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Alexandra David, Michaela Evans u.a. (Hrsg.): Migration und Arbeit

Cover Alexandra David, Michaela Evans, Ileana Hamburg, Judith Terstriep (Hrsg.): Migration und Arbeit. Herausforderungen, Problemlagen und Gestaltungsinstrumente. Verlag Barbara Budrich GmbH (Opladen, Berlin, Toronto) 2019. 415 Seiten. ISBN 978-3-8474-2161-0. D: 33,00 EUR, A: 34,00 EUR.
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Thema

Die Entwicklung des deutschen Arbeitsmarktes wird zunehmend von Migration beeinflusst. Die Zuwanderung nach Deutschland hat in den letzten Jahren deutlich zugenommen. Der vorliegende Sammelband aus dem Institut Arbeit und Technik (IAT/Westfälische Hochschule) thematisiert den Zusammenhang von Migration und Arbeit. Die AutorInnen des Bandes weisen darauf hin, dass das Thema Migration und Arbeit bislang zumeist als Querschnittsthema behandelt wurde. Die Herausforderungen der derzeitigen Fluchtbewegungen nach Europa weisen jedoch nicht zuletzt darauf hin, dass das Thema stärker als eigener Zusammenhang in den Fokus der Forschung rücken sollte. Der vorliegende Sammelband thematisiert die Herausforderungen und Gestaltungsmöglichkeiten des Zusammenhangs von Migration und Arbeit für die Politik in Deutschland.

Herausgeberinnen

Dr. Alexandra David, Michaela Evans, Dr. Ileana Hamburg und Judith Terstriep arbeiten an der Westfälischen Hochschule, Institut Arbeit und Technik (IAT), Gelsenkirchen

Aufbau und Inhalte

Das vorliegende Buch greift zentrale Aspekte auf, die für eine qualifizierte Betrachtung des Themas „Migration und Arbeit“ von Bedeutung sind. Das Buch gliedert sich in die folgenden sieben Teile:

  • Einführungsartikel
  • Governance Ebene
  • Regionalökonomische Perspektive
  • Betriebliche Ebene
  • Befähigung und Kompetenzentwicklung
  • Europäische Ebene
  • Abschlussartikel

Im Einführungsartikel „Selektivität und Mehrdeutigkeit in Arbeitskulturen. Gestaltung der Arbeitswelt für Flüchtlinge“ geben die AutorInnen einen allgemeinen Überblick über die Flüchtlingsbewegung der Jahre 2015/16 nach Deutschland.

Der erste Teil der Arbeit ist der Governence Ebene gewidmet. Matthias Knuth eröffnet die Diskussion und zeigt in seinem Beitrag „Willkommenskultur ohne Willkommensstruktur. Fluchtmigration als Stresstest für die Integrationsfähigkeit des deutschen Bildungs- und Erwerbssystems“, dass der „Willkommenskultur“ in Deutschland eine fehlende „Willkommensstruktur“ gegenübersteht. Im Beitrag von Reiner Siebert „Der steinige Weg zur beruflichen Integration. Was Ankommensgeschichten von Zugewanderten über Fachkräftebedarfe und Integrationsverläufe erzählen und was wir daraus lernen (können). Ein Bericht aus der Praxis des Integrationsbüros im DGB-Haus Duisburg“, der kein Ergebnis einer wissenschaftlichen Studie ist, wird anhand eines Praxisberichts des Integrationsbüros Duisburg der „steinige Weg zur beruflichen Integration“ nachgezeichnet. Simon Goebel betrachtet in seinem Beitrag „Push back und pull down. Arbeit als Steuerungsinstrument der Asylpolitik“ Arbeit als Steuerungsinstrument der Asylpolitik.

Im zweiten Teil des Bandes Regionalökonomische Perspektive“ wird der Fokus auf die regionalökonomische Perspektive vonArbeit und Migration gelegt. Der Beitrag von Alexandra David, Toufic El Masri und Judith Terstriep „Migrantisches Unternehmertum als regionaler Wirtschaftsfaktor. Das Hamburger Beispiel“diskutiertdie Bedeutung migrantischen Unternehmertums – in Abgrenzung zu „Migrantenökonomie“ und „ethnischen Unternehmertum“. Der Beitrag von ÖzlemYildiz „Erfolgreich in einer prekären Branche? Über die Arbeit im Friseurhandwerk“ nimmt eine »prekäre Branche« in den Blick und befasst sich dem Einfluss politisch-institutioneller, sozialer und ökonomischer Kontextfaktoren auf die Prekarisierung von MigrantInnen sowie Frauen in der Friseurbranche.

Der dritte Teil des Bandes befasst sich mit der betrieblichen Ebene von Arbeit und Migration. Im Beitrag von Svenja Jambo und Sarah Pierenkemper „Integration von Geflüchteten in den Arbeitsmarkt. Erfahrungen und Unterstützungsmaßnahmen“ werden die unternehmerischen Erfahrungen und Unterstützungsmaßnahmen zur Arbeitsmarktintegration Geflüchteter thematisiert. Im Beitrag werden Integrationserfahrungen aufgezeigt, Stolpersteine bei der Qualifizierung sowie Anreize für eine aktive Beteiligung von Unternehmen an Integrationsmaßnahmen identifiziert. Die AutorInnen weisen darauf hin, dass die Integration von Geflüchteten in den Arbeitsmarkt Deutschland vor eine große Herausforderung stellt. Der Beitrag wirft einen Blick auf die unternehmerischen Möglichkeiten der Beschäftigung Geflüchteter sowie vorhandene öffentliche Unterstützungsmaßnahmen. Anja Kramer und Janine Lindemann gehen in ihrem Beitrag „Die Rolle der Kindertagesstätte für spätere Bildungs- und Erwerbschancen“ der Frage nach, welche besondere Funktion soziale Dienstleistungsarbeit und die Arbeit pädagogischer Fachkräfte in Kitas für gelingende Integrationsprozesse, für Teilhabe und spätere Erwerbschancen haben. Die AutorInnen betonen, dass es in Deutschland nach wie vor zu wenig gelingt, die Verknüpfung von sozialer Herkunft und beruflichen Chancen herzustellen.

Der vierte Teilwidmet sich der Befähigung und Kompetenzentwicklung. Es wird damitdie Idee aufgegriffen, dass die Arbeitsmarktintegration von MigrantInnen verstärkt auf der individuellen Ebene ansetzen soll. Im Beitrag von Susanne Lochner, Dominik Huber, Sonja Haug, Amelie Altenbuchner und Edda Currle „Ressourcen, Erfahrungen und Ziele von Asylsuchenden. Herausforderungen für die Integration in den Ausbildungs- und Arbeitsmarkt“ wird die arbeitsmarktpolitische Diskussion um Ressourcen, Erfahrungen und Ziele Asylsuchender aufgegriffen. Im Beitrag von Kristin Hecker, Thomas Schley, Andreas Fischer, Wolfgang Wittig und Iris Pfeiffer „Erfassung beruflicher Kompetenzen von Migrantinnen und Migranten sowie Geflüchteten. Kriterien und Vorgehen bei der Konstruktion eines computerbasierten Kompetenztests“ steht die Kompetenzerfassung von MigrantInnen und Geflüchteten. Im Beitrag von Maria Kleverbeck und Judith Terstriep „Soziale Innovationen. Neue Formen der Arbeitsmarktintegration von Menschen mit Migrationshintergrund“ wird für soziale Innovationen als neues Instrument der Arbeitsmarktintegration von Menschen mit Migrationshintergrund plädiert. Der Beitrag von Silke Steinberg, Marie Jégu und Rüdiger Klatt „Empowerment und kollaborative Wertschöpfung. Überlegungen zu einem postindustriellen Paradigma der Arbeitsintegration“ identifiziert neue Bedarfe der Arbeitsmarktintegration in Nordrhein-Westfalen sowie institutionellen und organisatorischen Wandel als Ergebnis der Zuwanderung. Der Beitrag von Denise Becka, Ileana Hamburg und Laura Schröer „Digitale Bildungsprogramme als Schlüssel zur Integration. Gestaltungsmöglichkeiten zur Verbesserung der Arbeitsmarktchancen von jungen Menschen“ widmet sich den digitalen Bildungsprogrammen und betrachtet sie als neue Chance für die Integration auf Arbeitsmärkten und an Arbeitsplätzen.

Der fünfte Teil des Bandesnimmt die europäische Ebene in den Blick. Den Auftakt bildet der Beitrag von Eva Häfele „Arbeitszuwanderung und Fluchtmigration nach Vorarlberg. Neue Entwicklungen des Arbeitsmarkts“, der ein Bild der Arbeitszuwanderung und Fluchtmigration nach Vorarlberg (Österreich) sowie neuer Entwicklungen des Arbeitsmarktes zeichnet. Es wird betont, dass Vorarlberg nicht nur ein klassisches Industrieland sei, sondern zugleich Zielland für Arbeitsmigrantlnnen. Der Beitrag berichtet über erfolgreiche Maßnahmen der Arbeitsmarktintegration. Der Beitrag von Alexandra David, Judith Terstriep und Anna Barwińska-Matajowicz „Brexit und seine Folgen für die europäische Migration. Empowerment als mögliche Antwort? (Eine Reflexion)“ widmet sich dem Brexit-Referendum vom Juni 2016 und seinen Folgen, die Europa erschütterten und dabei einen wunden Punkt trafen, die europäische Arbeitnehmerfreizügigkeit und die eng damit verbundene EU-Binnenmigration.

Im Abschlussartikel von Massimiliano Livi „Von und/oder mit der Geschichte Lernen. Paradigmen und Methoden der Geschichtswissenschaft für die Erforschung von Migration und Arbeitsmarktintegration seit den 1970er Jahren“ wird insbesondere darauf hingewiesen, dass das Thema Migration durch die aktuellen, teilweise epochalen Migrationsbewegungen der letzten zwei Jahrzehnte in der politischen EU-Debatte gewonnen hat. Hier wird das Thema „Arbeit und Migration“ aus historischer Perspektive betrachtet.

Zielgruppe

Das Buch richtet sich an Interessierte aus der sozialwissenschaftlichen Forschung und der mit Migration befassten Praxis.

Fazit

Im vorliegenden Sammelband wird der Versuch unternommen, sich der Thematik „Migration und Arbeit“ zu widmen. Dabei werden gelungene Wege der Arbeitsmarktintegration und der Integration durch Arbeit aufgezeigt und offene Gestaltungsherausforderungen thematisiert. Der Band nimmt die jüngsten Migrationsbewegungen zum Anlass, das Thema „Migration und Arbeit“ aus interdisziplinären zu reflektieren. Hier werden bekannte und neue Herausforderungen, Problemlagen und Chancen betrachtet und zukunftsorientierte Gestaltungsempfehlungen abgeleitet. Die wichtige Bedeutung von Arbeit für Teilhabe und Integration von MigrantInnen wird mit Blick auf die Entwicklung in Deutschland herausgestellt. Außerdem werden die Barrieren aufgezeigt, mit denen sich Zugewanderte in Deutschland konfrontiert sehen und mit denen der früheren Migrationsgenerationen verglichen.

Der Sammelband ist gut gegliedert und strukturiert, was einen angenehmen Eindruck beim Lesen vermittelt. Es ist den AutorInnen zweifellos gelungen, das Thema „Migration und Arbeit“ praxisnah und praxisrelevant darzulegen.

Zweifelsfrei ist das Buch für die Forschende der Sozialwissenschaften und mit Migration befasste Praxisvon großer Bedeutung, denn es geht darum, wie die Bewältigung von Zuwanderung im Sinne erfolgreicher Integration gestaltet werden kann. Die lokale Arbeitsmarktintegration ist dabei ein zentraler Faktor. Es werden von den AutorInnen Vorschläge für die praktische Integrationsarbeit, Forschungsperspektive, aber auch Appelle an die politischen Rahmenbedingungen (insb. politische Instrumentarien) dargestellt und erläutert.


Rezensentin
Dr. Olga Frik
Finanzuniversität Omsk, Russische Föderation. Ehemalige Lehrbeauftragte und Gastwissenschaftlerin an der Leibniz-Universität Hannover
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Zitiervorschlag
Olga Frik. Rezension vom 14.11.2019 zu: Alexandra David, Michaela Evans, Ileana Hamburg, Judith Terstriep (Hrsg.): Migration und Arbeit. Herausforderungen, Problemlagen und Gestaltungsinstrumente. Verlag Barbara Budrich GmbH (Opladen, Berlin, Toronto) 2019. ISBN 978-3-8474-2161-0. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/25652.php, Datum des Zugriffs 07.12.2019.


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