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Rainer Patjens, Tina Patjens: Sozialverwaltungsrecht für die Soziale Arbeit

Cover Rainer Patjens, Tina Patjens: Sozialverwaltungsrecht für die Soziale Arbeit. Nomos Verlagsgesellschaft (Baden-Baden) 2018. 2. Auflage. 221 Seiten. ISBN 978-3-8487-3864-9. 22,00 EUR.

Reihe: Kompendien für Studium, Praxis und Fortbildung.
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Thema

Verwaltungsrecht ist für die Soziale Arbeit in vielen Handlungsfeldern wichtig, von der Arbeit im Jugendamt über die durch Eingliederungshilfe finanzierte Arbeit mit Menschen mit Behinderungen bis zur spezialisierten Sozialberatung. Daher ist es regelmäßiger Inhalt in den Studiengängen der Soziale Arbeit.

Dies ist ein Kurzlehrbuch zum Allgemeinenen Sozialverwaltungsrecht: SGB I, SGB X und SGG und die VwGO. Es ist also kein Kommentar, auch kein Handbuch wie zum Beispiel das Verwaltungsrecht für die Soziale Praxis von Papenheim (u.a.) das inhaltlich breiter angelegt ist und auch die Bezüge zu anderen Rechtsgebieten mit behandelt und vertiefend Bezüge zur Lebenslage herstellt.

Autor

Rainer Patjens ist Professor für Recht in der Sozialen Arbeit und Leiter eines Kinder- und Jugendarbeit-Studiengangs, was man dem Buch auch an zahlreichen Beispielen aus der Kinder- und Jugendhilfe anmerkt.

Entstehungshintergrund

Die 2. Auflage berücksichtigt Gesetzesänderungen bis Ende 2017 und die EU-DSGVO 2018 und soll als Lehrbuch Studierenden zur Vertiefung und Prüfungsvorbereitung dienen, aber auch Praktikern als Nachschlagewerk.

Aufbau und Inhalt

Mit einer Einführung in das Rechtssystem in Teil I und II bedient das Lehrbuch auch Studierende des 1. Semesters, wobei auch die Behördenorganisation auf insgesamt 14 Seiten wie in jeden Kapitel inklusive Kontrollfragen und Lösungsvorschlägen abgehandelt wird. Manches Beispiel in den Teilen III bis VI zum Kerngebiet des Sozialverwaltungsrecht und zum Sozialdatenschutz reicht schon weit ins Kinder- und Jugendhilferecht oder andere Sozialrechtsgebiete hinein. Dabei ist z.B. nach einer Übersicht über verschiedene Handlungsformen der Verwaltung, der Verwaltungsakt ausführlicher erläutert und wird anschließend der Kapitelinhalt über 15 Fragen einschließlich zweier Behördenschreiben abgefragt und auf 4 Seiten Lösungen vorgeschlagen.

Teil VII und X zu Verwaltungsfehlern und Aufhebung von Verwaltungsakten sind eher aus Behördensicht geschrieben, während Teil VIII zum Rechtsschutz eher die anwaltliche Perspektive einnimmt. Abgerundet wird dies durch ein Kapitel zu den Grundzügen der Staatshaftung, das Amtshaftung, Herstellungs- und Folgenbeseitigungsanspruch auf 8 Seiten reduziert und dazu noch 4 Seiten Fragen und Lösungsvorschläge liefert. Die Kapitel bieten zudem gelungene grafische Übersichten, um das Wichtigste auf einen Blick erfassen zu können.

Diskussion

Mit seiner strukturgebenden Themenaufteilung und guten Grafiken zur Übersicht, gelingt dem Werk eine Grundlegung in dem für Studierende unübersichtlichen Sozialverwaltungsrecht. Dabei bleibt es auch im Umfang ausgesprochen studierendenfreundlich, was durch Beispiele und Erläuterungen zur Funktion der Regelungen zusätzlich gewährleistet wird.

Für eine vertieftes Verständnis mit Bezügen zu anderen Rechtsgebieten sollte dagegen auf umfangreichere Literatur zurückgegriffen werden. Zudem kommt der Antrag zur Einleitung des Verwaltungsverfahrens weder im Stichwortverzeichnis noch im Inhaltsverzeichnis vor und wird in Zusammenhang mit der Verfahrenseinleitung (weniger als einer Seite, S. 97) abgehandelt. Daran zeigt sich, dass das Werk eher aus der Behördenperspektive gedacht ist und eine Möglichkeit der Praxis der Sozialen Arbeit gestaltend auf die behördliche Sozialverwaltung einzuwirken hier etwas zu kurz kommt. Den Spagat der interprofessionellen Bearbeitung erfordert für die Soziale Arbeit die juridische, verwaltende und anwaltliche Perspektive mit dem Lebenslagenblick zu kombinieren.

Es ist ein Grundproblem des Sozialverwaltungsrechts, dass es als Querschnittsmaterie auf die Bezüge zu den verschiedenen Sozialrechtsgebieten angewiesen ist, um lebensnah am Fall ansetzen zu können. Dies gelingt in den zahlreichen Beispielen. Eine strukturelle Lösung findet dafür z.B. das unvergleichlich umfangreichere „Handbuch Sozialrechtsberatung“ von Fasselt u.a. (Hg.) mit seinem Teil II, in dem in 11 Kapitel aus den Lebens- und Problemlagen wie z.B. „Kinder/Jugendliche“ heraus der Zugang zum Recht behandelt wird.

Fazit

Das „Sozialverwaltungsrecht für die Soziale Arbeit“ ist eher aus Verwaltungssicht geschrieben und sehr gut geeignet für einen strukturierten Einstieg in SGB I, SGB X und SGG. Es bietet Studierenden mit Überblicksgrafiken, Beispielen, klaren Fragen und Lösungen sehr gute Lernmaterialien.


Rezensentin
Prof. Dr. Judith Dick
Schwerpunkte in Lehre und Forschung: * Praxisprojekte und Forschung zur Rechtsberatung in der Sozialen Arbeit, insb. Schulden- und Insolvenzberatung;* Grundsicherung für Arbeitslose (SGB II); Sozialrecht und Rechtswirklichkeit; Rechtspluralismus
Homepage www.eh-berlin.de/hochschule/lehrende-an-der-ehb/hau ...
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Zitiervorschlag
Judith Dick. Rezension vom 18.06.2019 zu: Rainer Patjens, Tina Patjens: Sozialverwaltungsrecht für die Soziale Arbeit. Nomos Verlagsgesellschaft (Baden-Baden) 2018. 2. Auflage. ISBN 978-3-8487-3864-9. Reihe: Kompendien für Studium, Praxis und Fortbildung.
Inhaltsverzeichnis bei der DNB In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/25621.php, Datum des Zugriffs 24.07.2019.


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