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Michael Hübler: New work

Cover Michael Hübler: New work. Menschlich - demokratisch - agil : wie Sie Teams und Organisationen erfolgreich in eine digitale Zukunft führen. WALHALLA Fachverlag / metropolitan Verlag (Regensburg) 2018. 327 Seiten. ISBN 978-3-96186-016-6. D: 29,95 EUR, A: 29,95 EUR.
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Thema

Der Autor ist studierter Diplompädagoge bzw. Erziehungswissenschafter an der Uni Bamberg. Ihm ist es wichtig, das Thema Agilität so auszufalten, dass es mit Digitalisierung verbunden bleibt und stellt zwei weitere Themen: Demokratie und Ethik.

Aufbau und Inhalt

Am Beginn der Reise durch die Agilität unternimmt der Autor in Kapitel 1 den Versuch, das agile Denken zu erläutern und die Zusammenhänge mit der Digitalisierung darzustellen. Menschlichkeit und Digitalisierung – verbunden mit Schattenseiten – sind für den Autor die weiteren Zutaten, um dann auf agil-demokratische Werte und den digital-transparenten Mitarbeiter zu kommen. Selbstorganisation will gelernt sein und so bietet der Autor mit seiner 4R-Methode (Rollen, Richtlinien, Rituale, Regeln) Unterstützung zur Teamentwicklung an. Im Zuge einer (wiederkehrenden) Reflexion bietet er in der Folge eine Reflexion der Rahmenbedingungen an (stabilisierende und hemmende Faktoren, demokratische Strukturen, 4R der Zukunft) und versucht Menschlichkeit mit New Work zu verbinden.

Im zweiten Kapitel stellt er ein agital-demokratisches Mindset als Rahmenmodell vor. Er geht von den Evolutionsstufen von Organisationen aus, um dann von der Vergangenheit in die Präsenz der Gegenwart zu kommen. Hier faltet er die fünf Bausteine eines agil-demokratischen Mindsets aus: eine moderne Führungskultur, kollaborativ und feedbackoffen, Etablieren einer fehlerfreundlichen Lernkultur, Einführen von Wissensmanagement-Tools und flache Hierarchien und dezentralisierte Entscheidungsstrukturen. Im Buch schließt sich hier ein Crashkurs „Kulturveränderung“ an, um dann auf die Lenkung der richtigen Hebel im Bereich der indirekten Lenkung und den Kunden als strategischen Feedbackgeber zu kommen. Hier werden Kundeninteressen, agitale Prozesse und Prozessentschlackung kurz thematisiert.

Das Kapitel 3 ist den Führungskräften im Spannungsfeld gewidmet. Der Autor startet mit den Folgen der Digitalisierung, geht dann auf Führungsfragen ein und vertieft sich dann in Führungshaltungen. Diese bieten Orientierung und sind wiederum ein Schritt zum Selbstmanagement. Dazu kommt noch das Thema „Vertrauen und Kontrolle in digitalen Zeiten“, wobei es um das Vertrauen in Entwicklungen (nicht in Menschen) geht. Schließlich knüpft daran das Thema Transparenz da. Die Rolle der Führungskraft als Gastgeber und Ermöglicher führt dann auch zur U-Theorie. Schließlich beschreibt der Autor noch das Konzept der Mikroleaderships und spricht mit Leitfragen die Themen Motivation, Entscheidungsfindung und Selbstständigkeit sowie Balance, Konflikte und Stressmanagement an.

Das Kapitel 4 ist übergetitelt mit „Feedback statt starrer Ziele“. Feedback ist der zentrale Baustein agilen Denkens und fördert das Selbstmanagement der Mitarbeiter. Schließlich kommt der Autor im Kapitel 5 auf „Gamification statt Fehlermanagement“. Es beginnt beim Probehandeln und einem Aufruf zu weniger planen, geht zu spielerischen Feedbacksystemen und zum epischen Rahmen als Bindungskitt. Wenig überraschend kommt dann auch das Design Thinking und damit Personas sowie Prototypen. Als ein Exkurs dazu wird die Krefa-Methode, gefolgt von Appreciative Inquiry und Storytelling dargestellt.

Mit Vernetzung und Wissensaustausch wird das Buch im Kapitel 6 weitergeführt, gefolgt von Connectivity wertebasierten Entscheidungen. Komplexität erfordert mutige und provokante Führungskräfte sowie Kooperationen als soziale Basis von Agilität. Dazu geht der Autor auf die digitale Komponente von Kooperationen und in der Folge auf den Nutzen von Weblogs und Wikis ein. Mit soziokratischen Strukturen wird im Kapitel 7 das Selbstmanagement der MitarbeiterInnen gefördert. Besonders interessant wären hier die Entscheidungsthemen wie Aufgabenautonomie oder Urlaubsplanung bis hin zu Stellenprofilen. Dazu kommen im zweiten interessanten Themenbereich „Entscheidungsplattformen und -tools“ in mehreren Punkten: Open-Space-Veranstaltungen, das Berater-Modell als verbindliche Entscheidungsregel, Arbeiten mit Canvas, Rollen- und Aufgabenverteilungen sowie Auslastungs- und Vertriebspläne, der agile Aufgabenplan, den Führungsmonitor. Schließlich folgt auch noch das systematische Konsensieren. Mit einem Fragebogen zur agil-demokratischen Organisationsentwicklung und einem Zwischenfazit schließt dieses Kapitel mit einer Übersicht zu Partizipationsgraden.

Das Kapitel 8 trägt die Überschrift „Die agital-demokratische Transformation“, wobei im ersten Abschnitt ein Drei-Schritte-Plan im Mittelpunkt steht, gefolgt vom ethischen Rahmen und der Umsetzung der Erkenntnisse im Rahmen von Transformations-Workshops. Dabei geht es um die Veränderung der Unternehmenskultur, die Integration der Digitalisierung sowie die Kundensicht. Dass dies nicht mit einem Workshop getan ist, zeigt sich in den Ausführungen zum Weg zur agitalen Führungskultur sowie zur Entwicklung der MitarbeiterInnen selbst. Die Vernetzung der Workshop-Ideen sowie deren Umsetzung sind weitere wesentliche Punkte, wobei dem Umgang mit Widerständen Platz eingeräumt wird. Eine relativ aktuelle Literaturliste ergänzt das vorliegende Werk.

Fazit

Als wissenschaftlich ausgerichteter Leser bietet mir dieses Buch einen globalen Überblick zum Thema „NewWork“ bzw. agile Organisation. Auch das Thema Digitalisierung wird immer wieder angesprochen und man bekommt den Eindruck, dass es – bei allen zu berücksichtigenden Nebenwirkungen – nicht mehr ohne die unterstützenden digitalen Werkzeuge geht. Insgesamt ermöglicht der Autor eine logisch aufgebaute Einführung zum Thema, die allerdings manchmal zu Lasten des (theoretischen) Tiefgangs geht. So wäre für mich als Betriebswirt insbesondere der Prozess der Einführung der agilen Organisation in alten Strukturen von besonderem Interesse gewesen. Gleiches gilt für mögliche Veränderungen der Arbeitsinhalte der MitarbeiterInnen und die Entlohnung der neu entstehenden bzw. sich wandelnden Arbeitsplätze. Noch mehr Zitate als Orientierungshilfe und Wegweiser für den interessierten Leser bzw. die hilfesuchende Führungskraft wären hilfreich und wünschenswert.


Rezensent
Prof. Dr. Paul Brandl
Studiengang Sozial- und Verwaltungsmanagement (SVM). Masterstudiengang Services of General Interest (SGI). Koordinator des Studiengangs Sozialmanagement. FH OÖ-Studienbetriebs GmbH, Campus Linz
Homepage www.fh-ooe.at
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Zitiervorschlag
Paul Brandl. Rezension vom 10.07.2019 zu: Michael Hübler: New work. Menschlich - demokratisch - agil : wie Sie Teams und Organisationen erfolgreich in eine digitale Zukunft führen. WALHALLA Fachverlag / metropolitan Verlag (Regensburg) 2018. ISBN 978-3-96186-016-6.
Inhaltsverzeichnis bei der DNB In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/25645.php, Datum des Zugriffs 24.07.2019.


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