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Oliver Stengel, Alexander van Looy u.a. (Hrsg.): Digitalzeitalter - Digitalgesellschaft

Cover Oliver Stengel, Alexander van Looy, Stephan Wallaschkowski (Hrsg.): Digitalzeitalter - Digitalgesellschaft. Das Ende des Industriezeitalters und der Beginn einer neuen Epoche. Springer VS Verlag für Sozialwissenschaften (Wiesbaden) 2017. 252 Seiten. ISBN 978-3-658-16508-6. D: 34,99 EUR, A: 35,97 EUR, CH: 36,00 sFr.
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Thema & Zielsetzung

Das Thema des Buches ist die Betrachtung des Zeitalters, in dem wir heutzutage leben bzw. die Betrachtung der damit einhergehenden gesellschaftlichen Charakteristika im Digitalzeitalter. Dabei stellen die Autoren den Weg vom Industriezeitalter bis hin in die aktuelle Epoche unter verschiedenen Blickwinkeln dar. Diese Entwicklung macht keineswegs in der Arbeitswelt oder der Produktionsweise halt, sondern zieht sich durch alle Facetten der Gesellschaft. Die Autoren spüren dem nach und decken bestimmte Aspekte der Digitalisierung auf.

Herausgeber bzw. Autor*innen:

Dr. Oliver Stengel studierte Geistes- und Sozialwissenschaften an der Universität Heidelberg und Jena und promovierte schließlich in Soziologie bei Prof. Dr. Stephan Lessenich. Er war/ ist wissenschaftlicher Mitarbeiter in Jena und Wuppertal und Lehrbeauftragter an der FH Münster.

Alexander van Looy studierte Nachhaltige Entwicklung in Bochum und arbeitet im Projektmanagement bei der uppr GmbH. Sein Schwerpunkt liegt auf nachhaltigen und digitalen Geschäftsmodellen.

Stephan Wallaschkowski studierte in Bochum BWL, VWL und Soziologie und ist Koordinator für Nachhaltigkeitslehre und wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Hochschule Bochum.

Neben den Herausgebern, die ebenso Autoren des Buches sind, haben noch Manuel Moritz, Elena Niehuis, Tobias Redlich, Bernd Vowinkel und Stephanie Wulf als Autoren mitgewirkt.

Aufbau und Inhalt

Das Buch gliedert sich nach einem Vorwort der Herausgeber und einer Einleitung in neun einzelne Beiträge der verschiedenen Autoren, die über jeweils ein Thema im Zusammenhang mit der Entwicklung der Digitalisierung bzw. der Digitalgesellschaft referieren. Abgerundet wird das Buch schließlich durch einen zehnseitigen Schlussteil der Herausgeber. Dabei führen die Autoren beständig statistische und wissenschaftliche Daten ins Feld und bedienen sich zahlreicher Literaturquellen.

Die 15-seitige Einleitung der Herausgeber gibt einen ersten Einblick über die Entwicklungen und Errungenschaften unserer digitalen Gesellschaft. Hier fallen Schlagworte wir Internet, Industrialisierung 4.0, bevor sich die Autoren in die „Abgründe“ der Geschichte begeben und sich der Gesellschaft von Jägern und Sammlern sowie der Agrargesellschaft widmen. Sie unternehmen eine kleine Zeitreise durch die Epochen und fokussieren schließlich auf neuere Entwicklungen wie Teilchenbeschleuniger, die Entschlüsselung des Erbguts, Cybercrime und Viren. Am Ende führen sie kurz in die Inhalte der einzelnen Kapitel ein.

Das zweite Kapitel „Zeitalter und Revolutionen“ stammt von Oliver Stengel und gliedert sich wiederum in drei Unterkapitel: „Die Neolithische Revolution und die Agrargesellschaft“, „Die Industrielle Revolution und die Industriegesellschaft“ und „Die Digitale Revolution und die Digitalgesellschaft“. Die Autoren beginnen ihre Betrachtung somit im wahrsten Sinne des Wortes in der Steinzeit und mit der Herstellung und Anwendung von Werkzeugen, die über Jahrtausende ganz und gar nicht digital war. Schließlich kommt der Autor bei der industriellen Revolution an, die er als eine Energierevolution darstellt und somit den Grundstein für jegliche Digitalisierung legt. Auch der enorme Unterschied in der Geschwindigkeit der Entwicklungen wird hier bereits deutlich.

Im nächsten Kapitel widmet sich Alexander van Looy dem „Digitalen Raum“. Es beinhaltet Unterkapitel über „Die erweiterte Realität“, „Die virtuelle Realität“ sowie einen Ausblick in das, was noch kommen wird bzw. könnte. Kontext ist dabei primär die Erweiterung der eigenen Fähigkeiten des Menschen, die durch die Menschheitsgeschichte hinweg durch die Nutzung von Werkzeugen stattfand. Auch der Cyberspace stellt letztendlich eine solche Erweiterung des Menschen dar, dessen Entwicklung nicht abzusehen ist.

Oliver Stengel gibt als Nächstes dem Leser einen Überblick über den „Mensch im Digitalzeitalter: Sapiens 2.0“. Er führt das Kapitel mit der Evolution bzw. Evolutionstheorie ein und nennt einige (r-)evolutionäre Details und referiert dann darauf aufbauend Daten über die „Lebenserwartung“, deren stetiges Steigen er darstellt. Schließlich widmet er sich dem „Enhancement“-Gedanken und geht damit auf die (Un-) Endlichkeit der Leistung des Menschen ein. Abgerundet wird das Kapitel von philosophischen Überlegungen über „Die Natur des Menschen und die Ethik der Cyborgs“.

Digitale Intelligenz“ steht im Fokus des fünften Kapitels von Bernd Vowinkel. Hier setzt sich der Autor zunächst kurz mit dem Terminus der Intelligenz auseinander und widmet sich daran anschließend den Entwicklungsschritten der Soft- und Hardwareentwicklung in den letzten Jahrzehnten, um sich dann mit „Robotik“ und anderen angrenzenden Themen kurz auseinander zu setzen. Dabei sieht er natürliche Grenzen der biologischen Intelligenz, wohingegen er eine unbegrenzte künstliche Intelligenz darstellt und dies durch die Entwicklungsschritte von Transistoren in Mikroprozessoren belegt.

Stephan Wallaschkowski und Elena Niehuis bestreiten gemeinsam das folgende sechste Kapitel über den digitalen Konsum und beginnen es mit einigen ausgewählten Daten über den Konsum im vor-digitalen Zeitalter. Sie zeichnen die Entwicklungslinien des Konsumwandels in der industriellen im Vergleich zur heutigen digitalen Gesellschaft nach. Ein Haltepunkt ist dabei der Beginn des Massenkonsums in den 1930-er Jahren sowie die Globalisierung und der „Wandel vom Versorgungs- zum Erlebniskonsum“. Dabei ist die Dematerialisierung des Konsums nur ein Aspekt.

Tobias Redlich, Manuel Moritz und Stefanie Wulf beschäftigen sich im darauffolgenden Kapitel mit dem Thema „Digitale Produktion: Bottom-up-Ökonomie“. Recht kleinschrittig thematisieren sie hierbei die Aspekte der Wertschöpfung in der industriellen Gesellschaft im Kontrast zur digitalen. Offene und dezentrale Produktions- und Wertschöpfungsformen bzw. -plattformen und -netzwerke nehmen dabei die zentrale Rolle ein.

Die Soziale Frage im Digitalzeitalter“ stellt im Anschluss Oliver Stengel. Hier fokussiert er auf die „Zukunft der Arbeit“ und damit verbundene Phänomene und Probleme wie Automatisierung und Arbeitslosigkeit. „Gesellschaft ohne Arbeit“ ist daher ein charismatischer Titel eines der Unterkapitel.

Auch die Thematik der Ökologie wird neben dem hohen Gewicht der Ökonomie keineswegs vergessen und von Oliver Stengel im neunten Kapitel gestellt. Hier werden u.a. die Folgen der Industrialisierung (Luftverschmutzung, Aufbrauchen der Ressourcen) deutlich.

Die Stadt im Digitalzeitalter“ stellt ein lebensweltlich orientiertes Kapitel am Ende des Buches dar. Oliver Stengel setzt sich hier mit den Aspekten des Verkehrs, der Gebäude und der städtischen Beleuchtung auseinander und endet mit der Frage nach der Partizipation.

Am „Schluss“ wird das Geschrieben von den Herausgebern noch einmal rekapituliert und kontextuell besichtigt.

Zielgruppe

Die Zielgruppe wird von den Herausgebern bzw. Autoren nicht klar benannt. Nichtsdestotrotz spricht das Buch eine breite Zielgruppe an. Sowohl diejenigen, deren Leidenschaft es ist, sich mit den Strömungen unserer Gesellschaft auseinanderzusetzen als auch diejenigen, die beruflich damit betraut sind dürfte das Buch ansprechen. Dabei ist es zweitrangig, mit welchem akademischen Background der Leser sich dem Buch nähert.

Diskussion und Fazit

Das Buch über das Digitalzeitalter und die Digitalgesellschaft stellt einen äußerst spannenden, wissenschaftlich enorm fundierten und nahezu „ganzheitlichen“ – zumindest aber multiperspektivischen – Beitrag zu einer gesellschaftlichen Entwicklung dar, die bislang ihres gleichen sucht. Keine Revolution fand bislang in einer solch hohen Geschwindigkeit und einer solch enormen nahezu weltweiten Verbreitung statt wie die Digitalisierung. Darüber hinaus wird durch eine „ganzheitliche“ oder zumindest facettenreiche Betrachtung des Themas deutlich, in welche Bereiche unseres Lebens die Digitalisierung bereits eingedrungen ist.

Das Buch liefert spannenden Erkenntnisse über eine nicht nur soziologisch hoch interessante Thematik und beleuchtet sie aus verschiedenen Perspektiven und Kontexten. Es liefert dem interessierten Leser eine exzellente Möglichkeit, disziplinübergreifend einmal über sich und seine Umwelt, in der man lebt, nachzudenken.


Rezensent
Prof. Dr. med. et Dr. disc. pol. Andreas G. Franke
M.A. Professur für Medizin in Sozialer Arbeit, Bildung und Erziehung. Hochschule der Bundesagentur für Arbeit Mannheim
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Zitiervorschlag
Andreas G. Franke. Rezension vom 17.04.2019 zu: Oliver Stengel, Alexander van Looy, Stephan Wallaschkowski (Hrsg.): Digitalzeitalter - Digitalgesellschaft. Das Ende des Industriezeitalters und der Beginn einer neuen Epoche. Springer VS Verlag für Sozialwissenschaften (Wiesbaden) 2017. ISBN 978-3-658-16508-6. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/25573.php, Datum des Zugriffs 24.08.2019.


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