesen. Oder als dessen Darstellung des state of the art.

Eine solche ist ja immer auch an Außenstehende adressiert. Denen muss es so scheinen, als sei das in vielen Artikeln implizit unterbreitete Beziehungsangebot dieses: Schleich Dich! Ich zitiere zur Illustration dieser Einschätzung zwei Passagen aus einem einzigen Buchbeitrag. Die Textpassagen sind typisch, der Buchbeitrag exemplarisch und die Autorin, Sabine Maur, nicht „irgendwer“. Da liest man zunächst: „In der KBV-Vertragswerkstatt wurde hier von verschiedenen Verbänden (DPtV, VAKJP, BKJPP) ein interessantes Kooperations-Modell zwischen KinderpsychiaterInnen und KJP ausgearbeitet, von dem man nur hoffen kann, dass es auch eines Tages seinen Weg in die Versorgungsrealität findet.“ (S. 193). Alles klar? Wenn nicht, darf man sich dringlich darauf hingewiesen fühlen, nicht „dazu“ zu gehören. Keine der hier verwendeten Abkürzungen wurde zuvor auch nur ein einziges Mal erläutert.

Vielleicht ist man und frau schon vorher ausgestiegen. So etwa bei diesem Buchbeitrag eine Seite zuvor bei folgender Textstelle: „Als ich für den KJP-Artikel von Peter Lehndorfer und mir recherchierte, den wir im Dezember 2017 im PTJ veröffentlichten …“ (S. 192) Verehrte Leserin, verehrter Leser, Sie wissen nicht was „PTJ“ bedeutet? Ja, dann sind Sie hier fehl am Platz. Sie erwarten gar, dass sich im Literaturverzeichnis – gnädigerweise! – als aufklärende Information ein Literaturnachweis (hier ist er: Maur & Lehndorfer, 2017) fände? Welch törichtes Ansinnen! Schleicht‘s Euch! Solche Botschaft sollte frau und man ernst nehmen, sonst heißt es hinterher, man und frau sei auf dem Beziehungs-Ohr taub.

Und frau und man verschone den bkj, die Herausgeber(innen) des vorliegenden Buches oder die dort vertretene Autor(inn)en mit Fragen, die noch Fernerstehende an die deutsche Kinder- und Jugendlichenpsychotherapie bzw. deren Akteurinnen und Akteure zu stellen hätten. Etwa jene, die den Gebildeten unter den Wenig- bis Nicht-Kennern nach Lektüre des ZEIT-Artikels „Das kranke System des Doktor F.“ (Aisslinger & Lebert, 2018) kamen. In dem Artikel wird, ohne dass dies bis heute untersagt wäre, berichtet vom Treiben des Dr. med. Hermann Fahrig, das man zusammenfassend als „sexualisierte Gewalt“ bezeichnen darf. Hermann Fahrig war 1975–1993 Leiter des Instituts für analytische Kinder- und Jugendlichenpsychotherapie Heidelberg e.V. (vgl. die Institutsangaben zur Causa unter www.akjp-hd.de/das-institut/historie/), Leiter der dortigen Ausbildungsstelle, Organisator des Curriculums, Lehranalytiker und Supervisor. Zu seinen Opfern gehörten auch Patientinnen und Ausbildungskandidatinnen.

Der (Lehr-)Therapeut Herrmann Fahrig ist doch ebenso wenig ein Einzelfall wie der in der wenig entfernt liegenden Odenwaldschule in Ober-Hambach (OSO) als Lehrer und Schulleiter agierende Pädokriminelle Gerold Becker. Der „OSO-Skandal“ wird bis heute, auch teilweise unterstützt durch die OSO (bis zu ihrer Auflösung) und der Vereinigung der Landerziehungsheime, vorbildlich aufgearbeitet (Brachmann u.a., 2019; Keupp u.a., 2019). Über sexualisierte Gewalt in Psychotherapie und Psychotherapieausbildung, über die begünstigenden strukturellen Faktoren und die Beschützer im Hintergrund, kurz: das Tätersystem, wird bis heute weitgehend bis völlig geschwiegen. Auch im vorliegenden Buch.

Fazit

Das vorliegende Buch dürfte für alle Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeut(inn)en Deutschlands, auch die in Ausbildung befindlichen, von erheblicher Attraktivität sein. Zumindest für jene, die bkj-Mitglied sind und diese Mitgliedschaft nicht als – aus berufsständischen Gründen – notwendiges Übel ansehen, ihr Heil indessen in ihrer jeweiligen „schulischen“ Heimat sehen. Den einen wie den anderen braucht man das Buch nicht zu empfehlen, den ersten nicht, weil es unnötig, den zweiten nicht, weil es unnütz wäre.

Und wie steht es mit möglichen „außenstehenden“ Leser(inne)en? Dazu erlaube ich mir kein Urteil. Was ich aber empfehle, weil es einigen Sinn macht: An Hochschulen, an denen Frauen und Männer studieren mit der Absicht, eines Tages Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeut(in) zu sein, sollte das Buch in der Bibliothek in mindestens zwei Exemplaren, eines davon reserviert für den freien Leihverkehr, vorhanden sein. Es gibt zu wenige Bücher über Kinder- und Jugendlichenpsychotherapie in Deutschland, als dass man das vorliegende Buch – bei aller Kritik – außer Acht lassen könnte.

Literatur


Rezensent
Prof. Dr. Dr. Hans-Peter Heekerens
Hochschullehrer i.R. für Sozialarbeit/Sozialpädagogik und Pädagogik an der Hochschule München
Homepage de.wikipedia.org/wiki/Hans-Peter_Heekerens
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Zitiervorschlag
Hans-Peter Heekerens. Rezension vom 19.06.2019 zu: Marion Schwarz, Albert Matthias Fink, Jürgen Hardt, Michael Bastian, Désirée Beumers u.a.: Konzepte, Erfahrungen und Perspektiven der Kinder- und Jugendlichenpsychotherapie. Facetten eines Heilberufs. Psychosozial-Verlag (Gießen) 2019. ISBN 978-3-8379-2848-8. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/25535.php, Datum des Zugriffs 16.10.2019.


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ISSN 2190-9245

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