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Rene Noack, Peter Beiling: Motivationale Methoden

Cover Rene Noack, Peter Beiling: Motivationale Methoden. Techniken der Verhaltenstherapie. Beltz Verlag (Weinheim, Basel) 2019. 169 Seiten. ISBN 978-3-621-28562-9. D: 26,95 EUR, A: 27,70 EUR, CH: 37,10 sFr.

Reihe: Techniken der Verhaltenstherapie. Mit E-Book inside und Arbeitsmaterial.
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Autoren

Dr. rer. medic René Noack ist Psychologe und Leiter der Abteilung Intervention an der Klinik und Poliklinik für Psychotherapie und Psychosomatik am Universitätsklinikum Carl Gustav Carus in Dresden. Er forscht zum Thema Sucht- und Angsterkrankungen, Psychotherapieerfolg und therapeutische Beziehung.

Peter Beiling ist Psychologe, zum Zeitpunkt der Publikation Doktorand und Mitarbeiter in der Abteilung Intervention.

Die Reihe „Techniken der Verhaltenstherapie“ im Beltz-Verlag wird von Dr. Peter Noack herausgegeben.

Entstehungshintergrund

Die Autoren möchten Psychotherapeutinnen und -therapeuten in Ausbildung sowie Professionellen aus Psychotherapie und Beratung motivationale Prozesse in klinischen Kontexten, Methoden und Arbeitsmittel für die Förderung der Therapiemotivation nahebringen.

Aufbau

Die Publikation umfasst eine Inhaltsübersicht, ein Inhaltsverzeichnis, knapp 130 Seiten Text, 25 Seiten Anhang, ein Literaturverzeichnis und ein Sachwortverzeichnis.

Teil 1 bespricht in 2 Kapiteln Grundlagen zum Thema. Teil 2 stellt in 7 Kapiteln Therapietechniken für die Praxis vor. Im Anhang finden sich Arbeitsmaterialien und Prüfungsfragen. Die PDF-Version des Buchs ist über einen Download-Code verfügbar.

Inhalt

Teil I Grundlagen

Kapitel 1: Motivationspsychologie für die Psychotherapie stellt motivationspsychologische Grundlagen wie verschiedene Ebenen der Verhaltenssteuerung, exemplarische Motivationstheorien und Phasenmodelle motivierten Handelns dar. Zudem wird die besondere Bedeutung von Zielen für die Therapiemotivation betont.

Kapitel 2: Der motivierende Psychotherapeut – Kernelemente einer motivierenden Beziehungsgestaltung will den Aufbau und die Aufrechterhaltung von Therapiemotivation als Aufgabe von Psychotherapeutinnen und -therapeuten verstanden wissen. Hier werden förderliche Therapeutenvariablen oder Verhaltensweisen beschrieben, die eine positive Wirkung auf die Motivation der Klienten haben bzw. grundlegende Bedürfnisse von Patientinnen und Patienten berücksichtigen.

Teil II Praktische Therapietechniken

Das kurze Kapitel 3: Einführung in die Fallbeispiele leitet in den zweiten Teil ein, in dem die Fallbeschreibungen eines Patienten und einer Patientin ausgeführt sind. Diese werden in den Folgekapiteln durchgehend aufgegriffen, was eine anwendungsbezogene Vermittlung der Techniken ermöglichen soll.

Auch Kapitel 4: Motivationsanalyse – Wo steht der Patient? kommt eine einführende Funktion für den gesamten Teil II der Publikation zu. Es wird ein Entscheidungsbaum beschrieben, dessen Stationen (z.B. Veränderungsbereitschaft, Motivklärung) mit einzelnen Inhalten der Folgekapitel korrespondieren.

Kapitel 5: Grundlegende Gesprächsführungsstrategien und -techniken ordnet bekannte Kommunikationsregeln wie offene Fragen, reflektierendes Zuhören oder würdigende Kommentare dem Thema Therapiemotivation zu.

Kapitel 6: Bewusstmachung eigener Werte und Motive führt in konkrete Methoden ein, die Werte und Grundmotive eines Patienten oder einer Patientin erfassen lassen. Für dieses Kapitel liegen besonders viele Arbeitsmaterialien im Anhang vor.

Kapitel 7: Ambivalenz bearbeiten – der Weg zur Entscheidung stellt in einem vergleichsweise umfangreichen Kapitel Strategien für die Thematisierung von Argumenten für und gegen Veränderung und für die Aufarbeitung von Dissonanzen in der therapeutischen Beziehung vor.

Kapitel 8: Finden und Formulieren von Therapiezielen fokussiert die Bedeutung von Makrozielen für eine allgemeine Ermächtigung des Patienten oder der Patientin. Sie sind vor allem für die Ableitung von Mikrozielen im Verlauf der Therapie sowie für die Analyse von Zielkonflikten wichtig.

Kapitel 9: Die laufende Motivierung und Motivationsprüfung vermittelt die Aufrechterhaltung von Motivation im Therapieverlauf durch die kontinuierliche Durchführung der in früheren Kapiteln beschriebenen Verfahren. Diese werden idealerweise zunehmend von dem Patienten oder der Patientin angewandt und in den Alltag übertragen.

Diskussion

Die Publikation von Noack und Beiling gefällt durch eine hohe Anwendungsorientierung, die sich in Fallbeispielen und Gesprächsprotokollen, einer großen Anzahl an Methoden, Techniken und unmittelbar einsetzbaren Arbeitsmaterialien für das Thema Motivationsförderung zeigt. Die Positionierung der Autoren, Veränderungsmotivation nicht als Voraussetzung, sondern als integralen Bestandteil der Psychotherapie anzusehen, wird auf diesem Wege glaubhaft vermittelt. Wichtig erscheinen Noack und Beiling zudem, die Rolle der Therapeutin bzw. des Therapeuten und einer motivierenden Gesprächsführung hervorzuheben und diese Aspekte von Therapie in Handlungskonzepten und kurzen Therapieprotokollen transparent werden zu lassen. Bei der Auswahl der Methoden setzen die Autoren zudem auf einen integrativen Ansatz, verbinden also Methoden unterschiedlicher theoretischer Ausrichtungen.

Für die Adressatengruppe der Psychologinnen und Psychologen halte ich den Teil I über Grundlagen besonders im Falle der Motivationstheorien in Kapitel 1 mit 10 Seiten für zu knapp und zu wenig pointiert geraten. So fehlt beispielsweise die elaborierte Selbstbestimmungstheorie, die bereits auf den klinischen Kontext übertragen wurde, oder die grundlagenorientierte Beschäftigung mit Motivationsproblemen wie Widerstand, Rückfall oder Therapieabbruch. Zudem finden in Teil II nicht nur Methoden oder Verfahren aus dem Spektrum der Verhaltenstherapie Erwähnung, sondern – wie als integrative Psychotherapie auch angekündigt – Vorgehensweisen, die theoretisch in der Personzentrierten Psychologie, der Tiefenpsychologie oder in systemisch-konstruktivistischen Theorien fundiert sind. Hier wäre eine Begründung einer integrativen Vorgehensweise hilfreich, damit therapeutisches Handeln nicht als reine Praxeologie erfolgt.

Fazit

Das Buch ermöglicht einen eingängigen Überblick über Motivationsdiagnostik und Motivationsförderung als Teil von Psychotherapie. Durch die hohe Anwendungsorientierung werden Psychotherapeutinnen und -therapeuten in Ausbildung durch Techniken und Materialien in ihrer professionellen Handlungskompetenz unterstützt. Interessant ist die Publikation auch für andere Berufsgruppen wie Professionelle in der Klinischen Sozialarbeit oder in Zwangskontexten, wenn der Aufbau von Veränderungsmotivation eine größere Herausforderung darstellt als in klassischen Therapiesettings.


Rezensentin
Prof. Dr. Veronika Verbeek
Dipl.-Psychologin, Psychologische Psychotherapeutin, Fach- und Hochschullehrerin
Homepage www.hs-koblenz.de/profile/verbeek/
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Zitiervorschlag
Veronika Verbeek. Rezension vom 12.07.2019 zu: Rene Noack, Peter Beiling: Motivationale Methoden. Techniken der Verhaltenstherapie. Beltz Verlag (Weinheim, Basel) 2019. ISBN 978-3-621-28562-9. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/25633.php, Datum des Zugriffs 23.10.2019.


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