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Karin Grossmann, Klaus E. Grossmann: Bindungen - das Gefüge psychischer Sicherheit

Cover Karin Grossmann, Klaus E. Grossmann: Bindungen - das Gefüge psychischer Sicherheit. Klett-Cotta Verlag (Stuttgart) 2006. 3. Auflage. 672 Seiten. ISBN 978-3-608-94097-8. 42,00 EUR, CH: 72,00 sFr.
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Das Thema

Nach Aussage der Autoren ist dieses Buch die Darstellung einer Lebensarbeit, Ergebnis einer dreißigjährigen Bindungsforschung. Abgehandelt werden Bindungen als Theorie für das Gefüge psychischer Sicherheit im Erleben und im Austausch von Menschen.

Die Autoren

Dr. Karin Grossmann ist Dipl.-Psychologin und arbeitete als Wissenschaftlerin an der Universität Regensburg. Ihr Mann Dr. Klaus E. Grossmann war Professor am Institut für Psychologie der Universität Regensburg. 

Der Inhalt

Im Buch finden sich für mich als Leser vier große, materialreich belegte Stränge:

  1. Im ersten Strang stellen Grossmann und Grossmann ihre Sicht der historischen, biologischen und bindungspsychologischen Grundlagen dar. Darauf aufbauend wird die Bindungsforschung im Säuglingsalter und die im Kleinkindalter vorgestellt. In Angrenzung einer früheren Tendenz, Väter mit Müttern zu vergleichen und dann das schlechtere Abschneiden der Väter festzustellen, zeigen die Autoren auf, welche eigenständige Bindungsqualität zwischen Vätern und Kindern möglich ist.
  2. Der zweite Strang widmet sich der Bindungsqualität im Vorschulalter und der Internalisierung von Bindungserfahrungen. Hier wird - gestützt auf Beobachtungen im Labor und zu Hause - herausgearbeitet, wie Bindungserfahrungen den Umgang mit negativen Gefühlen und sozialen Anforderungen beeinflussen. Darauf folgen Ausführungen zu Bindungen zu Beginn des Schulalters  und in der mittleren Kindheit. Hier werden zentral die Bewältigung von Entwicklungsaufgaben und das Verhältnis der psychischen Sicherheit der Kinder behandelt.
  3. Der dritte Strang thematisiert das Konzept der Internalen Arbeitsmodelle, das Bindungsverhalten im Jugendalter sowie Bindung und Partnerschaftserwartungen im Erwachsenenalter. Hier werden schwerpunktmäßig Untersuchungsergebnisse aus den Bielefelder und Regensburger Langzeitstudien vorgestellt.
  4. In einem kleinen vierten und letzten Strang ziehen die Autoren ein Resümee. Ausgehend von der Vorstellung, Bindung als Organisationsprinzip in der emotionalen und kognitiven Entwicklung zu begreifen, stellen sie abschließend ihre "roten Fäden" in ihren Forschungsergebnissen heraus.

Zielgruppen

Es ist zum einen ein interessantes und sehr lesenswertes Buch für alle Leser/-innen, die sich vertieft mit Bindungsfragen beschäftigen wollen. Zum anderen ist es denjenigen zu empfehlen, die beraterisch oder therapeutisch mit Menschen arbeiten, da es sicherlich zu einem tieferen Verständnis von Loyalitäts- und Abhängigkeitsverhalten beitragen kann.

Fazit

Beeindruckend ist für mich an diesem Buch die Fülle von wissenschaftlich validem Material aus ihren langjährigen Untersuchungen, die die Autoren in einer klaren, verständlichen Sprache darstellen. Im Gegensatz zu einer Tendenz, Bindung nur als einen Aspekt früher Kindheit zu betrachten, zeigt dieses Buch, wie Bindungserfahrungen weitaus mehr unser gesamtes Leben mit beeinflussen.


Rezension von
Prof. i.R. Dr. Peter Bünder
Vormals Hochschule - University of Applied Sciences - Düsseldorf, Lehrgebiet Erziehungswissenschaft am Fachbereich Sozial- und Kulturwissenschaften
Homepage www.systemische-praxis-bruehl.de
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Anmerkung der Redaktion: Die Rezension basiert auf der 1. Auflage aus dem Jahr 2004.


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Zitiervorschlag
Peter Bünder. Rezension vom 24.05.2005 zu: Karin Grossmann, Klaus E. Grossmann: Bindungen - das Gefüge psychischer Sicherheit. Klett-Cotta Verlag (Stuttgart) 2006. 3. Auflage. ISBN 978-3-608-94097-8. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/2562.php, Datum des Zugriffs 11.07.2020.


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