socialnet - Das Netz für die Sozialwirtschaft

Heinz-Gert Papenheim, Joachim Baltes u.a.: Verwaltungsrecht für die soziale Praxis

Cover Heinz-Gert Papenheim, Joachim Baltes, Ingo Palsherm, Rainer Kessler: Verwaltungsrecht für die soziale Praxis. Ein Handbuch für Sozialberufe. Fachhochschulverlag (Frankfurt am Main) 2018. 26. Auflage. 528 Seiten. ISBN 978-3-943787-97-9. D: 22,00 EUR, A: 22,70 EUR.

Reihe: Fachhochschulverlag - Band 15.
Inhaltsverzeichnis bei der DNB
Recherche bei DNB KVK GVK

Besprochenes Werk kaufen
über socialnet Buchversand


Thema

„Ein Handbuch für Sozialberufe“, so der Untertitel, ist das „Verwaltungsrecht für die soziale Praxis“ begründet von Papenheim. Es stellt geordnet das Recht der Verwaltung, das für Sozialberufe wesentlich ist, zusammen und kann als Nachschlagewerk genutzt werden. Recht wird in der praktischen Arbeit von Sozialarbeiter*innen benötigt. Einerseits sichert es die Qualität der eigenen Arbeit rechtlich ab, die in vielen Fällen z.B. im Jugendamt zudem über Verwaltungsverfahren umzusetzen ist. Andererseits geht es darum Klienten, oft sozial Schwache, bei der Durchsetzung ihrer Rechte zu unterstützen.

Entstehungshintergrund und AutorInnen

In der 26. Auflage ist Susanne Dern als Autorin ausgeschieden und Rainer Kessler hinzugekommen. Kessler verantwortet die Kapitel Sozialarbeit/Sozialpädagogik im demokratischen Rechts- und Sozialstaat und Träger der Freien Wohlfahrtspflege (A, E). Baltes hat die verwaltungsnahen Kapitel zum Verhältnis von Gesetzgebung und Verwaltung und zur kommunalen Selbstverwaltung übernommen, sowie die Kapitel Haftung, Rechtsschutz und Öffentliche Sachen (B-D, M-O). Palsherm verantwortet die Kapitel zum Sozialleistungsrecht und Verwaltungsverfahren im engeren Sinne (F-L).

Aufbau und Inhalt

Für das Inhaltsverzeichnis würde man sich bereits die den Kapiteln vorangestellten detaillierteren Kapitelinhaltsverzeichnisse wünschen. (So bereits Schörnig zur Vorauflage in ihrer Rezension auf socialnet) Der Zugriff auf die Themen wird aber auch durch ein Stichwortverzeichnis ermöglicht und durch die grün gedruckten Stichworte am Rand der Texte, womit das Buch seinem Charakter als Nachschlagewerk gerecht wird.

Grafische Darstellungen nutzt das Handbuch dagegen selten. Verständnis der Materie erreicht das Werk durch das unmittelbare Nebeneinander von Erläuterungen zum Recht, Erklärungen und Beispielen. Zusammen mit den präzisen Quellenangaben im Text und dem Literaturverzeichnis gewinnt das Handbuch eine Tiefe, die über übliche Ausbildungsliteratur hinaus geht.

Diskussion

Gelungen ist diese 26. Auflage des Handbuches wiederum, weil sie wichtige aktuelle Entwicklungen praxisnah einordnet und Bezüge zu anderen Rechtsgebieten zieht.

So bezieht Kessler sich für die Frage der aus Grundrechten abgeleiteten Schutzpflichten des Staates auf die Abweisung der Klage von zukünftig Pflegebedürftigen gegen den Pflegenotstand durch das Bundesverfassungsgericht, das keine evidente Pflichtverletzung des Gesetzgebers vorgetragen sah. Auch das BTHG als Beispiel, dass die Sozialgesetze wichtige Verbesserungen für Menschen mit Krankheiten, Behinderungen oder Pflegebedarfen bringen ist einbezogen. Dass nicht immer alle neusten Urteile verarbeitet werden, ermöglicht es das Handbuch nicht zum Kommentar aufzublähen und praxiszentriert zu bleiben.

Baltes erläutert die Bindung der Verwaltung an die Grundrechte und bezieht dazu auch ein, dass das Recht auf Familienzusammenführung nicht in das Belieben der EU-Mitgliedsstaaten gestellt ist nach einem Urteil des EUGH vom 12.4.2018 und bietet einen Exkurs zum Aufenthaltsrecht bis hin zum Kirchenasyl. Die Grenzen der Professionen werden ausgelotet, z.B. wenn im Kapitel Gesetzesbindung der Verwaltung auf den sozialarbeiterischen und pädagogischen Beurteilungsspielraum erläutert wird, den die Rechtsprechung bei psychosozialen fachlichen Prognosen anerkennt.

Palsherm gelingt es in seinen fast 70 Seiten zu Schweigepflicht und Datenschutz die Materie vom Straf- und Prozessrecht über den Sozialdatenschutz mit einem Schwerpunkt zum Datenschutz in der Kinder- und Jugendhilfe bis hin zum Datenschutz durch freie Träger umfassend und praxisnah zu präsentieren. Hierbei zeigt sich die Verwobenheit der Rechtsgebiete mit der die Praxis umzugehen hat und der das Handbuch gerecht wird, während Literatur, die einzelne Rechtsgebiete abarbeitet letztlich nur erste Orientierungshilfe bietet.

Fazit

Sozialpolitik wird über Recht verwirklicht und diesen Bezug zum tatsächlichen „Auch-Recht-Kriegen“ liefert das Handbuch durch seine unzähligen Beispiele, im Durchschnitt mindestens eines pro Seite. Unbedingte Kaufempfehlung für Sozialarbeiter*innen, Pädagog*innen, egal ob als Mitarbeitende in Behörden oder bei freien Trägern. Auch Jurist*innen sei das Buch empfohlen, weil es die Fallbezüge umfangreich mitliefert, die juristischer Literatur eher fehlen.


Rezensentin
Prof. Dr. Judith Dick
Schwerpunkte in Lehre und Forschung: * Praxisprojekte und Forschung zur Rechtsberatung in der Sozialen Arbeit, insb. Schulden- und Insolvenzberatung;* Grundsicherung für Arbeitslose (SGB II); Sozialrecht und Rechtswirklichkeit; Rechtspluralismus
Homepage www.eh-berlin.de/hochschule/lehrende-an-der-ehb/hau ...
E-Mail Mailformular


Alle 1 Rezensionen von Judith Dick anzeigen.

Besprochenes Werk kaufen
Sie fördern den Rezensionsdienst, wenn Sie diesen Titel – in Deutschland versandkostenfrei – über den socialnet Buchversand bestellen.


Zitiervorschlag
Judith Dick. Rezension vom 23.04.2019 zu: Heinz-Gert Papenheim, Joachim Baltes, Ingo Palsherm, Rainer Kessler: Verwaltungsrecht für die soziale Praxis. Ein Handbuch für Sozialberufe. Fachhochschulverlag (Frankfurt am Main) 2018. 26. Auflage. ISBN 978-3-943787-97-9. Reihe: Fachhochschulverlag - Band 15.
Inhaltsverzeichnis bei der DNB In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/25620.php, Datum des Zugriffs 24.06.2019.


Urheberrecht
Diese Rezension ist, wie alle anderen Inhalte bei socialnet, urheberrechtlich geschützt. Falls Sie Interesse an einer Nutzung haben, treffen Sie bitte vorher eine Vereinbarung mit uns. Gerne steht Ihnen die Redaktion der Rezensionen für weitere Fragen und Absprachen zur Verfügung.


socialnet Rezensionen durch Spenden unterstützen
Sie finden diese und andere Rezensionen für Ihre Arbeit hilfreich? Dann helfen Sie uns bitte mit einer Spende, die socialnet Rezensionen weiter auszubauen: Spenden Sie steuerlich absetzbar an unseren Partner Förderverein Fachinformation Sozialwesen e.V. mit dem Stichwort Rezensionen!

Zur Rezensionsübersicht

Hilfe & Kontakt Details
Hinweise für

Bitte lesen Sie die Hinweise, bevor Sie Kontakt zur Redaktion der Rezensionen aufnehmen.
rezensionen@socialnet.de

ISSN 2190-9245

Newsletter bestellen

Immer über neue Rezensionen informiert.

Newsletter

Über 13.000 Fach- und Führungskräfte informieren sich monatlich mit unserem kostenlosen Newsletter über Entwicklungen in der Sozialwirtschaft.

Gehören Sie auch schon dazu?

Jetzt kostenlosen Newsletter abonnieren!

socialnet optimal nutzen!

Recherchieren

  • Rezensionen liefern den Überblick über die aktuelle fachliche Entwicklung
  • Materialien bieten kostenlosen Zugang zu aktuellen Fachpublikationen
  • Lexikon für die schnelle Orientierung und als Start für eine vertiefende Recherche
  • Sozial.de für tagesaktuelle Meldungen

Publizieren

  • wissenschaftliche Arbeiten
  • Studien
  • Fachaufsätze

erreichen als socialnet Materialien schnell und kostengünstig ihr Publikum

Stellen besetzen
durch Anzeigen im socialnet Stellenmarkt

  • der Branchenstellenmarkt für das Sozial- und Gesundheitswesen
  • präsent auf führenden Fachportalen
  • schnelle und preiswerte Schaltung
  • redaktionelle Betreuung